Freitag, 29. Juni 2012

Blackmore's Night - A Knight In York

 
Band: Blackmore's Night
Album: A Knight In York (Live)
Spielzeit: 79:41 min.
Plattenfirma: Sony Music
Veröffentlichung: 29.06.2012
Homepage: www.blackmoresnight.com

WERTUNG: 7,5 von 10

Trackliste:

01. Locked Within The Crystal Ball
02. Gilded Cage
03. The Circle
04. Journeyman
05. World Of Stone
06. The Peasant's Promise
07. Toast To Tomorrow
08. Fires At Midnight
09. Barbara Allen
10. Darkness
11. Dance Of The Darkness
12. Dandelion Wine
13. All The Fun Of The Fayre
14. First Of May

Ritchie Blackmore (ex-DEEP PURPLE) und seine Liebste Candice Night sind wieder auf mittelalterlichen Renaissance Pfaden unterwegs gewesen und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn ihre 2011er Tournee führte sie endlich wieder nach England und dort ins Grand Opera House im beschaulichen York. Genau der richtige Rahmen also, um den Spielleuten Beifall zu zollen, oder? Um ehrlich zu sein, habe ich BLACKMORES NIGHT nach den ersten beiden Alben etwas aus den Augen verloren. Schließlich bin ich doch mehr auf Rock und Metal eingestellt. 

Das konnte ich endlich wieder ändern, denn "A Knight In York" enthält zum großen Teil Stücke aus den beiden neuesten Studioalben "Autumn Sky" and "Secret Voyage". Und um ehrlich zu sein, die Stimmung im Publikum in York ist großartig und sämtliche Stücke werden wirklich sauber gespielt und entführen den Hörer tatsächlich in frühere Zeiten, auch wenn ich nicht glaube, das Mittelaltermusik wirklich teilweise so stark von Popmusik durchsetzt war, wie ihn Frau Night und Co zelebrieren. Doch das könnte man als Annäherung an heutige Hörgewohnheiten verstehen. Schade, dass anscheinend nicht das komplette (über 2 Stunden lange) Konzert auf die Schillerscheibe gepresst wurde. Während die CD Spielzeit tatsächlich voll ausgeschöpft wird, hätte so denke ich auf der DVD noch was drauf gepasst. Doch hier geht es ja um die CD. Also zurück zum Wesentlichen. 

Ich war echt positiv überrascht, denn sämtliche Stücke werden hier mit einer Hingabe dargeboten, dass es sogar mich als Rocker teilweise regelrecht fesselt. Als ich dann auch "Fires At Midnight" genießen darf, welches ich tatsächlich vorher schon gekannt habe, haben mich BLACKMORES NIGHT eigentlich endgültig gefangen genommen, wenn, ja wenn nicht das große wenn wäre. Denn die in meinen Ohren nicht gelungene LADY GAGA Einlage, die vielleicht mit entsprechendem Bildmaterial noch halbwegs komisch wäre, verfehlt auf CD völlig ihr Ziel und reisst mich abrupt aus meinen mittelalterlichen Träumereien. Denn die kurze "Bad Romance" Hommage bei "Toast To Tomorrow" finde ich völlig daneben. Tut mir leid, sollte man als professionelle Band eher nicht machen. Auch das zwar überraschende BEE GEES Cover von "First Of May" am Ende der Scheibe trägt nicht zu meiner guten Laune bei. By the way, natürlich singt Candice Night auch diesen Song wirklich gut, doch die spartanische Instrumentierung langweilt mich total und versprüht für solch einen Abschluß zu wenig Charme. 

Schade für diese beiden Minuspunkte, denn gerade die für schöne Gitarrensoli von Herrn Blackmore verwendete Spielzeit lässt mich von einer neuen vielleicht auch rockigeren Scheibe des Gitarrengottes träumen. Neben dem grandiosen "Fires At Midnight" kann ich als Anspieltipp noch "Journeyman" nennen, bei dem auch die elektrische zum Einsatz kommt und das lange Solo richtig Spaß macht.

Markus

Mittwoch, 27. Juni 2012

69 Chambers - Torque





Band: 69 Chambers
Album: Torque
Spielzeit: 64:17 min.
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 27.04.2012
Homepage: www.69chambers.com

WERTUNG: 7 von 10

Tracklist:
1. Cause And Effect (feat. Chrigel Glanzmann)
2. Bring On The Flood
3. Naughty Naughty Naughty
4. Anhedonia
5. Burn Some Gasoline
6. The Peep Hole
7. Ring A Bell
8. Closure
9. And Then There Was Silence
10. Temple Down
11. Your Fool
12. The Doom Of Her Power
13. Grace
14. Elegy

Das zweite Album der wieder zum Trio geschrumpften 69 CHAMBERS habe ich bereits lange Zeit hier liegen und auch mittlerweile verdammt oft gehört und trotzdem weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll. Klar, es gibt einige fette Metal Riffs aus den Händen von Tommy Vetterli, Ehefrau Nina Vetterli-Treml hat eine richtig gute Stimme und die Mischung aus eingängigem fast schon poppigen Alternative und heftigem Metal mit einigen modernen Elementen ist auch nicht schlecht. Doch so wirklich nehmen mich 69 CHAMBERS nicht gefangen. 

Unterstützt von Chrigel Glanzmann (ELUVEITIE) startet "Cause And Effect" gleich mal als heftiges Duett, bei dem Chrigel erwartungsgemäß sich die Seele aus dem Leib growlt, während Nina den weiblichen Gegenpart gibt und die Riffs ballern auch ganz schön. Mir gefällt der Anfang also schon mal. Allerdings läuft dann "Bring On The Flood" etwas an mir vorbei - zu poppig und luftig - irgendwie substanzlos. Verdammt träge doomt anschließend "Naughty Naughty Naughty" aus den Tieftönern und schafft es nicht mich auch nur eine Sekunde zu fesseln. Komischerweise wache ich bei "Anhedonia" wieder auf - flott, auf den Punkt, melodisch und trotzdem hart. Endlich finde ich wieder ein Stück gelungen.

Doch dann plätschert "Burn Some Gasoline" wieder vor sich hin. Hallo, wenn ich Benzin verbrenne, dann ist das heiß, aufregend, spannend usw.. Doch hier - nichts. Und das Auf und Ab geht weiter - "The Peep Hole" liefert wieder eine richtig ordentliche Leistung des Trios. "Ring A Bell" habe ich anfangs für eine Cover Version gehalten, wahrscheinlich weil Nina tatsächlich beim Gesang an ALANIS MORISSETTE erinnert. Ebenfalls gut geworden. In den weiteren Minuten des insgesamt über 64 Minuten langen Albums liefern sich gelungene Parts mit weniger gelungenen ab und so kann ich euch noch als Reinhörtipps das heftigere "And Then There Was Silence" und das atmosphärisch intensive "Grace" empfehlen. 

Beim Rest hat mich meist kaum etwas gepackt und so bleiben 69 CHAMBERS dann auch bei knappen 7 Punkten stehen. Ich hab das Gefühl da ist noch viel mehr Potenzial vorhanden, welches die drei Schweizer aber noch regelrecht entfesseln müssten. Ich bin aber zuversichtlich, dass das noch klappen wird.
    
Markus

Knock Out Kaine - House Of Sins

Band: Knock Out Kaine
Album: House Of Sins
Spielzeit: 49:42 min.
Plattenfirma: Dott Music
Veröffentlichung: 18.05.2012
Homepage: www.knockoutkaine.com

WERTUNG: 9 von 10

Tracklist:
1. Welcome
2. House Of Sins
3. Liquor Up
4. Little Crystal
5. Set The Night On Fire
6. Backstreet Romeo
7. Skinstar
8. Coming Home
9. Going Down
10. Time
11. Save Me
12. Moving On
13. Coming Home (radio edit) - Bonus

Moment mal - sind MÖTLEY CRÜE wieder auferstanden? Nein, kann nicht sein, die gibt es noch und die rocken auch noch zumindest live halbwegs ordentlich ab. Doch was uns die Newcomer KNOCK OUT KAINE aus Großbritannien mit ihrem Debüt hier servieren ist bester Sleaze-Hardrock, wie ihn CRÜE oder SKID ROW groß gemacht haben und wie es ihn zur Zeit in dieser Qualität allerdings tatsächlich nicht oder kaum noch gibt.

Nach einem kurzen Jahrmarkts-Intro legen die Briten um Frontmann Dean Foxx mit klassischen Riffs und verdammt viel Power los. "House Of Sins" erinnert jederzeit an die Glanzzeiten in den 80er Jahren. Lediglich die druckvolle Hammerproduktion haben damals nicht alle Bands gehabt. Und die ist wirklich allererste Sahne - Ewan Davies (der auch schon die KAISER CHIEFS oder ARCTIC MONKEYS produzierte) und Mixer Ray Stuff haben hervorragende Arbeit geleistet. Solch ein Album hätte vor 25 Jahren eingeschlagen wie eine Bombe und KNOCK OUT KAINE hätten vor dem Grunge wahrscheinlich Stadien füllen können.

Doch auch anno 2012 sollte es genügend Menschen geben, die solch eine gute Laune Rock Scheibe verdammt geil finden. Ich gehöre jedenfalls dazu. 11 Hits am Stück liefern KNOCK OUT KAINE ab - bei "Liquor Up" hebe ich die Gläser und singe mit, bei "Little Crystal" glänzen die Augen vor Freude, was ich bei "Set The Night On Fire" mache, versteht sich von selbst. Party ist angesagt. Doch was dann mit "Backstreet Romeo" folgt, kann ich euch kaum beschreiben. Das ist einfach ein Hit, wie ihn GUNS N ROSES nicht besser in ihrer Karriere hingekriegt haben. Gut, vielleicht lasse ich mich grade noch zu sehr anstecken und mein Jubel ist nicht gerade sehr objektiv, aber dieser Song hat mich gekrallt und lässt mich nicht mehr los. Mit der Ballade "Coming Home", die in einer über 6 Minuten langen Version und einer 4 Minuten Radio Edit Version zu hören ist, liefern die Briten ein weiteres Highlight ab. Gefühlvoll, trotzdem spannend und mit einem Gänsehaut Refrain ausgestattet. Herrlich.

Für einen Song wie "Time" würden CRÜE heute wahrscheinlich morden, trotz der früheren Großtaten - und viele aktuelle Sleazer/Hardrocker dürften feucht im Schritt werden. Ok, das war nicht besonders taktvoll sondern eher eklig - Entschuldigung. Doch so langsam gehen mir die Superlativen aus und ich bleibe daher mal schnell bei 9 von 10 Punkten stehen, denn wer weiß, welche weiteren Ohrgasmen uns KNOCK OUT KAINE noch zu bereiten imstande sind. In mein Herz haben sie sich ganz fest gespielt und die CD kriege ich kaum noch aus dem Player. Wer diese CD nicht kauft, ist selber schuld und verpasst wahrscheinlich das Album des Jahres im Sleaze-Hardrock Bereich.     



Markus

Dragony - Legends

Band: Dragony
Album: Legends
Spielzeit: 52:18 min.
Plattenfirma: Limb Music
Veröffentlichung: 22.06.2012
Homepage: www.dragony.net

WERTUNG: 7,5 von 10

Tracklist:
1. Of Legends...
2. Burning Skies
3. Land Of Broken Dreams
4. Dragonslayer
5. Wings Of The Night
6. Vaults Of Heaven
7. The Longest Night
8. Hero's Return
9. The Ride
10. Alcador

Eigentlich bereits letztes Jahr im November als Eigenpressung entstanden, sind die Österreicher DRAGONY nun bei Limb Music unter Vertrag und diese werden nun hoffentlich dafür sorgen, dass der traditionelle symphonische Power Metal der sechs Wiener einem größeren Publikum bekannt gemacht wird. Denn das Debüt ist verdammt vielversprechend und hat neben namhaften Gastmusikern (wie Ralf Scheepers, der "Burning Skies" veredelt) auch richtig gute Musik zu bieten. Freunden von Bands wie EDGUY, frühere HELLOWEEN oder eben ganz vielen italienischen Bands dürften die typischen Schwerter-Fantasy-Drachentöter Lyrics und die klassischen Double Bass Attacken und Gitarrenriffs ordentlich munden.

Während ich bei "Burning Skies" noch skeptisch bin, da der Song wirklich nur von der genialen Röhre von Ralf Scheepers lebt, beweisen DRAGONY danach, dass mit ihnen auch ohne namhaften Gästen zu rechnen ist. Denn das folgende "Land Of Broken Dreams" hätte auch auf jedem HAMMERFALL ALbum eine gute Figur gemacht. Für eine ursprüngliche Eigenpressung ist der Sound auch gut gelungen, zu einer richtig bombastischen Produktion hat wohl noch das nötige Kleingeld gefehlt. Zum ersten Mal richtig begeistern können mich DRAGONY mit dem zwar nur aus den üblichen Bestandteilen bestehenden "Dragonslayer" - irgendwie überhaupt nichts neues, aber verdammt gut gemacht und tolle Melodien, die im Ohr hängen bleiben. Das epische "The Longest Night" bleibt ebenfalls hängen und das trotz der langen Spielzeit von 8 1/2 Minuten, kompositorisch ist alles im grünen Bereich - DRAGONY wissen definitiv wie man einen Spannungsbogen komponiert und das grenzt sie schon mal von 99,9% der italienischen Bands deutlich ab. Und wenn MANOWAR auf ihrem aktuellen Album behaupten, sie würden "back to the roots" gehen, dann sollten sie "The Ride" anhören, das ist bester Stahl der alten Schule (und definitiv besser produziert als "The Lord Of Steel" mit dem nervenden übersteuerten Basssound).

Das intensive "Alcador" schließt schließlich 52 Minuten zwar keineswegs überraschende Minuten ab, das ist aber auch der einzige Vorwurf, den man machen kann. Denn ansonsten macht "Legends" irre viel Spaß und ich würde mich freuen, wenn die Band mal bei einer der großen des Genres im Vorprogramm auf Tour kommen würde und mich auch live von ihren Qualitäten überzeugen kann. Auf Konserve haben sie es geschafft.   

Markus

Freitag, 22. Juni 2012

Crucified Barbara - The Midnight Chase





Band: Crucified Barbara
Album: The Midnight Chase
Spielzeit: 45:22 min.
Plattenfirma: GMR Music
Veröffentlichung: 25.05.2012
Homepage: www.crucifiedbarbara.com

WERTUNG: 8,5 von 10

Tracklist:
1. Crucifier
2. Shut Your Mouth
3. Into The Fire
4. Rules And Bones
5. Everything We Need
6. If I Hide
7. Rock Me Like The Devil
8. Kid From The Upperclass
9. The Midnight Chase
10. Count Me In
11. Rise And Shine


Dass schwedische Mädels nicht nur gut aussehen können, sondern auch rotzigen Hardrock spielen können, hat das Quartett um Sängerin Mia Coldheart bereits mit den ersten beiden Alben bewiesen. Warum das Promoblatt aber unbedingt auf die Teilnahme beim schwedischen Vorentscheid des Eurovision Song Contest und dem Erreichen des Halbfinales dort verweisen möchte, weiß ich nicht. Ich finde, das ist gerade beim angesprochenen Publikum nicht die beste Referenz. Doch genug davon, denn CRUCIFIED BARBARA rocken wirklich geil ab.

Mit MÖTORHEAD-ähnlichen Gitarren braten die Damen bei "The Crucifier" dann auch sofort ein Feuerwerk ab, das mit leichten Thrash und Punk Elementen versetzt, erstklassigen Rock N Roll bietet. Die richtig dreckige rotzige Produktion macht schon hier klar, dass hier absolut nix glatt poliertes zu erwarten ist, sondern der Matsch noch an den Stiefeln klebt. Der Aufforderung "Shut Your Mouth" kommt Mia dann glücklicherweise nicht entgegen, denn gerade in dem Song klingt ihre Röhre wirklich echt geil. Das Gaspedal ist auch bei "Into The Fire" weiter bis ans Bodenblech durch getreten und was dann bei "Rules And Bones" passiert, lässt mir die Kinnlade runter klappen. Nach einem atmosphärischen kurzen Intro legt Klara Force an der Gitarre beim Refrain alles in Schutt und Asche, melodischer zwar als die ersten drei Stücke und trotzdem mit einer Power und Energie, die regelrecht funkensprühend aus den Boxen dir ins Gesicht springt. Geil!!!

Dann gibt es zum ersten Mal leider mit "Everything We Need" einen Song, der mich nicht ganz so begeistern kann. Da hab ich das Gefühl, dass die Handbremse ein wenig im Spiel ist. Macht aber nix, da mich das folgende ruhige "If I Hide" wieder mitreissen kann. "Rock Me Like A Devil" sagt vom Titel schon alles aus, ist aber nur ordentlich geworden, obwohl das Meckern auf hohem Niveau ist, denn andere Bands wären über solch einen Song verdammt froh. Doch mittlerweile sind die Ohren von "The Midnight Chase" schon irre verwöhnt und so kann ich guten Gewissens sagen, dass mit dem abschließenden "Rise And Shine" 45 Minuten zu Ende gehen, die mich von den Qualitäten der schwedischen Powerfrauenband vollauf überzeugt haben.

Irgendwie würde ich die Mädels jetzt gerne mal live abrocken sehen  und das tatsächlich hauptsächlich der Mucke wegen. Ohne Witz, haha. "The Midnight Chase" ist ein geiles Album, das verdammt nochmal einfach rockt. Wer sich unbedingt noch selber ein Bild machen will, kann das gerne am Mittwoch, 27.06. ab 20.00 Uhr bei Radio Paranoid (www.radio-paranoid.net) tun, denn dort präsentieren wir "Rules And Bones" als Tipp der Woche.

Markus

Mittwoch, 20. Juni 2012

Anathema - Weather Systems

Band: Anathema
Album: Weather Systems
Spielzeit: 55:45 min.
Plattenfirma: KScope
Veröffentlichung: 20.04.2012
Homepage: http://www.anathema.ws

WERTUNG: 10 von 10

Tracklist:
1. Untouchable - Part I
2. Untouchable - Part II
3. The Gathering Of The Clouds
4. Lightning Song
5. Sunlight
6. The Storm Before The Calm
7. The Beginning And The End
8. The Lost Child
9. Internal Landscapes

Egal in welche Schublade ANATHEMA auch gesteckt werden, ihre Platten bis ins kleinste Detail seziert werden und hier und da etwas zu bemängeln gibt, muss jeder Kritiker, sich und dem Hörer gegenüber eingestehen, dass diese britische Band einfach einzigartig/innovativ ist und der Musikszene, mit jeder Release, neue Impulse versetzt. Egal ob man nun die Frühphase der Band nimmt oder die letzten Erscheinungen betrachtet, einen mittelmäßigen oder gar schlechten Output gibt es von der Formation einfach nicht. Mit einer Stilkategorisierug tue ich mich sehr schwer bei den Briten, da ihr Sound einfach wahnsinnig vielseitig ist. Die Briten haben sich immer mehr von ihren Metalwurzeln entfernt und schon ihre letzten Scheiben boten anspruchsvollen Rock, welcher an Melancholie/Schwermütigkeit, bombastischen/epischen/virtuosen Elementen und wunderschönen melodischen Songarrangements nicht mehr zu toppen war ... so schien es zumindest.

Mit "Weather Systems" geht die Mannschaft diesen eingeschlagenen Pfad weiter und ihr ist ein atemberaubend schönes Kunstwerk gelungen, welches schwer zu begreifen ist und mit Sicherheit nicht, nach nur einen Hördurchlauf, seine ganze Schönheit offenbart. So langsam kommt bei mir der Verdacht auf, dass sich die Combo immer mehr vom eigentlichen Bandcharakter entfernt und sich selbst mehr als ein Project sieht. Die momentane Konstellation spricht auf jeden Fall dafür.
2012 besteht die Band/das Project aus:
Vincent Cavangh - Gesang und Gitarre
Lee Douglas - Gesang
Danny Cavanagh - Gitarre und Keyboards
Jamie Cavanagh - Bass
John Douglas - Schlagzeug und Keyboards

Ein nicht ganz unbekannter Sänger/Gitarrist/Songwriter hat das atemberaubende Machwerk produziert und einen phantastischen Sound hinbekommen, der zu der Art von ANATHEMA's Musik am besten passt. Klar, bombastisch und natürlich klingt dieser Silberling. Er hat den Grundgedanken und die Motivation der Formation begriffen und einfach perfekt umgesetzt. Danke dafür, Herr Steven John Wilson (PORCUPINE TREE und produzierte u. a. MARILLION, PAATOS, FISH, OPETH etc.)!

Musikalisch wird ganz großes Hallenhockey geboten. Die Instrumentalisten bewegen sich auf einem ganz hohen, technischen Niveau. Die Gitarrenarbeit des Gespanns Cavanagh/Cavanagh lässt nur offene Münder zurück und egal, ob sie sich im eher akustischen Metier befinden oder auch die elektrischen Töne von sich geben, die beiden Jungs sind einfach begnadete Virtuosen an ihren Instrumenten. John Douglas und Jamie Cavanagh agieren absolut banddienlich, liefern keine Eskapaden und brechen nur dann aus, wenn die Bandköpfe ihnen wohlwollend zugenickt haben. Der Wechselgesang von Lee und Vincent ist das Herz der Platte. Sängerin/Sänger hauchen den Stücken erst das Leben ein und bringen diese Musik zum Pulsieren. Dieses Gespann harmonisiert einfach bestens und verleiht dem Material den entsprecheden Vibe. Vincent's sonores Organ zieht den Hörer in seinen Bann und Lee's zauberhafte Stimme ergänzt/unterstützt dabei, den Songs noch mehr Tiefe und Abwechslung zu geben. Ich könnte noch Stunden über dieses Duo schwärmen!

Grandiose Songs hat die Combo schon immer geschrieben und 2012 ist es auch nicht anders. Intelligente Songstrukturen treffen auf packende Melodien und diesmal ist ihr gelungen, Melancholie, meistens ruhige Arrangements, Bombast und Virtuosität in allen 9 Liedern perfekt miteinander zu verbinden. Egal ob die Nummern zurückhaltend, rein akustisch gehalten sind oder einen rockigen (für ANATHEMA-Verhälntnisse) Anstrich haben, jeder Song explodiert im Kopf, sobald er den Weg in den Gehörgang geschafft hat und vom Gehirn verarbeitet wurde. Es entstehen wunderbare Szenarien in der Phantasie des Zuhörers und diese fesseln einen so sehr, dass man wahrlich süchtig nach den Klängen wird und gezwungen ist immer wieder den Repeat-Button zu drücken. Mir fällt es echt schwer Highlights hervorzuheben. Man muss diese Scheibe unbedingt am Stück hören und bereit sein, sich auf eine spannende, emotionsgeladene Entdeckungsreise einzulassen, denn sonst funktioniert "Weather Systems" nicht. Macht euch "naggisch" und springt in den Ozean der Gefühle!

"Untouchable, Pt. 1" und "Untouchable, Pt. 2" bilden ein tollen, symphonischen, teilweise akustischen Rockopus mit wunderschönen Piano/Streicherparts und zwei Engelsstimmen, die einem wahrlich berühren und man jede Textzeile gespannt mitverfolgt. Die elektrische Gitarre bricht im richtigen Moment aus dem ruhigen Soundgerüst und löst damit eine Lawine an Emotionen aus. Vincent singt wie ein junger Gott und lässt seiner Gefühlen freien Lauf. Lee's Stimme sorgt sofort für eine Gänsehaut und besonders, wenn die beiden im Duett singen, ist es um einen geschehen. "The Gathering of the Clouds" startet mit einem Gewittersample, welches von einer grandiosen Gitarre abgelöst wird. Vincent's Gefühlswelt schlägt Kapriolen und so leidet er gesanglich durch den Song. Die Sängerin bildet den guten Gegenpart und das Duo wird von aufwendigen Klavier/Streichersamples bis zum Schluß begleitet. Man bekommt nicht wirklich mit, dass "Lightning Song" nahtlos anschließt. Spärlich arrangiert und wieder mit Streicher/Keyboardssamples ausgestattet, setzt sich eine wunderschöne Melodie im Kopf fest und die Sängerin hat ihren großen Auftritt. Sie wird partiell von Vincent begleitet und singt sich, durch den immer anspruchsvoller werdenden Song, mit einer faszinierenden Souveränität. Mit "The Storm Before the Calm" folgt 9 1/2 Minuten monströser Art Rock. Ein düsterer und bedrohlicher Rhythmus wird immer wieder durch Gesangsfetzen unterbrochen, die in einen tollen Refrain des Duo's münden. Die Band setzt auf elektronische Spielereien / Samples und sorgt dafür, dass der Song unwahrscheinlich spannend aufgebaut ist. Er hat fast eine apokalyptische Grundstimmung, die jegliche Zuversicht / Hoffnung schon im Keim erstickt. Das unheimliche Stück kippt ganz plötzlich durch den Einsatz einer wundervollen Gitarrenmelodie und Lee's leichten, zerbrechlichen Gesang. Dann nimmt der Titel wieder an fahrt auf und Vincent verzweifelter Stimme thront über eine symphonische Struktur und wirkt schon fast majestätisch. Mit diesem Verlauf konnte man beim besten Willen nicht rechnen. Absolut hörenswert und für mich das Highlight auf der Scheibe. "Weather Systems" bietet aber noch viel, viel mehr und wartet nur darauf von euch entdeckt zu werden.

ANATHEMA ist, mit der Scheiblette, der absolute und erhoffte große Wurf gelungen. So packend, spannend und mitreißend wird Art Rock nur sehr selten dargeboten. Der Rundling ist einfach nur wunderschön. Eine erstklassige Gesangsleistung des Duo's, ein wahnsinnig geiles Songwriting und das Feeling, Emotionen musikalisch zu vertonen, macht diesen Output zu einer der besten CD's des Jahres. Einfach perfekt!

Neben den strangen PHIDEAUX gehört der Band die Zukunft in Sachen anspruchsvollen Rock.

Für dieses Meisterwerk vergebe ich 10 grandiose Punkte.

Götz

Joe Bonamassa - Driving Towards The Daylight

Interpret: Joe Bonamassa
Album: Driving Towards The Daylight
Spielzeit: 56:27 min.
Plattenfirma: Mascot
Veröffentlichung: 18.5.2012

WERTUNG: 9 von 10

Ach wie ist das schön. Da meint man die Musikszene nach jahrzehntelangem Musikkonsum halbwegs zu kennen und wird dann wie aus dem Nichts eines Besseren belehrt. In diesem Fall von JOE BONAMASSA, dem begnadeten Gitarristen, Songwriter, Solo-Artisten und Mitglied der Black Country Communion, welcher Studio-Produktionen und Live-DVDs momentan gleich reihenweise veröffentlicht. So hat sich der 35-jährige US-Amerikaner im Laufe der letzten Jahre eine treue und rasant anwachsende Anhängerschaft verdient.

Diesen Mann schnöde zu ignorieren muss ich mir als groben Fehler eingestehen. Nicht daß ich mich nie mit dem Mann beschäftigt hätte, im Gegenteil, seine CDs laufen durchaus bei mir...BCC insbesondere. Nein, er blieb bei mir nicht hängen...seine Scheiben haben mich einfach nicht vom Hocker gehauen. Doch genau das ist nun anders: DRIVING TOWARDS THE DAYLIGHT haut mich vom selbigen.

Was ist passiert ?

Im Gegensatz zu den Vorgängerscheiben bilde ich mir nun ein in seiner Musik das Herz des Blues schlagen zu hören, den Schweiß und die schwül-warme Südstaaten-Abendluft fühlen zu können. JB sieht sich zwar eher als britischen denn amerikanischen Blues-Rocker, doch im Falle von DRIVING TOWARDS THE DAYLIGHT sehe ich ihn deutlich in der Tradition der Künstler welchen er auf dieser hervorragenden Scheibe huldigt. Und mit Ausnahme von Bernie Marsden sind sämtliche Interpreten die er hier covert (Robert Johnson, Howlin' Wolf, Willi Dixon, Bill Withers und Tom Waits) US-Amerikaner. Selbst aus der (ohnehin grandiosen) Bar-Jazz Nummer New Coat Of Paint von Tom Waits zaubert er einen ebenfalls excellenten Blues.
Aber auch seine Eigenkompositionen, vier Stück an der Zahl, können...und das ist das faszinierende an der Scheibe, absolut mithalten. Gleich der Opener Dislocated Boy zieht den Hörer herunter in einen 56 Minuten dauernden Bann der bis zur Schlussnummer anhält. Und spätestens mit dem Titeltrack wird obendrein klar welch unerschöpfliches Potential auch in dem Songwriter JOE BONAMASSA steckt. Dass er sämtliche Gitarrentechniken und -künste beherrscht wundert ja ohnehin niemanden mehr, doch wie erwähnt hat seine Musik heute eine Seele. Und sein stark verbesserter Gesang (neben BONAMASSA hören wir allerdings noch Jimmy Barnes (Cold Chisel) am Mikro) rundet diese angenehme Veränderung ab. Dazu kommt ein spoken Intro von Howlin' Wolf, dem BONAMASSA mit der vierten Nummer Who's Been Talking die Ehre erweist.
Letztlich setzt eine glasklare, aber druckvolle Produktion, die auf seinen letzten Alben durchaus vermisst wurde, dem Ganzen die verdiente Krone auf.

BONAMASSA hat mich und viele andere mit dieser Scheibe gepackt, wir werden noch eine Menge Spaß mit dem Mann haben, da bin ich mir absolut sicher. Die nächste Black Country Scheibe ist ja schon in Arbeit und ich freue mich wie ein Kind.


Anspieltipps: Driving Towards The Daylight, Who's Been Talking?, New Coat Of Paint, Too Much Ain't Enough Love

Trackliste:

  1. Dislocated Boy
  2. Stones In My Passway
  3. Driving Towards The Daylight
  4. Who's Been Talking ?
  5. I Got All You Need
  6. A Place In My Heart
  7. Lonely Town Lonely Street
  8. Heavenly Soul
  9. New Coat Of Paint
  10. Somewhere Trouble Don't Go
  11. Too Much Ain't Enough Love

Montag, 18. Juni 2012

Jolly - "Where Everything's Perfect" Videoclip


Die Progressive Rock Hopefuls JOLLY (waren im Vorprogramm von FLYING COLORS) haben einen Animationsclip zum Song "Where Everything's Perfect" abgedreht. Ganz im DIY-Stil lag die Produktion und Gestaltung/Umsetzung in ihren Händen.


Hier könnt ihr euch den ungewöhnlichen Clip anschauen.


Viel Spaß!

Sonntag, 17. Juni 2012

Lita Ford - Living Like A Runaway

Künsterlin: Lita Ford
Album: Living Like A Runaway
Spielzeit: 40:19 min.
Plattenfirma: Steamhammer/SPV
Veröffentlichung: 18.06.2012
Homepage: www.litafordonline.com


WERTUNG: 5,5 von 10 


Tracklist:


 1 Branded
 2 Hate
 3 The Mask
 4 Living Like A Runaway
 5 Relentless
 6 Mother
 7 Devil In My Head
 8 Asylum
 9 Love 2 Hate U
10 A Song To Slit Your Wrists By

Um es mit Jogi Löw zu sagen: Nach dem grauenvollen 2009er Desaster namens "Wicked Wonderland", eher einer Solo-Scheibe ihres mittlerweile verflossenen Ex-Gatten Jim Gilette, hatte Lita Ford eine "Bringschuld" in Form eines neuen, guten Albums. Ob dies 2012 mit "Living Like A Runaway" gelingt, gilt es zu untersuchen. Retrotitel als Bezug auf ihre Runaways-Vergangenheit, Interviews im Vorfeld, dass es "back To The Roots" gehen soll etc. Letztlich ist aber das finale Produkt entscheidend und das startet mit "Branded" irgendwie so gar nicht retro. Ein eher klischeehaftes Riff, das sich durch den gesamten Song durchzieht und ein ausgesprochen modernes Feeling charakterisieren den Titel. Nicht schlecht aber irgendwie nicht das, was man erwartet hatte. "Hate" schlägt in die gleiche Kerbe, tiefergestimmte Gitarren und ein sich kaum änderndes Hauptriff sowie ein eher schwacher Refrain. Auch so sieht kein "Back To The Roots" aus Frau Ford! In "Mask" wirds dann noch übler, Drumloops sowie verzerrte Gesangseffekte lassen einen die Augenbrauen hochziehen, lediglich der etwas melodischere Refrain retten den Song noch gerade Mal so über die Runden. Mit dem Titelsong kommt endlich etwas Aufheiterung in das Ganze. Ein ruhiger AOR-Song mit einer formidablen Melodie, der nun endlich wirklich an schon fast vergessen geglaubte Ford-Glanztaten heranreicht und den absoluten Höhepunkt der CD darstellt.  Dass Lita Ford nie eine herausragende Sängerin war, merkt man ja insbesondere live an ihrem doch etwas schiefen und dünnem Gesang, im Studio wird das aber einigermassen vertuscht, der Technik sei Dank. "Relentless" führt dann aber leider wieder die moderne Richtung fort, Synthetische Drums und tiefergestimmte Gitarren und ein  melodischer Refrain, aber mitnichten ein Highlight. Das gibt es erst wieder beim nächsten Track "Mother", einer Ballade, die etwas an "Close My Eyes Forever", Litas Duett mit Ozzy Osbourne, erinnert. Warum nicht immer so? "Devil In My Head" ist dann auch wieder ein recht stumpfer Midtemposong, der einen nicht gerade in Beifallsstürme verfallen lässt und das Niveau wieder erheblich nach unten zieht.Mit "Asylum" ist dann endlich ein melodischer Rocker im Angebot, der auch auf einem der älteren Lita-Alben stehen könnte. Gelungener Song. "Love To Hate You" ist ein Duett mit Prozent Gary Hoey, der Song ist wie der Titeltrack etwas AOR-angelehnt, ohne aber dessen Klasse zu erreichen. Nichtsdestotrotz einer der besseren Songs des Albums. Mit "A Song To Slit Your Wrist By" klingt das Album nach knapp über 40 Minuten mit einem von Nikki Sixx mitverfassten Track aus, welchen man bereits von dessen Side-Pojekt "58" kannte, dort aber mit seiner Industrial-Richtung eher reinpasste als auf ein Lita-Ford- Album. Alles in allem eine sehr zwiespältige Angelegenheit wie ich finde, die Back To The Roots Versprechungen oder andere hochtrabende (Promo-)Worte, wonach die Scheibe von "Dark Side Of The Moon" inspiriert wurde etc. sind eher lächerlich und lassen nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Living Like A Runaway" absolute Durchschnittskost ist. Die großen Zeiten von Lita Ford, sofern es die jemals gab, sind längst Vergangenheit, daran wird auch die aktuelle Tour mit Def Leppard und Poison in den USA nichts ändern. Und ob man mit Mitte 50 noch solche, m.E. eher peinliche  Promofotos (siehe unten) braucht, sei auch einmal dahingestellt. Sicher hat sie sich gut gehalten die Dame, aber irgendwie geht das auch stilvoller wie ich finde. Wie auch immer , mehr als 5,5 Punkte sind hier nun wirklich nicht drin.

Martin


Samstag, 16. Juni 2012

Gun - Break The Silence

Band: Gun
Album: Break The Silence
Spielzeit: 41:50 min.
Plattenfirma: earMusic/Edel
Veröffentlichung: 15.06.2012
Homepage: www.gunofficial.co.uk

WERTUNG: 9 von 10

Tracklist:
1. Butcher Man
2. 14 Stations
3. Lost & Found
4. Caught In The Middle
5. Break The Silence
6. How Many Roads
7. No Substitute
8. Bad Things
9. Innocent Thieves
10. Running Out Of Time
11. Last Train


Welcome back, GUN - möchte man den schottischen Rockern lauthals zurufen, kaum dass die ersten Töne ihres neuen Albums verklungen sind. Verdammt, ich hab gar nicht gewusst, wie sehr ich die Band in den letzten 14 Jahren vermisst hab. Klar an das Hitalbum "Swagger" mit dem Top 10 Hit "Word Up" (einer CAMEO Cover Version) konnte man sich immer erinnern. Doch auch gerade die ersten beiden Alben "Taking On The World" und "Gallus" standen für erdigen ehrlichen Rock der Güteklasse 1A. Gut, mittlerweile rutschen GUN auch mal ein wenig in die etwas poppigere Schiene ab, doch was dafür an großartigen Melodiebögen, genialen Hooks und guter Laune in "Break The Silence" enthalten ist, passt auf keine Kuhhaut.

Bereits "Butcher Man" hat ein wenig STONES Schlagseite und zeigt, dass nicht nur Mick und seine Jungs coole Stücke unter 3 Minuten auf die Beine stellen können. Besonders der mehrstimmige Gesang im Refrain scheint bei GUN anno 2012 zu einem Markenzeichen geworden zu sein, denn dieser wird uns auf "Break The Silence" noch öfter begegnen. Bei "14 Stations" wird dann endlich die E-Gitarre ein wenig stärker heraus geholt, dazu ein unwiderstehlicher Groove und eine weitere Rock Hymne ist geboren. Völlig unschlagbar und für mich der Sommerhit 2012 ist dann "Lost And Found", klar, easy listening, sehr poppig und doch unwiderstehlich schön. Grill an, Planschbecken raus und in Badesachen fröhlich durch den Garten hüpfen - genial? Oder durchgeknallt? Egal. Die Beine zucken jedenfalls automatisch mit und nach dem zweiten Durchlauf möchte man ständig mitsingen. Party pur.

Und wer denkt, GUN hätten nun ihr Pulver verschossen, sieht sich glücklicherweise völlig getäuscht, denn es gibt keinen einzigen Ausfall unter den 11 Stücken. Alles Rockhymmnen, die Spaß machen, die man mitsingt, mittanzt, mitsummt. Und was ich unvergleichlich finde ist auch der Titeltrack, der mich in der Strophe an meine geliebten SACCO & MANCETTI erinnert, um dann im Refrain nach COLDPLAY zu klingen. Hammer!! Für die weibliche Fraktion gibt es mit "How Many Roads" auch eine sehr gelungene Ballade, die zart, getragen und voller Sehnsucht aus den Boxen flirrt. Bei "Bad Things" zum Brit Pop noch ein bisschen Punk dazu gemixt und abermals haben GUN einen Hit am Start, bei dem die Lautstärkeanzeige meiner Stereoanlage gegen Anschlag tendiert.

Klar, progressive Elemente, Experimente oder ähnliches wird man auf "Break The Silence" nicht finden, dafür aber die Sommerrockparty des Jahres, die wahrscheinlich nicht nur bei mir rauf und runter gedudelt wird. Danke, ihr lieben Schotten, dass ihr euer Schweigen nach 14 Jahren gebrochen habt und uns mit eurem wahrscheinlich besten Album beglückt. Wer diese Album nicht kauft, ist selber schuld.  

Markus

Minor Utopia - Withering In The Concrete

Band: Minor Utopia
Album: Withering In The Concrete
Spielzeit: 51:15 min.
Plattenfirma: STF-Records
Veröffentlichung: 01.06.2012
Homepage: www.minorutopia.de

WERTUNG: 2 von 10

Tracklist:
1. Intro
2. Shards And Blue
3. Withering In The Concrete
4. Pneuma
5. C'est La Vie
6. Ulcerate Garden
7. Dead Moon
8. Hole In The Sky
9. Blacklist
10. Ethical Knockout
11. Miscarriage Frame
12. Diaphragma
13. Outro


"Withering In The Concrete" ist das Debütalbum des Trios MINOR UTOPIA und soll laut Presseinfo Progressiven Industrial Metal beinhalten. Tut es aber nicht. Von progressiv finde ich absolut keine Spur in den knapp 51 Minuten, höchstens mal ziellos, schwach komponiert und ein wenig chaotisch. Industrial? Ebenso Fehlanzeige, eine Handvoll etwas brachialer Riffs macht noch keinen Industrial Metal. Zu hören ist eher von Punk beeinflusster Thrash Metal, der aber ganz stark unter der miesen Produktion zu leiden hat. Selten habe ich so viele Instrumente völlig übersteuert gehört - ständig hat man das Gefühl irgendwas überschlägt sich gleich.

Nach einem halbwegs vernünftigen Intro folgt mit "Shards And Blue" ein fast 8-minütiger völlig langweiliger Thrash Song, bei dem auch die ganz schwache "Gesangsleistung" von Fronterin Michel(-le) sofort auffällt. Beim Titeltrack trifft ein rumpeliger Drumsound auf völlig schief gesungene "Melodielinien" und mir rollen sich ehrlich die Zehennägel hoch. Und verdammt, nichts absolut nichts kann mich eigentlich dazu verleiten noch weiter zu hören, nicht das öde Cover, nicht ein einziges interessantes Riff, nicht eine einzige vernünftige Melodie oder ein brachialer Drummer, nichts von alledem ist auf "Withering In The Concrete" zu finden. Doch ich habe mich durchgekämpft und wurde nicht belohnt.

Eher das Gegenteil, richtig schlimm wurde das schleppende Kaugummizähe "C'est La Vie", auch das leicht Alternative beeinflusste "Ulcerate Garden" läuft total langweilig vorbei - es gibt wirklich nichts interessantes zu entdecken für mich. Bei "Hole In The Sky" versucht Michel(-le) ein wenig stärker zu keifen, bringt aber auch nix, wenn man dann im Refrain kaum einen Ton trifft und denselben dann noch weniger halten kann. Ebenfalls richtig übel ist die Halbballade "Miscarriage Frame" - tut mir leid, aber ich habe echt in den letzten Jahren nicht einmal solch eine Rohstoffverschwendung und so wenig Talent auf einem Haufen gehört. Bitte, lieber Rostocker, tut mir einen Gefallen und überlegt euch die Chose mit der Metal Band Karriere noch einmal. Danke.

Markus

Dienstag, 12. Juni 2012

Man.Machine.Industry - Lean Back, Relax And Watch The World Burn

Band: Man.Machine.Industry
Album: Lean Back, Relax And Watch The World Burn
Spielzeit: 50:36 min.
Plattenfirma: GMR Music
Veröffentlichung: 11.05.2012
Homepage: www.manmachineindustry.blogspot.com

WERTUNG: 5,5 von 10

Tracklist:
1. To A Blood Red Sky
2. We Are The Walking Dead
3. Vivite Et Sinite Mori (Live & Let Die)
4. War God
5. Lean Back, Relax And Watch The World Burn
6. The Cage
7. Let Go
8. Eighties
9. What You See Is What You Get
10. The Blind Leading The Blind
11. Aim! Hold! Fire!
12. Time


Bereits das vierte Album hauen uns die Industrial Schweden von MAN.MACHINE.INDUSTRY dieser Tage um die Ohren. Für mich ist es allerdings der erste "Feindkontakt", haha. Sonderlich einfallsreich ist zumindest das Thema des Albums im Jahr 2012 nicht wirklich, denn es geht mal wieder um den Weltuntergang. Allerdings nicht vom Ende des Mayakalenders beeinflusst, sondern durch die Film-Doku "Aftermath: Population Zero - Die Welt Ohne Uns".

Ordentlich krachen lassen es die von Gruppen wie ROB ZOMBIE oder MINISTRY inspirierten Schweden gleich zu Beginn. "To A Blood Red Sky" tönt hasserfüllt aus den Boxen, unterstützt wird Sänger J. Bergmann dabei vom ALWAYS WAR Shouter Ronnie Nyman - kein schlechter Beginn. Deutlich gemäßigter kommt anschließend "We Are The Walking Dead" aus den Lautsprechern, ehe es mit "Vivite Et Sinite Mori (Live & Let Die)" zum ersten Mal etwas elektronischer wird. Coole Synthies. Dazu zwar ein klassischer aber mächtiger Bumms durch die Drums und sehr melodische Gesangslinien, die clever eingesetzt gut den Kontrast setzen. Der Anfang ist also schon mal ganz gut geglückt. Mit "War God" haben die Schweden noch ein weiteres Industrial Schmankerl in petto - lediglich der arg bemühte Wutgesang geht mir langsam auf den Keks.

Dann nehmen MAN.MACHINE.INDUSTRY das Tempo raus und der Titeltrack langweilt von der ersten bis zur letzten Sekunde, völlig uninspiriert und belanglos. Noch tiefer sinkt das Stimmungsbarometer bei der nachgeschobenen Ballade "The Cage" - Gähn!! So was von schlecht. Tja so schnell ist der gute Eindruck auch wieder verspielt. Einzig das von Jens Westin (CORRODED) intonierte KILLING JOKE Cover "Eighties" macht irgendwie noch Spaß, auch wenn die Drums schon arg eintönig daher kommen. Doch auch die restlichen Tracks können die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer holen.

So stark "Lean Back, Relax And Watch The World Burn" begonnen hat, so stark lässt es dann auch und so können 4 1/2 gute Songs gerade noch die 5,5 Punkte über die Spielzeit retten. Wenn die Welt wirklich so untergehen sollte, möchte ich nicht dabei sein, da sterbe ich ja vor Langeweile mittendrin.  

Markus

Sonntag, 10. Juni 2012

Slash - Apocalyptic Love

 
Band: Slash Feat. Myles Kennedy & The Conspirators
Album: Apocalyptic Love
Spielzeit: 61:09 min
Plattenfirma: Roadrunner Records (Warner)
Veröffentlichung: 18.05.2012
Homepage: www.slashonline.com


WERTUNG: 9,5 von 10

Tracklist
01. Apocalyptic Love
02. One Last Thrill
03. Standing In The Sun
04. You’re A Lie
05. No More Heroes
06. Halo
07. We Will Roam
08. Anastasia
09. Not For Me
10. Bad Rain
11. Hard & Fast
12. Far And Away
13. Shots Fired           
14 Carolina (Bonustrack)    
15 Crazy Life (Bonustrack)    

   
Slash ist ein vielbeschäftiges und fleißiges Kerlchen. Nach seinem 2010er Solodebut und einer ausgiebigen Tour steht nun mit "Apocalyptic Love" nun schon Album Nummer zwei ins Haus. War der Erstling mehr oder weniger eine Art "Projekt" mit grossen Namen wie Lemmy, Alice Cooper, Ozzy und vielen Anderen am Mikro, so sieht es beim Frischling hier ganz anders aus. Slash hat sich auf seine Tourband beschränkt und Apocalyptic Love live im Studio als 4-Piece eingetütet. Aufgenommen wurde analog, was man dem Sound auch anhört, denn dieser ist wunderbar druckvoll und dreckig, genau richtig für Rotz-Rock'n Roll ala Slash. Mit Myles Kennedy (Alter Bridge) hat Slash offenbar seinen perfekten Sidekick gefunden, er bekommt sogar den Namenszusatz auf dem  Cover. Merkt man manchen Scheiben, die digital aufgenommen werden und bei denen die Band nicht einmal zusammenspielt sondern sich nur per Net aus Kostengründen Soundfiles zusenden, ihre Sterilität geradezu an, ist es hier umgekehrt. Man könnte meinen, man wäre im Proberaum dabei und die Jungs knüppeln mal so eben 15 Songs raus. So wird es sicherlich nicht gewesen sein, denn Songwriting ist ja auch harte Arbeit, aber zumindest kommt es so in den Öhrchen an. Mit dem Titeltrack wird gleich groovig losgelegt, ein Stück, dass auch von den alten Gunners (R.I.P) stammen könnte, so herrlich dreckig und nach vorne gerichtet geht das Stück ab. Slash ist ja einer von nur wenigen Guitar Heroes, den man alleine am Gitarrensound erkennt, und er zieht auf der Scheibe mal wieder alle Register. Myles Kennedy hat einen gewissen Axl-Touch, deswegen singt er live die alten GNR-Stücke auch so überzeugend. Stimmlich finde ich ihn auch um Einiges besser als den mittlerweile ziemlich abgedrehten "Ägsl". "One Last Thrill" zieht das Tempo mächtig an, es geht textlich um den letzten Tag auf Erden und dass man dabei doch noch mal so richtig Spass haben sollte. Den Spass hab ich bei diesem Song auf jeden Fall! "Standing In The Sun" hat eine mitreißende Hookline und auch hier wieder ein Riff für die Ewigkeit. Was der Gute auf der Scheibe alles raushaut ist schon phänomenal, Ab und an werden alte Gunners-Zeiten heraufbeschworen, ohne aber im Plagiat zu enden. Das ist frischer kerniger Rock'N Roll anno 2012. "You're A Lie" war die Vorabsingle des Albums, zu dem es auch ein gelungenes Video gibt. Auch hier ein sich in den Gehörgang fräsendes Monsterriff und ein melodischer hitverdächtiger Refrain, was sich durch das ganze Album zieht. Jeder Song für sich ist irgendwie ein kleiner "Hit". "No More Heroes" erinnert etwas an "Sweet Child..." und klagt an, was aus den heutigen bzw. alten Helden geworden ist. Naja zum Glück gibts noch welche wie Slash, die gute Alben produzieren. Ein Knaller jagt den nächsten, sei es jetzt das melodisch-flotte "Halo", die bluesige Ballade "Not For Me" oder der Punk-Schrubber "Hard And Fast" (sagt alles , genauso ist der Song nämlich). Meine zwei Topsongs des Albums heissen "Bad Rain" und "Anastasia". Ersterer ist ein wahres Groovemonster, der Drumsound von Brent Fitz ist einfach göttergleich und "Anastasia" zeigt, dass Slash (auch wenn er es selber angeblich immer anders sieht) technisch absolut virtuos ist: Das Gitarrenintro ist vom Feinsten und der Song ist mit über 6 Minuten Länge ein kleines Epos mit einem überragenden Refrain. "Far And Away" ist nochmals eine bluesige ruhige Nummer ehe das flotte "Shots Fired" den offiziellen Teil beendet. Auch die Bonustracks haben ihre Berechtigung und sind alles andere als Füllmaterial - im Gegenteil. "Carolina" ist ebenfalls eine klasse Midtemponummer und mit "Crazy Life" ist sogar nochmal ein kleines Juwel vorhanden. Die Scheibe ist wirklich bärenstark und Mötley Crüe müssen sich auf der anstehenden Tour schon warm anziehen, wenn Slash im Vorprogramm mit seiner Band die Stärke der neuen CD bestätigen wird (und davon ist auszugehen). Hier wird einem wieder mal bewusst, wer für den klassischen GNR - Sound zuständig ist bzw. (leider) war. Während Herr Rose seine Künste mit einer üblen Industrial-meets-orchestral-meets-Schrott-CD zur Schau stellt, ist Slash "The Real Deal" und macht das, was er am besten kann: Zeitlosen dreckigen Rock 'n Roll der Lust und Laune macht. Näher als bei dieser Scheibe kommt man dem klassischen Gunners-Sound 2012 mit Sicherheit nicht. Das gibt fette 9,5 Punkte für eine Scheibe, die immer weiter wächst. Ebenfalls zu empfehlen: Die "Classic Rock Edition" aus UK, die neben der grandiosen CD auch ein herrlich informatives über 100 Seiten starkes Sonderheft mit Slash pur mitliefert. Ab in den Laden und kaufen!!!

Martin




















Zeroking - Kings of Self-Destruction

Band: Zeroking
Album: Kings of Self-Destruction
Spielzeit: 59:54 min.
Plattenfirma: Vanity Music Group
Veröffentlichung: 14.02.2012
Homepage: www.myspace.com/zeroking

WERTUNG: 9 von 10

Tracklist:
01. Dead Rockstar
02. Forget Vegas
03. She Said
04. Showtime Revolution
05. Southern Lady, Ex-Godiva
06. Stone Cold Bitch
07. Love Is Dead
08. Kings Of Self-Destruction
09. Girls Of California
10. The Party's Over
11. Black Friday
12. Valentine
13. Leaving Los Angeles


Schon letztes Jahr war ich von der, aus West Virginia stammende Band, sehr angetan. Die damalige EP "A Taste Of Self-Destruction" (erschien im Mai 2011 und konnte sich 8,5 Punkte einsacken) war als Appetithappen auf das, im September, geplante full-length Debüt gedacht. Das Releasedate verschob sich und endlich liegt mir "Kings Of Self-Destruction" vor. Alle fünf Tracks des Shortplayers sind auch auf dem Album vertreten. Diese sind, von der Qualität, nicht das Ende der Lanzenspitze, denn die 8 neuen Songs sind sogar noch ein wenig stärker ausgefallen, als das mir bekannte Material.

ZEROKING spielen eine sehr energiegeladene Mischung aus Sleaze Rock und Modern Rock, bei dem der klassische Rocksound ganz klar im Vordergrund steht. Die Einflüsse von den GUNNERS und CRÜE sind unüberhörbar und dazu liessen sie sich noch zusätzlich von Bands wie BUCKCHERRY, HINDER und AVENGED SEVENFOLD inspirieren. Bevor Rockpuristen jetzt die Nase rümpfen ... die Scheibe rockt wie Hölle, enthält erstklassiges Party-Rock-Material, transportiert den Rotz der '80er Jahre ins Jahr 2012 und stellt für mich die Zukunft des modernen Sleaze/Hard Rock dar!

Die Formation besteht seit ca. 7 Jahren und hatte bisher zwei EP's (2006 - "Sweet Sale of Excess" und 2011 die erwähnte ""A Taste Of Self-Destruction" Scheibe) veröffentlicht. Die Bühne teilten sie sich mit namhaften Bands wie ANTHRAX und TWISTED SISTER.

Die Band besteht aus:
Andy Haught - Gesang
Shane Day - Gitarre
Paul First - Bass
Chris Webb - Schlagzeug

Ein erheblicher Punkt, den das Quartett von den ganzen Modern/New Rock Combos unterscheidet ist, dass ihre Rockwurzeln klar im Mittelpunkt des Geschehens stehen und ihr Sound eher an typische Sleaze/klassische Hardrock-Bands erinnert, als an zeitgemäße Gruppen. Dieser Umstand ist dem Gitarristen Shane zu verdanken, denn sein Spiel ist sehr old-school lastig gehalten und bei dem Mann fließt 100% Rock'n'Roll durch die Venen. Sänger Andy hingegegen lässt sich alle Türen offen und singt teilweise modern, sehr aggressiv und bei anderen Nummern gibt er sich ganz als Rocksänger, dem mehr die straighten Abgeh-Nummern mit rotzigen Vocals liegen.

Das Material ist abwechslungsreich komponiert und es sind Kombinationen aus Sleaze und Modern/New Rock, aber auch leicht Alternative angehauchte Songs, enthalten. Sie setzen sich keine Tabus und verbinden diese Stile kompositorisch, als ob es das natürlichste der Welt sei. Man hört den Nummern diese Unbeschwertheit/Unbefangenheit an und dies ist wohl ein weiterer Punkt, warum die Songs so dermassen rocken.

"Dead Rock Star" ist eine sehr coole Mischung aus New- und Classic Rock. Für den modernen Touch ist hauptsächlich Haught, mit seinem variablen Gesang, verantwortlich. Der Gitarrist agiert sehr klassisch und stellt den krassen Kontrast zum Sänger dar. Mir geht der Song sehr fein ins Ohr, was hauptsächlich am tollen Refrain liegt. "Forget Vegas" ist der absolute Hammer! Neben der Kombination aus beiden Stilen und einem brutal geilen Gitarristen, hat die Band einfach mal einige Bläser-Samples eingebaut, die dem Song einen phantastisch eingängigen Sound verpassen. Der Refrain frisst sich im Gehörgang fest und dürfte dafür sorgen, dass sich die Nummer zu einem Ohrwurm mausern wird. Ein wirklich sehr starker Track. "She Said" kann ganz locker mit dem Material, von Gruppen wie BUCKCHERRY, mithalten. Der Song ist auf die US Hörerschaft ausgerichtet. Bratende Gitarren, "WOWOOWOOOHH" Gesangsspielchen und dürfte jede Collegeparty zum Rocken bringen. Bei "Showtime/Revolution" geht richtig die Post ab. Die Gitarre steckt knietief in den späten '80er Jahre und Andy klingt rotzig und aggressiv. Gute Party Rock Nummer. Da geht aber noch etwas ... das beweisen die Herrschaften mit dem Übersong "Southern Lady, Ex-Godiva". Die ZERO's werfen die modernen Klänge einfach mal in die Ecke und schmettern einen prächtigen Sleaze/Blues/Southern Rock Brocken heraus. Hier stimmt einfach alles! Honky Tonk Piano, eine fett groovende Gitarre, "Lalalalala"Gesangspassagen und ein echter Rocksänger, mit dem Gespür für coole Gesangsharmonien. Die Nummer wird GROß, versprochen!!! "Stone Cold Bitch" ist ein moderner Groover mit Hitpotential und erscheint, gegen den vorherigen Song, ein bisschen blaß, was aber nicht an der Qualität der Nummer liegt, sondern dieser einfach nur das Pech hat, nach dem Hammer, zu folgen. Mit "Love Is Dead" schielt die Band wieder in Richtung US Airplay. Die eingängige, melodiöse Nummer schmeichelt sich aber auch sofort ins Ohr, was an der verdammt guten Gesangsleistung von Andy und der Gastsängerin Stacee Lawson liegt. Stacee bildet, mit ihrer fast schon zarten Stimme, die gelungene Abwechslung zum rockig agierenden Haught. Danach folgen mit "Kings of Self-Destruction", "Girls of California", "The Party's Over" und "Black Friday" vier gute, zwischen moderne und old school pendelnde, Tracks, die beweisen, dass die Jungs ein sehr feines Händchen für ein zeitgemäßes Songwriting besitzen und trotzdem dem klassischen Rock sehr verbunden sind. Wunderschön ist die balladeske Piano/Streicher-Alternative Nummer "Valentine" und lädt zum Kuscheln mit der Partnerin/Partner ein. Der Sänger unterstreicht, dass er über ein facettenreiches Organ verfügt und vollbringt eine emotionsgelade Leistung. Toll! Auch der letzte Titel beginnt mit einem Klavier-/Streicherpart, aber geht eher in die Richtung Pop/Rock. Mir gefällt der Song am wenigsten vom ganzen Material. Es fehlt mir einfach die Coolness und wirkt eher ideen- bzw. zahnlos.

Mich hat "Kings of Self-Destruction" komplett überzeugt, dass wir hier einen Newcomer haben, der den Durchbruch, unter aller Garantie, schaffen wird. Die Band spielt stark, kompositorisch können die Nummern, fast ausschließlich, begeistern und ZEROKING gelingt der perfekte Brückenschlag zwischen modernen und klassischen Tunes.

Jeder aufgeschlossene Hardrock Obessionado sollte dem Album unbedingt eine Chance geben. Es wird mit Sicherheit niemand enttäuscht sein, dafür agiert die Combo einfach zu abwechslungsreich.
"KOS-D" ist ein Pflichtkauf!

Ich sehe es schon genau vor mir. In etwa 15 Jahren erzähle ich meinem 13 jährigen Sohn davon, dass ich diese Band schon immer großartig fand ... lange bevor sie berühmt wurde. Bis dahin habe ich noch genügend Zeit, um mit meiner Freundin zu klären, dass sie nicht die Mutter des Kindes sein wird, sondern meine zukünftige Frau - Jessica Alba. Mal schauen wie sie es aufnehmen wird ... Aber ich schweife ab.

Ich pfeffere mal ganz gepflegt, rockende 9 Punkte auf meinen Rockhimmel.


Götz

Fear Factory - The Industrialist

Band: Fear Factory
Album: The Industrialist
Spielzeit: 48:50 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 01.06.2012
Homepage: www.fearfactorymusic.com

WERTUNG: 7,5 von 10

Tracklist:
1. The Industrialist
2. Recharger
3. New Messiah
4. God Eater
5. Depraved Mind Murder
6. Virus of Faith
7. Difference Engine
8. Dissemble
9. Religion is Flawed Because Man is Flawed
10. Human Augmentation


Die Zähne bringen sie schon lange nicht mehr zum Klappern, dafür hat die Angst Maschine, in den letzten Jahren, einfach zu uninspirierte und durchschnittliche Alben veröffentlicht. Nachdem sich die Streithähne Bell und Cazares wieder vertragen und mit "Mechanize" (2010) ein sehr ordentliches "Comeback" Album veröffentlicht hatten, traute man ihnen auch wieder zu, dass sie Angst und Schrecken verbreiten könnten. Ein neuer Grundstein war, durch den Silberling, gelegt und natürlich wurde das neue Output dementsprechend auch mit Spannung erwartet. Können FF noch eine Schippe drauflegen oder gar an selige "Demanufacture" - Zeiten anknüpfen? Man muss ganz klar sagen, dass das Niveau, vom besten und erfolgreichsten Album, niemals erreicht wird. Die Formation versucht die gute Leitung weiterzuführen, welche sie mit dem 2010'er Album abgeliefert hatten. Dies gelingt ihr über weite Strecken, aber im direkten Vergleich zieht "The Industrialist" den kürzeren.

Die Band besteht momentan aus:
- Burton C. Bell - Gesang
- Dino Cazares - Gitarre
- Matt DeVries - Bass (Ex - CHIMAIRA)

2012 verzichten FEAR FACTORY auf den menschlichen Drummer und vertrauen mehr auf die Künste der maschinellen Intelligenz. Natürlich passt der unmenschliche, kalte Schlagzeugsound perfekt zum Konzept des Albums (Maschine erhebt sich ... - kennen wir ja schon von einigen Releases der Band). Ich persönlich finde es schade und verstehe diese Entscheidung nicht, da die Angstmaschine, in der Vergangenheit, einen ähnlichen Klang, mit Hilfe eines menschlichen Schlagzeugers, bestens hinbekommen hat.

Im Produzentensessel nahm, wie schon beim Vorgänger, der Electronic/Industrial Pionier Rhys Fulber (FRONT LINE ASSEMBLY und produzierte unter anderem PARADISE LOST's "Symbol Of Life" und "In Requiem"), platz und verpasste "The Industrialist" einen gnadenlos kalten und harten Sound, der einen richtig vom Stuhl haut.

Burton und Dino bieten wieder eine Top-Leistung. Bell bellt sich aggressiv durch die Textpassagen und glänzt besonders bei den melodischen Einschüben/Refrains. Sein Gesang gefällt mir 2012 sogar teilweise noch besser, da ich finde, dass er noch variabler agiert als in der Vergangenheit. Dino pfeffert die harten Riffs nur so raus und begeistert durch sein bretthartes Stakkato-Gitarrenspiel. Zum Schlagzeug habe ich weiter oben schon etwas geschrieben.

Die Jungs verfeinern ihren beinharten Industrial Metal durch einige elektronische Samples/Spielereien (z.B. Klavier, Keyboardparts etc.) und versuchen sich so vielseitig/experimentell wie möglich zu zeigen. Dies geht für mich nur teilweise auf, denn darunter hat auch das Songwriting etwas gelitten. Ab ca. der Hälfte lässt der wirklich stark beginnende Longplayer ein bisschen nach und endet mit einer völlig unnötigen und langweiligen Nummer.

Beim Opener wäre ich fast ausgeflippt. "The Industrialist" ist ein genialer und brettender Industrial Kracher, wie man ihn schon lange nicht mehr von FF um die Ohren geschmettert bekommen hat. Das eindringliche, künstliche Drumming peitscht sich durch den Track und Dino's Spiel ist gigantisch. Seine Riffs kommen maschinengewehrartig aus den Boxen geschnellt, spacige Samples werden sehr gekonnt eingestreut und Bell brüllt, mit einer schier, nicht enden wollenden Wut. Sensationeller Start! "Recharger" geht in die Richtung des Openers, wobei Burton hier variabler singt. Brüll- und Klargesang wechseln sich perfekt ab. Ich mag es einfach, wie er melodisch die Refrains intoniert. Eigentlich habe ich gedacht, dass der erste Track nicht mehr zu toppen sei, aber da habe ich wohl die Rechnung ohne "New Messiah" gemacht. Dino spielt sehr abwechslungsreich, seine harten Riffs werden immer wieder durch melodische Einschübe unterbrochen, die SCI-FI Keyboards sind wundervoll eingesetzt und der Wechselgesang des Fronters, erreicht die beste Qualität, welche man von Bell erwarten konnte. Nach drei Nummern, davon waren zwei absolute Volltreffer, rieb ich mir schon vor Freude die Hände und zappelte, wie ein Schulkind, in freudiger Erwartung auf den nächsten Track, auf meinem Sessel herum. "God Eater" besitzt wieder tolle Samples, kommt sehr steril und kalt aus den Boxen und der Gesang erreicht den Höhepunkt an Kälte, Aggressivität und Emotionslosigkeit. Die ständig wiederholenden Riffs zermürben das fröhliche Gemüt und hinterlassen einen völlig verstörten Zuhörer. Zwar kommt die reine Electronic/Industrial Ader zum Vorschein, aber dennoch ist der Song ein hartes und zerschmetterndes Stück Musik geworden. Klasse! Das folgende "Depraved Mind Murder" bietet knallharten Industrial Metal, mit Stakkato Riffs, Wechselgesang und sphärischen Keys, aber haut mich aber nicht ganz so aus den Latschen, ganz im Gegensatz zu den vorherigen Nummern. Guter Angstmaschinen-Stuff, wie er auch schon Anfang der '2000er Jahre geboten wurde (als Vergleich kann man hier das Material der "Digimortal" - 2001 - nennen). "Virus Of Faith"poltert mir etwas zu langweilig aus den Speakern. Zwar kommen Burton's Vocals wieder sehr gut rüber, aber die Drums sind einfach ideenlos programmiert und auch Dino's Gitarrenspiel war schon einfallsreicher. Es ist schon fast eine kleine Überraschung, dass der melodische Endpart des Gitarristen, die Kohlen gerade noch aus dem Feuer holen kann und die Nummer nicht total ins Bedeutungslose abrutscht. Mit "Difference Engine" haben die Jungs eine weitere durchschnittliche Nummer auf das Plastik gebannt. Abgehacktes Riffing, Keys und Klar- und harsche Töne aus dem Organ des Shouters. Nichts wirklich aufregendes und es bleibt auch nicht viel vom Track, im Gehör, hängen. Bei "Disassemble" zeigt sich die Band von ihrer unmenschlich kalten Seite/Härte und bietet die gewohnten Trademarks, welche man von der Formation erwartet. Mit einem wunderschönen Klaviersample unterlegt ist das knapp zwei minütige "Religion Is Flawed Because Man Is Flawed", welches aber nicht wirklich als Song gewertet werden kann. Es ist mehr eine Einleitung/Intro an das anschließende "Human Augmentation", das nur aus Soundcollagen und Whisper-Einsätze vom Sänger besteht. Und das satte 9 Minuten! Hier dominiert pure Langeweile und ist ein absolut ärgerlicher Filler.

"The Industrialist" beinhaltet 5 gute bis sehr gute Titel, sowie 3 durchschnittliche Nummern und einen Totalausfall (Song 9 werte ich nicht als vollwertigen Track) und hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. "Mechanize" bot, über die gesamte Spielzeit, einen besseren Eindruck.

Der neue Silberling bietet gute FEAR FACTORY Kost, die jeden Industrial Metal Anhänger gefallen könnte, aber zwingend finde ich das Endresultat nicht. Fans sollten das Album mal antesten, Neueinsteiger kann ich eh nur die "Demanufacture" empfehlen.

Aufgrund des bockstarken Beginns bekommt das Album 7,5 Punkte von mir.

Götz

Samstag, 9. Juni 2012

Fatal Smile - 21st Century Freaks

Band: Fatal Smile
Album: 21st Century Freaks
Spielzeit: 49:13 min.
Plattenfirma: GMR Music
Veröffentlichung: 11.05.2012
Homepage: www.fatalsmile.com

WERTUNG: 8,5 von 10

Tracklist:
1. Welcome To The Freakshow
2. Nailed To The Wall
3. Raising Hell In Heaven
4. Judgement Day
5. Broken Heart
6. My Private Hell
7. Scarecrow
8. Innocent
9. Break These Chains
10. Take It To The Limit
11. For The Last In Line


Mr. Y und seine komplett runderneuerte Truppe FATAL SMILE kommen nun mit Album Nummer 4 aus dem hohen Norden zu uns. Während sie in Skandinavien schon beachtliche Erfolge verbuchen konnten, haben sich die Jungs hierzulande trotz intensiven Tourens erst zum Geheimtipp gemausert. Dies könnte sich nun aber endlich ändern. Album Nummer 3 "World Domination" war ja schon etwas hoch gegriffen und trotzdem konnten sie damals auf rockingboy.de glatte 8 von 10 Punkten einsacken. Nun sind sie also im 21. Jahrhundert angekommen und haben ihre Mischung aus ein wenig Glam, Hardrock und verdammt viel Power zu einem Cocktail gemixt, der mir zumindest vorzüglich mundet.

Bereits die Eröffnung mit "Welcome To The Freakshow" kann mit einer gewaltigen Produktion, sägenden Gitarrenriffs und coolen Licks brillieren. Blade ("toller" Nick, gähn) liefert am Mikro eine richtig gute Leistung ab und der Refrain könnte von LORDI himself stammen. Noch besser gefällt mir aber das groovende "Raising Hell In Heaven" bei welchem auch Einflüsse von GUNS N ROSES bis W.A.S.P. und DIO zu finden sind. Da bangt der Kopf ganz automatisch mit. Geilster Hardrock der besten Güteklasse! Was sich FATAL SMILE dann aber mit dem müden "Judgement Day" gedacht haben, weiß ich nicht. Gut, die Industrial Anleihen sind ganz witzig, jedoch drückt das verschleppte Tempo den kompletten Song ins Nirgendwo. Wenn ich "Judgment Day" in nächster Zeit anhöre, dann von UDO, basta.

Die Halbballade "Broken Heart" ist dann glücklicherweise wieder in anderen Gefilden unterwegs und erinnert mich teilweise an die starken Balladen von GOTTHARD, richtig gut. Und auch "My Private Hell" spielt die letzte Veröffentlichung von LORDI an die Wand. Mit dem sehr abwechslungsreichen "Scarecrow" und einer hochkarätigen Gesangsleistung nehmen mich FATAL SMILE dann endgültig gefangen - "Scarecrow" ist ein Hit, nicht mehr und nicht weniger. Da wären EDGUY sogar ein wenig neidisch.

Auch die restliche Zeit der knapp 50 Minuten kommt äußerst unterhaltsam daher und so kann ich FATAL SMILE nur attestieren, dass sie auf dem absolut richtigen Weg sind und nun der zumindest Euro Domination nicht mehr viel im Weg steht. Jetzt noch auf die Bühne und alles in Schutt und Asche legen und wir haben eine neue Megagroup aus Skandinavien. "21st Century Freaks" rein in die Anlage, laut aufdrehen und voll abgehen - was anderes ist hier nicht möglich.

Markus

Destination's Calling - End Of Time




Band: Destinations's Calling
Album: End Of Time
Spielzeit: 52:50 min.
Plattenfirma: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: 15.06.2012
Homepage: www.destinationscalling.com

WERTUNG: 7,5 von 10

Tracklist: 
1. Feel The Rain
2. Soulbound
3. Revolution In Mind
4. The Broken Hourglass
5. Dreams Died On The Road
6. Another Day
7. End Of Time
8. Burning Paradise
9. Dark Poem
10. Walking On Thin Ice
11. The Way Back Home

Wenn man sich das Booklet der neuen Veröffentlichung von Destination's Calling ansieht, will man ja kaum glauben, dass es sich hierbei um eine Eigenproduktion handelt. Fettes Artwork, ein dickes Booklet und hochwertige Aufmachung  ist auf jeden Fall erstligareif und würde man sich auch oftmals bei Veröffentlichungen größerer Namen in letzter Zeit wünschen. Dafür gibt es schon einmal einen Extrapluspunkt! Und auch, was Sound angeht wurde nicht gekleckert sondern geklotzt, zeichnet doch Soundhexer Sascha Paeth (u.a. Edguy) für den Mix verantwortlich, was man auch klar und deutlich an der 1a-Produktion hört. Wie sind nun die Songs ausgefallen? Ich muss zugeben, dass ich das Erstlingswerk der Band aus dem Jahr 2006, welches in 2008 wiederveröffentlicht wurde, leider nicht kenne und somit komplett jungrfräulich an das Werk der vier Jungs herangegangen bin. "Feel The Rain" rockt gleich gut und kräftig los mit einem sehr prägnanten Gitarrenriff. Edguy meets Old-School-Queensryche ist so die ungefähre Marschrichtung. In "Soulbound" wird das Tempo etwas angezogen und auch die Doublebass ausgepackt. Der Song hat einen sehr guten Refrain und ist ein richtig kleiner Hit. "Revolution In Mind" ist leicht orientalisch angehaucht und entwickelt sich im weiteren Verlauf auch zu einen schönen straighten Rocker im Midtempobereich. Das zweiminütige akustische "The Broken Hourglass" ist mehr als Intro zu "Dreams Died On The Road" anzusehen, ist aber sehr gefühlvoll und Sänger Christian Gräter lässt hier etwas den Coverdale raus. "Another Day" ist dann eine Ballade in Reinkultur, die einen zwar nicht komplett umhaut aber durchaus für Abwechslung sorgt. Als Kritikpunkt der Scheibe würde ich anführen, dass es nicht geschadet hätte, ab und zu auch mal einen etwas flotteren Song einzubauen, denn in der zweiten Hälfte der CD schleicht sich dann doch leider ein bisschen Langeweile ein, weil durchweg alle Songs sich im gleichen Tempo abspielen. "Dark Poem" ist wieder eine Ballade, diesmal mit Piano unterlegt. Schön, aber fast schon ein bisschen zu ruhig. Mit "Walking On Thin Ice" und "The Way Back Home" klingt eine durchaus gelungene Scheibe aus, die noch besser ausgefallen wäre, wenn man ab und an mal etwas mehr aufs Gaspedal gedrückt hätte. Manche Choruspassagen klingen auch noch etwas unausgereift, aber musikalisch wissen die Jungs absolut zu überzeugen. An Sound und Verpackung gibt es gar nichts auszusetzen, da gibt es wirklich eine Eins mit Sternchen ins Klassenbuch eingetragen. Es bleibt zu hoffen, dass die Band ihren Weg macht, hier ist gutes Potential für die Zukunft vorhanden. Drei Daumen hoch für "End Of Time".

Jaded Heart - Common Destiny










Band: Jaded Heart
Album: Common Destiny
Spielzeit: 56:04 min.
Plattenfirma: Fastball Music
Veröffentlichung: 25.05.2012
Homepage: www.jadedheart.de

WERTUNG: 7,5 von 10

Tracklist:
  1. With You
  2. Saints Denied
  3. Into Tears
  4. Buried Alive
  5. I Believe
  6. Run And Hide
  7. Are We Mental
  8. My Destiny
  9. No More Lies
  10. Life Is Beautiful
  11. Higher
  12. Fire And Flames
Jaded Heart haben nunmehr auch schon 20 lange Jahre auf dem Buckel und "Common Ground" ist ihr mittlerweile zehntes Studioalbum. Zum großen Wurf hat es leider nie gereicht, aber der Band ist es hoch anzurechnen, nicht das Handtuch zu werfen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Das Fanlager teilt sich ja bekanntermassen nach dem Ausstieg von Michael Bormann in zwei Lager. Die eine trauern dem Ex-Sänger nach und die anderen finden, dass mit Johan Fahlberg aus Schweden frischer Wind in das angerostete Jaded Heart Schiff gekommen ist. Ich gehöre da durchaus zu zweiteren Kategorie, konnte ich den Bormann-Hype nie verstehen, der für mich immer wie ein Jon Bon Jovi mit Sinusitis klang. Da ist Goldkehlchen Fahlberg schon ein anderes Kaliber. Die Band entwickelte sich mit ihrem Schwedenzugang zusehends weg vom Hardrock und hin zu mehr (Melodic-)Metal, was auch mit der neuen Langrille nahtlos fortgesetzt wird. Balladen findet man auf "Common Destiny" keine. "With You" als Opener haut einen doch glatt aus den Latschen, wenn das nicht einer der besten JH-Tracks überhaupt ist dann weiss ich es nicht. Der Song hat alles, was ein geiles Melodic-Metal Stück ausmacht: Fette Produktion, ein mitreißender Chorus und eine tolle Gesangsmelodie. Was für ein Einstieg! Zu dem Track gibt es auch noch einen zugehörigen Videoclip, welcher auch auf der CD enthalten ist. Mit  "Saints Denied" folgt ein etwas schleppenderer Stampfer in nicht minderer Qualität. Die Jungs haben sich  wirklich Mühe gegeben und das Niveau wird auch über die komplette Spielzeit fast immer gehalten. Den einzigen Vorwurf, den man der Truppe machen kann ist der, dass die Abwechslung manchmal doch etwas zu kurz kommt, denn viele Tracks sind relativ gleich aufgebaut und unterscheiden sich nicht allzu sehr voneinander, was dann manchmal doch etwas eintönig wirkt. An den Gesangsmelodien und den Chören wurde offenbar einiges an Zeit investiert, die klingen durch die Bank hochwertig, insbesondere bei den AOR-lastigeren Songs wie "Into Tears" zum Beispiel. Es fällt schwer, neben dem Opener einen Song besonders hervorzuheben, "Buried Alive" mit seinem ebenfalls gelungenen Chorus und "Are We Mental" fallen jedoch ebenfalls als Ausreisser nach oben positiv auf. Neben der wie eingangs erwähnt sehr druckvollen Produktion (was heutzutage ja nicht Standard ist) und dem hochwertigen Songmaterial wird dem JH-Fan das geliefert, was er möchte. Überraschungen gibt es keine, aber lieber ein hochwertiges Album ohne große Experimente als dass man sich neu definieren will und dann auf die Nase fällt. Am Schluss sind zwar zwei bis drei Nummern dabei, die eher etwas nichtssagend klingen, da wäre weniger mehr gewesen und vielleicht hätte auch eine Ballade für etwas mehr Abwechslungsreichtum gesorgt, aber das ist dann doch Jammern auf höherem Niveau. Einen halben Punkt Abzug gibt es für das Artwork, dass doch etwas nichtssagend ist und dass dem Käufer auf dem Backcover der Fuck-Finger entgegengestreckt wird, finde ich auch nicht gerade prickelnd Jungs!!
Alles in Allem jedoch eine mehr als gelungene Veröffentlichung. Ein traditionell gutes Jaded Heart-Werk, welches jeden Fan zufrieden stellen sollte.

Hannibal - Cyberia

Band: Hannibal
Album: Cyberia
Spielzeit: 52:13 min.
Plattenfirma: Echozone
Veröffentlichung: 30.04.2012
Homepage: www.hannibalnation.co.uk

WERTUNG: 5 von 10

Tracklist:
01. Turn Me Alive
02. Angelryche
03. On Your Knees
04. My God
05. Somebody Wake Me
06. Insane
07. Let The Rain
08. Sacred Alphabet
09. Rise
10. Into The Water
11. Where Do We Go
12. Psychodrome
13. Cyberia (The Fall)

Anno 2012 kommen HANNIBAL leider nicht aus Karthago und wollen mit Elefanten die Alpen überqueren, auch wenn ich das vielleicht lustig finden würde (obwohl, wenn ich das recht bedenke - lieber nicht - die armen Elefanten). Nein, HANNIBAL sind Griechen, die es nach Großbritannien verschlagen hat und die in der Slowakei bei Roland Grapow (HELLOWEEN, MASTERPLAN) ihr zweites Album unter anderem aufgenommen haben. Weiterhin wurden Teile in Athen und Teile in Großbritannien produziert und ehrlich, ein wenig zerstückelt kommt die etwas gewöhnungsbedürftige Mischung aus Melodic Metal mit leichten Industrial Einflüssen auch rüber.

Positiv fällt jedoch erstmal auf, dass ein ordentliches Booklet enthalten ist, welches zwar mit den klassischen 0001001001100 Zitaten etwas nervt, jedoch mit kühlen Bildern aufwarten kann, welche die Atmosphäre des Albums gut wiedergeben. Gut produziert wurde die Scheibe auch und instrumental ist alles im grünen Bereich, auch Sänger und Namensgeber Hannibal hat eine ordentliche Stimme, die jedoch nie irgendwie herausstechen kann. Klassische Melodic Metal Kompositionen im Midtempo Bereich mit ordentlich Keyboards zugekleistert wie "Angelryche" oder "My God" machen dann auch teilweise richtig Spaß,
erinnern irgendwie an KAMELOT meets SONATA ARCTICA, jedoch mit angezogener Handbremse. Und dann kommt ein Industrial Rohrkrepierer wie "Somebody Wake Me", der zwar Abwechslung bringt, aber ehrlich - Industrial hat Power und muss die Wände zum Wackeln bringen, dies hat der Song nicht - auf gut Deutsch - mir fehlen die Ecken, die Kanten, die Eier.

"Insane" hat abermals teilweise nette Melodien und dann machen schwache Tralala-Parts wieder alles zunichte. Die Songs sind weder Fisch noch Fleisch, sondern pendeln ständig hin und her. Außer "My God" kann mich lediglich noch "Let The Rain" überraschen, welches zwar mit leichtem HIM bzw. Alternative Touch aufwartet, aber atmosphärisch endlich passen würde. Doch schon kurz darauf landen wir wieder im völlig durchschnittlichen Mittelfeld und nur noch ganz kurze vereinzelte Parts wissen zu gefallen. Da hilft es auch nicht, dass HANNIBAL anscheinend schon mit vielen großen Bands auf der Bühne standen, um selbst mal groß zu werden, müssen einfach gute Songs und ein klares Konzept her. So bleiben die britischen Griechen im gesichtslosen Mittelfeld hängen. Ach ja, wenn man schon so zu Cyber-Art tendiert, sollte im Booklet auch irgendwo die eigene Homepage zu finden sein. Aber das passt zum durchwachsenen Eindruck.

Markus

Freitag, 8. Juni 2012

Mötley Crüe - Drumset Fahrt zu gewinnen




Das MUSS man gesehen haben und als wahrer Mötley Crüe Fan einmal mitgefahren sein!!! Die Rede ist vom unfassbaren, einzigartigen und verrückten Rollercoaster Drumset von Bad Boy Rocker Tommy Lee. Die Crüe kommt für drei Konzerte nach Deutschland und mit im Gepäck präsentieren sie zum ersten Mal Tommy´s Spielzeug. Eine Fahrt gefällig? Ihr habt JETZT die Möglichkeit eine spektakuläre Achterbahnfahrt mit dem Crüe Drummer zu gewinnen, denn BILD verlost zwei Tickets für die Show und einen Ritt mit Tommy Lee im 360 Grad Looping.

Schaut Euch hier das spektakuläre Video zur „Rollercoaster Competition“ von Mötley Crüe an – und nehmt an der Verlosung teil. Tommy Lee freut sich schon darauf seinen Rollercoaster endlich auch mal in Deutschland aufzustellen:

I'm super excited to be able to bring the 360 drum rollercoaster to Germany for the Motley Crue shows this summer.  We've taken it around the world over the last year and had it with us in the UK before Christmas so it's time for Germans to finally get the chance to ride with me and see the madness for themselves”– Tommy Lee


MÖTLEY CRÜE + SLASH feat. Myles Kennedy and The Conspirators
11.06.2012 Mönchengladbach / Warsteiner-Hockeypark
12.06.2012 Berlin / Max-Schmeling-Halle
20.06.2012 Bamberg / Stechert-Arena
21.06.2012 CH-Basel / St. Jakobshalle

Weitere Infos zu Mötley Crüe:
http://www.motley.com
http://www.facebook.com/MotleyCrue
 

Mittwoch, 6. Juni 2012

Diamondog - Faithful Unto Death

Band: Diamondog
Album: Faithful Unto Death
Spielzeit: 40:06 min.
Plattenfirma: Liljegren Records
Veröffentlichung: 30.05.2012
Homepage: www.diamondog.com

WERTUNG: 8 von 10

Tracklist:
1.KILL ME 3:19
2.HURT 3:00
3.LET THE FIGHT BEGIN 2:44
4.LOST IN TRANQULITY 3:53
5.THIS IS A LOVE SONG 3:54
6.LIKE A DIAMOND 3:35
7.SOAK IT IN 3:15
8.NO OTHER 3:41
9.LET IT SHOW 4:38
10. IF 2:58
11.DON’T YOU DIE 3:53


Leute, die gerne Bands in Musikschubladen einordnen, brauchen nicht mehr weiterlesen. Punk Rock, Alternative, Hardrock, Sleaze, komplexe Songarrangements, Metal und die Vorliebe für die BEATLES zu einem Sound mixen, klappt das? Falls es geht, kann es dann auch noch gut bzw. sehr gut klingen? Und welche Band würde das zustande bringen??? Eine skandinavische, junge Band hat es geschafft, sich mit ihren Sound, zwischen alle Stühle zu setzen. Viele werden sich den Kopf zerbrechen und lange überlegen, in welches Genre diese Formation eine Heimat finden könnte. Für mich spielen die Jungs einfach geilen, ideenreichen Rock mit viel Herzblut.

Die fünf Norweger hauen mit "Faithful Unto Death" (Re-Release des 2011'er Albums "Kill Me" und enthält zwei zusätzliche, neue Stücke) ein sehr geiles Album heraus, welches die oben genannten Stile/Merkmale meisterhaft miteinander verbindet und ist ganz klar ein "kick-ass high energy Rock Album" geworden. Es ist einfach phantastisch mit was für eine Leichtigkeit sie diese Stile im Einklang gebracht haben und dabei so organisch klingen.

Die Band besteht aus:
Mikael Lillevold - Gesang
Morten Husvik - Gitarre/Gesang
Håvard Træthaug - Gitarre/Gesang
Frode Heiestad - Bass/Gesang
Franck Bjaanes - Schlagzeug

Es ist wirklich der Wahnsinn, mit welcher Energie DIAMONDOG, auf dem Album, ans Werk gehen und es ihnen gelingt, mit ihrem sehr coolen Rotz Rock, einfach nur zu begeistern. Die Produktion verfügt über genügend Schmutz im Sound und kommt schön druckvoll durch die heimischen Boxen. Mikael singt sich sehr lässig durch das Material, klingt an manchen Stellen etwas nölig und verbreitet, durch seine angenehme Tonlage, einen positiven Rock-Vibe. Die restlichen Musiker agieren sehr vielseitig. Egal ob es punkig, rockend oder gar komplex wird, die Jungs haben ihre Instrumente im Griff und gehen voller Spielfreude ans Werk. Ich habe selten so eine facettenreiche Band gehört und die Jungs haben sich geradewegs einen Platz in meinem Herz erspielt.

"Kill Me" ist ein idealer Opener, der die Band von ihrer ungehobelten Rotz Rock Seite zeigt. Die Formation rockt sich die Seele aus dem Leib und der stetig präsente, beinharte Bass boxt sich den Weg in die Magengrube. Zwischendurch wird eine leichte komplexe Passage eingebaut und kurz bevor es, für den Hörer, unübersichtlich wird, schwenken die Norweger wieder in Richtung eingängige und rockige Gefilden. Sehr aussergewöhnlich und funktioniert richtig gut. "Hurt" besticht durch schrammlige Gitarrenparts, eingängige und komplexe Songpassagen, welche sich abwechseln und einem Schlagzeuger, der mich richtig begeistert. Franck zwingt, den Rest der Band, sein gnadenlos, variables Drumming auf und bestimmt damit auch die Fahrtrichtung des Songs. "Let The Fight Begin" ist ein Kracher vor dem Herrn! Metallische Gitarrenriffs treffen auf einen punkigen Rocksound und Mikael nölt sich durch seinen Text. Der Refrain und Chor lassen diese Nummer zu einem Ohrwurm heranwachsen. Klasse Song! Mit "Lost In Tranquility" ist dem Fünfer eine Übernummer gelungen. Hier treffen komplexe Strukturen auf einen leicht düsteren Grundsound mit viel Melodie und einem phantastischen Refrain/Chor. Es ist der absolute Hammer, wie sich der Refrain im Ohr/Kopf festsetzt. Richtig düster werden die Herren mit dem modernen Rocker "This Is A Love Song". Natürlich agiert die Band wieder recht verspielt, für mich bewegt sich der Song in TOOL - Gefilden und fällt damit etwas aus dem Rahmen. Danach wird es wieder an der Zeit für ein wenig unbeschwertes und hart rockendes Material in Form von "Like A Diamond". Hier dominieren messerscharfe Metalriffs und die Ungestümtheit des Heavy Metals. Das straighte "Soak It In" bietet genau das Kontrastprogramm, zum vorherigen Track, und besticht durch eine wunderschöne Gesangsharmonie. "No Other Name" ist ein hektischer und verspielter Sleaze/Rotz Rock Song. Mir ist er ein bisschen zu konfus arrangiert und begeistert mich nicht. Das folgende "Let It Show" bietet wieder eine tolle Mischung aus progressiven und melodischen Parts mit einer super Gesangsperformance. Wirklich sehr starke Nummer. Danach holen die Jungs die moderne Punk-Keule heraus. Die Band spielt sich ungehobelt durch die Nummer, hinterlässt bei mir aber wenig Eindruck. Der Rausschmeißer "Don't You Die" ist ein  ruhiger Track, bei dem Mikael's Stimme die Hauptrolle übernimmt und von dieser lebt der sehr emotionale Song auch. Ein schöner Abschluß.

Aufgeschlossene Rockfans sollten unbedingt in "Faithful Unto Death" reinhören und dem facettenreichen Album eine Chance geben. Mich hat die Vielseitigkeit von DIAMONDOG absolut umgehauen und ich werde mir die Scheibe noch öfter reinpfeffern.

Nichts für Schubladendenker!

Der starke Silberling hat sich eine glatte 8 Punkte Wertung redlich verdient.

Götz