Samstag, 9. Dezember 2017

Elvenking - Secrets Of The Magick Grimoire


Band: Elvenking
Album: Secrets Of The Magick Grimoire
Spielzeit: 61:15 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 10.11.2017
Homepage: www.elvenking.net

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
01. Invoking The Woodland Spirit
02. Draugen’s Maelstrom
03. The One We Shall Follow
04. The Horned Ghost And The Sorcerer
05. A Grain Of Truth
06. The Wolves Will Be Howling Your Name
07. 3 Ways To Magick
08. Straight Inside Your Winter
09. The Voynich Manuscript
10. Summon The Dawn Light
11. At The Court Of The Wild Hunt
12. A Cloak Of Dusk

Bereits seit 20 Jahren sind nun ELVENKING schon aktiv, frönen Ihrer Mischung aus Folk und Power Metal und steigern sich in meinen Ohren von Album zu Album. Während das Debüt "Heathenreel" für mich noch ziemlich unausgegoren klang, haben die Italiener spätestens seit Ihrem 2007er Konzeptalbum "The Scythe" Ihren Stil gefunden. Und der liegt in der klassischen Schnittmenge aus FALCONER, HELLOWEEN und ein wenig MITHOTYN (falls die überhaupt noch jemand kennt) - also viel klassischer mit Klischees überhäufter, mit Fantasy-Texten gespickter epischer Metal und ein wenig Folklore passend dazu gemixt. Doch das soll jetzt überhaupt nicht negativ klingen, denn ELVENKING sind eine der Bands, die es geschafft aus dem Mittelmaß, in dem sie anfangs noch versumpft sind, herauszufinden und nun schon BLIND GUARDIAN-mäßige Alben zu veröffentlichen. 


Auch das neunte Album "Secrets Of A Magick Grimoire" macht da keine Ausnahme und zählt für mich zu den Highlights 2017 und dem stärksten, was ELVENKING je veröffentlicht haben. Schon der Opener "Invoking The Woodland Spirit" zeigt nach einem 50-sekündigen, etwas überflüssigen, Intro die Marschrichtung an - treibende Drums, viel orchestrales Keyboard, das aber gekonnt den Songs nicht die Härte raubt und der markante Gesang von Sänger Damna. Alles in mitreißender Art und Weise auf Schillerscheibe gebrannt. Ziemlich nahtlos fügt sich das folgende "Draugens Maelstrom" ein, allerdings ist hier der Spannungsbogen aus ruhigen Parts bis hin zu Growls und immer viel Melodie noch ausgeprägter. Dementsprechend begeistert bin ich von diesem Stück, denn es hat fast alles drin, was ich an Metal so liebe. Etwas mehr in die Folk Metal Richtung schielt das folgende "The One We Shall Follow", mit einem wirklich überragenden Refrain, aber auch ein wenig zu viel Chören. Mir kommt da einen Mischung aus RUNNING WILD und SKYCLAD in den Sinn - interessant, welche Assoziationen manche Songs bei einem selbst wecken. 

Anschließend folgt das in meinen Ohren stärkste Stück des Albums, "The Horned Ghost And The Sorcerer" wird sicher jeden Mittelaltermarkt zum Beben bringen. Neben der Halbballade "The Wolves Will Be Howling Your Name" muss ich außerdem das starke "The Voynich Manuscript" hervorheben, was bei einer durchwegs hohen Qualität des Albums allerdings schwer fällt. Denn es gibt kaum Ausfälle auf "Secrets Of The Magick Grimoire" zu entdecken. Lediglich manchmal, wenn sich Sänger Damna in höhere Gefilde wagt, verliert seine Stimme etwas an Kraft und wird ein wenig dünn. Vielleicht diese Ausflüge zukünftig sein lassen. Ansonsten bin ich praktisch durchwegs begeistert und kann für das neunte Album als logische Konsequenz auch fette neun Punkte auf die Scorertafel schreiben. Weiter so!! 

Markus


 

Freitag, 24. November 2017

Montrose - Paper Money

Band : Montrose
Album : Paper Money
Spielzeit : 35:11 / 
Veröffentlichung : 13.10.2017
Plattenfirma : RHINO
Homepage : www.ronniemontrose.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :

CD1
  1. Underground
  2. Connection
  3. The Dreamer
  4. Starliner
  5. I Got The Fire
  6. Spaceage Sacrifice
  7. We're Going Home
  8. Paper Money

CD2 Bonus Tracks:
KSAN Radio Session, Record Plant, Sausalito, CA - December 26, 1974
  1. Intro
  2. I Got The Fire
  3. Rock Candy
  4. Bad Motor Scooter
  5. Spaceage Sacrifice
  6. One And A Half
  7. Roll Over Beethoven
  8. Trouble
  9. Space Station #5
Etwas spät dran sind wir mit dem zweiten Teil der Rhino-Remasters um Montrose, doch besser so als nie. Ronnie Montrose wünschte sich ja nach dem bahnbrechenden (aber kommerziell erfolglosen) '73er Debut, welches noch heute Legendenstatus innehält, eine neue Ausrichtung seiner Musik. Die Arbeiten an Paper Money gestalteten sich jedoch aus verschiedenen Gründen schwierig. Die kürzlich neu aufgelegten Doppel-CDs belegen dies, klanglich bestmöglich aufgefrischt, und geben einen guten Einblick in die frühe Phase des 2012 verstorbenen Gitarristen und seiner damaligen Band.

Wie erwähnt, es war der Wurm drin. Bassist Bill Church verließ die Band (um sich später Sammy Hagars' Soloprojekt anzuschließen) und wurde durch den Keyboarder und Bassisten Alan Fitzgerald ersetzt. Auch zwischen Hagar und Montrose schien die Chemie nicht mehr ganz zu stimmen, selbst wenn es kaum Hinweise auf Streitigkeiten oder Ähnliches gab, drifteten die beiden musikalisch auseinander. So gab Hagar Jahre später, nach Montroses' Tod, folgendes zu Protokoll: "We made one of the greatest hard rock/heavy metal albums of all time with that first Montrose album, and then he didn't want to do that anymore. "Nah, nah, we've got to have better songs, we've got to change our image, that kind of music is out".

Wie viele von Euch wissen, verließ Sammy Hagar die Band, bzw. wurde entlassen, jedoch nicht ohne die Arbeiten an Paper Money zu beenden. Produzent war erneut Ted Tempelman. Trotzdem, der phasenweise lasche Charakter der Platte war mit dem knackigen Debut kaum zu vergleichen. Mit dem Opener Underground der Soft-Rocker Chunky, Novi & Ernie und der Stones-Nummer Connection wurden zwei Cover an den Anfang der Platte platziert, doch vor allem die Umsetzung der beiden Songs fiel bei den meisten Fans gnadenlos durch, AOR wollten diese überhaupt nicht hören. Erst mit dem dritten Song, The Dreamer, kam ein wenig Härte auf, wenngleich auch diese Nummer wenig Drive hatte. Die Handbremse wurde dann doch noch gelöst, Starliner besticht durch eine wunderschöne Gitarrenarbeit und das Zusammenspiel aller Instrumente bis hin zum spacigen Keyboard. Was fehlt ist Hagars' Gesang, der instrumentale Song ist dennoch sehr gelungen.
 
Hagar besticht umso mehr im darauffolgenden I Got The Fire und plötzlich brechen alle Dämme, Montrose feuert aus sämtlichen Rohren, der Bass pumpt einen mörderischen Groove und die Drums pushen ohne Ende. Dazu Sammy Hagar mit seiner unwiderstehlichen Stimme, die mir auch heute noch Gänsehaut beschert. Mit Spaceage Sacrifice verarbeitet Science Fiction-Fan Hagar seine Eindrücke des '73er Streifens Soylent Green (dt."…Jahr 2022…die überleben wollen"), einer düsteren Zukunftsvision zum Thema Überbevölkerung und Umweltverschmutzung mit Chalton Heston in der Hauptrolle. Wie aktuell die schleppend-packende Nummer noch heute ist, sehen wir jeden Tag in den Nachrichten. Mit dem vorletzten Song, We're Going Home, verliert sich die Euphorie allerdings schon wieder. Die an sich lässig-entspannte Nummer besticht durch das unaufdringlich eingesetzte Mellotron und Montroses' Gesang, der im Gegensatz zu Hagar geradezu fragil und fast ein wenig ängstlich erscheint. Jedenfalls war das auch nicht gerade das, was sich die Fans erhofften. Die wurden dann mit der Schlussnummer entschädigt, mit Paper Money wurden die Pferde nochmal ein wenig von der Leine gelassen. Der Song besticht durch einen hypnotisch-monotonen Groove und Sammy Hagar zeigt erneut, wer das Mikrophon regiert, Montrose darf dafür im Mittelteil demonstrieren was er an der Gitarre kann und zaubert ein enorm verzerrtes Solo in den Song hinein.

Die zweite CD stellt den eigentlichen Mehrwert dieser Zusammenstellung, es knarzt und wummert von Anfang an und umso mehr wird klar, warum Paper Money nicht an das Debut anknüpfen konnte: Die Energie, die Montrose plötzlich live (ohne Publikum) in den Record Plant Studios entfachten, suchten die Fans auf der Platte weitestgehend vergeblich. Montrose hatte mit seinem Bedürfnis, den Sound der Band glatter zu bügeln, um ein größeres Publikum erreichen zu können, aufs falsche Pferd gesetzt. Mit gelockerter Handbremse, und bezeichnenderweise nur zwei Songs aus Paper Money zeigt die Band plötzlich enorme Spielfreude, Energie und einen bestens aufgelegten Sammy Hagar in der finalen Eruption Space Station #5. Hörenswert.

Bernd Fischer

Sonntag, 12. November 2017

Shakra - Snakes & Ladders

Band: Shakra
Album: Snakes & Ladders
Spielzeit: 50:16 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 10.11.2017
Homepage: www.shakra.ch

WERTUNG: 8,5 von 10


Tracklist:

01. Cassandra's Curse
02. Friday Nightmare
03. Snakes & Ladders
04. Something You Don't Understand
05. The Seeds
06. Rollin'
07. Medicine Man
08. I Will Rise Again
09. Open Water
10. The Race Of My Life
11. Fire In My Veins
12. The End Of Days

Auch das zweite Album der Schweizer nach der Wiedervereinigung mit Sänger Mark Fox läuft bei mir auf Dauerrotation. War der Vorgänger "High Noon" einer meiner Anwärter auf das Album des Jahres 2016, so kann ich sagen, dass auch gut 1 1/2 Jahre später alles beim Alten im Hause SHAKRA ist. Der hohen schweizer Hardrockkunst wird auch auf "Snakes & Ladders" ungehemmt gefrönt. 


Sei es beim starken Opener "Cassandra's Curse", dem klassischen Titelsong mit einem Hammerrefrain oder meinem absoluten Favoriten: der genialen Powerballade "Open Water", SHAKRA machen genau da weiter wo sie bei "High Noon" aufgehört haben. Kein Wunder, dass Gitarrist Thomas Muster der Meinung ist, dass z.B. "Something You Don't Understand" neben "Cassandra's Curse" der beste Song sein soll, den er je geschrieben hat. Klar ist man als Musiker immer auf das aktuelle Machwerk stolz, aber Thomas hat durchaus Recht. Die starke Melodie bei genanntem Stück ist tatsächlich als eine der eingängigsten in der über 20-jährigen Karriere der Schweizer einzustufen. Manchem Fan könnte es einen Tick zu poppig sein, ich jedoch bin durchaus angetan. Daher auch zuvor der Hinweis auf die Powerballade "Open Water" - selten hat mich Mark mit seinem Gesang so von der ersten Sekunde an abgeholt und spätestens nach dem dritten Durchlauf, summe und singe ich fröhlich mit. Soviel Gefühl in einem Hardrocksong findet man wirklich selten.

Ebenfalls erwähnen muss ich noch das live sicher zu einer Mitsinghymne werdende "I Will Rise Again" und das starke treibende "The Race Of My Life", welches vor positiver Energie Funken sprüht. Da auch anno 2017 kaum schwache Stücke auf "Snakes & Ladders" zu finden sind, kann man getrost attestieren, dass SHAKRA die Erfolgsleiter noch eine Stufe nach oben klettern können. Für Freunde gepflegten Hardrocks europäischer Prägung führt auch dieses Jahr kein Weg an SHAKRA vorbei. Da sich die Veränderungen zum Vorgänger wie gesagt in homöopathischen Grenzen halten, gebe ich saustarke 8,5 von 10 Punkten, noch dazu gibt es auch auf "Snakes & Ladders" nicht einen kompletten Ausfall zu verzeichnen - dafür sind SHAKRA einfach schon zu lange im Geschäft und wissen einfach was sie tun.

Markus




Mittwoch, 8. November 2017

Eternal Flight - Retrofuture

Band: Eternal Flight
Album: Retrofuture
Spielzeit: 60:08 min.
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 17.11.2017
Homepage: https://de-de.facebook.com/ETERNALFLIGHT.BAND/


WERTUNG: 5,5 von 10


Tracklist:
1. Ante-dote
2. Poison
3. The Journey
4. Retrofuture
5. Nightmare King II
6. Machine God
7. Routine Of Darkness
8. Sinner
9. Danger Calling
10. Succubus
11. Labyrinth
12. Pandora's Box
13. Angels Of Violence


Ja, ich weiß, mit ETERNAL FLIGHT kommt nach COMMUNIC innerhalb kurzer Zeit die zweite Prog Metal Band hier zu einer Rezension. Doch ich muss gestehen, es war mal wieder an der Zeit für anspruchsvolleren Prog Metal, bei dem eben die Melodie nicht zu kurz kommt. Während COMMUNIC mich wieder vollauf überzeugen konnten, tun sich die Franzosen/Schweizer von ETERNAL FLIGHT um einiges härter. "Retrofuture" ist bereits das vierte Album der Band und man hört hier definitiv heraus, dass keine jungen unbedarften Burschen am Werk sind, sondern durchwegs erfahrene und gestandene Musiker. Allerdings kommt es mir schon komisch vor, dass mit Album Nummer 4 auch die vierte Plattenfirma am Start ist, nach z.B. Cruz Del Sur und Yesterrock hat sich nun Massacre Records dem Quintett angenommen. 


Nach einem kurzen unspektakulären Intro kann mich der Opener "Poison" mit seiner gelungenen Mischung aus US Power Metal und melodischen europäischen Einflüssen absolut überzeugen, fast als würde eine Chimäre aus SAVAGE GRACE, JUDAS PRIEST und HELLOWEEN auf der Bühne stehen. Der ruhige Beginn bei "The Journey" lässt ebenfalls großartiges erhoffen und man wird nicht enttäuscht. Messerscharfe Gitarrenriffs, eine druckvolle Produktion und abermals ein Ohrwurm-Refrain und ich bin geneigt über eine richtig geile Wertung nachzudenken. Doch dann folgt das große Aber - während das fast schon trashig anmutende "Retrofuture" noch in großen Teilen überzeugen kann, geht ETERNAL FLIGHT danach kompositorisch ziemlich die Luft aus. 

Beim fast neunminütigen "Nightmare King II" fange ich bei mancher Passage tatsächlich das Gähnen an. Das haben einfach progressive Metal Größen wie FATES WARNING oder die Götter von DREAM THEATER, um nur mal zwei zu nennen, alle schon tausend Mal besser hinbekommen. Gerade was die Songstruktur, den Spannungsaufbau und die überraschenden Breaks angeht. Denn der Break vorm bzw. nach dem Refrain wirkt einfach nur, als ob man zwei Songideen miteinander verknüpfen wollte, aber nicht wusste wie. Das folgende "Machine God" bietet dann wiederum nur Standardware und so richtig bleibt absolut nichts mehr bei mir hängen. Trotz vielfacher Versuche. Trauriger Tiefpunkt, das in meinen Ohren völlig inakzeptable "Danger Calling", das sich stark nach 80er Jahre Jungspund Metal, aber ohne den rauen Charme der damaligen Zeit, anhört. 

Lediglich das mit einer düsteren Atmosphäre im Midtempo Bereich gehaltene "Pandora's Box" lässt mich noch kurz aufhorchen, kann die Gesamtwertung aber nicht mehr völlig retten. "Retrofuture" ist mit 3 starken und 1 gutem Song bei über einer Stunde Spielzeit nicht zu einem Highlight geworden und bleibt im Mittelfeld stecken. Denn es ist zwar nichts so wirklich schlecht (außer "Danger Calling"), aber zuviel durchschnittliches und zu oft gehörtes tut einem Progressive Metal Album halt einfach nicht gut. Vielleicht klappt es beim fünften Anlauf. Unten habe ich euch noch das Video zu "Poison" hinzugefügt, dann habt ihr schon 1/3 des guten Materials gehört. 
 

Markus



Sonntag, 5. November 2017

Project Mama Earth - Mama Earth



Band : Project Mama Earth
Album : Mama Earth
Spielzeit : 30:11 Min.
Veröffentlichung : 10.11.2017
Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group
Homepage : www.mascotlabelgroup.com/project-mama-earth

Wertung : 6 von 10

Trackliste :
  1. Mama Earth
  2. Interlude 1
  3. Waterfall
  4. Interlude 2
  5. Spring
  6. Interlude 3
  7. What Would She Say ?
  8. Interlude 4
  9. Entanglement
  10. Interlude 5
  11. Breathe
Das Thema Ethno- bzw. Weltmusik ist hier im Rockingboy im Grunde nie eins gewesen und ob das Project Mama Earth mit gleichnamiger EP daran etwas ändern wird, wer weiß das schon. Die knapp 30-minütige Platte hat einen ganz speziellen Charme und wer von Euch mit der Sängerin Joss Stone etwas anfangen kann, wird ohnehin mal reinhören wollen. Immerhin verfügt die Britin, die bereits als 16-jährige mit ihren Soul Sessions für einigen Wirbel sorgte, über ein einprägsames, souliges Organ, weshalb sie von ihrem langjährigen Weggefährten und Schlagzeuger Jonathan Joseph, der das Project bereits 2013 ins Leben gerufen hat, um ihre Beteiligung gebeten wurde. “Ich war von Anfang an ein Joss Stone Fan und mit ihr zu arbeiten ist ein Segen für mich. Ich liefere die Rythmen und sie die Melodien...wie könnte ich da nein sagen, wenn sie mir ihre Zusammenarbeit anbietet ?" 


Letztlich ist es aber nicht nur die Weltenbummlerin Joss Stone, die das Project Mama Earth hörenswert geprägt hat. Die Idee zur Verquickung afrikanischer Einflüsse mit westlichen Akkorden und Rythmen hatte Jonathan Joseph bereits vor Jahren. Die Umsetzung jedoch war eine riesige Aufgabe für alle, wie Bassist Étienne M'Bappé betont: "Es gab praktisch keine Vorbereitung und so war es eine echte Herausforderung, im Aufnahmestudio aufzutauchen und aus den kleinen Ideen, die Jonathan an seinem Schlagzeug hatte, etwas zu machen. Alles wurde just in diesem Moment geschaffen und das war eine Erfahrung, die unser aller Horizont erweitert hat. Es ist wie beim Kochen, Du öffnest den Kühlschrank und siehst was drin ist...daraus bereitest Du halt Deine Mahlzeit zu. Wir wollten all diese kreativen Momente einfangen, sobald einer von uns eine Idee hatte, verfolgten wir sie gemeinsam".

Die Verschmelzung der verschiedenen Welten nahm im Studio ihren zehn Tage dauernden Lauf, als Jonathan, Étienne, Jonathan Shorten (Keyboards) und Nitin Sawhney (Gitarre) anfingen, von kamerunischen Wurzeln geprägte Klänge miteinander zu verknüpfen. Diese uralten Tanzrythmen, Mangabeu und Bikutsi, sind beiderseits in die Platte eingeflossen, vermischten sich aber mit westlichen Rock-, Funk- und gar Jazzklängen und eben dem Soul von Joss Stone

Ergebnis sind sechs Songs, die im völligen Gegensatz zu dem stehen, was hier sonst über den Tisch geht. Unterbrochen werden diese von sog. Interludien (Zwischenspielen), die ihre Grundlage ebenfalls im Afrikanischen haben. Die Musik strahlt vom Beginn an eine sehr entspannte und warme Atmosphäre aus und erinnert mich persönlich ein wenig an eine tanzbare Mischung aus Tony Childs zu ihrer Union-Zeit und Youssou N'Dour. Hörer, die häufiger in der Ethno-Musik unterwegs sind, werden vielleicht passendere Vergleiche zitieren können, dies sind meine persönlichen Eindrücke. Mich packt die Platte nicht wirklich, obwohl ich sie für eine gute Möglichkeit halte, den eigenen Horizont um neue Eindrück zu erweitern. 

Wer also Zeit für eine halbstündige Reise ins ferne Afrika hat und Bock auf ein spannendes musikalisches Abenteuer, sollte sich Mama Earth besorgen. Beinharte Rock-Fans ohne Lust auf Firlefanz jeglicher Art werden hier eher müde lächeln...

Bernd Fischer

Miss Velvet And The Blue Wolf - Bad Get Some

Band: Miss Velvet And The Blue Wolf
Album: Bad Get Some
Spielzeit: 58:59 min.
Plattenfirma: Heresy Records
Veröffentlichung: 24.11.2017
Homepage: https://missvelvetandthebluewolf.com/

 

WERTUNG: 7 von 10


Tracklist:
01. Bad Get Some
02. Run
03. Like You Do
04. Love Train
05. Rain
06. Dare
07. Edge Of The Line
08. Velvet Door
09. Drowning
10. Summertime


Als das neue große Ding aus den Staaten wird uns MISS VELVET AND THE BLUE WOLF von der Promotion Firma angepriesen und mit ordentlich Live Vorschuß-Lorbeeren überhäuft. Dazu kommen Vergleiche mit unsterblichen Größen wie CHICAGO, LED ZEPPELIN, JANIS JOPLIN sowie ETTA JAMES. Normalerweise bin ich spätestens da misstrauisch und doch muss ich zugeben, dass in den Venen der Newcomer genau dieses Blut fließt. Frontfrau MISS VELVET, eigentlich eine schlanke großgewachsene Blondine klingt stellenweise genau nach den beiden weiblichen Legenden. Dazu kommt, dass der Mix aus Funk, 70s Rock und einem Schuß Soul tatsächlich verdammt geil um die Ecke kommt und es nicht all zu viele Referenzen 2017 gibt, die sich diesen Sound auf die Brust geschrieben haben. 


Während der Titeltrack und Opener erstmal knapp über eine Minute gemählich die Spannung aufbaut, ehe Miss Velvet zu Worte kommt, und der lässige funkige Groove mit der wirklich besonderen Stimme garniert mich von Beginn packt. Noch funkiger und mitreißender folgt mit "Run" eines der Highlights des Albums. Hier sind Bläser und Saxophon perfekt in den Song integriert und die energetische Live Atmosphäre, die das Album ausmacht, kommt perfekt zur Geltung. Der Wechsel zwischen funkigen Passagen und 70s Rock ist hier richtig gut geglückt. Ach ja, da habe ich soviele Worte um die Frontfrau gemacht, die instrumentale Abteilung also "THE BLUE WOLF" liefert ebenfalls eine amtliche Vorstellung ab. 

Etwas irritiert sehe ich dann beim leicht psychedelisch angehauchten "Like You Do" aus der Wäsche. Erstens kommt mir der Refrain arg bekannt vor, zweitens geht mir der Song spätestens nach dem dritten Hören irgendwie total auf die Nerven. Glücklicherweise gibt es mit der richtig guten Cover Version von "I Can't Stand The Rain" (ANN PEEBLES, TINA TURNER) wieder ordentliches Futter, auch wenn die Version auf über 7 Minuten mit jazzigen Passagen aufgebläht dann doch nicht zu 100% überzeugen kann. Genau darin liegt mein Problem mit der gesamten Platte, manchmal verlieren MISS VELVET AND THE BLUE WOLF einfach den roten Faden und einiges wirkt spontan improvisiert - eben als würde es live eingespielt sein - und so zerren manche Passagen einfach an meinen Nerven, da diese einfach meinen persönlichen Geschmack nicht treffen. 

Dass es auch ruhiger klappt, beweist das wunderbare "Dare", bei dem sich MISS VELVETS Stimme erst um dein Ohr schmeichelt, um dann im Refrain zu explodieren. Das ist geil, basta. Was kann ich mir also für die Zukunft der noch jungen Band wünschen? Ganz einfach, dass Sie live auch in Europa alles abräumen werden, denn diese Mucke gehört auf die Bühne eines verrauchten verschwitzten Clubs und dass vielleicht beim nächsten Mal der Fokus noch stärker auf die Songs gelegt werden und das Drumherum etwas abgespeckter aus den Boxen kommt.  Ach ja, ich sollte noch erwähnen, dass mit GERSHWINS "Summertime" eines der meist gecoverten Stücke der Jazz- und Popgeschichte den Abschluss eines sehr ambitionierten Albums bildet, das für mich leider manchmal etwas übers Ziel hinausschießt, auf der anderen Seite aber eine verdammt talentierte und ungewöhnliche Band vorstellt, die es verdient eingehender betrachtet zu werden - und das hoffentlich über einen längeren Zeitraum.

Markus



Dienstag, 31. Oktober 2017

Montrose - Montrose

Band : Montrose
Album : Montrose
Spielzeit : 32:13 / 68:51 Min.
Veröffentlichung : 13.10.2017 
Plattenfirma : RHINO
Homepage : www.ronniemontrose.com

Wertung : 9 von 10

Trackliste :

CD 1
  1. Rock The Nation
  2. Bad Motor Scooter
  3. Space Station #5
  4. I Don't Want It
  5. Good Rockin' Tonight
  6. Rock Candy
  7. One Thing On My Mind
  8. Make It Last
CD 2 Bonus Tracks: 
1-6   1973 Demos
7-17 KSAN Radio Session, Record Plant, Sausalito, CA - April 21, 1973
  1. One Thing On My Mind
  2. Shoot Us Down
  3. Rock Candy
  4. Good Rockin' Tonight
  5. I Don't Want It
  6. Make It Last
  7. Intro
  8. Good Rockin' Tonight
  9. Rock Candy
  10. Bad Motor Scooter
  11. Shoot Us Down
  12. One Thing On My Mind
  13. Rock The Nation
  14. Make It Last
  15. You're Out Of Time
  16. Roll Over Beethoven
  17. I Don't Want It

Wer heute den Namen Montrose in den Mund nimmt und sich ein wenig mit der Geschichte der harten Rockmusik beschäftigt hat, wird im Hinterkopf haben, daß der Gitarrist aus San Francisco im Oktober 1973 nicht nur sein Debut veröffentlichte, sondern DAS Album, welches nicht nur den US-Metal, sondern die Szene weltweit massiv beeinflusste. Kurz vor Montrose waren die Amis noch auf der Suche, Ted Nugent dümpelte mit den Amboy Dukes im Acid-Rock herum, Kiss lernten sich grad erst kennen und andere erwähnenswerte US-Bands klebten fest im Blues- (Mountain) oder Garage-Rock (Stooges) während die Altväter Grand Funk Railroad und Blue Cheer ihr Pulver bereits verschossen hatten. Viele Einflüsse prägten den zukünftigen Sound, vor allem britische Bands wie Black Sabbath und Deep Purple, doch Montrose kreierten ihren ganz eigenen, technisch anspruchsvollen, hochenergetischen Metal-Sound.

Dabei schien es sich im Fall von Ronnie Montrose erstmal ganz anders zu entwickeln, immerhin jobbte der junge Gitarrist zunächst als Studiomusiker für Van Morrison, Boz Scaggs, Herbie Hancock und Edgar Winter, die ja ganz anderen Klängen frönten. Der wachsende Wunsch nach härteren Sounds veranlasste Ronnie jedoch, eine eigene Band zu gründen. Er suchte und fand in Produzent Ted Templeman, der vorher mit den Doobie Brothers, Little Feat und Van Morrison gearbeitet hatte, einen passenden Partner, der seine musikalischen Vorstellungen umsetzen konnte. Hinzu kam, daß Montrose in Sammy Hagar auf einen Sänger stieß, der über ein unglaubliches Organ und eine tolle Präsenz verfügte. Ronnie's langjähriger Kumpel und Bassist Bill Church und Drummer Denny Carmassy komplettierten die Band. Die "amerikanischen Led Zeppelin", wie Montrose später gerne genannt wurden, waren ready to go...



Aus Sicht heutiger, junger Hörer, die geprägt sind von der Vielfalt des immensen Angebotes, mag Montrose im Jahr 2017 ein wenig altbacken klingen, 1973 jedoch platzte mit der Veröffentlichung des Albums eine Bombe, der leider viel zu lange die Anerkennung verwehrt wurde. Sammy Hagar äußerte sich kurz nach Ronnie Montrose's tragischen Tod im März 2012, folgendermaßen: “There was Jimmy Page, Jeff Beck and Clapton, those were the guys, but none had Ronnie’s fire. He played at 100%, he was just on fire - he jumped around, just was a really high-energy performer. I learned all that from him, and everything I do today - no ego involved - it came from him, from seeing him perform that first time with Edgard Winter and then standing next to him within a week and rehearsing. I was always a high-energy guy, but I wasn’t that way [onstage] until I got in Montrose.”

Vom ersten Moment an drücken Montrose das Gaspedal bis zum Anschlag durch, ob im treibenden Opener und all-Time Klassiker Rock The Nation, der an MC5's Kick Out The Jams erinnert oder dem durch Montroses Honda350-Imitation geprägten Bad Motor Scooter, die Platte brettert nur so durch die ersten beiden Songs. Das riffgewaltige und von Hagars Science-Fiction-Fantasien geprägte Space Station #5 lässt sich vom hart swingenden I Don't Want It ablösen, immer voran die Gitarre von Ronnie Montrose und das unglaublich straffe Schlagzeug/Bass-Fundament, welches sämtliche Songs wie ein Uhrwerk zum Ziel treibt. Dem Ganzen setzt Sammy Hagar die Krone auf, dessen Gesangsleistung sich, man achte erneut auf den Zeitpunkt seiner Entstehung, kaum in Worte fassen lässt. Diese Art zu singen, mit all ihrer Kraft und Vehemenz und doch mehrere Oktaven umfassend, hatte es bis dahin in Kombination mit dieser Bandleistung nicht gegeben. Kein Wunder daß eine Band wie Van Halen direkt daran anknüpften, diesen Sound, insbesondere Montrose's Saitenkünste, kopierten, verfeinerten und tierisch damit abräumten. Und genau der Erfolg war es denn auch, der Montrose anfänglich fehlte...der Markt war noch nicht bereit für solch ein Feuerwerk. So verkaufte sich die Scheibe zunächst schleppend, mutierte über die Jahrzehnte jedoch verdientermaßen zum Millionenseller.
Was bleibt sind späte Ehrungen wie diese remasterte und um diverse Bonustracks aufgewertete 2CD RHINO-Neuauflage und eben die Songmonster, wie das überragende Rock Candy. Der fünfminütige Song ist ein Monument von Song, eben weil alles irgendwie neu war. Ob das von Bass und Schlagzeug geprägte Kurz-Intro, die mäandernde, schleppende Gitarrenarbeit von Ronnie Montrose oder Sammy Hagars lässiger Gesang, die Nummer entfaltet einen mitreissenden Charme, dem man sich schlecht entziehen kann. Wie gesagt, wer gedanklich ein paar Jahre zurück spulen kann, bekommt eher einen Zugang. Es fällt schwer, besondere Highlights oder Schwachpunkte zu finden, Montrose ist eine Platte, die auch ich jahrelang übersehen habe, dafür aber umso mehr schätzen gelernt habe, weil sie musikalisch als auch historisch betrachtet ein Meilenstein ist.

Montrose präsentierten sich der Öffentlichkeit erstmals am 21. April 1973 in Form einer 45 minütigen Radioshow auf der KSAN FM’s Tom Donahue Show. Die Show beinhaltete das komplette Album (außer Space Station #5) und wurde im Record Plant Studio, Sausalito, mitgeschnitten. Hinzu kamen Roll Me Nice, You’re Out Of Time, und Roll Over Beethoven. Die Aufnahme war jahrelang nur als Bootleg erhältlich und ist jetzt als Bonus auf der zweiten CD dieser Veröffentlichung erhältlich. Hinzu kommen erstaunlich gut produzierte Demo-Tracks, die ein sehr gelungenes Re-Release abrunden und den Kauf der Doppel-CD absolut rechtfertigen.

Rhino zeigt an dieser Stelle, wie mit der Geschichte unserer Musik umgegangen werden sollte, ich für meinen Teil freue mich schon auf das zweite Montrose-Album, Paper Money.

Bernd Fischer

Dienstag, 24. Oktober 2017

Communic - Where Echoes Gather

Band: Communic
Album: Where Echoes Gather
Spielzeit: 53:10 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 27.10.2017
Homepage: www.communic.org

Wertung: 8 von 10



Tracklist:

01. The Pulse of the Earth (Part 1 - The
Magnetic Center)
02. The Pulse of the Earth (Part 2 -
Impact Of The Wave)
03. Where Echoes Gather (Part 1 -
Beneath The Giant)
04. Where Echoes Gather (Part 2 - The
Underground Swine)
05. Moondance
06. Where History Lives
07. Black Flag Of Hate
08. The Claws Of The Sea (Part 1 -
Journey Into The Source)
09. The Claws Of The Sea (Part 2 - The
First Moment)

Es ist schon geschlagene 12 Jahre her, dass sich die Wege der norwegischen Progressive Metaller COMMUNIC mit den meinen kreuzten, denn damals bekam ich deren offizielles Debüt "Conspiracy In Mind" zum intensiven Hörgenuß dargereicht. Und was soll ich sagen, auch wenn nicht alles Gold war, was glänzte, so blieben mir die Jungs doch in angenehmer Erinnerung. Und doch verlor ich die Band nach dem 2006er Output "Waves Of Visual Decay" aus den Augen und die beiden folgenden Alben "Payment Of Existence" und "The Bottom Deep" sind mir noch immer unbekannt. Nach einer langen Pause, bedingt durch "Elternzeit" und sonstigen Herausforderungen, denen sich die Skandinavier stellen mussten, erscheint nun über AFM Records das Comeback "Where Echoes Gather". 


Rein musikalisch hat sich im Grunde nicht viel verändert, es regiert weiterhin progressiver Metal, der zwischen trashigen Passagen und hochmelodischen, fast schon poppig anmutenden Momenten geschickt und mit viel Gefühl wechselt. Leicht machen es COMMUNIC dem Hörer nicht immer den teilweise recht verschachtelten Stücken zu folgen und doch verlieren Sie nie den berühmten roten Faden. So startet "The Pulse Of The Earth (Part 1 - The Magnetic Center)" sogleich mit harten Riffs, ungewöhnlichen Breaks und einer leichten 70er Jahre Attitüde (die ich mir aber so gar nicht logisch erklären kann) und hinterlässt mich nach dem ersten Hören etwas ratlos zurück. Denn der Opener benötigt mehr als 5-6 Durchläufe, um dann endlich zu zünden. Das könnte das Trio um Sänger/Gitarrist Oddleif Stensland, Bassist Erik Mortensen und Schlagzeuger Tor-Atle Andersen naturbedingt sich etwas einfacher machen. 

Doch spätestens beim zweigeteilten Titeltrack haben mich COMMUNIC wieder in ihren ganz eigenen Bann gezogen. Doch das persönliche Highlight dieses Albums ist meiner Meinung nach das fast 9-minütige "Moondance", welches mit seiner anfänglichen ruhigen Atmosphäre bei mir ganz fett punkten kann. Da kommen Erinnerungen an SANCTUARY bzw. NEVERMORE bei mir auf, die ich seit Jahren vergöttere. Schade, dass COMMUNIC dieses Niveau leider nicht über die volle Spielzeit des Albums halten können. Während mir der Refrain bei "Where History Lives" etwas zu banal um die Ecke kommt, läuft "Black Flag Of Hate" gar völlig an mir vorbei. Ist mir ein bisschen zu klassischer Progressive Metal ohne das gewisse Etwas. 

Glücklicherweise bleibt es bei dieser kleinen Schwächephase und die letzten beiden Tracks "The Claws Of The Sea (Part 1 - Journey Into The Source)" und "The Claws Of The Sea (Part 2 - The First Moment)" können mich dafür entschädigen. Hier zeigen COMMUNIC abermals Ihr ganzes Können und ich staune abermals, wie man als Trio nur solch einen guten Sound hinbekommt. Respekt. So kann ich starke 8 von 10 Punkten zücken und freue mich, dass es COMMUNIC wieder auf die Metal Veröffentlichungslandkarte geschafft haben. Lasst euch aber bis zum nächsten Album aber bitte nicht mehr ganz so viel Zeit.

Markus

 

Samstag, 21. Oktober 2017

Europe - Walk The Earth

Band: Europe
Album: Walk The Earth
Spielzeit: 41:01 min.
Plattenfirma: Hell and Back Recordings

Veröffentlichung: 20.10.2017
Homepage: www.europetheband.com



WERTUNG: 8,5 von 10


Tracklist:


 1. Walk The Earth 
 2. The Siege 
 3. Kingdom United 
 4. Pictures 
 5. Election Day 
 6. Wolves 
 7. GTO 
 8. Haze 
 9. Whenever You’re Ready 
10. Turn To Dust 


Europe können einem leid tun. Die einen (vornehmlich die böse dreinguggende Metalfraktion) schieben sie ins käsige One-Hit-Wonder-Regal und hassen sie für den "Final Countdown" (und tanzen dann Silvester freudselig dazu ins neue Jahr).
Die andere trauern gerade diesen seligen 80er Zeiten hinterher und wünschen sich Songs a'la "Carrie" und "Rock The Night" Version 2.017.

Europe ist dies alles egal und das ist gut so. Wie sämtliche Vorgängerwerke seit ihrem Comeback in 2003 scheren sich die Jungs um Joey Tempest einen feuchten Dreck darum, was angesagt oder gewünscht wird sondern ziehen ihr Ding durch. Und das heisst auf "Walk The Earth" klassischer Hardrock mit vielen Einflüssen von Deep Purple.

Der vorab bereitgestellte Titelsong gibt die Marschrichtung für die nächsten gut 40 Minuten vor. Classic Rock wie er im Buche steht, die Schweineorgel dröhnt wie in den 70ern und Joey Tempest ist wie immer gesanglich eine Bank. Lediglich bei John Norum hat man manchmal das Gefühl er zieht sich etwas zurück aber dennoch brilliert er mit seinen Soli, die zwar nicht spektakulär aber effektiv sind. Und seinen eigenen spezifischen Sound hat er sowieso.
Für diejenigen, denen "War Of Kings" etwas zu langsam vom Tempo war (zu denen zähle ich mich auch), werden auf der neuen Scheibe gut bedient, denn es sind einige schnelle Rocker am Start. Dazu zählt u.a. "The Siege" und der härteste Song der Scheibe "GTO", der auch teilweise an Thin Lizzy zu "Thunder And Lightning"-Zeiten erinnert. Beides sehr geile Nummern.

Über mangelnde Abwechslung kann man sich weissgott nicht beschweren. "Pictures" ist die einzige Ballade der Scheibe, jedoch nicht im Stil von "Carrie" & Co. sondern der Geist von David Bowie's "Space Oddity"  ist nicht zu übersehen bzw. hören (fast schon etwas zu prominent).  "Wolves" verlangt dann schon etwas Offenheit des Hörers, denn der Song ist so ziemlich der Düsterste in der gesamten Europe-Discographie. Psychedelisch angehaucht mit einem monotonen Vers, der sich aber zumindest im Chorus zu einer kleinen Hymne steigert. Gewöhnungsbedürftig aber mutig.

Meine Lieblingsnummer ist derzeit "Election Day", eine Nummer, welche noch am ehesten an vergangene 80er Zeiten erinnert und eine majestätische Hymne vor dem Herrn darstellt.

Diejenigen, die ständig behaupten, dass Europe zu stark von ihrem Signiture-Sound abweichen, sollten sich die Mühe machen und "Kingdom United" einmal mit Stücken der allerersten Europe-Scheiben  vergleichen. Sie werden dann feststellen, dass die Unterschiede dann doch nicht so groß wie befürchtet sind, starteten die Schweden einst ebenfalls mit klassischem Hardrock durch, ehe die melodisch-süßliche Note mehr betont wurde. 

Mit "Haze" hat sich "War Of Kings Part 2" eingeschlichen, dass Riff ähnelt dem des Titelsongs doch frappierend wie auch der gesamte Songaufbau.

Alles in allem ist "Walk The Earth" erneut eine runde Sache und dürfte jeden neuzeitlichen Europe-Anhänger mehr als zufrieden stellen. Richtige Ausfälle kann ich nicht ausmachen und man darf gespannt sein wie die neuen Songs live klingen.

Auf der kommenden Tour im November/Dezember sollte man sich davon sein eigenes Bild machen. Ich freue mich jedenfalls darauf.


Martin




 



Montag, 16. Oktober 2017

10 Years - (how to live) As Ghosts


Band : 10 Years
Album : (how to live) As Ghosts
Spielzeit : 40:29 Minuten
Veröffentlichung : 27.10.2017
Plattenfirma : Mascot Records
Homepage : www.10yearsmusic.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :

  1. The Messenger
  2. Novacaine
  3. Burnout
  4. Catacombs
  5. Ghosts
  6. Blood Red Sky
  7. Phantoms
  8. Vampires
  9. Halos
  10. Lucky You
  11. Insomnia

Zugegeben, wenn Jesse Hasek über seine Schlaflosigkeit, sorry -Insomnia- singt, hat das schon einen ganz besonderen Charme. Fast hätten 10 Years aus Knoxville, Tennessee meine Aufmerksamkeit gar nicht bekommen, doch ein hartnäckiger Promoter sah das nicht ein. Und da die CD jetzt schon mal in meiner Anlage liegt und sich in mein Gehör rotiert, will ich auch mal nicht so sein. Immerhin legen die Jungs mit (how to live) As Ghosts ihr inzwischen achtes Album vor - da muss ja irgendwas dahinter stecken. Dabei haben sich 10 Years der Sorte Metal verschrieben, die mir ehrlich gesagt schon immer irgendwie abging. Ich assoziiere, vermutlich altersbedingt, mit all diesen Nu-, Emo- und was-auch-immer Metal-Bands, bunte Tagebücher, deren Inhalte in Songs verarbeitet werden und deren Besitzer sich selbst mit Ü30 noch immer nicht von ihren bösen und ungerechten Eltern abgenabelt haben. Dabei gibt es ja durchaus die Befürchtung zu vermuten, daß ich von Alledem, also von den Problemchen der heutigen Jugend, überhaupt keinen Plan mehr habe. Wer weiß das schon...
Jedenfalls haben Drummer Brian Vodinh und Gitarrist Matt Wantland nach einer selbstauferlegten Pause zur Band zurückgefunden und beschlossen, gemeinsam mit den alten Freunden einen echten Hammer rauszuhausen. "In the past, I've written a lot of songs that were pretty ambiguous. But on this record, I'm more comfortable being direct and talking about things that are important to me. I'm older and find myself reflecting on the world more especially after having traveled the world and talk to people and really see what's going on" so HasekZur Seite stand ihnen dabei Produzent Nick Raskulincz (Alice In Chains, Ghost, Deftones, Mastodon) und was soll ich sagen, es hat sich durchaus gelohnt. Selbst wenn mir XXXXL-Harmonien und die maximale Anhäufung von Hooklines ein wenig den Zahn ziehen, so richtig kitschig oder gar peinlich wird das nie. Und ja, auch als Metal-Album geht (how to live) As Ghosts durch, zwar in seiner poppigsten Form, aber 10 Years verlieren sich nicht komplett in ihrer Wohlfühlzone, sondern lassen es auch mal krachen. Der Mix aus poppigem Djent und Prog-Metal der Marke Tool meets Steven Wilson wird seine Hörer finden, da bin ich mir sicher. Dafür sind Songs wie Ghosts zu stark, die Nummer spiegelt mit ihrem melodiös-harten Drive und dem hellen aber kraftvollen Gesang von Jesse Hasek, der ein wenig an Brian Molko (Placebo) erinnert, im Grunde das Album wieder. Ein weiterer starker Songs, Burnout, packt noch eine Schaufel Energie drauf und hat meinen Segen als Album-Highlight, gemeinsam mit der Schlussnummer Insomnia, die ich bereits erwähnte. 

Ob mir das persönlich aber ausreicht, ob ich (how to live) As Ghosts zukünftig auflegen werde, bleibt abzuwarten denn irgendwie ist das Konzept von 10 Years, diese Musikrichtung, nach wie vor nicht meins. Die Generation 30 Seconds To Mars wird das sicher ganz anders sehen...darf sie auch und meinen Segen hat sie. Es gibt sieben Punkte für eine sehr geile Produktion, eingängige Songs, solides Handwerk. Ein bißchen mehr Bratz und Rotz und ich hätte dem Ganzen die Absolution erteilt...


Bernd Fischer

Sonntag, 8. Oktober 2017

Supersonic Blues Machine - Californisoul


Band : Supersonic Blues Machine
Album : Californisoul
Spielzeit : 63:13 Min.
Veröffentlichung : 20.10.2017
Homepage : www.supersonicblues.com

Wertung : 9 von 10 

Trackliste :

  1. I Am Done Missing You  
  2. Somebody's Fool (feat. Robben Ford)
  3. L.O.V.E.
  4. Broken Heart (feat. Billy F.Gibbons)
  5. Bad Boys
  6. Elevate (feat. Eric Gales)
  7. The One
  8. Hard Times (feat. Steve Lukather)
  9. Cry
  10. The Stranger
  11. What's Wrong (feat. Walter Trout)
  12. Thank You
  13. This Is Love

Auch die zweite Veröffentlichung der Supersonic Blues Machine ist eine rundum schmissige Angelegenheit geworden. Selbst wenn die Scheibe nahtlos am Vorgänger West Of Flushing, South Of Frisco anknüpft und in Robben Ford, Billy Gibbons, Eric Gales und Walter Trout gar die fast identische Riege Gastmusiker hinzugezogen wurde (lediglich Warren Haynes wurde durch Steve Lukather ersetzt), ist die Musik auf Californisoul alles andere als langweilig geraten. Im Gegenteil, die Fans von Fabrizio Grossi (Bass), Lance Lopez (Gitarre, Gesang) und Kenny Aronoff (Schlagzeug) dürfen sich auf ein weiteres Album voller Bluesrock-getränkter Songs mit viel Seele unter der harten Schale freuen.

Ein lässiger Reggae-Rocker mit Tiefgang eröffnet Californisoul. "Der Song richtet sich sowohl an verschmähte Liebhaber, als auch diejenigen, die ihre schlechten Angewohnheiten hinter sich gelassen haben. Das Album studiert und feiert die Menschlichkeit" so Lance Lopes über I Am Done Missing You. Charakteristisch, und das zieht sich wie ein roter Faden durch die beiden Platten, ist das schwitzig-bluesige Grundgefühl und der mehrstimmige, irgendwie nölig wirkende Backgroundgesang von Anita und Francis Benitez Grossi. Dazu Handclaps. Immer wieder und in fast jedem Song krabbeln Handclaps hinterm Gebüsch hervor. Ich find's OK, hört sich cool an und prägt den SBM-Sound, also was soll's. Die Frage nach den Gästen beantwortet Fabrizio Grossi: "Viele Leute fragen mich, warum bei Supersonic Blues Machine immer Gastmusiker mit von der Partie seien, obwohl wir doch selbst genug auf dem Kasten hätten. Es gibt drei Antworten darauf. 1.: Wir sind alle eng befreundet und hatten einen Mordsspaß. 2.: Viele von Ihnen geben keinen Unterricht. Das ist unsere einzige Chance, hinter ihre Geheimnisse zu kommen. Und 3.: Sie inspirieren und fordern uns gleichzeitig heraus." Aha.

Die illustre Gästeschar setzt allerdings unterschiedliche Akzente: Robben Ford steuert ein unauffällig feines Gitarrensolo hinzu und veredelt das ohnehin sehr galant dahingleitende Somebody's Fool, während Billy Gibbons dem "Soundtrack eines imaginären Roadtrips von Los Angeles nach San Francisco im Jahr 1971" mit Broken Heart seinen unverkennbaren Desert-Blues-Boogie einhaucht. Man muss das auch gar nicht kommentieren, Gibbons' Licks sind dermaßen prägnant daß sogar mein Wellensittich den inzwischen 67-jährigen heraushören würde. Der schönsten Nummer darf aber Steve Lukather beiwohnen. Hard Times gleitet schläfrig wie ein warmer Sonntagmorgen dahin und wächst an zu einem furiosen Zusammenspiel sämtlicher Ingredienzen die die Supersonic Blues Machine anbietet. In der Besucherritze zwischen Lukathers Saiteneinlagen schnurrt ein zurückhaltendes Keyboard, allerfeinst von Alessandro Alessandroni jr. intoniert. Auch hier sind es die Feinheiten im Hintergrund, wie die sanft angeschlagenen Chimes und Bongos, die Atmosphäre erzeugen. Letzten Endes ist es aber Lance Lopes, dessen kratziges Organ und Gitarrenspiel das Ding, natürlich auf dem Fundament seiner versierten Mitstreiter, prägen. Hard Times ist einer der stärksten Songs auf einer durchgehend gelungenen Platte. 



Das Gros der Lyrics steuerte übrigens Fabrizio Grossi bei, aufgenommen wurde Californisoul in Kalifornien und zwar im Fab’s Lab im Norden Hollywoods. Die Scheibe kommt übrigens auch ohne fremde Hilfe aus. Unter anderem lohnt sich das eingängige L.O.V.E., welches mit einem wunderbaren Chorus glänzt und ansonsten höchst lässig mit schöner Bluesharp überzeugt. Funkig wird es mit The Stranger und gefühlvoll mit Cry, einer trotz aller Emotionalität kraftvollen Ballade. Mein persönliches Highlight ist eher untypisch für Californisoul, fügt sich am Ende der tollen Scheibe aber ganz wunderbar ein. What's Wrong, ein klassischer Blues, steigert sich und gipfelt im Duell zwischen Lance Lopez und Walter Trout, die vom Gitarren- ins Gesangsduell wechseln und sich immer verzweifelter die Frage stellen, was in "ihrem" Blues grad falsch läuft.

The Answer is, there's nothing wrong with your Blues, Sirs.

This Is Love, ein cooler Reggae, darf Californisoul genauso beenden, wie er es eröffnet hat. Alles in allem ist Californisoul ein Paradebeispiel für modernen Bluesrock, der in sämtlichen Genres wühlen darf und Freiheit und Wandel atmet. Ganz wie damals auf dem Roadtrip im Jahr 1971. 


Bernd Fischer

Dienstag, 26. September 2017

Chris Rea - Road Songs For Lovers

Band: Chris Rea
Album: Roadsongs For Lovers
Spielzeit: 58:27 min.
Plattenfirma: BMG
Veröffentlichung: 29.09.2017
Homepage: www.chrisrea.com


WERTUNG: 7,5 von 10


Tracklist:

1. Happy On The Road
2. Nothing Left Behind
3. Road Songs For Lovers
4. Money
5. Two Lost Souls
6. Rock My Soul
7. Moving On
8. The Road Ahead
9. Last Train
10. Angel Of Love
11. Breaking Point
12. Beautiful

Schon seit vielen Jahren bin ich bekennender Fan von CHRIS REA und seiner Musik, gerade an lauen Sommernächten gibt es kaum etwas schöneres als den soften Kompositionen des 1951 geborenen Briten zu lauschen, die trotz aller Eingänglichkeit immer etwas abseits des absoluten Mainstreams liefen. Vielleicht lag es einfach daran, dass immer eine melancholisch-sehnsüchtige Atmosphäre seine Songs ausmachte. Nach der Überwindung seiner schweren Krebs-Erkrankung um die Jahrtausendwende und einer absolut großartigen Abschiedstournee, bei der ich so manche Träne heimlich verdrückt habe, bin ich nun umso froher, dass es längst nicht still um den erstaunlichen Musiker geworden ist.


"Road Songs For Lovers" ist sein erstes "normales" reguläres Album seit dem 2004er Output "The Blue Jukebox", welches auch auf Grund meiner Sentimentalität für mich einen besonderen Platz unter den vielen Studioalben CHRIS REAs innehat. Auf den sonstigen letzten Veröffentlichungen verfolgte CHRIS REA seine Leidenschaften und brachte 2005 eine großartige Box namens "The Blue Guitar" heraus, auf denen er auf 11 CDs inkl. tollem Buch dem Blues ein Denkmal setzte. Und für mich persönlich sein brillantestes Gesamtkunstwerk darstellt. Auch von "Santo Spirito Blues" und den Regiearbeiten des Briten bin ich immer noch beeindruckt. Das 2016er Remake von "La Passione" lief dann aber etwas an mir vorbei. 

Doch genug der vielen Vorrede, eigentlich muss man CHRIS REA ja auch nach über 30 Millionen verkauften Alben nicht mehr groß vorstellen. Kommen wir daher nun zu "Road Songs For Lovers" und dem Opener "Happy On The Road", der sich wieder stark an den Erfolgsalben der 90er Jahre orientiert und auch gut auf "Auberge" oder "Espresso Logic" gepasst hätte. Neben einem lässigen Groove gefällt mir wieder das prägnante Gitarrenspiel sowie der gute Einsatz von Akkordeon bzw. Bläsern. Im Grunde schon ein richtiger Singlehit. Doch CHRIS REA verschleppt daraufhin sofort das Tempo und lässt mit "Nothing Left Behind" eine sehr melancholische Ballade folgen, die eher auf "Stony Road" gepasst hätte. 

Im Grunde müsste man sagen, dass "Roadsongs For Lovers" bereits jetzt die Essenz aus allen Alben des Briten enthält. Leider berührt mich der Track nicht so stark wie erwartet und wächst auch nicht beim zwölften Hördurchlauf. Der Titeltrack erinnert mich dann wieder an die "Shamrock Diaries" und lässt mich in seligen Erinnerungen schwelgen - genau mit solchen Songs schaffte er den Durchbruch. Das nun folgende "Money" soll wohl wieder etwas künstlerisch wertvoller sein, mich persönlich nervt das monotone Stück aber ziemlich - ein müder Track, bei dem ich mittlerweile durchgehend die Skip Taste drücke. Zum Glück sind die restlichen Stücke wieder auf einem viel höheren Niveau, aber leider nicht mehr ganz so stark wie "Happy On The Road" oder der Titeltrack. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Album ein kleines Stück auf Sicherheit getrimmt wurde und so manches Akkordeon schon so ähnlich auf den Vorgängern zu hören war. 

Denn auch wenn das Album von der Sehnsucht nach dem Reisen handelt und man es wirklich entspannt beim Autofahren hören kann, so laufen mir doch einige Stücke ("Two Lost Souls" oder "Angel Of Love") zu glatt an mir vorbei. Was ich sehr schade finde. Insgesamt gesehen haben wir trotzdem ein hochwertiges Album eines absoluten Ausnahmekünstlers vorliegen, das sich aber mit den Highlights in der Diskographie meiner Meinung nach nicht ganz messen kann. Auch wenn mit "Last Train" und "Beautiful" noch zwei weitere Highlights auszumachen sind. Und so lege ich halt doch wieder die "Shamrock Diaries" auf, weine mit "On The Beach" dem verblassenden Sommer 2017 nach und lasse den Blues mit den "Blue Guitars" von neuem aufleben. Trotzdem schön, dass es ihn mit diesem Album im Oktober und November live in Deutschland zu sehen gibt.    

Markus



Sonntag, 24. September 2017

Ronnie Montrose featuring Ricky Phillips and Eric Singer - 10x10


Band : Ronnie Montrose featuring Ricky Phillips and Eric Singer
Album : 10x10
Spielzeit : 46:02 Minuten
Veröffentlichung : 29.09.2017
Plattenfirma : Rhino
Homepage : www.ronniemontrose.com

Wertung : 9 von 10

Trackliste :
  1. Heavy Traffic feat. Eric Martin & Dave Meniketti 
  2. Love Is An Art feat. Edgar Winter & Rick Derringer 
  3. Color Blind feat. Sammy Hagar & Steve Lukather
  4. Still Singin' With The Band feat. Glenn Hughes, Phil Collen & Jimmy "Z" Zavala
  5. Strong Enough feat. Tommy Shaw 
  6. Any Minute feat. Mark Farner & Ricky Phillips
  7. The Kingdom's Come Undone feat. Ricky Phillips & Joe Bonamassa
  8. One Good Reason feat. Bruce Turgon & Brad Whitford
  9. Head On Straight feat. Davey Pattison & Mark Bonilla
  10.  I'm Not Lying feat. Gregg Rolie, Tom Gimbel & Lawrence Gowan

Ronnie Montrose ist für die meisten von Euch hoffentlich kein unbeschriebenes Blatt, denn um dessen ellenlange Vita aufzuarbeiten, bedürfte es locker eines Sonderartikels. Deshalb sei an dieser Stelle lediglich an sein wohl wichtigstes Werk, das Debutalbum Montrose (1973) und die Tatsache daß er damit den "Red Rocker" Sammy Hagar auf die große Bühne hob, erinnert. "Ronnie Montrose gave me my first break as a songwriter, as a front man, as a recording artist and as a touring artist, and for that I will always be grateful", so Hagar im Rolling Stone Magazin. Ganz nebenbei machte er so den US-Hardrock salonfähig und inspirierte unzählige Bands.



Kurz nachdem der begnadete Gitarrist gemeinsam mit Bassist Ricky Philips (StyxBad English) und Drummer Eric Singer (KissAlice Cooperanfing, 10x10 aufzunehmen, fügte er sich Anfang 2012 selbst eine Schussverletzung zu, an der er schließlich verstarb. Vermutet wird Selbstmord, da Montrose an Depressionen und Prostatakrebs litt, ein Abschiedsbrief wurde allerdings nie gefunden. Phillips und Singer hielten das hinterlassene Songmaterial für hochwertig genug, um das Album posthum fertigzustellen. Ronnie's Konzept zu 10x10 war, zehn Songs mit zehn verschiedenen Sängern einzuspielen. Phillips und Singer luden zunächst Sammy Hagar, der prompt seine Zusage gab, und weitere Musiker aus Ronnie's großem Freundeskreis ein, benutzten die fertigen Gitarrenspuren und Songideen und brachten das letzte Vermächtnis von Ronnie Montrose zu einem mehr als würdigen Ende. 

10x10 ist ein unerwartet solides und kraftvolles Hardrockalbum geworden, dessen Hintergrund und Entstehung für sich allein schon interessant genug wäre, immerhin hat eine Vielzahl von Musikern ihre Visitenkarte hinterlassen (wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es 26 geworden). Fast genauso groß ist aber auch die Riege der Tontechniker und Produzenten, die mit der Entstehung zu tun hatten. Erstaunlich, wie wenig man das der Platte anhört, wie homogen und tight der Mix geworden ist. Hut ab ! 

Eric Martin eröffnet die Platte mit einem lauten "RONNIE !", als wolle er sagen "was hast Du da nur gemacht, Du Hornochse" und legt nach, indem er nach den merkwürdigen Medikamenten, die Montrose wohl zum Zeitpunkt seines Todes den Kopf vernebelten, fragt. Das schlichte Montrose-Riff  schiebt Heavy Traffic ein paar Sekunden lang in Richtung AC/DC, doch Tambourine, Backsgroundgesang von J'nae Fincannon und Debby Holiday und ein Piano hieven den Song eher auf die 70er Classic-Rock-Ebene. Spätestens Dave Meniketti stellt im Mittelteil mit seinem Solo klar, was da noch zu erwarten ist. Andere Baustelle; Blues. Lemmy konnte es nicht, Dylan kann es immer noch nicht und Edgar Winter röhrt wie ein brünftiger Hirsch. Aber interessiert das jemanden ? Nein, denn Love Is An Art muss so und nicht anders. Als Winter seine Abhandlung zum Thema Liebeskünste mit "So far, so bad.." startet und das Saxophon völlig relaxt mit Rick Derringer flirtet ist ohnehin alles gut.


Color Blind steht als Statement gegen Rassenhass. Sammy Hagar legte die Worte über Ronnie's Songidee, im Gegensatz zur üblichen Vorgehensweise der beiden, die genau umgekehrt lief. Die anfangs bedächtig-schleppende Nummer wäre denn auch mein erstes Highlight. Sammy Hagar singt von Sekunde zu Sekunde kraftvoller und man nimmt ihm seine Empörung wirklich ab. Der Shuffle wird vom atmosphärischen Wechselspiel zwischen Gitarre und Hi-Hat geprägt, unterbrochen vom gefühlvollen Solo eines Steve Lukather. Da darf man mal reinhören. Heftiger und vor allem schneller wird es mit Still Singin' With The Band, Glenn Hughes darf hier zeigen daß er noch immer zu den Top-Leuten gehört, wenn es um kraftvollen Gesang in verschiedenen Tonlagen geht. Die harte Rocknummer profitiert in erster Linie von den Gitarren und dem Bass-Schlagzeug-Fundament, doch die feinen Akzente setzen andere. Ricky Phillips, der hier die Tasteninstrumente bedient, legt seine Hammond voll mit rein und Jimmy "Z" Zavala holt für einen Moment, aber wirkungsvoll, seine Mundharmonika heraus.

Das schwül-schwitzige Strong Enough ist mein zweites Highlight, woran vor allem Tommy Shaw und der Backgroundgesang ihren Anteil haben. Beides harmoniert hervorragend mit der geheimnisvollen Stimmung dieser Nummer, die wiederum durch die Gitarrenarbeit von Montrose geprägt ist. Dem Meister wird mit diesem herausragenden Song posthum ein mehr als würdiges Denkmal gesetzt. Auch im weiteren Verlauf der Platte finden sich kaum Schwachpunkte, das funkige Any Minute besticht durch einen ausgesprochenen Groove, der im treibenden The Kingdom's Come Undone seine Fortsetzung findet. Die schöne Hookline ist gelungen und bleibt im Ohr hängen. Das obligatorische Gitarrensolo stammt diesmal von Joe Bonamassa. An Foreigner erinnert One Good Reason, was nicht verwundert, denn Sänger Bruce Turgon bediente von 1992 bis 2003 dort den Bass und sang im Hintergrund. Der treibende Song geht direkt ins Blut und ist mein nächstes Album-Highlight. Was für eine schöne Nummer...

Zum Schluss wird es nochmal richtig rauh. Die Hardrocknummer Head On Straight erinnert mich ein wenig an Whitesnake. Wobei Sänger Davey Pattison's helles Organ nicht unbedingt an David Coverdale erinnert, der hatte dafür mit Robin Trower zu tun und schon sind wir bei der letzten Nummer das Albums, die ein wenig an Trower erinnert. I'm Not Lying beschließt 10x10 auf sehr entspannte und ruhige Weise. Sänger Gregg Rolie und ein relaxtes Saxophon von Tom Gimbel runden sieben Minuten lang eine Platte ab, die überraschend kompakt und durchgängig hochwertig daherkommt. 

Ronnie Montrose hätte ganz sicher seine Freude daran gehabt. Ich habe sie und empfehle 10x10, es lohnt sich !


Bernd Fischer