Dienstag, 31. Dezember 2013

Lick - Bleached (EP)

Band: Lick
Album: Bleached (EP)
Spielzeit: 22:41 Minuten
Plattenfirma: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: Dezember 2013 
Website: www.licktheband.com

Wertung: 9 von 10

Tracklist:

- Lies, Lies, Lies
- Mr. Moonlight
- Sweet Regret
- Lightshiner
- No Man Left Behind

I'm really impressed! Dass die grenzdebil-, ­dauergrinsende Frau Antje so einen Kracher unter ihrer Haube verborgen hält, hätte ich nie erwartet! Vor einem Jahr habe ich das full length Debüt "Mount Rock" vorgestellt (erschien in Eigenregie, November 2012) und nun hauen die sympathischen Tulpenschlachter eine EP heraus, die jedes Goudarad eckig werden lässt!!!

Die Jungs aus Deventer haben sich, zur Verstärkung, einen weiteren Gitarristen in die Band geholt, kräftig an neuem Material gearbeitet und ihren Sound einen enormen Schub in Richtung authentischen und erdigen Hardrock verpasst, wie er sehr gerne, Mitte der '70er, aus den heimischen Anlagen dröhnte. Auch die ganzen Konzerte mit VANDERBUYST, KEEL, Y&T und UFO dürfte die Jungs nachhaltig beeinflusst und motiviert haben, ihren Sound in eine noch basischere Gesamtausrichtung zu modifizieren.
LICK bestehen aus:

Nolle Groen - Vocals
Richell Overink - Gitarre
Max Augustijn - Gitarre
Stijn Hovens - Bass
Beinte Groen - Schlagzeug

Die erste, selbst betitelte EP und das Debüt "Mount Rock" boten erdigen Hardrock, mit Einflüssen wie AC/DC, GUNS 'N' ROSES und WHITESNAKE, der durch einen tollen Leadsänger und einigen starken Gitarrenparts gefallen konnte. Das Einzige, was ich zu beklagen hatte, waren die leichten Schwächen beim Songwriting. Manche Songs auf "MR" waren mir einfach zu lang ausgefallen und forderten ein wenig die Geduld des Hörers. Anscheinend haben LICK dies, im Nachhinein, ähnlich empfunden, denn diese sind auf "Bleached" nicht mehr zu finden. Die fünf Classic- / Hardrock Songs sind sehr kompakt, wuchtig und auf den Punkt genau komponiert. Die Vorliebe für LED ZEPPELIN und anderen Blues-orientierten Rockbands schimmert durch und die Niederländer bringen diese, mit, den vorhandenen, Hardrock - Roots, verdammt professionell und wohlklingend in Verbindung. Das Material klingt zwar sehr oft nach alten und glorreichen Zeiten, ist aber zu keiner Sekunde altbacken. Die Holländer gehen frech und voller frische ans Werk, besitzen viele gute Ideen und ein gutes Verständnis für das Arrangieren von eigenständigen Songs, sodass sich nie wirklich ein negativer, kopierender Retromief im Songwriting festsetzen kann.

Man hört der EP an, dass die Band mehr zusammengewachsen ist und sich noch weiter verbessert hat. Nolle's Gesang hat deutlich an Charisma, Kraft und Vielseitigkeit dazugewonnen, dabei war seine Leistung auf dem Erstling nicht von schlechten Eltern. Richell und Max (neu im Bandgefüge) harmonieren prächtig und überzeugen durch ihr originelles Spiel. Stijn und Beinte verpassen dem groovigen Material mächtig viel Druck und agieren ungewöhnlich variabel.

Beim Opener "Lies, Lies, Lies" geht gleich mächtig die Rock-Lok los. Das Gitarrenduo erinnert stark an eine Kreuzung zwischen '70er Jahre Rock und britischen Hardrock der frühen '80er Jahre , welches sich mit der Mischung ein kleines, internes und verdammt gelungenes Duell liefert. Nolle singt wieder komplett unverkrampft und lässt sich zu manchen hohen Screams hinreißen. Insgesamt ist der Opener ein verdammt rotziger Hardrocker, der zwar einen Hauch von Retro versprüht und trotzdem komplett zeitgemäß aus den Boxen kommt. Sehr starker Opener, der einfach begeistert und zum Abrocken einlädt. "Mr. Moonlight" geht da schon zwei bis drei Schritte zurück, in die Classic Rock Richtung, und lässt auch einige sehr feine, vom Southern Rock inspirierte Soundfragmente erkennen. Echt steil kommt die Leichtigkeit, mit der die Gitarristen aufspielen. Gesang, Backings + die Melodie fressen sich  im Ohr fest. Der Track hat definitiv das Potenzial sich zum Ohrwurm zu entwickeln. Mit dem folgenden "Sweet Regret" wird das fulminante Finale eingeleitet. LICK hinterlassen eine zutiefst beeindruckende Visitenkarte, in Richtung der momentanen besten Classic Rock Formation, ELDORADO. Ähnlich stark, wie die Spanier, hauen sie, mit dem Song und den letzten beiden Titeln "Lightshiner" und "No Man Left Behind", bärenstarke, kernige Hardrocker heraus, die vor Schweiß und Rotz nur so stinken. Das Flugschiff wird elegant, mit einem sleazigen Unterton, angereichert, die Gitarrenarbeit erinnert an eine Melange aus bluesig inspirierten LUFTSCHMIEDEN + GUNS 'N' ROSES meets GREAT WHITE und den letzten Retro-Touch verleiht Nolle, durch seinen hervorragenden Gesang. Besonders der wuchtige und enorm groovende Rausschmeißer zeigt auf, dass sich das Quintett zu einer wirklich ernst zu nehmenden und starken Rockband entwickelt hat.

Wer auch nur ein bisschen eine Affinität zum Classic Rock besitzt, sollte sich tunlichst diesen 5 Tracker sichern! Die Songs beflügeln einfach und machen wahnsinnig viel Laune - und das ohne Konsumierung von Kräuterzigaretten!!!
LICK's neue EP ist, für mich persönlich, eine EXTREM positive Weiterentwicklung und sollte, für die Band, ein toller Door-Opener sein. Weiter unten könnt Ihr in die Sahneschnitte reinhören und auch bestellen. Die paar Schleifen ist der Output DEFINITIV wert!!!

"Bleached" kann ich, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, nur empfehlen.

Ich freue mich schon auf die nächste Scheibe aus dem Hause der sympathischen Band!

Das sind 9 Tulpen aus Amsterdam!

Götz

Sonntag, 29. Dezember 2013

Julian Angel's Beautiful Beast - Das Oberbiest stellt die Tracks des neuen Albums "Kick Down The Barricades" (Release 24.1.14) vor

Es muss so ungefähr vor 6 Jahren gewesen sein, als ich im Internet nach neuen und unbekannteren Heavy Rock Formationen ausschau hielt und auf ein CD Cover stieß, dass irgendwie mein Interesse weckte. Nicht dass es besonders spektakulär gestaltet gewesen wäre, es war eher die schlichte Gestaltung und aus dem Stern, der in der Mitte der Frontgestaltung platziert war, schaute ein langhaariger Blondschopf mit einem Cowboyhut auf der Rübe, den interessierten Rockfan an. Ich wagte den Blindkauf und war angenehm überrascht, was da aus meiner Anlage tönte fand ich recht fein. Moderner, sleazy Heavy Rock mit einer sehr coolen Gitarrenarbeit und einigen verwaisen in Richtung Tommy Lee's Soloaktivitäten.
Ich hatte schnell recherchiert, dass es sich bei Julian Angel um einen süddeutschen Musiker handelt, und suchte mir einen Ast, nach dem Debüt "www.angel-rock.com, ab. Erst 2012 erlöste mich Julian von meiner Suchaktion und sendete mir die Scheibe, als MP3 Album zu - ich bin natürlich nicht auf die Idee gekommen, ihn direkt zu fragen!! 

Die Jahre vergingen, "Choreography Sucks" drehte sich immer wieder gerne im Player, und irgendwie wuchs in mir das Verlangen nach mehr Mucke aus dem Hause des singenden Gitarristen. Also durchstöberte ich Bandcamp nach neuem Futter und stieß auf JULIAN ANGEL'S BEAUTIFUL BEAST. "Adult Oriented Candy" (2011) ist ein unverfälschtes und straightes Heavy Rock Album, dass allen Liebhabern von DOKKEN, DEF LEPPARD, MÖTLEY CRÜE und RATT zusprechen sollte. Neben Julian glänzen Frank McDouglas (Bass) und Roland 'Ro Lee' Jahoda (Schlagzeug) auf dem formidablen Debüt. Mich überzeugte das Dingen und ich ließ mich - naiv und nicht ahnend, wie ich war, denn ich konnte ja nicht vorhersehen, was der Bengel zukünftig noch alles zu bieten hat - zu einer 9er Wertung hinreißen! 
Der Muliinstrumentalist und Produzent feuerte im letzten August gleich das nächste Hammerteil, in Form von "California Suntan", hinterher. Angel konnte seine Songwriterqualitäten noch einmal steigern und hat mit dem Zweitling, im Rockingboy, die Höchstwertung ergattert. Die Songs wurden noch ausgereifter arrangiert, die Melodien mit einem noch höheren Catchiness-Faktor versehen und ihm gelang es, sich einen ebenbürtigen Platz neben all den Leoparden, Giftigen und Ratten dieser Welt zu ergattern. Puren, unpeinlichen Hair Metal der Spitzenklasse bietet die Scheibe und darf in keiner Plattensammlung, des geneigten Heavy Rock Lunatic, fehlen.
Die "Schöne Bestie" scheint den Veröffentlichungsrhythmus von ungefähr 15 Monaten beibehalten zu wollen, denn am 24. Januar erscheint nun das dritte Werk "Kick Down The Barricades". Julian, Frank und Schlagzeuger Ramy Ali ist ein verdammt beeindruckender Cocktail aus dem Erstling und "California Suntan" gelungen, sprich den Hörer erwartet powervoller, US-geprägter Heavy Rock, mit sehr starkem Ohrwurm-Charakter und viel Eiern. Lasst Euch einfach überraschen und freut auf diese tolle Hair Metal Dosis.

Dreist, wie ich bin, habe ich Julian gebeten, uns etwas zu den einzelnen Stücken auf "Kick Down The Barricades" zu erzählen. Ganz Profi, wie er nun einmal ist, hatte ich schon einen Tag nach meiner Anfrage, seine Ausführungen zur Entstehung / seine eigenen Einschätzungen vorliegen.

Viel Spaß beim Lesen!!!
Bad Boys Never Dance
Der Song mit dem größten Metal Anteil auf dem Album. Er hat das klassische Gitarrenriff im Dokken- und Ratt-Stil und setzt sich genau genommen aus drei Songideen zusammen, die ich unabhängig von einander hatte, bis ich gemerkt habe, wie gut sie miteinander harmonieren. Textlich geht es über das allzu typische 'wir-passen-nicht-in-Deine-heile-Welt' Thema. Highlight ist für mich die Bridge.

Big Stuff
In mittlerweile typischer Beautiful Beast Manier folgt an zweiter Stelle der Groove Song. 'Big Stuff' ist der erste Song, den ich für das neue Album geschrieben und aufgenommen habe. Inspiration kam tatsächlich durch den Film 'Rock Of Ages' mit Tom Cruise. Ich hatte durch die Planung meiner MusicBiz Madness Konferenz gut vier Monate lang keine Songs geschrieben, geschweige denn aufgenommen. Der Film und der Song kamen genau rechtzeitig für mich.

Can't Stand The Fiction
Es gibt diese magischen Songwritingmomente, da setzt Du Dich hin, klimperst ein wenig und zehn Minuten später hast Du einen genialen Song fertig. 'Can't Stand The Fiction' ist einer meiner Favoriten. Sehr melodisch und trotzdem heavy genug. So muss Hair Metal für mich sein.

Shock 'Em Dead
Für mich die Sleaze Nummer schlechthin, ganz im Stil von Cats In Boots, L.A. Guns und Ratt. Es steckt viel Wut in dem Song, da ein paar Menschen den Tod meines Vaters genutzt haben, um meinem Bruder und mir ziemlich dreckig mitzuspielen. Aber wie immer hat mir der Rock and Roll erfolgreich zur Seite gestanden.

The Night Cries For You
Ich bin ein Balladenschreiber. Ich könnte wohl ein ganzes Album voller Balladen aufnehmen. Bei 'The Night Cries For You' gefallen mir besonders der fette Chor im Refrain und die, zugegeben, ziemlich geschmackvolle Akustikgitarre in der Strophe. Für mich ist im Hair Metal nämlich besonders wichtig, nicht nur einfach Akkorde zu schrammeln, sondern Riffs, Fills und Einzeltöne zu spielen.

Unsexy
Ein grooviger Song über ein paar junge Damen im Fitnessstudio, die hinter ihrer aufgestylten Fassade in Wirklichkeit fürchterlich prüde sind. Vielleicht auch ein Rückblick auf die 90er Jahre, als ich vergebens nach einer auftoupierten Frau mit High Heels und Ledermini gesucht habe. Cooler Groove, wie ich finde, und eine Breakdown Sektion mit Fingerpicking, auf die ich mächtig stolz bin.

Kick Down The Barricades
Schnelle Rocksongs laufen leicht Gefahr, belanglos zu klingen und dass am Ende außer des Tempos nichts wesentliches mehr übrig bleibt. Ich glaube, die Sache mit den Riffs im Kix Stil und ein paar Autograph inspirierten Melodien ganz gut in den Griff bekommen zu haben. Dieser Song hat wohl am längsten zu schreiben gedauert. Zuerst hatte ich den Chorus, dann eine Strophe, die schließlich als Bridge Verwendung gefunden hat, ehe mir viele Wochen später die endgültige Strophe dazu eingefallen ist. Gut Ding will Weile haben

Shake Me Back Home
Ich stehe auf diese Art Hair Metal Songs, in denen die Akustikgitarre sehr präsent ist. 'Coming Home' von Cinderella oder Mötley Crüe's 'Don't Go Away Mad' zum Beispiel. 'Shake Me Back Home' ist mein Akustiksong, der neben poppigen Melodien auch Westernflair und natürlich eine Portion Sleaze Rock enthält. Es hat viel Spaß gemacht, den Song im Studio zu arrangieren.

High On Love
Wohl das Lieblingsstückchen für die AOR-Fraktion. 'High On Love' war der zweite fertige Song des Albums und kommt insgesamt etwas sanfter herüber als der Rest des Albums. Ursprünglich war ein Klavier für das Intro angedacht gewesen, doch nachdem auf dem gesamten Album keine Keyboards zu hören sind, habe ich den Intropart kurzerhand mit der Gitarre gespielt.

Six In The Red
Wer die zwei anderen Beautiful Beast Scheiben und mein Soloalbum kennt, weiß um meine Vorliebe für Texte über Hollywood Schlampen Solch ein Thema durfte natürlich auch auf 'Kick Down The Barricades' nicht fehlen. 'Six In The Red' hat nicht nur wegen der Blödeleien in Intro und Outro viel Spaß gemacht.


Falls Ihr JULIAN ANGEL'S BEAUTIFUL BEAST noch nicht kanntet und jetzt neugierig geworden seid, freut Euch auf den 24. Januar 2014 und holt Euch diesen Hammer. Auch Rockfans, die mit dem Material der Formation vertraut sind, sollten hier unbedingt zugreifen, denn mit der Scheibe dürfte ein Genre - Highlight 2014 auf uns zukommen.

Ein riesiges DANKESCHÖN möchte ich gerne an Julian richten, der so spontan und schnell reagiert hat!!! U Rock!

Götz

Montag, 23. Dezember 2013

The Fabulous Thunderbirds - What's The Word


Band : The Fabulous Thunderbirds
Album : What's The Word
Spielzeit : 45:21 Min.
Veröffentlichung : 27.09.2013 (1980)
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.repertoirerecords.com/artists/fabulous-thunderbirds-the

Wertung : 7 von 10

Trackliste : 
  1. Runnin' Shoes
  2. You Ain't Nothin But Fine
  3. Low-Down Woman
  4. Extra Jimmies
  5. Sugar Coated Love
  6. Last Call For Alcohol
  7. The Crawl
  8. Jumpin' Bad
  9. Learn To Treat Me Right
  10. I'm A Good Man (If You Give Me A Chance)
  11. Dirty Work
  12. That's Enough Of That Stuff
  13. Los Fabulous Thunderbirds - Bonus
  14. Look Watcha Done - Bonus
  15. Please Don't Lie To Me - Bonus
  16. Introduction Of Band By C-Boy, Bottom Line, Austin / Bad Boy (Live)- Bonus
  17. The Crawl (Live) - Bonus

Das zweite Album der Fabulous Thunderbirds, What's The Word, erschien im Mai 1980, nachdem die vier Texaner die Messlatte mit dem ein Jahr zuvor erschienenen Girls Go Wild ziemlich hoch gelegt hatten. Natürlich wollte die Band die hohe Erwartungshaltung der Fans erfüllen, unglücklicherweise hielt sich das öffentliche Interesse, insbesondere das der Musikpresse, aber sehr zurück. 
Sämtliche Antennen waren Anfang der Achtziger eben auf neue, frische Musikrichtungen wie New Wave, Post-Punk oder Heavy Metal, aber eben nicht auf Bluesrock ausgerichtet. So ernteten die Thunderbirds auf ihrer 30 Gigs umfassenden Europatour als Opener für Dave Edmunds und Nick Lowe's Rockpile zwar Abend für Abend tolle Publikumsreaktionen ob ihrer gekonnten Liveshow, dafür aber umso schlechtere Pressereaktionen.  
Kim Wilson merkte Jahre später an: "Those guys were incredible. They had these fantastic shows and the next day in the paper you'd see horrible articles about them."

Hinzu kam, daß sich Drummer Mike Buck während der Aufnahmen kurzfristig verabschiedete um eine eigene Band namens The LeRoi Brothers zu gründen. So spielte sein Nachfolger Fran Christina bereits drei Songs der neuen Platte ein. Dieser wechselte von der Countryformation Asleep At The Wheel zu den T-Birds, spielte vorher aber bei der Swing- und Bluesband Roomful of Blues, die später noch für die Band interessant werden sollten. Trotzdem, die Sache kam ins Stocken. Ein weiteres Manko war die Aufnahmequalität, die Platte wurde in einem einfachen texanischen Tonstudio unter abenteuerlichen Bedingungen aufgenommen. Vaughan erinnert sich während eines Interviews mit dem Guitar Player Magazin: "We just set up in a big circle with boom mikes and go, that's why it's kind of caveman sounding ancient".

Keinesfalls aber sollen die erschwerten Bedingungen darüber hinwegtäuschen daß What's The Word einen ganzen Haufen toller Songs enthält. Die Thunderbirds hielten an ihrem eingeschlagenen Weg, Rock'n'Roll und ihren einzigartigen Tex-Mex-Bluesrock in einen Topf zu werfen, hartnäckig fest. Diese Melange, gepaart mit dem ausserordentlichen Können aller beteiligten Musiker wissen Musikfans aus aller Welt auch heute noch sehr zu schätzen. Die Reaktionen stiegen proportional zum Alter der Scheibe stetig an, und um den Fans dieses Juwel in bestmöglicher Qualität anbieten zu können, wurde auch dieses zweite Werk der T-Birds von Repertoire in bestmöglicher Form remixt. Es enthält heute 17 Tracks, 5 davon sind Bonus B-Seiten bzw. Liveaufnahmen. 

Die T-Birds haben auch auf What's The Word wieder tief in die Klamottenkiste gegriffen und einige Klassiker stilgerecht aufgemöbelt. Der Opener Runnin' Shoes basiert auf dem Blues-Standard Meet Me In The Bottom (u.a. Howlin' Wolf), der wiederum 1936 noch auf den Namen Hey Lawdy Mama hörte. You Ain't Nothing But Fine entspringt einem ganz anderen Genre, nämlich dem Zydeco, im Original von Rockin' Sydney. Immerhin verhalf die Covernummer dem in unseren Kreisen eher unbekannten Urheber zu einem ungeahnten aber kurzen Popularitätsschub. Zu einem ihrer größten Klassiker entwickelte sich jedoch die R&B Nummer The Crawl, ursprünglich vom Bluesgitarrist Lonnie Brooks in jungen Jahren unter dem Künstlernamen Guitar Junior veröffentlicht. Der Song ist übrigens zusätzlich in einer feinen Liveversion als einer von fünf Bonustracks auf der CD enthalten. 


Hier eine etwas spätere Live-Version aus dem Jahre 1986:





Immerhin sieben von 12 Titeln entstammen der Feder von Kim Wilson, bzw. einer Zusammenarbeit zwischen Kim Wilson, Jimmie Vaughan und Bassist Keith Ferguson, darunter ein Alltime Klassiker der Band, Extra Jimmies. Die leicht angejazzte, instrumentale Nummer aus dem Hause Vaughan / Ferguson zeigt einmal mehr die Vielseitigkeit und handwerklichen Fertigkeiten der Band und macht einfach Laune. 

Alles in allem ist What's The Word ein Füllhorn voller Songs geworden, die dem Erstling Girls Go Wild absolut das Wasser reichen, können. Nicht wenige Fans halten die Platte für das beste Werk der Texaner, ich für meinen Teil bevorzuge aber das Debutalbum und vergebe gute 7 von 10 Punkten. 

Bernd Fischer

Sonntag, 22. Dezember 2013

CLIFFORD HOAD'S KINGS OF THE SUN - "Rock Til Ya Die" - FREE ALBUM DOWNLOAD

Kängurus rocken schon seit satten 30 Jahren, zu Hoad's erdigen Rock, über die Felsen und die KINGS OF THE SUN haben es sogar schon zu "Major - Ehren" gebracht. Anfang der Neunziger wurde es sehr still um die coole Groove - Hardrock - Formation, aber so richtig waren sie eigentlich nie weg. Clifford und seine Band haben zwischendurch immer wieder exorbitant geile Kaliber veröffentlicht.

Auch "Rock Til Ya Die" dürfte alle Liebhaber, des fetten und harten Rocks, mit der Zunge schnalzen lassen.

Die Formation bietet das Leckerchen, zum kostenlosen Download, auf der offiziellen Bandpage an.

Ihr müsst das Teil nur in den Einkaufskorb packen, ein paar Daten ausfüllen und schon ist es Euers ;-).

Das neunte Album ist einfach ein saustarkes, australisches Hardrock Werk geworden, welches unwahrscheinlich viel Seele und Groove enthält.


                                               Klick hier für den Download des Albums

01. Fire On The Mountain
02. Rockpile
03. Switchblade Knife
04. Rocktown
05. Geronimo
06. Reach For The Bottle
07. Follow You Home
08. Hearts Ablaze
09. Never Too Late
10. Rock Till Ya Die
11. Tighten Your Grip


Viel Spaß mit dem SAUGEILEN SCHEIBLETTCHEN - wer nicht zugreift verpasst wirklich ein richtig STEILES WERK!

Rock On!

Freitag, 20. Dezember 2013

Julian Angel's Beautiful Beast - "Bad Boys Never Dance" FREE MP3 + Videoclip

Bald ist wieder 1989 und ich kann das neue Album, des '80er Jahre Hardrock - Spezialisten Julian Lieb, kaum erwarten.

Julian und seine Comprades Frank McDouglas (Bass) und Ramy Ali (Schlagzeug) lassen es am 24. Januar wieder mächtig krachen und veröffentlichen, mit "Kick Down The Barricades", ihr drittes Werk, welches dem Jahr bzw. der kompletten Dekade musikalisch huldigt.

Wer auf qualitativ hochwertigen Hair Metal abfährt, darf sich auf ein tolles und abwechslungsreiches Scheibchen freuen! Die Jungs haben sich noch weiter steigern können und jeder der einzelnen 10 Tracks ist ein Volltreffer!

Tracklist:

Bad Boys Never Dance
Big Stuff
Can't Stand The Fiction
Shock 'Em Dead
The Night Cries For You
Unsexy
Kick Down The Barricades
Shake Me Back Home
High On Love
Six In The Red

Bevor das Album erscheint veröffentlichen JULIAN ANGEL'S BEAUTIFUL BEAST den CD - Opener "Bad Boys Never Dance" als  - Vorab - Single.

Den Song könnt Ihr Euch kostenlos, von der offiziellen Bandpage, downloaden.

Hier geht es zum Download von "Bad Boys Never Dance" und gleichzeitig könnt Ihr Euch das dazu abgedrehte Video reinziehen.

Viel Spaß mit der vollen HAIR METAL Pflegekur!!!

Rock On!

Montag, 16. Dezember 2013

The Beatles: Live At The BBC - The Collection



Band: The Beatles
Album: Live at the BBC; BOX Vol 1 (2CD) Vol 2 (2CD)
Spielzeit: 267 Minuten; 4 Stunden und 45 Minuten
Plattenfirma: Apple (Universal)
Veröffentlichung:  bereits veröffentlicht  (8. November 2013)
Homepage: www.thebeatles.com


WERTUNG: 10/10


Trackliste:

Disk: 1

1. Beatles Greetings
2. From Us To You
3. Riding On A Bus
4. I Got A Woman
5. Too Much Monkey Business
6. Keep Your Hands Off My Baby
7. I'll Be On My Way
8. Young Blood
9. A Shot Of Rhythm And Blues
10. Sure To Fall (In Love With You)
11. Some Other Guy
12. Thank You Girl
13. Sha La La La La!
14. Baby It's You
15. That's All Right (Mama)
16. Carol
17. What Is It, George?
18. Soldier Of Love
19. A Little Rhyme
20. Clarabella
21. I'm Gonna Sit Right Down And Cry (Over You)
22. Crying, Waiting, Hoping
23. Dear Wack!
24. You Really Got A Hold On Me
25. To Know Her Is To Love Her
26. A Taste Of Honey
27. Long Tall Sally
28. I Saw Her Standing There
29. The Honeymoon Song
30. Johnny B Goode
31. Memphis, Tennessee
32. Lucille
33. Can't Buy Me Love
34. From Fluff To You
35. Till There Was You

Disk: 2

1. Crinsk Dee Night
2. A Hard Day's Night
3. Ringo? Yep!
4. I Wanna Be Your Man
5. Just A Rumour
6. Roll Over Beethoven
7. All My Loving
8. Things We Said Today
9. She's A Woman
10. Sweet Little Sixteen
11. 1822!
12. Lonesome Tears In My Eyes
13. Nothin' Shakin'
14. The Hippy Hippy Shake
15. Glad All Over
16. I Just Don't Understand
17. So How Come (No One Loves Me)
18. I Feel Fine
19. I'm A Loser
20. Everybody's Trying To Be My Baby
21. Rock And Roll Music
22. Ticket To Ride
23. Dizzy Miss Lizzy
24. Kansas City / Hey-Hey-Hey-Hey!
25. Set Fire To That Lot!
26. Matchbox
27. I Forgot To Remember To Forget
28. Love These Goon Shows!
29. I Got To Find My Baby
30. Ooh! My Soul
31. Ooh! My Arms
32. Don't Ever Change
33. Slow Down
34. Honey Don't
35. Love Me Do
36. From Us To You

Disk: 3 (Live On Air)

1. And Here We Are Again
2. Words Of Love
3. How About It, Gorgeous?
4. Do You Want To Know A Secret
5. Lucille
6. Hey Paul
7. Anna (Go To Him)
8. Hello!
9. Please Please Me
10. Misery
11. I'm Talking About You
12. A Real Treat
13. Boys
14. Absolutely Fab
15. Chains
16. Ask Me Why
17. Till There Was You
18. Lend Me Your Comb
19. Lower 5e
20. The Hippy Hippy Shake
21. Roll Over Beethoven
22. There's A Place
23. Bumper Bundle
24. P.S. I Love You
25. Please Mister Postman
26. Beautiful Dreamer
27. Devil In Her Heart
28. The 49 Weeks
29. Sure To Fall (In Love With You)
30. Never Mind, Eh?
31. Twist And Shout
32. Bye, Bye
33. John - Pop Profile
34. George - Pop Profile 

Disk: 4 (Live On Air)

1. I Saw Her Standing There
2. Glad All Over
3. Lift Lid Again
4. I'll Get You
5. She Loves You
6. Memphis, Tennessee
7. Happy Birthday Dear Saturday Club
8. Now Hush, Hush
9. From Me To You
10. Money (That's What I Want)
11. I Want To Hold Your Hand
12. Brian Bathtubes
13. This Boy
14. If I Wasn't In America
15. I Got A Woman
16. Long Tall Sally
17. If I Fell
18. A Hard Job Writing Them
19. And I Love Her
20. Oh, Can't We? Yes We Can
21. You Can't Do That
22. Honey Don't
23. I'll Follow The Sun
24. Green With Black Shutters
25. Kansas City / Hey-Hey-Hey-Hey!
26. That's What We're Here For
27. I Feel Fine (Studio Out-Take)
28. Paul - Pop Profile
29. Ringo - Pop Profile 

Es war eine der gravierendsten und bekanntesten Fehleinschätzung in der Musikgeschichte: Anfang Januar 1962 kreuzten 4 Burschen aus Liverpool bei der Plattenfirma Decca auf und spielten den Decca – Managern Dick Rowe und Mike Smith 15 Songs vor, um einen Plattenvertrag zu bekommen. Jedoch: Gitarrengruppen wären ein Auslaufmodell, entschied Rowe kurz darauf, und stattdessen wurde die Band „Brian Poole & The Tremeloes" ("Silence is Golden") mit einem Deal belehnt. Ein Jahr später war man dann etwas umsichtiger und nahm die Rolling Stones unter Vertrag.
Und um es voranzustellen:  Diese äußerst wertige und liebevoll aufbereitete Kompilation ist DAS charismatischste und charmanteste Nachlaßschätzchen aus dem Erbgut der Beatles der letzten Jahre geworden. Muss man als Musikliebhaber besitzen.  
Die beiden Booklets der Box (2 mal 48 Seiten) bieten ein Füllhorn an Informationen, sind graphisch liebevoll aufbereitet und mit ordentlich Einleitungstexten,  hochwertigen Fotos und detaillierten Informationen zu den einzelnen Songs versorgt. Es macht Spaß, in dem umfangreichen Material zu blättern und damit den damaligen Zeitgeist aufzugreifen, denn das ist den Machern der Box zweifelsohne gelungen. Das Booklet zum 2.Teil enthält ein persönliches Vorwort von Mister McCartney.

Sie erschlägt im ersten Moment, diese hier zusammengetragene Menge an Material, man sieht´s  ja bereits an der insgesamt 134 (!) Tracks umfassenden Zusammenstellung, einschließlich diverser Interviews, Statements und den bandtypischen Kaspereien der berühmtesten und wichtigsten Band der Rockgeschichte. Zwischen März 1962 und Juni 1965 waren die Beatles insgesamt 53 mal in diverse BBC – Radioshows involviert, sie spielten 88 verschiedene Songs, wovon 36 niemals bisher auf Tonträger erschienen sind. Bedenkt man, dass es in diesen frühen Tagen des Rock nur eine Handvoll Radioprogramme gab, die ab und an mal Elvis oder Buddy Holly spielten (allein Radio Luxemburg sendete vom europäischen Festland mutigeres Airplay), kann man  sich dennoch den hungrigen Run auf diese Radioshows heutzutage kaum mehr vorstellen, so etwa die legendäre „Saturdy Club“ Show.

Zwischen den Tracks der 4 Platten sind burschikose Sprechpassagen der Pilze eingebettet, die dem stockigen BBC – Management vor 48 Jahren das eine oder andere Schweißtröpfchen verursacht haben müssten. So sind die Burschen mal gähnend, mal frisch frivol zu vernehmen ( „If i wasn´t in America“, „Green with Black Shutters“)  Aber das ist nur partiell schmückendes Beiwerk. Schön, dass die musikalische Offerte so für sich sprechen kann. Das liegt unter anderem an dem Charme der Aufnahmen, die den technischen Status dokumentieren, mit den seinerzeit kleinen Konzertsaal – PA´s klarkommen zu müssen. Hier, auch vom Songwriting her, klingen die Beatles noch eher wie übermütige Abiturienten auf einem Schulausflug, als wie überproduzierte Legenden. Die Songs wirken trotz Ihres Alters jedoch aufregend, frisch und dynamisch, die Setlisten der 4 Rundlinge sind stimmig zusammengetragen.


Das Remastern der Bänder ist auf hohem Qualitätslevel gelungen; natürlich verströmen die einzelnen Songs ihre historische Signifikanz und sind, darauf muss (und kann durchaus) man sich einlassen,  allesamt in Mono anzuhören. Vor 20 Jahren, 1994, erschien „Live at the BBC“, also Teil 1 und 2 des hier vorliegenden vierfach - Schubers  zum ersten Mal und belegte Platz 1 der britischen Charts und Platz 3 in den USA; in nur sechs Wochen verkaufte das Album mehr als fünf Millionen Exemplare. Nun haben die Tontechniker noch einmal alles derzeit Machbare aus den Aufnahmen potenziert. Dabei wurde nicht nur mit Oberflächenpolitur auf den alten Gitarrenkorpussen herumgefeudelt, nein die Kammerstückchen wurden mit Tiefenbeize von den alten Lackschichten befreit.  Diese pophistorische Denkmalpflege gelang fulminant. 37 der auf Volume 2 enthaltenen Songs sind bisher noch nie veröffentlicht worden; weitere 10 Lieder der Box sind nie im Studio eingespielt worden, völlig neu sind zwei Coverversionen (Chuck Berry:  “I’m Talking About You”; und Tony Orlandos „Beautiful Dreamer“) sowie die Danksagung an die BBC “Happy Birthday, Dear Saturday Club”.

Gegen Ende der Zusammenstellung sind in 4 tiefenentspannten Interviews (Pop – Profile) mit allen 4 Bandmitgliedern zu hören, die im Frühjahr 1966 im Zuge des „Revolver“ – Albums mit Brian Matthew als Talkmaster entstanden. Hier redet John über Politik, da George über neue technische  Produktionsmöglichkeiten, Paul über Neue Musik. 1966 wurde bekanntlich alles anders, sie verabschiedeten sich am 29.August mit ihrem letzten offiziellen Konzert in San Fransisco von den Live - Bühnen dieses Planeten und wechselten Ihren musikalischen Anspruch.
Es wird an dieser Zusammenstellung deutlich, dass die die Beatles keine Stray Cats wie die Stones waren, sondern ihre musikalische Fundamentierung in der Studioarbeit sahen.  

Stephan Schneider

Donnerstag, 12. Dezember 2013

The Fabulous Thunderbirds - Girls Go Wild



Band : The Fabulous Thunderbirds
Album : Girls Go Wild
Spielzeit : 66:02 Min
Veröffentlichung : 27.09.2013 (1979)
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.repertoirerecords.com/artists/fabulous-thunderbirds-the

Wertung : 8 von 10

Trackliste : 
  1. Wait On Time
  2.  Scratch My Back
  3. Rich Woman
  4. Full Time Lover
  5. Pocket Rocket
  6. She's Off
  7. Marked Deck
  8. Walkin' To My Baby
  9. Rock With Me
  10. C-Boy's Blues
  11. Let Me In
  12. Scratch My Back (Live) - Bonus
  13. She's Tough (Live) - Bonus
  14. Full Time Lover (Live) - Bonus
  15. Feelin' Good (Live) - Bonus
  16. Wait On Time (Live) - Bonus
  17. Pocket Rocket (Live) - Bonus
  18. Wait On Time (Live) - Bonus

Wie wir alle wissen hält das Leben für uns Musiksüchtige so manche Überraschung bereit, im Guten wie im Schlechten. Schlecht, wenn die ersehnte Neuerscheinung der Lieblingsband sich als grottig herausstellt oder man feststellt wie eindimensional die Band eigentlich sowieso die ganzen Jahre war. Wenn man dann aber vermeintlich unbekannte Bands oder Interpreten für sich entdeckt und man sich fragt: "Hey, wie geil ist das denn...warum hast Du die eigentlich all die ganzen Jahre übersehen ???",  ja dann geht die Sonne wieder auf. 
So ging mir das neulich mit den Texanern The Fabulous Thunderbirds...

Um kurz ins Thema zu kommen, die Band wurde 1977 von Gitarrist Jimmie Vaughan und Sänger bzw. Harpspieler Kim Wilson gegründet. Nachdem die T-Birds einige Jahre als Hausband eines Clubs in Austin, Texas auftraten, erschien 1979 das Debut Girls Go Wild, ein spritziger Rock'n'Roll-, Blues- und Countryrock-Bastard, der gelegentlich an Bands wie ZZ Top erinnert, seine Wurzeln aber genauso im Rock'n'Roll der Marke Bo Diddley hat. Schön daran ist, daß die Thunderbirds mehrere Stile durch den Fleischwolf drehten und ihren eigenen, unverkennbaren Sound fanden. Repertoire Records legt die ersten vier Platten nun als remasterte CD neu auf und stattet diese nebst reichlich Bonusmaterial noch mit einem informativem Booklet im schicken Digipak-Format aus. 

Die Platte enthielt in der Erstauflage 11 Songs und stellt sofort mit der ersten Nummer Wait In Time klar, daß Langeweile und die Thunderbirds zwei völlig verschiedene Baustellen sind. Was wir hier hören ist allerfeinster Bluesrock mit einer ganz gehörigen Portion Rock'n'Roll, der ohne Jimmie Vaughans hochgradig infektiösen und mitreissenden Gitarrenstils gerade mal die Hälfte wert wäre. Den Gegenpol zu Vaughan's Spiel stellt auf den ersten Blick Sänger und Harpist Kim Wilson dar, dessen helle, aber markige Stimme ebenfalls ein wichtiger Stützpfeiler der Birds ist. Abgerundet wird die Sache aber durch die tighte und punktgenaue Backingband mit Keith Ferguson am Bass und Mike Buck an den Kesseln. Das Sahnehäubchen setzt allerdings Kim Wilson oben auf, dessen wohl dosiertes aber umso intensiver wirkendes Harp-Spiel wirklich Spaß macht. Hört mal in Pocket Rocket rein... so hört sich der blanke Bluesharp-Wahnsinn an. Dankenswerterweise versuchen die Birds, trotz diverser Bezüge zum Blues (Scratch My Back - Slim Harpo) oder R&B (Rich Woman - Li'l Millet & His Creoles), niemals wie schwarze Musiker zu klingen. So lag ein gewisser Cub Coda, Schreiber der beliebten Allmusic Guide, mit seiner Einschätzung "One of the few white blues albums that work" wahrlich goldrichtig.

Wie sehr der den Nagel auf den Kopf getroffen hat, hört Ihr in dieser neu remasterten Neuauflage von Girls Go Wild am besten selber nach. Ich verweise noch auf sieben Bonustitel, allesamt Liveaufnahmen, die mich ein wenig traurig erkennen lassen, welche großartige Liveband ich verpasst habe. Feelin' Good mit seiner Reminiszenz an John Lee Hooker's Boogie Chillen (...let that boy boogie woogie) markiert hier sehr deutlich die Verbindung der Jungs zum Blues bzw. ZZ Top, die den Song in ihrem Hit La Grange ebenso verwurstet haben und ebenfalls erfolgreich in ihrem Liveset unterbrachten.

Was bleibt, ist das Gefühl, eine Band entdeckt zu haben, die...warum auch immer, den ganz großen Durchbruch nicht schaffte. Ich werde versuchen der Sache auf den Grund zu gehen, denn weitere drei CDs der Fabulous Thunderbirds warten auf mich. Girls Go Wild, soviel ist sicher, hat daran keine Schuld und bekommt verdiente acht Punkte von mir.


Bernd Fischer 



Freitag, 6. Dezember 2013

Scorpions - MTV Unplugged In Athens

Band: Scorpions
Album: MTV Unplugged In Athens
Spielzeit: ca. 115 min.
Plattenfirma: RCA Deutschland
Veröffentlichung: 29.11.2013
Homepage: www.the-scorpions.com
 

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:        
Sting In The Tail
Can't Live Without You
Pictured Life
Speedy's Coming
Born To Touch Your Feelings
The Best Is Yet to Come
Dancing With The Moonlight
In Trance
When You Came Into My Life
Delicate Dance
Love Is The Answer
Follow Your Heart
Send Me An Angel
Where The River Flows
Passion Rules The Game
Rock You Like A Hurricane
Hit Between The Eyes
Drum-Athenica
Rock 'n' Roll Band
Blackout
Still Loving You
Big City Nights
Wind Of Change
No One Like You
When The Smoke Is Going Down
Where The River Flows (Studio-Version)

Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht mehr genau, warum ich mich gemeldet hab, als es um die Besprechung der neuen SCORPIONS ohne-Strom-Scheibe ging. In den 80er Jahren habe ich mich bei der Qual der Wahl im Grunde immer für Udos Mannen von ACCEPT entschieden und die Hannoveraner Hardrockinstitution links liegen lassen. Doch mit den Jahren wird man reifer und die hohe Qualität der Hitfabrik um Meine und Schenker hat mich mittlerweile überzeugt. Ganz im Gegensatz zum bisherigen Akustik-Album "Acoustica", dessen Setlist bei mir nicht auf offene Ohren stieß. 


Ganz anders sieht es mit "MTV Unplugged In Athens" aus. Aufgenommen während der eigentlich als Abschiedstournee geplanten 2013er Weltumrundung (der Abschied vom Abschied ist ja schon erklärt worden) im herrlichen Lycabettus-Theater in Athen unter offenem Himmel, weiß die Scheibe durch eine ganz besondere Atmosphäre zu glänzen. Mich würde das optische Ergebnis, das zeitgleich auf DVD veröffentlicht wird, auch brennend interessieren, doch ein paar Highlights waren tatsächlich schon mal spätabends im Privatfernsehen zu betrachten. 

Neben dem neuen Song "Love Is The Answer" bietet "MTV Unplugged In Athens" einen Querschnitt durch praktisch alle Schaffensperioden der SCORPS. Und spätestens bei der ungewöhnlichen Version von "Speedy's Coming" hat mich diese CD echt gepackt. Knapp 2 Stunden lang lässt sie mich auch nicht mehr los. Einzig die "Rock You Like A Hurricane" Stromlos-Variante kann mich nicht überzeugen. 

Das machen aber Stücke wie das grandiose "Big City Nights" oder die unglaublich geniale Version des unvermeidlichen "Wind Of Change" wieder wett. Gerade das letztere hing mir eigentlich längst zu den Ohren raus, doch das Duett mit Morten Harket (AHA) hat echt das gewisse Etwas. Klar, ist die Idee einer "Unplugged-Scheibe" absolut nicht neu, aber die Art und Weise wie sie hier umgesetzt wird, setzt fast schon neue Maßstäbe. Die alten Rocker haben absolut nichts falsch gemacht und so hoffe ich, dass die SCORPIONS mehr als nur unter einem Weihnachtsbaum liegen werden. Mein Kauftipp!

Markus

Montag, 2. Dezember 2013

Robin Trower - Living Out Of Time


Interpret : Robin Trower
Album : Living Out Of Time
Spielzeit : 51:08 Min.
Veröffentlichung : 27.09.2013 (Erstveröffentlichung 2003)
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.trowerpower.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste:
  1. What's Your Name
  2. Step Into The Sun
  3. Another Time, Another Place
  4. Sweet Angel
  5. Please Tell Me
  6. One Less Victory
  7. Ain't Gonna Wait
  8. Living Out Of Time
  9. The Past Untied
  10. You Still Came Back
  11. I Want To Take You With Me
Sollte jemand von Euch den britischen Gitarristen Robin Trower nicht kennen, darf ich an dieser Stelle die Empfehlung aussprechen, dies unbedingt nachzuholen. Denn sämtliches Songmaterial welches ich von dem immerhin schon 68-jährigen Musiker kenne, hat Qualität. Es mag sein daß der ehemalige The Paramounts- und Procul Harum-Gitarrist mit seinem zweiten Solo-Album von 1974, Bridge Of Sighs und insbesondere dessen gleichnamigen Titelsong seine erfolgreichste Zeit hatte, doch wäre es ein Fehler, Platten wie Living Out Of Time ausser acht zu lassen. 

Die Platte erschien ursprünglich bereits Anfang 2004, wurde heuer aber nochmal re-mixed und re-mastered und erscheint in einem sehr transparenten und angenehmen Soundgewand, die Aktion hat sich also gelohnt.

Trower hat eine Erfolgsformel, um die er vielen anderen Gitarristen stets eine Nasenlänge voraus sein wird: Sein Gitarrenspiel dient ihm, dem eingefleischten Fender-Stratocaster-Fan, nicht zur Selbstdarstellung, sondern in erster Linie seinen Songs. Darin ist er jedoch dermaßen variabel und stilsicher dass man meinen könnte, es mit mehreren Gitarristen gleichzeitig zu tun zu haben. Mehrfach, siehe Please Tell Me, The Past Untied oder Sweet Angel scheint Jimi Hendrix höchstpersönlich anwesend gewesen zu sein, dann wieder erinnert sich Trower an seine eigene Vergangenheit und zitiert in dem 10-Minütigen Schlussong I Want To Take You With Me seinen bereits erwähnten größten Erfolg Bridge Of Sighs. Urplötzlich vollzieht er jedoch immer wieder Kehrtwenden, Tempi- als auch Stimmungswechsel und hält die Spannung auf Living Out Of Time aufrecht. Harte, fett rockende Stücke wie der Titelsong Living Out Of Time (besonders geil hier der pumpende Bass von Dave Bronze) stehen in regem Wechsel mit wesentlich sanfteren Nummern wie One Less Victory oder The Past Untied.
 




Am Mikrophon finden wir übrigens als Ersatz für den kurz vor den Aufnahmen verstorbenen, langjährigen Sänger und Bassisten James "Jimmie" Dewar einen Mann der in den Achtzigern bereits drei Alben mit Trower einspielte und zusammen mit Ronnie Montrose arbeitete : Davey Pattison. Zusammen mit Drummer Pete Thompson und Bassist Dave Bronze bildete sich so vor fast 12 Jahren (die Aufnahmen begannen bereits 2002) ein tightes Quartett, welches dieses schöne Album einspielte.





Das alles sollte sicher nicht darüber hinwegtäuschen dass wir es auf Living Out Of Time nicht mehr mit dem Robin Trower der 70er zu tun haben, der furztrockene Rocker der Marke Alethea oder Messin' The Blues heraushaute.
Alles in allem kann man jedoch getrost behaupten daß die gut 50-Minütige Scheibe ein grundsolides Rock-Album mit Wachstumspotential geworden ist. Vielleicht erschliesst sich dem Hörer die Schönheit der Scheibe nicht beim ersten Durchlauf, doch wer ein wenig Geduld hat, wird entlohnt werden, soviel verspreche ich. 


Bernd Fischer