Mittwoch, 27. Februar 2013

Molly Hatchet - Paying Tribute

Band: Molly Hatchet
Album: Paying Tribute
Spielzeit: 57:40 min.
Plattenfirma: Collectors Dream Records (Soulfood)
Veröffentlichung: 18.01.2013
Homepage: www.mollyhatchet.com

 
Wertung: Empfehlung an alle Liebhaber von Coveralben, Southern Rock Lunatics & MOLLY HATCHET Fans


Tracklist:

1. Sharp Dressed Man                   
2. The Boys Are Back In Town       
3. Desperado                                  
4. Bad To The Bone                        
5. Dreams I'll Never See   
6. Melissa   
7. Mississippi Queen   
8. Tequila Sunrise   
9. Tumbling Dice

10. Wild Horses
11. Whiskey Man - Live
12. Beatin' The Odds - Live
13. Flirtin' With Disaster - Live

Als ich mir die Scheibe das erste Mal angehört hatte - ich lese Tracklist und Promoinfo immer erst nach dem ersten Probehören-, zweifelte ich extrem an meinen Verstand. Nein, ... nicht das ich sie alle am Zaun hätte, aber hier ließ ich mich nicht, von meinem wirren Köpfchen, täuschen. Ich kenne jeden einzelnen Song, sogar in der identischen Playlistfolge, schon seit einigen Jahren. Also mal ins Regal geschaut und gleich die "Southern Rock Masters" (erschien 2008, Deadline Music/Cleopatra Records) gefunden. Trackliste verglichen und BINGO BONGO ... Volltreffer.

Jeder, der besagte Scheibe sein Eigen nennt, könnte hier sein Portemonnaie in die Hosentasche zurück stecken bzw. den Bestellvorgang abbrechen. "Paying Tribute" ist die Neuauflage, mit einem neuen Cover-Artwork. Auch wer im Besitz von "Regrinding The Axes" (Mausoleum, 2012) ist, kennt die meisten Tracks, welche auf dem vorliegenden Silberling vertreten sind (gleich 9 Songs sind identisch).

Sieht man darüber hinweg und befasst sich mit dem musikalischen Inhalt, bekommt der Zuhörer ein sehr überraschendes, abwechslungsreiches, frisches und party-kompatibles Rockalbum geboten, welches einige richtige Perlen enthält. Die Band hält sich sehr stark an den Original-Vorgaben, aber verpasst den Songs den typischen MOLLY HATCHET Charme.

Der Rundling wurde von der aktuellen Besetzung eingespielt:
Phil McCormack - Gesang und und Mundharmonika
Bobby Ingram - Gitarre
Dave Hlubek - Gitarre
Tim Lindsey - Bass
John Galvin - Keyboard
Shawn Beamer - Schlagzeug

Den "Tribute" - Reigen eröffnet eine, mehr als gelungene, Interpretation von ZZ TOP's "Sharp Dressed Man" (war auch schon auf dem Sampler "An All-Star Tribute to ZZ Top",2008, vertreten). Man mag von  McCormack's Stimme halten was man möchte, aber hier passt sein Gesang richtig gut. Nölig, cool und lässig performt der Sänger den Track und macht eine sehr gute Figur. Die Gitarrenabteilung rockt sich den Popo ab und klingt, als ob sie mächtig Spaß in den Backen gehabt hätte. Bei dem folgenden "The Boys Are Back In Town" hatte ich arge Zweifel, ob sie diese Nummer sicher über das Ziel bringen können. Haben sie aber mal so etwas von locker ;-)! Bobby flitzt, voller Spielfreude, über seine sechs Saiten und der Refrain klingt mal richtig gut. Klasse gemeistert! "Desperado" (EAGLES) ist eine ruhige Piano/Keyboard Nummer, welche ich schon im Original für entbehrlich halte. So richtig überzeugen mich die MOLLY'S beim Song nicht, da es ihnen nicht gelingt drive aufzunehmen und eher lasch gerockt wird. Das die Jungs richtig coole Säue sind, wusste ich schon immer, aber was sie mit George Thorogood's "Bad To The Bone" veranstalten ist grandios. Sie machen daraus einen Boogie-durchtränkten, schweren Rock-Monolithen, mit sägenden Gitarren und einer phantastischen Saxophon-Performance. Der Track walzt einfach alles nieder und ist ganz klares Highlight. Mit den ALLMAN BROTHERS haben die Herren überhaupt keine Probleme und agieren souverän bei "Dreams I'll Never See" und "Melissa". Auch MOUNTAIN's "Mississippi Queen" wird mit viel Spielfreude und sehr energisch / heavy intoniert. Die Interpretation ist, wie auch die beiden vorherigen Songs, zu den besseren Nummern zu zählen. Es folgt eine weitere EAGLES Nummer, nämlich "Tequila Sunrise". Nun, ich war nie der große EAGLES Fan und auch MH werden mich nicht bekehren/überzeugen können. Kann man mögen, muss man aber nicht. Danach versucht sich die Combo an zwei Nummern der ROLLING STONES, "Tumbling Dice" und "Wild Horeses. Den ersten Song haben sie auf eine rockige Art im Griff. Sie zaubern daraus einen sehr feinen  Southern-Piano-Bar-Rocker. "Wild Horses" fällt dagegen ab. Es fehlt die Kaltschnäutzigkeit, dem Song, durch eine eigenwilligere Darbietung, etwas mehr Elan zu verpassen. Abgerundet wird "Paying Tribute" durch die drei Livetracks "Whiskey Man" , "Beatin' The Odds" und "Flirtin With Disaster",  zu welchen man wohl kein Wort mehr verlieren muss. MOLLY HATCHET in Bestform!

Es hat mir mächtig viel Freude bereitet,  die Scheibe wieder einmal zu hören. "Paying Tribute" ist eine gute und kurzweilige Rockmusik-Zeitreise, welche ich nur empfehlen kann. Enttäuscht wird man mit Sicherheit nicht!


Wer "Paying Tribute", bzw. eine der o. g. Scheiben, noch nicht besitzt, darf und sollte hier zugreifen.

Götz

Montag, 25. Februar 2013

Stratovarius - Nemesis

Band: Stratovarius
Album: Nemesis
Spielzeit: 57:42 min.
Plattenfirma: earMusic / Edel
Veröffentlichung: 22.02.2013
Homepage: www.stratovarius.com

WERTUNG: 9 von 10

Trackliste:

01. Abandon
02. Unbreakable
03. Stand my ground
04. Halcyon days
05. Fantasy
06. Out of the fog
07. Castles in the air
08. Dragons
09. One must fall
10. If the story is over
11. Nemesis

Line-up:

Timo Kotipelto – Vocals
Matias Kupiainen – Guitar
Jens Johansson – Keyboards
Lauri Porra – Bass
Rolf Pilve – Drums


Seit wenigen Tagen ist nun das neue Album “Nemesis“ von “Stratovarius“ auf dem Markt. Und, was soll man sagen, es ist eine komplett runde Sache geworden, und damit ist natürlich nicht die physische Form des Silberlings gemeint.

Das Songwriting als auch die technische Produktion lässt keinerlei Wünsche offen. Man mag gerne glauben, dass Matias Kupiainen fast 4 Monate im Studio gelebt hat um auch noch an den letzten Einzelheiten zu feilen.
Auch Timo Kotipelto hat sich nach eigenem Bekunden 3 Wochen in eine Hütte auf dem finnischen Land zurückgezogen um dort an seinen Gesangparts zu arbeiten.

Kurzum, die Band hat sich für die Realisierung des Werkes ausreichend Zeit genommen.
Und das hört man auch. Mancher mag vielleicht sagen, dass die Songs teilweise zu glatt sind. Und damit mag man auf der einen Seite auch Recht haben, denn ein größeres kompositorisches Risiko ist man bei keinem der Songs eingegangen. Gefällige und melodische Gesangs-Hooklines gibt es zuhauf. - Aber das ist natürlich alles Jammern auf einem sehr hohen Niveau.

Grundsätzlich kann man an “Nemesis“ wirklich nicht allzu viel herum meckern.

Trotzdem gibt es für mich 2 absolute Höhepunkte auf dem Longplayer. Zu einem ist das “Out of the fog“, welcher die Geschichte eines jungen Menschen erzählt, der dazu gezwungen wird, blindlings in den Kampf zu ziehen, sowie der Song “Castles in the air“ welcher mit einem gefühlvollen Piano- und Gesangspart eingeleitet wird.
Außerdem gibt es dann noch mit “If the story is over“ eine durchaus hörenswerte Ballade.

Mit “Nemesis“ beweisen “Stratovarius“ dass sie nach wie vor ganz oben auf dem Olymp des melodischen Heavy-Metal anzusiedeln sind.

Für das Album gibt es daher von mir eine eindeutige Kaufempfehlung.

Oldwoodstock

Sonntag, 24. Februar 2013

Lordi - To Beast Or Not To Beast

Band: Lordi
Album: To Beast Or Not To Beast
Spielzeit: 43:18 min.

Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 01.03.2013
Homepage: www.lordi.fi


WERTUNG: 8,5 von 10

Tracklist:

1. We're Not Bad for the Kids (We're Worse)
2. I Luv Ugly
3. The Riff
4. Something Wicked This Way Comes
5. I'm the Best
6. Horrifiction
7. Happy New Fear
8. Schizo Doll
9. Candy for the Cannibal
10. Sincerely With Love
11. SCG6: Otus' Butcher Clinic

HELL YEAH! Die finnischen Monsterbacken schleichen sich wieder in unsere heimischen Stereoanlagen und wollen uns, mit ihrem neuen Biest, musikalische Albträume bereiten. Vermutlich werden sie keine erschrockene Hörer, nach dem Genuss von "To Beast Or Not To Beast", zurücklassen, sondern eher für verzückte Gesichtsausdrücke sorgen. LORDI haben gleich einen ganzen Sack voller Neuerungen mitgebracht, welche zum Gelingen des neuen Werkes beigetragen haben.

Nach den guten und sehr unterhaltsamen Alben "Get Heavy", "The Monsterican Dream" und "The Arockalypse (brachte den wohlverdienten Durchbruch und den Sieg beim Eurovision Song Contest in Athen) schlich sich, bei den Hardrockern aus Rovaniemi, die Routine und der Schlendrian ein. Weder "Deadache" noch das letzte Album "Babez For Breakfast" konnten an die Klasse anschließen. Das Material wirkte uninspiriert und hastig komponiert. Aber 2012 kam es noch viel dicker für die Band. Mr. Lordi und seine Kollegen mussten einen schwereren und tiefsitzenden Schock verdauen. Vor fast genau einem Jahr verstarb, der erst 2010 eingestiegene Schlagzeuger, Tonmi Lillmann a.k.a. Otus, plötzlich und unerwartet. Desweiteren sah sich Putaansuu gezwungen Awa gegen die neue Keyboarderin Hella auszutauschen. In Mana fanden sie schlussendlich den richtigen Mann, der auf dem vakanten Hocker, platz nahm. Eine wirklich schwere und schwierige Zeit für die sympathische Band. Musikalisch hat sich LORDI von diesen ganzen Faktoren nicht beeinflussen lassen und Anno 2013 zeigen sie sich wieder von ihrer beastigen Seite.

Produzenten-Legende Michael Wagener (u. a. ACCEPT, DOKKEN, WHITE LION und GREAT WHITE) hat den Monster-Rockern einen knalligen und tonnenschweren, modernen Sound verpasst. Der Mann kann es einfach und Mr. Lordi hat gut daran getan den Sound-Guru ans Pult zu ketten.

Zwar eher zweitrangig, aber auch erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Finnen diesmal ein richtig geschmackvolles und zum Titel passendes Coverartwork ausgesucht haben. Gefällt mir gut.

Der Faktor, welcher "To Beast Or Not To Beast"" zu einem richtig starken Album macht, ist das wirklich gute Songwriting. Die Biester waren, beim Songwritingprozess, so kreativ wie lange nicht mehr. Die Songs sind, für meinen Geschmack, etwas härter und spritziger, als in der Vergangenheit. Es gelingt ihnen, ihrem Hardrock, mit einem angemessenen Touch an Moderne - durch Industrial und Elektro Elemente - anzureichern, ohne das dies aufgesetzt/künstlich wirkt. Und es gibt endlich wieder, mindestens zwei Nummern, die es mit dem Party-und Eurovision - erprobten "Hard Rock Hallelujah" aufnehmen können.

Dabei startet die Rille eher suboptimal mit "We're Not Bad For The Kids (We're Worse)". Der Song wirkt hektisch und chaotisch arrangiert. Irgendwie passt die Melodieführung  nicht zur Gesangsharmonie. Nach einem 2 sekündigen Break geht die Nummer weiter und verliert, für einen Moment, komplett den roten Faden. Very strange und auch nach mehrmaligem Hören will sich die Nummer mir nicht erschließen. Mit dem folgenden "I Luv Ugly" stimmt aber wieder alles im LORDI-Kosmos. Die Powerhymne besitzt alle Eigenschaften, welche ich so an ihnen liebe. Stampfende Rhythmen, Mitgröhlpassagen, eingängige Refrains, Partystimmung und eine tolle Hardrock-Instrumentalisierung. Einmal in Fahrt gekommen, hauen sie uns gleich den nächsten Brecher um die Ohren, in Form der Single "The Riff" (siehe Video). Das Mischverhältnis aus Melodie und Aggressivität stimmt, Mr. Putaansuu raue Kombination aus Gesang und Gebrüll und das Hitpotential machen den Song einfach unwiderstehlich. Aber es geht noch besser. Wie schon beim vorherigen Song, stimmen alle Zutaten. Was "
Something Wicked This Way Comes" aber noch besser schmecken lässt, ist die Zufuhr einer extra Portion hymnenhafter Melodien. Natürlich können LORDI auch nicht auf musikalische Tiefflieger verzichten. Et voilà: "I'm The Best" ist eine belanglose Komposition, die sich auf dem Vorgängeralbum richtig wohl gefühlt hätte. Nichtssagend. Das melodiöse und sehr eingängige "Horrifiction" dürfte, für die Gruppe, das nächste "Hard Rock Hallelujah" werden. Monster Rock goes Pop und wird sehr hohen Anklang bei der breiten Masse finden. Auch "Candy For The Canibal" zündet sofort, da es nach dem selben Muster gestrickt wurde. Fröhliche Keyboardtunes, eingängige Refrains und eine hart rockende Basis. Richtig gut gefällt mir "Sincerely With Love" nicht nur aufgrund des aussagekräftigen Refrain-Textes. Ein stampfender Anfang, Mr. Lordi schimpft erst einmal und dann startet der Party-Kracher, der über einen coolen Chorus verfügt. Wer den typischen Opener bisher vermisst hat, bekommt den SCG Song diesmal in einer anderen Art serviert. Es ist ein Live Drumsolo des verstorbenen Otis. Mit dieser sympathischen Verneigung, in Richtung ihres ehemaligen Schlagzeugers, endet "To Beast Or Not To Beast".

Der sechste Silberling ist wirklich überzeugend ausgefallen und dürfte LORDI Fans, für die letzten beiden Alben, entschädigen. Meiner Meinung nach wird die Gruppe sogar neue, aufgeschlossen Rockanhänger für sich gewinnen können.

Sieht man von den beiden Stinkern "I'm The Best" und "Schizo Doll"  und dem etwas strangen Opener ab, ist "TBONTB" ein gutwertiges Heavy Rock Monster, mit einigen tollen Party-Krachern, geworden.

Ich schmeisse mal 8,5 rohe, bluttriefende Fleischbrocken, der Monsterhorde, zu.

Götz



Rock Candy Funk Party - We Want Groove

Rock Candy Funk Party - We Want Groove

Band: Rock Candy Funk Party
Album: We Want Groove
Spielzeit: CD+DVD  67:04min. 
Veröffentlichung: 28.01.2013
Plattenfirma: J&R Adventures / Provogue
Homepage: www.rockcandyfunkparty.com

Wertung: 8 von 10

Tracklist CD:
  1. Octopus-e
  2. Spaztastic
  3. Ode To Gee
  4. We Want Groove
  5. The Best Ten Minutes Of Your Life
  6. Animal / Work
  7. Dope On A Rope
  8. Root Down (And Get It)
  9. New York Song
Tracklist DVD:
  1. The Making Of "We Want Groove"
  2. In The Studio - Episode 1
  3. In The Studio - Episode 2
  4. Official Music Video Of Octopus-e
Einen großen Teil unserer erklärten Helden aus der Musikbranche juckt es irgendwann (verständlicherweise) mal in den Fingern, sich langgehegte Träume zu erfüllen. Nein, ich meine ausdrücklich keinen vergoldeten Lamborghini und auch nicht die Ehefrau des Schlagzeugers, sondern die Umsetzung bislang unerfüllter musikalischer Ideen mithilfe frischer Mitmusiker mit vergleichbarem Schicksal.

In diesem Fall reden wir von der Rock Candy Funk Party (RCFP) und deren erstem Album We Want Groove.

Die Band bzw. das Projekt besteht aus einem Pool sehr interessanter professioneller Musiker, welche in der Szene seit Jahren höchste Anerkennung genießen und mit Größen wie Joe Zawinul, Hugh Masekela, Prince, Ruth Brown, Chaka Khan, Simples Minds, Billy Idol, Tito Puente, Bruce Springsteen, Rod Stewart, Levon Helm, Conan O’Brien, Sheila E. und vielen anderen gearbeitet haben. Namentlich wären das Produzent und Schlagzeuger Tal Bergman, Ron DeJesus (Gitarre), Mike Merritt (Bass), Renato Neto (Keyboard) und das wohl bekannteste Mitglied, Gitarrist Joe Bonamassa.
RCFP sind nach eigener Aussage ein reines Spaßprojekt, basierend auf Bergman's und De Jesus' 2007er Album Groove Vol.1, welches ebenso wie We Want Groove eine rein Instrumentale Veranstaltung war.

Der an ein Album von Miles Davis (We Want Miles) angelehnte Titel der Scheibe deutet es bereits an...neun kurzweilige Titel lang sagt die Rock Candy Funk Party der Langeweile den Kampf an und geht mit ihrem coolen 70er Jahre-Rock-Funk-Jazz-Mix schlussendlich eindeutig als Sieger hervor. Eine musikalische Finesse jagt die andere, nicht enden wollende Versionen hochfrickeliger Bassläufe, Gitarrenlicks und Drumpatterns jagen sich zusammen mit einem präsenten Keyboard von Song zu Song und schaffen totz aller Verliebtheit ins eigene Spiel eine warme Atmosphäre. Das zehnminütige, selbstbewusst betitelte The Best Ten Minutes Of Your Life, oder auch die Schlussnummer New York Song laden zum Träumen ein, während das Gros der Platte durchweg Uptempo bietet. Immer wieder fühle ich mich an Interpreten erinnert, die sonst eher selten auf meinem Plattenteller liegen. Von Herbie Hancock über Stanley Clarke bis hin zu Collosseum II oder gar Red Hot Chili Peppers fällt mir beim Hören von We Want Groove die eine oder andere verstaubte Platte wieder ein. 



Schön an der Angelegenheit ist die Tatsache dass Bergman und Co keine sterile Technikschlacht veranstalten und sich in Selbstverliebtheit verlieren, sondern eine herzliche, ja...groovende Instrumentalplatte auf die Beine gestellt haben, die gerne mehrfach gehört werden will. Sicher, alles hat man irgendwie schon mal irgendwann gehört, auch auf Cover wird nicht verzichtet. Root Down (and get it), welches mir im Original von Jimmy Smith (Root Down - Jimmy Smith Live!) allerdings besser gefällt, stellt aber die Ausnahme dar, das restliche Programm stammt gleichermaßen aus der Feder aller Musiker. 

Höhepunkt der Platte stellen für mich die Abgeh-Nummern Spaztastic und der Titelsong dar, hier darf gerne mitgerockt, äh gegrooovt werden. Mein absolutes Highlight ist allerdings Animal/Work, welches mit einem interessanten Einstieg und einem noch interessanteren Drum-Solo von Mr. Bergman glänzt. Nicht nur das, die geile Nummer weiss auf ganzer Linie zu überzeugen, alle Musiker kommen hier zu ihrem Recht und die 7 Minuten rauschen wie im Flug an mir vorbei. In diesem Fall kann ich nur sagen: Ganz großes Kino.

Alles in allem hätte ein singendes Bandmitglied sicherlich für die eine oder andere Abwechslung gesorgt, doch We Want Groove gefällt mir auch ohne. Besonders erfrischend auch die Tatsache dass Herr Bonamassa sich in das homogene Bandgefüge zu absolut gleichen Teilen einbringt wie alle anderen Musiker dies auch tun. Das kennen wir ja auch anders von ihm.

So gehen knapp 70 Minuten einer sehr erfrischenden Platte sehr schnell vorbei. Bleibt das knapp 12 minütige Bonusmaterial in Form einer DVD, die neben dem offiziellen Octopus-e Video einige Einblicke in das Studiotreiben der Musiker bietet. Ein nettes Beiwerk das die gelungene CD ordentlich ergänzt. 

Fazit: We Want Groove dürfte all jene Hörer begeistern, die keine Schranken kennen und auf der Suche sind nach Musik abseits eingetrampelter Pfade. Wer dieses Bestreben nicht verspürt, sollte eher vorsichtig sein, könnte aber positiv überrascht werden.


Freitag, 22. Februar 2013

Charing Cross - Sinspiration

Band: Charing Cross
Album: Sinspiration
Spielzeit:  59:48 min.
Plattenfirma: Fastball Music (Soulfood)

Veröffentlichung: 08.03.2013
Homepage: http://charing-cross.ch
 


WERTUNG:  8,5 von 10



Tracklist: 

 1.  Miracle Man
 2.  Fallen Angels
 3.  Twilight Zone
 4.  Alone
 5.  Road To Nowhere
 6.  Coming Home
 7.  Handful Of Pain
 8.  H8
 9.  Thrill Me / Kill Me
10. Hell On Wheels
11. Wild Honey
12. Twisted Mind
13. Ashes To Ashes


Dass in der schönen Schweiz nicht nur Banken beim Steuerhinterziehen helfen und altgediente Sportler und sonstige Promis ihre Abgaben dort frei verhandeln können, sondern, dass das kleine Nachbarland auch Garant für gediegene Rockmusik ist, wissen wir nicht erst seit Gotthard, Shakra & Co. In diese "Hall Of Fame" wollen sich auch die Jungs von Charing Cross einreihen. 
Die Geschichte der Band geht bis Ende der 80er zurück, startete aber letztlich wirklich erst 1993 so richtig durch, als Gitarerro Pascal Zwyssig zum Line-Up stieß. Die nächsten Jahre waren geprägt durch etliche Besetzungswechsel und viel Touren sowie 4 Demos und einer EP, bis sich 2009 dann endlich das jetzige Line-Up fand. An den Stimmbändern ist nunmehr Peter Hochuli zu finden. Nach dem Debut "We Are...Charing Cross" liefern die nach der gleichnamigen Londoner Underground Station benannte Band in "Sinspiration" nunmehr ihr Zweitwerk ab, das im folgenden seziert werden soll:
Mit "Miracle Man" ist als Einstieg auch gleich ein ordentlicher Abgehsong im Stil der alten Gotthard (nur ohne Blueseinflüsse- zum Glück für Blues hasser wie mich!)im Programm, den man besser nicht wählen hätte können. "Fallen Angels" drosselt dann leider schon wieder das Tempo, da hätte ich nochmal lieber was flotteres nachgelegt, nichtsdestotrotz ein schön stampfender Track, der im Livegewand sicherlich noch um einiges besser rüberkommen wird. "Twilight Zone" dreht danach wieder an der Temposchraube. Charing Cross verstehen es sehr gut,  traditionellen Hardrock und melodischen Metal zeitgemäß zu interpretieren. Die Scheibe wirkt recht frisch und unverbraucht. Man merkt, dass die Band schon länger im Business ist und seit über 20 Jahren (wenn auch mit einigen Besetzungswechseln) existiert. "Sinspiration" ist erst das zweite  Album, aber es ist durch die Bank gelungen. Die Produktion passt zum Stil der Truppe, schön erdig abgemischt das Ganze. Und auch die meist mehrstimmigen Chorgesänge beweisen Liebe zum Detail und sind es wert, gehört zu werden. Neben härteren Rockern gibt es auch leichtere Kost wie z.B. das mehr als hitverdächtige "Road To Nowhere", dass etwas an "Someday I'll be Saturday Night " von Bon Jovi erinnert, nur dass diese eine so gute Nummer leider nicht mehr hinbekommen. "Coming Home" hat dezente Edguy-Einflüsse, ist locker-flockig und fröhlich wie so viele Songs von Tobi & Co, lässt aber die gesunde Härte auch nicht vermissen. "Handful Of Pain" ist dann wieder etwas für die "Fäuste-nach-3-Bier-in-den-Himmel-recken-und-mitgrölen"-Fraktion, was nicht negativ gemeint ist. Eine schöne Mitsinghymne, die im Konzert sicher zu einem längeren Singalong unter den Fans führen wird. Die Ballade "H8" ist für mich das Highlight der CD, der Text verdient hierbei besondere Beachtung, geht es doch um den Zustand des heutigen Radios und der Musikszene insgesamt: "Go to hell you fucking idiots - we are sick of all your radio hits but you can't kill Rock and Roll". Harter Tobak aber doch die blanke Wahrheit. Das alles verpackt in einer ohrwurmartige Melodie - fertig ist der Topsong der Scheibe. Ausfälle finde ich auf "Sinspiration" grundsätzlich keine, von den restlichen Songs sticht noch das Rock'n Rollige "Wild Honey" (ebenfalls ein Ohrschmeichler) sowie das knapp 8minütige Epos "Ashes To Ashes" heraus, dass beinahe schon Queen'sche Anwandlungen zeigt. Die Scheibe benötigt zwar ein paar Durchgänge, doch es sind gerade diese Scheiben, die einen nicht schon beim fünften Hören langweilen. ZU den Langeweilern gehört "Sinspiration" nun aber wirklich nicht - im Gegenteil. Gotthard sind und bleiben wohl die Nummer eins im Schweizer Rock-Zirkus, nach der ebenfalls starken Shakra-Scheibe  und der enttäuschenden neuen Krokus gehören Charing Cross zu den Anwärtern auf den Vizethron im Schoki-Land. 
Essentiell für Freunde des guten melodischen Hard & Heavy-Rocks und eine der ersten wohltuenden Überraschungen 2013! Abstriche gibt es lediglich für vielleicht ein/zwei Songs , die das insgesamt sehr hohe Niveau der Scheibe nicht ganz halten können und das doch etwas unpassende klischeehafte Artwork und auch der Tatsache, dass die Lyrics im Booklet nicht komplett sondern nur auszugsweise wiedergegeben werden. Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau. Charing Cross kann zu einer sehr guten Scheibe gratuliert werden.


Martin

Wild Rose - Dangerous

Band: Wild Rose
Album: Dangerous
Spielzeit: 45:03 min.
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 22.02.2013
Homepage: www.wildrose.gr

WERTUNG: 6,5 von 10

Tracklist:

1. Alone
2. Hold On
3. I Can't Stop Loving You
4. If You Still Love Me
5. Dream On
6. Awake
7. Tonight
8. I Won't Forget You
9. Is This Love
10. Not A Day Goes By

Ein eingewachsener Zehnagel ist gefährlich, aber bestimmt nicht diese Scheibe! Die griechischen Melodic Rocker bieten auf ihrem Zweitling AOR, welcher ganz stark von Bands aus den '80ern beeinflusst ist. Dem Sextett ist mit "Dangerous" ein Rock-Scheibchen gelungen, welches man am besten mit unzähligen Veröffentlichungen, aus Italien, vergleichen kann. Das heisst: Ambitionierter Silberling, dem man das durchschnittliche, songwriterische Talent und die Ideenlosigkeit, zu jeder Sekunde anhört. WILD ROSE wären schon vor 30 Jahre nur als mittelmäßige Formation durchgegangen.

Die vor 9 Jahren gegründete Band brachte 2011 ihr Debüt "Half Past Midnight" heraus, welches mit durchaus positiven Resonanzen, von Kritikern und Fans, aufgenommen wurde. Man trennte sich vom damaligen Sänger und holte den Frontmann der Gruppe PUSH, David A Saylor, an Board. Neben ihm gehören noch Dirty Haris (Keyboard), Andy Rock (Gitarre, Produzent), Phil Gun (Bass), Tiniy Karpo (Gitarre) und Junior (Schlagzeug) der Formation an.

"Dangerous" verfügt über eine druckvolle und saubere Produktion und auch die Musiker sind handwerklich versiert. Man merkt, dass hier keine Stümper am Werke sind. Sänger David hat ein 1 A Organ, welches perfekt für Melodic Rock / AOR Nummern geeignet ist. Nicht zu melodiös, leicht angeraut und sehr kräftig. Bei der Auswahl des neuen Vocalisten haben die Musiker ein gutes Händchen bewiesen.

Ich hätte mir gewünscht, dass sie dieses auch beim Schreiben der Songs gehabt hätten. Aber stattdessen herrscht totale Langeweile. Die Nummern sind alle sehr vorhersehbar, es gibt kein herausstechendes Highlight und die Combo verfährt, bei jedem Song (!), nach dem typischen Schema F, beim Komponieren. Jedes Gitarrensolo und jeder Keyboardeinsatz lässt sich schon erfühlen. Ich erwarte keine großartigen Innovationen, im Melodic Rock, aber diese geballte Einfallslosigkeit ist schon erschreckend. Auf mich wirkt das Material krampfhaft, am Reißbrett, zusammengeschustert. Des weiteren gelingt es der Band nicht, mit keiner einzigen Komposition, sich von ihren Vorbildern (JOURNEY, TOTO, STRANGWAYS und FM) zu lösen.

Eine Hörempfehlung kann ich, beim besten Willen, nicht abgeben, da alle Nummern einfach so an mir vorbei geplätschert sind, ohne einen großen bzw. guten Eindruck zu hinterlassen.

Wild Rose sind kompetente Musiker und verfügen über einen richtig guten Sänger, aber was ihnen komplett abhanden geht, ist das Talent diese Pluspunkte mit guten Songs zu kombinieren.

"ALLESGUTFINDER" werden vor Freude, über "Dangerous", ausflippen und zum Kauf raten. Ich kann es definitiv nicht. Dafür ist mir das Songwriting einfach viel zu schwachbrüstig.

Mehr als eine "ganz nett" Wertung kann ich hier nicht vergeben. 6,5 Punkte sind, aus meiner Sicht, eine faire und realistische IST-Aufnahme.

Götz

Donnerstag, 21. Februar 2013

Heartbreak Radio - On Air

Band: Heartbreak Radio
Album: On Air
Spielzeit: 49:10 min.
Plattenfirma: AOR Heaven
Veröffentlichung: 22.02.2013
Homepage: www.facebook.com/HeartbreakRadio

WERTUNG: 8 von 10

Tracklist:

1 - LOVE ON FIRE - Lead vocals: Pierre Weinsberg
2 - ANGELINA - Lead vocals: Pierre Weinsberg
3 - YOU ARE LOVE - Lead vocals: Olof Bengtsson
4 - TURN ON LOVE - Lead vocals: Mikael Erlandsson
5 - I WILL LOVE YOU - Lead vocals: Jim Jidhed
6 - LIVE OUT OF LOVE - Lead vocals: Mikael Erlandsson
7 - ALL OVER THE WORLD - Lead vocals: Ulrik Arture´n
8 - MY HEART`S JUST MISSING YOU - Lead vocals : Mikael Erlandsson
9 - KEEP KICKIN IT BACK AGAIN - Lead vocals: Martin Gabriel
10 - MY HEART`S JUST MISSING YOU - Lead vocals : Mikael Erlandsson
11 - YOU DONT LOVE ME ANYMORE - Lead vocals: Henrik Bååth

Es  ist schwer zu beschreiben, aber die zweite Scheibe der Musiker hat es einfach in sich und irgendwie greife ich immer wieder gerne auf sie zurück. Ihre unbeschwerte lockere Art macht mir einfach Spaß und hilft mir wunderbar zu entspannen. Wer nicht unbedingt bei TERRORIZER oder MORBID ANGEL den Tag Revue passieren lässt / runterfährt, sondern dies auch mit moderaten Klängen à la TOTO, JOURNEY und CHICAGO macht, ist mit "On Air" gut beraten. Das schwedische Projekt widmet sich ganz den ruhigen Westcoast/AOR Klängen und schmeckt diese mit ein bisschen Pop ab.

Der harte Kern von HEARTBREAK RADIO besteht aus den Musikern:
Mats Johannson (ASIA) - Gitarre
Berra Holmgren (ACE OF BASE) - Bass
Johan Axelsson - Keyboard
Wojtek Goral (STEVIE WONDER) - Saxophon
Peter Strandberg (JEFF SCOTT SOTO) - Schlagzeug

Auf dem selbstbetitelten Debüt waren hauptsächlich Pierre Weinsberg (u. a. ELEVENER) und Mikael Erlandsson (LAST AUTUMN'S DREAM) für den Gesang zuständig. Auch 2013 greifen die Musiker auf die Dienste der beiden Barden zurück und holten sich gleich noch 5 weitere Sänger ins Studio. Also wird bei der gesanglichen Leistung schon eine Menge Qualität und Abwechslung geboten.

Die Skandinavier zeigen sich musikalisch breit gefächert und bieten rockige Töne, eingängige - schon in den Bereich Pop/Rock zu zählende - Nummern, swingen sich relaxt durch einige Tracks und zeigen sich von ihrer verspielten, teilweise leicht jazzigen Seite. Genau wie ihre alten Helden, servieren sie uns diese wirklich auf eine sehr gekonnte Art und Weise. Den einzigen Kritikpunkt den ich hier anbringen muss ist, dass mir so mancher Song einfach viel zu seicht und glatt aus den Boxen kommt.

Angenehm überrascht hat mich Pierre Weinsberg bei dem AOR Rocker "Love on Fire", welcher unweigerlich Erinnerungen an typische '80er US Bands weckt. Seine warme Stimme passt sehr gut zu der "Gute Laune" Nummer, die über klasse Hooklines und einem super catchy Refrain verfügt. "Angelina" bietet wieder den Sänger, wieder die musikalische Ausrichtung und auch die Qualität ist gegeben. Generell finde ich die Nummer sogar ein bisschen kraftvoller dargeboten und gefällt mir dadurch ein bisschen besser. Mit "You Are Love" steigt die Band in das Thema Westcoast ein. Der verspielte Track erinnert, von der Gesangsharmonnie und vom Rhythmus, ganz stark an TOTO. Schon alleine die Intonierung der Gitarre und des Keyboards ist die Westcoast-Legende in Reinkultur. Die swingende Nummer "Turn On Love" hat zwei riesige Faktoren, welche dafür sorgen, dass der Song ein Knaller ist. Ich mag Bläser/Saxophon - Einsätze im Westcoast/AOR total gerne und die hier gebotene, swingige/jazzige Ausrichtung macht einfach Spaß. Der zweite Punkt ist der Gesang. Erlandsson's rauchige Stimme passt perfekt zu seinem Hauptarbeitgeber, aber das sie auch bei dem Track super funktioniert, hätte ich nicht erwartet. Eine totale Überraschung und mein persönlicher Favorit auf "On Air". "I Will Love You" geht in Richtung radiotaugliche BRYAN ADAMS Halbballade, wobei hingegen der ALIEN Sänger, mit seiner Stimme, eher einen SMOKIE - Touch verpasst. Das rockige "Live Out Of Love" ist eine feine AOR Nummer, bei der Erlandsson den Glanzpunk setzt. Der Vocalist ist einfach eine Bereicherung für jede Formation! Das anschließende "All Over The World" verfügt über einen coolen, swingenden Rhythmus, einer relaxten Gitarrenarbeit und einem verspielten Bass. Irgendwie ist der Song total chillig, wofür auch das jazzige Pianospiel hauptverantwortlich ist. Geht ungewöhnlich stark in Richtung CHICAGO, mit starkem Pop Appeal.

Rockfans, die es auch gerne mal entspannter mögen, sollten "On Air" einem Hörtest unterziehen. Ich bin mir sicher, dass sie, an so mancher Nummer, ihre helle Freude haben werden.

Die Schweden gehen vielseitig, musikalisch auf hohem Niveau und sehr professionell an die Sache. Mir fehlt ein bisschen der allerletzte Kick. Gut und sehr hörenswert ist das Album auf jeden Fall.

Von meiner Seite gibt es 8 lockere, entspannte, um die Ecke swingende, rockige und poppige Punkte.

Götz

Mittwoch, 20. Februar 2013

The Mahones - Angels & Devils

Band: The Mahones
Album: Angels & Devils
Spielzeit: 47:03 min.
Plattenfirma: Whiskey Devil Records
Veröffentlichung: 01.02.2013
Homepage: www.themahones.ca

WERTUNG: 10 von 10
 

Tracklist:

    Shakespeare Road
    Angels & Devils
    Spanish Lady
    Medley in E minor :
        Cruel Of Turf
        The Pigeon On The Gate
        The Battle Of Aughrim
    Angel Without Wings / Merry Christmas Baby
     The Waiting
    The King Of Copenhagen
    Past The Pint Of No Return
    Medley in D minor:
        The Connaught Man’s Ramble’s
        Christmas Eve Reels
        Johnny’s On Fire
    Whiskey Train
    The Revolution Starts Now
    Makes No Sense At All (HÜSKER DÜ Coverversion)
    Tin Soldiers (Stiff Little Fingers Tribute)
 

"THE MAHONES wäre noch frei und vielleicht das richtige für Dich!" antwortete Markus mir auf die Frage, was es denn noch zu besprechen gäbe. Also habe ich kurz reingehört und Cheffe gleich mitgeteilt, dass er mit seiner Einschätzung richtig lag. Seitdem dreht sich das 8. Studioalbum, der kanadischen Formation, mindestens 2 mal am Tag in meiner Anlage. Das Quintett hat sich vor mehr als 2 Dekaden, am Saint Patricks Day, gegründet. Das ist schon einmal ein kleiner Hinweis, welche mögliche musikalische Ausrichtung den Zuhörer erwartet und man muss wirklich keine Raketenwissenschaft studiert haben um herauszuhören, welche Haupteinflüsse sich durch diesen Silberling ziehen.

Die vier Herren und die wirklich ansehnliche Dame haben mit "Angels & Devils" ein feuriges, schnelles und atemberaubend virtuoses Celtic (Punk) Rock Album veröffentlicht, welches einfach nur mitreist, gute Laune verbreitet und wohl das beste Release, in diesem Genre, 2013 darstellen wird. Klar, wir haben erst Februar und die Aussage mag sehr gewagt sein, trotzdem bleibe ich dabei. Die MURPHYS haben zwar ein superbes Album, letzten Monat, veröffentlicht, dieses kann aber mit dem neuen Output der Kanadier einfach in keinen Belangen/ zu keiner Sekunde mithalten. Die Power, Spielfreude, Kreativität, Rohheit und Virtuosität der MAHONES verhelfen zu einem ganz souveränen und klaren Punktesieg.

Mir war die Combo bisher nur durch hörensagen bekannt und sie hat den Ruf einer sehr tollen Live-Formation. Wurde also höchste Eisenbahn, mir ein Bild  über die Qualitäten des Fünfer zu verschaffen - wenigstens auf Plastik.

Das kanadische Fünfblatt besteht aus:
Finny McConnell - Gesang, Gitarre und Mandoline
Katie "KaBoom!" McConnell - Akkordeon und Gesang
Paul "Cuzo" Mancuso - Bass
Sean Winter - Banjo, Mandoline und Mundharmonika
Dom "The Bomb" Whelan - Schlagzeug

Wer Bands wie THE POGUES, ältere DROPKICK MURPHYS (als sie die sympathische Ungestümheit noch nicht ad acta gelegt hatten), SOCIAL DISTORTION und die, von mir über alles verehrten, HÜSKER DÜ gerne mal auflegt, bekommt durch diese sympathische Band, alle deren Vorzüge in einem geboten. Diese Mixtur wird so extrem locker und lässig serviert, weckt die Lust zum Mitgröhlen/Mittanzen und wer nicht automatisch mitwippt, sollte schleunigst seine Reflexe testen lassen!

An ihre musikalischen Fähigkeiten lassen alle beteiligten Bandmitgieder überhaupt keine Zweifel! Die meisten Tracks werden verdammt flott dargeboten und trotzdem sitzt jede Note, jedes Instrument wird sauber und klar in Szene gesetzt und wunderschöne Melodien intoniert.
Sänger Finny verfügt über das genretypische, whiskygetränkte und schroffe Organ, welches aber mit so mancher Überraschung aufwartet. Das der Rüpel fast nach Bob Mould (HÜSKER DÜ, SUGAR und Solo) klingen kann, hätte ich weniger vermutet.

Hauptsongwriter McConnell hat einen sehr erfrischenden Strauß an fröhlicher Unterhaltungsmusik komponiert, die aus flotten Irish Punk Rock - Nummern, traditionellem Punk Rock und ruhigen Nummern besteht. Die Nummern sind alle natürlich sehr eingängig, besitzen ein hohes Wiedererkennungsmerkmal und sind, bis auf die 2 Coverversionen, alle Ohrwürmer der Extraklasse!!!

Das Titelstück stimmt einen auf 47 Minuten richtig genialen Celtic Rock ein. Die feine Rock N' Roll Note gibt dem flotten Starter noch einmal den gewissen Kick. Sehr cooler und überzeugender Beginn des Albums. Spätestens beim zweiten Track muss man mitwippen! Der fulminante Pub-Rock-Mitgröhler geht sofort ins Bein und man sehnt sich danach THE MAHONES live zu erleben. Es geht aber auch richtig traditionell. Dies beweisen sie mit dem rasend schnell vorgetragenem "Spanish Lady". Hier wird gedudelt, gefidelt und einfach herzerfrischend schön Gas gegeben. Den Herren und der Dame liegen irische Traditionalls und dies beweisen sie auch mit den 2 richtig tollen Medleys aus "a. Cruel Of Turf b. The Pigeon On The Gate c. The Battle Of Aughrim" und "a.The Connaught Man's Ramble's b. Christmas Eve Reels c. Johnny's On Fire". Danach folgt, meine absolute Lieblingsnummer, "The Waiting". Wie weiter oben schon angedeutet, überrascht Finny mit einem Gesang, der dem von Bob Mould wirklich sehr nahe kommt. Die Melodieharmonien ähneln denen der Gruppe SUGAR - zu deren Debüt "Copper Blue"- und zaubern mir einen Schauen auf dem Rücken. Viel melodischer wird es bei dem Weihnachtslied "Angel Without Wings / Merry Christmas Baby". Lautstärkepegel auf 10 und noch einmal schön Bescherung feiern! Das Duett mit Felicity Hamer präsentiert den Mikro-Rüpel auf Schmusekurs. Hier ist nichts peinlich oder schmalzig, sondern einfach alles total schön! Nach so ruhigen Tönen müssen THE MAHONES mal wieder richtig schön auf die Tube drücken und dies machen sie mit dem fetzigen Punk Rocker "King Of Copenhagen".  Bei " The Revolution Starts Now" gibt es eine richtig schöne Mischung aus Mitsing-Parts und deftige, fast modern klingende, Rock Elemente. Das Wechselspiel und auch das einbringen der elektronisch verzehrten Vocalparts gefällt mir sehr gut. Trotz dieser beiden Gegensätze zündet die Nummer gut durch und animiert zum Abfeiern. Die Coverversionen des HÜSKER DÜ Songs "Makes No Sense At All" und STIFF LITTLE FINGERS "Tin Soldiers" beenden diesen STRUNZGEILEN Silberling!

Wer auch nur annähernd etwas mit THE POGUES, FLOGGING MOLLY und DROPKICK MURPHYS anfangen kann, braucht "Angels & Devils" ganz, ganz, ganz dringend!

Wer auf mitreißnden, flotten und unverbrauchten Celtic Rock steht, braucht das Album ganz, ganz, ganz dringend!

Wer als Rockanhänger auch gerne mal über den Tellerrand hinaus schaut, braucht den Silberling ganz, ganz, ganz dringend!


Zweifler, an der Klasse des Albums bzw. der Band, haben die Möglichkeit sich die "Angels & Devils EP" zu downloaden. Die Band hat diese auf Noisetrade gesetzt und bietet sie dort kostenlos und legal an! Oder hört zumindest in die vier Songs rein!
Download-Link:

THE MAHONES - Angels & Devils EP

THE MAHONES ist mit ihrem achten Album ein riesiger Wurf gelungen und es gehört zu den Top-Alben aus dem Genre. Ach was rede ich für ein dummes Zeugs ..."Angels & Devils" ist das Top Album aus diesem Bereich!

Ich lass mir das Bandlogo auf meinen, stetig wachsenden, Bauch tätowieren!!!

PFLICHTALBUM!!!

*nuff said*

10!!!

Götz

Dienstag, 19. Februar 2013

Shannon - Circus Of Lost Souls

Band: Shannon
Album: Circus  Of Lost Souls

Spielzeit:   56:05 min.
Plattenfirma: Music Buy Mail
Veröffentlichung: 01.03.2013
Homepage: http://www.shannon-rock.com/

 



WERTUNG:  6,5 von 10

 


Tracklist:





  1. Ride To Live
  2. Forever Now
  3. Halfway To Heaven
  4. Can't Stop The Rain
  5. Don't Get Me Wrong
  6. Dust To Dust
  7. Death On The Run
  8. Let's Make Rock
  9. Kick It Down
10. I Don't Need You Anymore
11. In Your Eyes
12. Drive Me Crazy
13. Smalltown Boy (Cover)








Bei Musik aus Frankreich denkt man nun nicht unbedingt an Melodicrock der Marke alte Bon Jovi gepaart mit ein paar härteren, metallischeren Klängen, aber genau das ist es, was uns die Truppe aus dem Nachbarland vorsetzt. Zudem noch in Englisch, was ja auch nicht immer der Fall ist von Bands aus diesem Land, die sich ja z.B. auch weigern , Bandnamen original "Englisch " auszusprechen. Man muss da nur einmal das französische Radio einschalten und man hört "Bonn Schowiiiiii" oder "Öhrosmisssss" mit dem schönsten franzöischen Akzent. So sind die eben unsere französischen Brüder.
Was uns Shannon (nicht zu verwechseln mit der kurzlebigen Disco-Braut der 80er) hier vorsetzen ist auf der einen Seite zwar charmant gemacht und hat auch Schmiss, doch wenn manche Lieder (und es sind sogar mehr als nur "manche") absolut identisch aufgebaut sind und auch vom Drumming wenig bis gar keine Abwechslung bieten, macht sich auch oftmals schnell Langeweile breit. Dies ist bei "Circus Of Lost Souls" leider über weite Strecken der Fall. Mit dem schmissigen Einstand "Ride To Live" (siehe Video) geht die Scheibe sehr gut los. Die Produktion allerdings bremst den ersten Enthusiasmus aber doch schon etwas, klingt mir das Ganze doch etwas zu arg scheppernd. Viele Songs sind nach dem "1-2-3-4 Riff-Hau-Mal-drauf"-Modus aufgebaut. Sicher freut man sich, wenn es flotte Stücke gibt (es gibt genauso viele Negativbeispiele, wo man geradezu mal auf einen schnellerTrack zwei unterscheidet sich schon kaum vom Opener, und auch "Halfway To Heaven"folgt dem gleichen Strickmuster. Das Ganze ist wie gesagt mehr in den 80ern verwurzelt und hat sicherlich etwas für Anhänger des tradionellen härteren Melodicrocks zu bieten, doch gewinnt man heutzutage mit sowas auch keinen grossen Blumentopf mehr. Viele Melodicrocker wärmen heutzutage nur vielfach gehörtes neu auf und stecken es lediglich in eine neue Umverpackung. 
Highlight der Scheibe ist die zwar nicht spekatakuläre aber doch gutklassige Ballade "Can't Stop The Rain", die das "Immer auf die 12"-Prinzip endlich mal durchbricht. "Don't get me wrong" ist dagegen erneut speedig, hat aber immerhin einen guten Refrain. Die Songs  #6-10 einzeln zu besprechen wäre sinnlos, weil sie sich wirklich nur marginal voneinander unterscheiden. Da macht sich dann doch sehr schnell ein erstes Gähnen breit, sicherlich recht gut gemacht aber eben auch höllisch eintönig. Am Ende lässt einen "In Your Eyes" immerhin etwas aufhorchen, ein AOR-lastiger Track, der mich etwas an Bon Jovis "In These Arms" erinnert. "Drive Me Crazy" ist dann wieder die typische Formel der Abgehsongs neu aufgewärmt. Eine kleine Überraschung gibt es noch mit dem doch recht gelungenen Cover des 80er Jahre Bronski Beat Disco Hits "Smalltown Boy", in der Rockversion recht witzig zu hören und endlich einmal wieder etwas Abwechslung von doch über weiter Strecken gebotenen Einheitsbrei.
Insgesamt gesehen bietet "Circus Of Lost Souls" einfach zu wenig um in der Veröffentlichunsschwemme gehörig aufzufallen. Die Produktion ist eher schwach und drucklos und die Scheibe mit 13 Songs einfach zu lange und mit viel zu wenig Abwechslung gespickt. Zudem ist der hohe Gesang manchmal auch etwas nervig. Bei etlichen Songs hat hab ich als Hörer das Gefühl, dass die Drum und Gitarrentracks einfach nur mit einer etwas anderen Gesangslinie abgewandelt wurden. Wenn ein Coversong schon eines der Highlights darstellt ist das auch nicht immer das beste Zeichen. Mich überzeugt die Platte leider nicht und so kann ich nur 6,5 Punkte vergeben. Nett aber nicht mehr.

Martin


 





































Buckcherry - Confessions

Band: Buckcherry
Album: Confessions
Spielzeit: 52:11 min.
Plattenfirma: Eleven Seven Music
Veröffentlichung: 15.02.2013
Homepage: www.buckcherry.com

WERTUNG: 8 von 10

Tracklist:
       
01. Gluttony
02. Wrath
03. Nothing Left But Tears
04. The Truth
05. Greed
06. Water
07. Seven Ways To Die
08. Air
09. Sloth
10. Pride
11. Envy
12. Lust
13. Dreamin'Of You

Hach, ist das schön! Die Rotzbengel BUCKCHERRY beehren uns mit einem neuen Langeisen und schieben eine eindrucksvolle, musikalische Visitenkarte durch die Türschlitze der US amerikanischen Rock-Konkurrenz. Der rotzige, leicht sleazige Hardrock der vergangenen Tagen wird weiterhin zelebriert, Josh Todd (brachte während des Splits ein hervorragendes Solo-Album heraus) cooler, leicht punkiger Gesang ist weiterhin dominant und die Songs klingen so powervoll, wie man es von den bisherigen Outputs gewohnt ist. Und trotzdem hat sich einiges in kompositorischer Hinsicht getan. Mit dem Material auf "Confessions" bewegen sich die Herren auf Augenhöhe mit VELVET REVOLVER, GUNS N' ROSES und SLASH's Solo-Arbeiten. Diese Vergleiche sind nicht aus der Luft gegriffen, denn in der Vergangenheit arbeitete der zutätowierte Rüpel Todd schon mit den ehemaligen GUNNER's Slash, McKagan und Sorum zusammen und wurde kurzzeitig als Sänger einer gemeinsamen Band in betracht gezogen.

Aufgefallen sind mir BUCKCHERRY auf dem Mission Impossible II Soundtrack und hatten mich gleich komplett verhaftet. Der rotzige und unbändige Hardrock hatte mich sofort in seinen Bann gezogen und ich musste mir das Debüt und den Nachfolger "Time Bomb" zulegen. Dieser war aber nicht ganz so stark wie der Erstling und es kam wie es kommen musste: Kritiken waren nicht mehr so gut und im Studio lief es auch nicht mehr. Man bekam sich in die Haare und ging getrennte Wege. 2005 fand man wieder zueinander, veröffentlichte zwei bärenstarke Releases ("15" und "Black Butterfly"). 2010 folgte "All Night Long", welches für mich persönlich aber eher musikalische Stagnation offerierte.

Der neue Silberteller ist das sechste Output der LA Combo, welche im Heimatland schon Gold- und Platinauszeichnungen für die vorherigen Alben erhielt, und stellt auch das reifeste Werk dar. Die Jungs sind ruhiger geworden und die ungestüme Rohheit/das Wilde der Vergangenheit wird inzwischen durch druckvolle, durchdachte und weiterhin energische Rocknummern abgelöst. Dabei ist das neue Material auf keinen Fall harmloser, sondern eher der berühmte Wolf im Schafsfell.

Seit ihrer Reformierung 2005 musizieren sie in folgender Konstellation:
Leadgesang, Gitarre - Josh Todd
Rhythmusgitarre, Leadgitarre, Backing Vocals - Keith Nelson
Rhythmusgitarre, Leadgitarre, Backing Vocals - Stevie D.
Bass, Backing Vocals - Jimmy Ashhurst
Schlagzeug - Xavier Muriel

"Confessions" ist mit einer rauen und fetten Produktion ausgestattet, die absolut keine Wünsche offen lässt. Die Scheibe klingt modern, rotzig und nach einer Menge Rock and Roll.

Josh's Stimme könnte eine hochgefährliche Mutation aus OZZY und Scott Weiland sein, hat aber mehr Coolness in der Stimme als beide Barden zusammen. Passt natürlich zu den expliziten Lyrics des Hauptmotors der Band. Sein langjähriger Wegbegleiter Keith Nelson serviert sehr feine, messerscharfe Riffs und hat ein super gutes Händchen für ein energisches und stets melodiöses Spiel. Die verbleibenden Musiker zeigen sich als sehr versierte Rocker, welche der harte Rock durch den Adern ließt. Eine sehr solide Leistung von Stevie, Jimmy und Xavier.

Auffällig vielseitig ist das Songwriting ausgefallen. Das Material pendelt zwischen rotzigen Abgeh-Rockern, einigen Midtempo Tracks und ruhigen, fast schon balladesken Nummern. Diese sind ganz nach dem alten Erfolgsrezept gestrickt und schielen  in Richtung Edelstahl. Nur ein kleines Manko ist wieder vorhanden, welches auch in der Vergangenheit schon präsent war: Es fehlen die überragenden Nummern bzw. es fehlt ein Hit auf dem Album.

Der Kick-Ass Starter "Gluttony" zeigt klar auf, wo der die Locken trägt. Ein saustarker Rhythmus, Todd's nölig und lässiger Gesang, ein hämmerndes Schlagzeug und eine astreine spielerische Leistung des Gitarristen machen den Track richtig sexy. Ist natürlich ein optimaler Start. Der gute Eindruck wird durch "Wrath" noch bestärkt. Der Sänger pendelt zwischen rotzigem Gebrülle und Gesang, Nelson glänzt durch sein variantenreiches Spiel und der Rest der Mannschaft rockt unbarmherzig straight und druckvoll. Das locker vorgetragene "Nothing Left But Tears", das laut-leise Dynamik Spiel "Greed", das harte "Water" und der Rotz-Rocker "Seven Ways To Die" machen einfach eine Menge Spaß und stehen für qualitativ hohe BUCKCHERRY - Ware. Unter den 13 Tracks befinden sich, wie weiter oben schon erwähnt, auch einige ruhigere Nummern. Bei diesen Songs kistalisieren sich " The Truth" und das tonnenschwere, bluesige "Sloth" als kleine Perlen heraus. Besonders letzgenannter Song wird fast schon heavy dargeboten und Josh's Gesang geht einem durch Mark und Seele. Ganz stark ist auch der Auftritt von Nelson und man könnte fast meinen, dass hier Slash an der Gitarre arbeitet.

Ob in Europa der große Durchbruch gelingen mag, bezweifle ich. In Ami-Ländle werden die fünf Jungs wieder mächtig absahnen, soviel steht fest. Mir fehlen einfach noch ein paar Nummern, die mich ganz tief in meinen Bürosessel drücken.

Wer auf gutklassigen, modernen Stadion Rock der Marke VELVET REVOLVER und SLASH steht, sollte dem starken "Confessions" unbedingt eine Chance geben. Das Material kann ganz locker mithalten!

BUCHCERRY haben wieder einmal bewiesen, dass sie zu den ganz starken Interpreten des sleazigen Rocks gehören.

Ich rotze mal lässige 8 Punkte in Richtung der Band.

Götz

Montag, 18. Februar 2013

The Black Marbles: Made In Concrete





Band: The Black Marbles
Album: Made In Concrete
Spielzeit: 44,53 Minuten
Plattenfirma: RKC / New Music Distribution
Veröffentlichung: 01.März 2013
Weltweites Netz: www.theblackmarbles.com

Wertung: 7,5 / 10


Trackliste:

1.  Night And Day
2.  Loveshine
3.  The Dog
4.  Looks
5. Good Lovin´
6.  Free Your Mind
7. Chinese Jambalaya
8. Lovin´Kind
9. All Out Of Money
10. Don’t Fade Away
11. Poor Boy Blues
12. The Stealer

Die Skandinavier, insbesondere die (alten) Schweden scheinen in den letzten Jahren einen ungebändigten Born der Inspirationen aufgeschlossen zu haben, was frisch klingende Veröffentlichungen, ungebremste Kreativität, Mut für neue Pfade, haufenweis Bandgründungen und auch Bewahrung der traditionellen Roots in Rock und Metal betrifft. Wir Zentraleuropäer verdanken unseren frostigen Nachbarn da allerhand seit den letzten drei  Dekaden der Rockgeschichte: das Beste am Norden ist nicht der selbstherrliche allemanische NDR, sondern die vielfältige Rockkultur der nordischen Halbinsel.
Nun wieder eine Neugründung und gleich ein Debut dazu: “The Black Marbles“ aus Göteborg zementieren uns im noch frischen Jahr 2013 also “Made In Concrete“.
Black Marbles, das sind aktuell:

Kaj Paxeús – Vocals
Phlip Karlson – Guitars
Krister Selander – Bass
Tobbe Bövik – Drums and Percusussion.

Allerdings ist die Musik der 4 schwarzen Murmeln keineswegs starr und schwer wie eine Betonmischung.
“ Made In Concrete“ ist ein federnd -  luftiges, wippendes Honky – Tonk des Classic Rock, unterlegt mit einem sehr warmen Soul. Die 12 Titel sind fast ausnahmslos (“Good Lovin“ ist ein tolles Genrewerk des Bluesrock, aber was für ein großartiges  Oeuvre!) im klassisch traditionellen Gefilde der Mainwurzel angesiedelt. Eine vitale Frontalkonfrontation der gutlaunigen Mitten.
Will man dieses abgegraste Feld beackern, so ist es kein einfaches Unterfangen nicht beliebig oder langweilig zu klingen  - die Marbels lösen diesen Spagat, teils gastmusikalisch unterstützt,  mit schönen  Differenzierungen; hier mal eine Slide – Gitarre, dort ne Hammond, ein kleines 12 Saiter –Western – Zitat, Sachen die uns den Hörspaß über die Spielzeit hinweg mit den nötigen Facetten anreichern.
Bewegungsaffines Shuffle trifft 70bziger Stones –   und alte Faces, verwendet gelegentliche  Zeppelinzitate aus der III - Phase (Don´t Fade Away).   Unter all diesen Attributen groovt ein solides Bluesfundament.   
Da schimmern auch ein wenig, und das ist gut so, die (leider nicht mehr existenten) Hellacopters durch. Hervorzuheben für die Platte sind die Gesangsleistungen vom gänsepellenerzeugenden  und röhrenden Überraschungsvocalisten  Kaj Paxeus und die mit einem Schuss kratzbürstigem Southern unterlegte, geradlinige und gekonnt pfeffrige Gitarrenarbeit von Phlip Karlson, jener ist mal bei Paul Gilbert in die Lehre gegangen. Wobei er, wie oben erwähnt, mit dem in die Plattenmitte zentrierten  Meisterwerk “Good Lovin“ eine Sternstunde im Solobereich und der Songdienlichkeit  absolviert. Ein Klasseteil!
Davon hätten wir uns gerne noch ein bisschen mehr gewünscht  und so sind einerseits in der Sukzession der  12 Track keine nennenswerten Ausfälle zu verzeichnen ( “Night And Day“ ist ein geradezu formidabler Eröffner) hingegen birgt die dauerhafte Negation jeglicher Experimente einer eventuellen partiellen Lethargie Vorschub, aber das ist lediglich Gefahr im Einzelfall ( “All Out Of Money“), die uns im schlussendlichen Fazit  bestärkt, dass die umweglose Linie durchaus, mittels charmanten Fluidum den nötigen Tiefgang schaffen kann.   


Und genau das zeichnet die vorliegende Betonmischung aus: eigenständiger Wiedererkennungswert auf solider Basisrezeptur, die Spaß macht.  “The Stealer“, der 12te und letzte Titel entlässt uns aus der Dreiviertelstunde auf dem gleich guten Level wie der Start.
 
Keine riesengroße Ouvertüre einer neugegründeten Rockband, aber eine wirklich gute Erstpräsentation, die bei herzoffenen Rockkonsumenten auf Sympathie stoßen wird. 
Von 10 Punkten gibt’s einen Punkt Abzug für Innovation, einen Weiteren für fehlende Abwechslung im ersten Drittel und einen Halben für das Cover: 7,5 Punkte!
Befürworten wir, unbedingt reinzuhören, und ich drücke den Jungs die Daumen, dass sie es schaffen!

Stephan Schneider