Sonntag, 25. September 2016

Imperial State Electric - All Through The Night


Band: Imperial State Electric
Album: All Through The Night
Spielzeit: 33:11 min.
Plattenfirma: Psychout Records
Veröffentlichung: 23.09.2016
Homepage: https://de-de.facebook.com/imperialstateelectric/

Wertung: 9 von 10

Tracklist:

01. Empire Of Fire
02. All Through The Night
03. Remove Your Doubt
04. Break It Down
05. Over And Over Again
06. Bad Timing
07. Read Me Wrong
08. Get Off The Boo Hoo Train
09. Would You Lie
10. No Sleeping



Liebe THE HELLACOPTERS Fans, bitte seid mir nicht böse, wenn ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass Workaholic Nicke Andersson seit einigen Jahren mit IMPERIAL STATE ELECTRIC eine etwas andere Richtung eingeschlagen hat. Denn für euch gibt es zumindest eine angekündigte Reunion auf dem Sweden Rock Festival. Und für mich gibt es "All Through The Night", das mittlerweile fünfte Album in knapp sechs Jahren. Während mich die Vorgängeralben (und davon besonders das öde "Reptile Brain Music") nicht wirklich überzeugen konnten ("Pop War" war noch zu sehr an die HELLACOPTERS angelehnt, "Honk Machine" dann der Schritt in die richtige Richtung), da mir die Abwechslung etwas fehlte, ist genau diese das große Plus bei "All Through The Night" geworden. 


"Empire Of Fire" ist klassischer Seventies-Rock mit naturgemäß lässigem Gesang und genau der richtige Einstieg in die Scheibe. Manchmal kommen bei mir Erinnerungen an die "Rocky Horror Picture Show" auf und die sind allesamt positiv belegt. Das nun folgende an die BEATLES erinnernde halbakustische "All Through The Night" ist sogleich der erste Meilenstein der Scheibe. Hammer! Auch wenn das Stück im Grunde simpel gestrickt ist, es frisst sich in den Gehörgängen fest und lässt den Ohrwurm nicht mehr los. Etwas rockiger kommt dann "Remove Your Doubt" um die Ecke und lässt bei mir sämtliche Zweifel im Nirvana verschwinden. Was für eine Hammermelodie! Sämtliche aktuell angesagten Classic Rock Bands sollten sich diesen Song als Lehrstück vormerken. Paradoxerweise kommt er durch den rauen Sound absolut nicht altbacken, sondern frisch und zeitgemäß rüber.

Das Duett "Break It Down" (zusammen mit Linn Segolson) ist dann ein waschechter Country Song geworden, bei mir der Rock zwar etwas fehlt, meine Freundin ist aber hellauf begeistert. Und zur Abwechslung trägt "Break It Down" auf jeden Fall bei, ohne deplatziert zu wirken. Etwas punkiger schallt dann "Over And Over Again" aus den Boxen, ehe mit "Bad Timing" wieder Classic Rock pur angesagt ist. "Read Me Wrong" ist dann trotz eher poppigem Timbre wieder ein absolutes Highlight geworden. Verdammt, die Scheibe ist mit knapp 33 Minuten irre kurz und läuft im Auto trotzdem praktisch auf Dauerrotation. Das soll doch was heißen. Gut, das abschließende "No Sleeping" drücke ich desöfteren weg, das ist mir etwas zu spröde und einfallslos. Gerade, da zuvor das flotte "Would You Lie" die Tanzbeine mitschwingen lässt. 

Was ist also gesamt zu sagen? "All Through The Night" ist definitiv das stärkste Album von IMPERIAL STATE ELECTRIC und sollte eigentlich in keiner vernünftigen Rock-Sammlung fehlen. Denn mit über der Hälfte der Songs wird auf jeder Party für ordentlich Stimmung gesorgt. Ab, ab zum Händler eures Vertrauens!! This Is Pure Fucking Rock N Roll!!

Markus

Mittwoch, 21. September 2016

Joe Bonamassa - Live At The Greek Theatre



Band : Joe Bonamassa
Album : Live At The Greek Theatre
Spielzeit : DVD 179:54 Min. / CD 125:58 Min.
Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group
Veröffentlichung : 23.09.2016
Homepage : www.jbonamassa.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Beginnings - (DVD1)
  2. See See Baby - (DVD1,CD1) Freddie King
  3. Some Other Day, Some Other Time - (DVD1,CD1) Freddie King
  4. Lonesome Whistle Blues - (DVD1,CD1) Freddie King
  5. Sittin' On The Boat Dock - (DVD1,CD1) Freddie King
  6. You've Got To Love Her With A Feeling - (DVD1,CD1) Freddie King
  7. Going Down - (DVD1,CD1) Freddie King
  8. I'll Play The Blues For You - (DVD1,CD1) Albert King
  9. I Get Evil - (DVD1,CD1) Albert King
  10. Breaking Up Somebody's Home - (DVD1,CD1) Albert King
  11. Angel Of Mercy - (DVD1,CD1) Albert King
  12. Cadillac Assembly Line - (DVD1,CD1) Albert King
  13. Oh.Pretty Woman - (DVD1,CD2) Albert King
  14. Let The Good Times Roll - (DVD1,CD2) B.B.King
  15. Never Make Your Move Too Soon - (DVD1,CD2) B.B.King
  16. Ole Time Religion - (DVD1,CD2) B.B.King
  17. Nobody Loves Me But My Mother - (DVD1,CD2) B.B.King
  18. Boogie Woogie Woman - (DVD1,CD2) B.B.King
  19. Hummingbird - (DVD1,CD2) B.B.King
  20. Hide Away - (DVD1,CD2) Freddie King
  21. Born Under A Bad Sign - (DVD1,CD2) Albert King
  22. The Thrill Is Gone - (DVD1,CD2) B.B.King
  23. Riding With The Kings - (DVD1,CD2) John Hiatt
  24. Growing Up Joe - (Bonus Feature, DVD2)
  25. Riding With The Kings - (Bonus Feature, DVD2)
  26. Caveman's Hacked iPhone - (Bonus Feature, DVD2)
  27. Joe's Big Fat Greek - (Bonus Feature, DVD2)

Joe Bonamassa hat ja im Laufe seiner Karriere einige musikalische Schätze gehoben und man fragt sich, was wohl ansonsten mit diesen passiert wäre ? Wie viele Künstler bekamen in seinem Fahrwasser ihr erstes oder zweites Standbein auf den Boden ? Auf der anderen Seite hat Bonamassa auch von der Aufarbeitung etablierter Blues-Größen profitiert, denen er das Wasser vielleicht niemals wird reichen können, man denke nur an Muddy Waters oder Howlin' Wolf

Wer jedenfalls Bock hat, mit Joe noch einmal bzw. mal wieder auf die Reise durch die Historie des Blues zu begeben, sollte sich sein aktuelles Werk Live At The Greek Theatre im Kalender anstreichen. Dies erscheint Ende dieser Woche in sämtlichen Formaten, die derzeit angesagt sind und so sollte für jeden das Richtige dabei sein. In meinem Fall liegt die 2CD/2DVD-Version vor und diese lässt kaum Wünsche übrig. Obwohl mein "Lieblingsproduzent" Kevin Shirley auch diesmal wieder am Start war, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen dass die Produktion der beiden Formate rundum gelungen ist.


Langjährigen Blues-Hörern erzähle ich natürlich nichts Neues wenn ich sage dass Freddie, Albert und B.B.King zur absoluten Spitze dieser Musikrichtung zählen und nicht nur wegen des Nachnamens als die "Three Kings Of Blues" in Ehren gehalten werden. Daß Bonamassa sich an die Interpretation dieser Legenden heran traut, zeugt erneut vom grenzenlosen Selbstbewusstsein dieses Mannes, der dieses Vorhaben respektvoll und....in Perfektion umsetzt. Bonamassa umgibt sich seit Jahren mit den Besten der Branche, wir bestaunen eine 3fache Bläsersektion, drei attraktive Backgroundsängerinnen (u.a. Mahalia Barnes) und die übliche Bandbesetzung inkl. Piano. Auch das ist nichts Neues.

Was mir fehlt ist die Stimmung. Mir ist das alles einen Tacken zu sauber, mir fehlt der berühmte Schweiß, der Dreck unter den Nägeln, alles ist blitzeblank und....fast ein wenig langweilig. Das alles ist ebenfalls nicht überraschend aber ich frage mich,, wie lange Joe Bonamassa das so noch durchziehen möchte. Er macht und tut, er gibt alles und weiß dass er der Mittelpunkt der Bühne ist, aber es rockt einfach nicht. Die Anhäufung von Klassikern wie dem Lonesome Whistle Blues, The Thrill Is Gone und Born Under A Bad Sign ändert leider auch nichts an der Tatsache dass ich schon lange der bevorstehenden Reunion der Black Country Communion entgegenfiebere. Das ist natürlich eine ganz andere Baustelle aber nach der erneuten Huldigung seiner Vorbilder sollte Joe Bonamassa langsam über einen Tapetenwechsel nachdenken.

Let The Good Times Roll wäre dann meine Empfehlung zum Reinhören bzw. -schauen. Die gute Mahalia ist hier der Lichtblick, sie hat eine Wahnsinsstimme und bereichert die tolle B.B.King Nummer unheimlich.


Bernd

Samstag, 17. September 2016

VOLA - Inmazes



Band : VOLA
Album: Inmazes
Spielzeit : 51:40 Min.
Plattenfirma : Mascot Records
Veröffentlichung : 16.09.2016
Homepage : www.volaband.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste:
  1. The Same War
  2. Stray The Skies
  3. Starburn
  4. Owls
  5. Your Mind Is A Helpless Dreamer
  6. Emily
  7. Gutter Moon
  8. A Stare Without Eyes
  9. Feed The Creatures 
  10. Inmazes

Stell Dir vor Du besuchst eine Bilderausstellung. Du gehst die Runde ein zweites, ein drittes Mal und siehst Dir jedesmal die gleichen Bilder an, bemerkst aber gar nicht dass Du Dich im Kreis drehst. Die geschickte und langsam wechselnde Ausleuchtung gaukelt Dir vor dass sich die Motive verändern und ständig neue Details hinzufügt werden. Eine ähnliche Wunderkiste stellt Inmaze dar. Die Dänen VOLA veröffentlichen jetzt ihr Debut und haben ein TechProg-Monster erschaffen. 

Es flirrt, knattert und rattert pausenlos, ständig kommen von irgendwoher elektronische Klänge, Beats und Djent-typische Blast-Akkorde. Hier wird Musik nicht in ein 4/4 Korsett gequetscht, hier wird das Gesamte zerlegt und nach dem Zufallsprinzip wieder zusammengefügt. Polyrythmik an allen Ecken...wenn es ihn noch nicht gibt, wurde 2015 der Free-Metal erfunden, denn so lange gibt es Inmaze bereits. Die Musik wurde bisher im Export vertrieben bzw. digital angeboten, die Mascot Label Group hat aber ein Gespür für frische Töne und glücklicherweise zugeschlagen. Anhängern kreativer, technischer Klänge darf Inmaze ans Herz gelegt werden. Und keine Angst, es mangelt nicht an Tiefgang und Abwechslung. Als langjährige Fans solcher Meister wie Opeth und Katatonia wissen Asger, Martin, Nicolai und Felix nämlich nur allzu gut, wie wichtig Spannungsbögen und Atmosphäre für Musik sind. 

So wächst Inmaze unaufhörlich und ändert seine Klangfarbe wie ein Chamäleon. Meint man bei The Same War und Stray The Skies noch, Korn oder die Deftones im Player zu haben, verweben VOLA immer wieder wunderschöne Harmonien mit kalten, programmierten Elementen und reichern ihren Sound damit an.


Sänger und Gitarrist Asger Mygiend: "Wir waren alle an Melodic-Rock interessiert und hörten Bands wie Dream Theater, Freak Kitchen und Opeth und Porcupine Tree. Wir spielten ihre Songs nach um herauszufinden, welche Art von Sound wir selbst machen wollten: Und natürlich auch, weil wir sehr viel Spaß dabei hatten."

Emily ist dann auch der emotionale Höhepunkt der Scheibe. VOLA schaffen hier das Kunststück, die Agressionen so weit herunterzufahren dass eine wunderschöne und sanfte Schwermut entsteht, behalten sich aber ihre Grundlagen. Technischer Input auf der einen, Wärme und Gefühl auf der anderen Seite....dem schliesst sich Feed The Creatures nahtlos an. Steven Wilson lässt herzlich grüßen und plötzlich sitzen wir im großen Kino und sehen uns die ganz große Nummer des Albums im Breitwandformat an. Chapeau !

Was dem großen Ganzen noch fehlt ist ein Tacken mehr Abwechslung. Die Krone hätten VOLA sich aufgesetzt, wenn sie die Technik und hektische Betriebsamkeit ein ganz klein wenig zugunsten akustischer Instrumente oder weiterer ruhiger Passagen zurückgesteckt hätten. Welch sensationeller Schlussepos hätte der Titeltrack ohne die nervöse Bassdrum werden können. Die ohnehin schon bärenstarke Nummer wäre mein Song des Jahres geworden...aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Acht fette und verdiente Punkte !


Bernd

Mittwoch, 14. September 2016

Sari Schorr - A Force Of Nature


Band : Sari Schorr
Album : A Force Of Nature
Spielzeit : 56:45 Min.
Plattenfirma : Manhaton Records
Veröffentlichung : 2.9.2016
Homepage : www.sarischorr.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste:

  1. Ain't Got No Money
  2. Aunt Hazel
  3. Damn The Reason
  4. Cat And Mouse
  5. Black Betty
  6. Work No More
  7. Demolition Man
  8. Oklahoma
  9. Letting Go
  10. Kiss Me
  11. Stop ! In The Name Of Love
  12. Ordinary Life

Wenn euch dieser Tage mal ordentlich die Matte zerzaust wird, ist unter Umständen der nahende Herbst dafür verantwortlich...es könnte allerdings auch sein dass irgendwo grad die neue Sari Schorr aufgelegt wurde. A Force Of Nature (Eine Naturgewalt), ist nämlich vor gut zwei Wochen erschienen und selten hat eine LP einen passenderen Titel erhalten !

Sari Schorr entwickelt mittels ihrer kräftigen, an Dana Fuchs und Beth Hart erinnernden Stimme einen regelrechten Druck und es liegt die Befürchtung nahe, dass A Force Of Nature eine OneWoman-Show werden könnte. Was ich persönlich schade fände, denn Innes Sibun (git.), Kevin Jefferies (bs.), Anders Olinder (key.) und Kevin O'Rourke (dr.) sind zu gut um in der Abwehr zu spielen.


Die sympatische Sängerin mit Wohnsitz in New York City eröffnet mit Ain't Got No Money eine gute Stunde pumpenden BluesRock. Aufgrund ihres kraftvollen Organs ist sie naturgemäß sehr dominant, lässt ihrer Band "The Engine Room" allerdings Luft zum atmen. Produzent Mike Vernon hat seinen Ruhestand für die Arbeit mit Sari kurzfristig unterbrochen und wirklich tolle Arbeit geleistet; die klare und ausgeglichene Produktion macht Spaß und lässt sich locker durchhören.
Was mir ein wenig fehlt ist die Lockerheit. Sicher, das funkig-jazzige Cat And Mouse lässt die Musiker an der langen Leine laufen und man mag mitwippen wollen...Gastgitarrist Walter Trout hat seinen Moment, im von ihm geschriebenen Work No More spielt er ein wunderschönes Gitarrensolo. Das toll interpretierte Leadbelly-Cover Black Betty hatte der ebenfalls anwesende Oli Brown (hätte ich gar nicht bemerkt, wenn ich es nicht gelesen hätte) auch schon im Sortiment. Sari macht das übrigens toll, die Nummer wirkt auch durch das reichlich reduzierte Intro sehr ursprünglich und so stellt der Song mein Highlight. 

Alles in Allem wirkt A Force Of Nature ein wenig zu aufgesetzt und kalkuliert, mich drängt es momentan nicht, die Scheibe auf Dauerrotation zu hören. Ganz hinten findet sich dann mit Stop! In The Name Of Love noch ein weiteres Cover. Sari powert immer noch, dabei hätte ich sie sehr gerne mal von ihrer sanften Seite gehört und wenn nicht hier, wann dann ? Sorry, das holt sie mit der Schlußnummer Ordinary Life dann doch noch nach....das Stück erinnert mich an Let It Be der Beatles und hätte für mich in die Albummitte gehört, aber was soll's ? 

Fest steht dass A Force Of Nature feine Songs enthält, mir aber eine Spur zu überdreht wirkt. Sari Schorr ist eben eine Naturgewalt.....


Bernd

Freitag, 2. September 2016

Palace Of The King - Valles Marineris


Band : Palace Of The King
Album : Valles Marineris
Spielzeit : 46:25 Min
Plattenfirma : Listenable Records
Veröffentlichung : 15.07.2016

Wertung : 6 von 10


Trackliste:

  1. Let The Blood Run Free
  2. Beyond The Valley
  3. Black Cloud
  4. The Bridge Of The Gods
  5. We Are The Vampires
  6. Empire Of The Sun
  7. Sick As A Dog
  8. River Of Fire
  9. Throw Me To The Wolves
  10. Into The Black

Mit ein wenig Verspätung erreicht mich die aktuelle Platte der Australier Palace Of The King. Unsere treuesten Leser werden sich sicher an ihr tolles Album-Debut erinnern (klick), was aber leider nicht ausreichte um der Band hierzulande einen echten Schub zu verpassen. Wir sind also sehr gespannt, wie sich das Anno 2016 mit dem neuen Longplayer Valles Marineris gestalten wird...

Musikalisch hat sich im Kosmos der Band gar nicht allzu viel getan, nach wie vor bekommen wir einen hyperaktiven 70s-Hardrock serviert, allerdings mit zunehmendem Soul-und Funk-Anteil. Was jedoch nicht bedeutet, dass POTK einen Gang zurückschalten oder gar Balladen ins Sortiment nehmen würden. Beharrlich strukturieren die Aussis ihre Songs, wie auch auf dem Vorgänger wabern Sean Johnstons zentnerschwere Orgelteppiche in die Ohren und nach wie vor mag man uns kaum eine Verschnaufpausen gönnen.

Palace Of The King traben mit dem orgelschwangeren Let The Blood Run Free los als gäbe es kein Morgen mehr, schalten allerdings mit Beyond The Valley direkt einen Schritt zurück. Die Nummer startet verhalten, hier ein fetter Basslauf, dort eine relaxte Bluesgitarre, mutiert allerdings zur nervös-psychedelischen Parforcejagd durch neuzeitliche Acid-Rock-Gefilde. Sänger Tim Henwood und die fräsenden Gitarren vom Duo Maden/Harrison helfen dabei ordentlich mit und erzeugen eine saure Stimmung, die unter Umständen nicht jedermanns Sache ist. Mit Black Cloud stellt man den Fuß dann in die Soul-Tür und stößt diese unter stimmgewaltiger Hilfe der Soul-Röhre Mahalia Barnes ein Stückchen auf, ohne den eigenen Charakter zu verleugnen, versteht sich. 


Mir persönlich wird die Angelegenheit jetzt deutlich zu kratzbürstig und anstrengend. Ständig suche ich die Atempause, Zeit zum Durchschnaufen bleibt im Grunde nicht, und wenn, dann flirrt von irgendwoher ein Sequenzer oder ein, wenn auch gut gemachter Drumfill. Bezeichnend dafür We Are The Vampires...die Nummer rauscht dermaßen hibbelig an mir vorbei dass ich mich frage, wen die Band damit erreichen möchte. 
Ein wenig Funk mischt sich später noch unter die Songs, Sick As A Dog verquickt gekonnt beide Stile, die so erstmal gar nicht miteinander wollen. Doch irgendwas hat die Nummer und so darf es weitergehen. Und siehe da, eine kleine Oase der Besinnung tut sich auf...River Of Fire wabert fett und im Midtempo durch die Membranen....ein toller Song, der sich in seiner ganzen Länger angenehm entfaltet und Spaß macht. Mein Highlight bisher.

Und plötzlich komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus ! Throw Me To The Wolves, wieder ein Song den man ohne Beruhigungsmittel genießen kann, selbst wenn die Gitarren sich immer noch nach einem Winkelschleifer anhören und die Nummer trotz gemäßigtem Tempo keinen entspannten Hörgenuss bietet, wirft der hintere Teil von Valles Marineris schon jetzt mehr ab als die vorderen zwei Drittel. 

Ein fettes Plus erwirtschaftet die Band dann mit der letzten Nummer Into The Black. Herrje, warum erst jetzt ? Ich liebe diesen Song, der sich, wie alle anderen auch, überhaupt nicht anbiedert, aber eine hervorragende Schlußnummer stellt. Eine Melodie, ein harmonischer Songaufbau und zum ersten Mal getragene Stimmung, so etwas wie Entspannung keimt auf als hätten Palace Of The King mein Gejammer erhört...so kann es auf der dritten Platte gerne weitergehen. Ansonsten bin ich raus aus der Nummer, Valles Marineris wird mit ein wenig Anstand noch etwas wachsen, birgt aber für mein Hörempfinden zu viele Herausforderungen. Kurzum, Valles Marineris enthält ein paar tolle Songs, ist mir in seiner Gesamtheit aber zu anstrengend. 


Bernd

Sonntag, 28. August 2016

Svartanatt - Svartanatt


Band: Svartanatt
Album: Svartanatt
Spielzeit: 41:37 Min.
Plattenfirma: The Sign / Cargo Records
Veröffentlichung: 26.08.2016
Homepage: www.facebook.com/svartanatt

Wertung: 7 von 10


Trackliste:
  1. Filled Up With Darkness
  2. Times Are Changing
  3. Demon
  4. Nightman
  5. Thunderbirds Whispering Wind
  6. Dreams
  7. Rocket
  8. Dead Mans Alley
  9. Secrets Of The Earth
  10. Destination No End

Gepflegten Hardrock mit allem was dazugehört packen uns skandinavische Bands ja schon länger auf den Plattenteller. Jetzt gesellen sich noch die Stockholmer Svartanatt dazu und ich stelle mir erneut die Frage, wann das Reservoir talentierter Musiker aus dieser Gegend wohl mal erschöpft ist. Schmunzeln musste ich beim Bandnamen. Svartanatt bedeutet soviel wie "schwarze Nacht" und vielleicht wäre es mal ganz interessant zu forschen, wie viele Bands inzwischen die Farbe Schwarz in ihrem Namen tragen.

Schwarz sehe ich für Svartanatt aber kein Stück, immerhin haben sich die Jungs einen bärenstarken Sound ans Revers geheftet...nicht besonders abwechslungsreich aber verdammt griffig. Im klassischen Hardrock-Gewand aus Gitarre, Bass, Orgel und Schlagzeug geben die fünf eine gelungene Mischung aus alten Whitesnake bzw. Deep Purple und den frühen Riot. Hinzu kommt das heisere Wahnsinnsorgan
 von Jani Lehtinen welches mich an Tom Keifer und Blackie Lawless erinnert.
Svartanatt geben direkt ab dem Opener Filled Up With Darkness eine bärenstarke Vorstellung ab, mit der ich so nicht gerechnet habe. Der Midtempo-Rocker hat einen unaufdringlichen aber zielstrebigen Drive, den nur selbstbewusste und handwerklich gefestigte Musiker hinbekommen. Ebenso schnell wird jedoch auch klar, dass wir von der Band keine Klangexperimente erwarten dürfen, Svartanatt brutzeln Hausmannskost und keine fünf-Sterne-Menus. Diese Geschlossenheit ist es, die auf der einen Seite zu wunderbaren Songs wie Demon mit einer bärenstarken Hookline und einem tollen Refrain führt, auf der anderen dem Ganzen aber auch einige Überraschungsmomente nimmt. Man weiß im Grunde schon nach dem vierten Song, dem ebenfalls hörenswerten Nightmare, wie es weitergeht. 

Und dann gibt es auf einmal das wunderschöne Thunderbirds Whispering Wind dem man einen gewissen Ohrwurmcharakter bescheinigen muss. Jani besticht plötzlich durch einen melancholisch-traurigen Gesang, Martin Borgh entlockt seiner Orgel regelrechte 70er Jahre-Klangteppiche und so entwickelt sich die Nummer zu einem fast sieben-Minütigen "holt die Feuerzeuge raus" Retro-Schwofer, der in der Mitte des Albums sehr gut plaziert wirkt. Die Nummer erinnert mich im übrigen an Daytime von der Krautrocklegende Jane. Hört einfach mal rein...es lohnt sich. klick


Mit dem schnellen Rocket treten die Schweden dann etwas auf das Gaspedal und beweisen ein Gespür für die Bedürfnisse ihrer sicherlich wachsenden Fanschar. Secrets Of The Earth darf am Ende zurecht als weiteres Highlight betrachtet werden, erneut zeigen Svartanatt hier welches Potential ihre Songs haben und wie tight sie umgesetzt wurden.

Im Großen und Ganzen ist der Band ein absolut vorzeigbares Debutalbum ohne Schwachpunkte gelungen. Ein, zwei Wow-Effekte dazu und wir haben einen echten Knaller...

Bernd Fischer

Donnerstag, 25. August 2016

Crystal Ball - Deja-Voodoo

Band: Crystal Ball
Album: Deja-Voodoo
Spielzeit: 54:16 min.
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 02.09.2016


Homepage: www.crystal-ball.ch



WERTUNG: 8 von 10


Tracklist:

1. Déjà-Voodoo
2. Director’s Cut
3. Suspended
4. Never A Guarantee
5. Reaching Out
6. Home Again
7. To Freedom And Progress
8. Time And Tide
9. Without A Net
10.Full Disclosure
11.Fool’s Paradise
12.Dr. Hell No
13.To Be With You Once More

Das mit einem netten Wortspiel betitelte neunte Studioalbum der Schweizer Hardrock Urgesteine CRYSTAL BALL bietet genau das, was man erwartet: eine Mischung aus traditionellem Hardrock und Melodic Metal, verpackt in eine moderne Produktion. Nicht umsonst geht es im Herbst zusammen mit den eidgenössischen Kollegen von SHAKRA auf Tour durch deutsche und schweizerische Landen. Schweizerischer Präzisionshardrock also im Doppelpack. 


Doch zuvor erscheint "Deja-Voodoo", dem wir uns nun widmen wollen. Mit ordentlich Groove versehen knallt gleich zu Beginn der Titelsong aus den Boxen und erinnert mich so manches Mal an einen Cocktail aus der deutschen Institution U.D.O. und den finnischen Monsterrockern LORDI. Ziemlich wohlschmeckend also, erfrischend und fruchtig. Noch besser kommt dann das flotte "Director's Cut" zur Geltung, bei dem Sänger Steven Mageney seine rauhe Stimme perfekt ausspielt. Ist schon ein kleiner Ohrwurm geworden. Der richtig große folgt danach mit "Suspended" - dieser Refrain wird live sicherlich einige Fans zum Mitsingen animieren. "Never A Garantuee" ist mir persönlich dann zu sehr auf Sicherheit getrimmt, denn ja CRYSTAL BALL machen genau das, was man erwartet - mir fehlen so ein bisschen die Überraschungsmomente gerade was die Gitarrenarbeit angeht. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Denn auch wenn wie bei "Reaching Out" wirklich sämtliche Klischees bedient werden, macht die Scheibe weiterhin Spaß und hat für Balladenfans auch gleich deren zwei zu bieten, wobei mir "To Be With You More Once More" trotz erhöhtem Kitschfaktor mehr zusagt als "Home Again" - eben weil mir auch hier sofort Assoziationen zu den U.D.O. bzw. ACCEPT Balladen einfallen. 

Und einen zweiten Hit mit Ohrwurmcharakter haben CRYSTAL BALL außerdem an Bord - das absolut famose "Without A Net", bei dem die eingespielten Spuren etwas verlassen werden und prompt Großartiges entsteht. Definitiv einer der stärksten Songs der über 15-jährigen Bandgeschichte. Was bleibt mir also als Fazit zu den 54 Minuten zu sagen? Nicht wirklich überraschend haben CRYSTAL BALL ein weiteres gutes Album aufgenommen, das sich perfekt in die bisherige Discographie einreiht und sicher keinen eingefleischten Fan enttäuschen wird.

Markus


Sonntag, 14. August 2016

Subrosa - For This We Fought The Battle Of Ages


Band : Subrosa
Album : For This We Fought The Battle Of Ages
Spielzeit : 64:01 Min.
Veröffentlichung : 26.08.2016
Homepage : https://subrosa.cc/

Wertung : 9 von 10 

Trackliste :
  1. Despair Is A Siren
  2. Wound Of The Warden
  3. Black Majesty
  4. Il Cappio
  5. Killing Rapture
  6. Troubled Cells 
Doom Metal. Wir könnten über Black Sabbath oder Saint Vitus reden, müssen wir aber nicht. Ohne den Platzhirschen respektlos entgegenzutreten ist es im Jahr 2016 deutlich spannender sich mit denen zu befassen, die die vertonte Dunkelheit aktuell in die Welt hinaustragen. Und was hat sich da nicht alles getan in den letzten Jahren. Klassischen, traditionellen Doom Metal gibt es natürlich noch immer, viele Bands sind es aber schon lange leid, die immergleiche Mixtur zu verwenden. 

Was bleibt, ist die Veränderung. Die zähe Langsamkeit fließt natürlich wie eine DNA durch die Adern des Genres. Und so schleppen sich auch die jüngeren Bands, unter anderem Subrosa, durch ihre Kompositionen. For This We Fought The Battle Of Ages heißt die fünfte Platte der 2005 gegründeten Band. Rebecca Vernon, Sarah Pendleton und Kim Pack stellen den weiblichen, Levi Hanna und Andy Petterson den männlichen Part der Band. 

Freunde, Subrosa sind eine wundervolle Band und ich möchte sie Euch unbedingt ans Herz legen. Das ständige Wechselspiel zwischen harmonischen Klanggebilden und irritierenden, phasenweise gar verstörenden Soundkaskaden ist absolut faszinierend. Das Ganze ist Resultat eines fast schon unverschämten Gespürs für Melodien und theatralische Spannungsbögen. 

Wer also die einfache Kost bevorzugt, darf getrost weiterklicken. Liebhaber nachhaltiger Klänge sollten unbedingt bei mir bleiben, es lohnt sich !

Die Band serviert sechs Songs, vier davon zwischen zehn und fünfzehn Minuten, da bleibt viel Platz für die ewige Düsternis. Subrosa schreiben keine Songs, sie bauen Wände aus Moll-Tönen und stapeln Riffs wie Lavaströme meterhoch übereinander, nur um sie danach brutal wieder einzureissen, kurzum, wer sich diesem Wahnsinn hingibt wird mit Songs wie Wound Of The Warden belohnt. Ich bin übrigens inzwischen geneigt von meiner Platte des Jahres zu sprechen.




Der Song beginnt schleppend. Bass, Drums und ein ängstlicher Gesang der nichts als Fragen aufwirft "The wound of the warden, from cradle to the grave. The senseless apprehension of freedom's wily ways..." aha. Inhaltlich geben sich Subrosa ein ums andere Mal so, ich nenne es mal "mysteriös". Das Konzept der Platte basiert auf der Novelle "We" des russischen Dissidenten Yevgeny Zamayatin, hier geht es um den Inhalt eines Tagebuches von D-503, der in der gläsernen Welt eines Überwachungsstaates Raketen konstruiert und I-330 kennen- und lieben lernt. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Wer also Lust auf die Entdeckung einer Geschichte aus dem Jahr 1920 hat, darf sich da mal austoben, ich für meinen Teil habe zu einigen Teilen der Lyrics erstmal meine Nichte Izzy aus England befragt und selbst die musste sich da erstmal reindenken...

Zurück zur Musik, Wound Of The Warden ist eines der Highlights der Platte. Die Nummer trägt sich durch satte dreizehn Minuten, steigert sich durch die Hinzunahme einer dezenten Violine, immer wieder unterbrochen durch Breaks und dem Wechselspiel zwischen Klargesang und fiesen Growls. Dann dieser Basslauf in den leisen Pausen...wie einfach es doch ist, Stimmung zu erzeugen ! In der Manier besserer Opeth-Kompositionen ziehen mir immer wieder Schauer über den Rücken. Black Majesty stellt ein weiteres Highlight. Die Rezeptur ist letztlich die gleiche, der Wahnsinn hört hier auf die eine Feststellung, die wieder und wieder auftaucht: "We love the taste of false perfection-the more the lies, the more we laud", zunächst ängstlich dahingeflüstert, Minuten später hässlich hinausgebrüllt. 




Mit Il Cappio gibt es noch ein kurzes Intermezzo auf Italienisch, danach stehen Killing Rapture (mit wundervollem Uptempo-Mittelteil) und Troubled Cells ihren Vörgängern in nichts nach. Diese Hingabe mit der hier musiziert wird, lässt vorsichtig den Begriff Meisterwerk in mir aufkommen. Und For This We Fought The Battle Of Ages wird im Rahmen des Doom-Genres eines werden, daran wage ich nicht zu zweifeln. Die Höchstnote würde ich geben, wenn es noch den einen oder anderen schnelleren Part auf der Platte geben würde, der für mein Empfinden auch ein Album aus der Zwischenwelt der Langsamkeit bereichern würde. So darf ich neun sehr verdiente Punkte vergeben.

Bernd

Montag, 20. Juni 2016

Lanfear - The Code Inherited


Band: Lanfear
Album: The Code Inherited
Spielzeit: 45:55 min.
Plattenfirma: Pure Legend Records
Veröffentlichung: 01.07.2016
Homepage: www.lanfear.eu

WERTUNG: 8,5 von 10


Tracklist:

1. The Delusionist
2. The Opaque Hourglass
3. Evidence Based Ignorance
4. The Code Inherited
5. Self-Assembled
6. Converging Saints
7. Remain Undone
8. Summer Of ‘89

LANFEAR liefen mir zum ersten Mal 2008 so richtig bewusst über den Weg und Ihr Album "X To The Power Of Ten" lief damals wochenlang in meinem Player. Der gut gelungene Mix aus Melodic Metal mit viel Power und progressiven Einschüben machte verdammt viel Spaß. Daraufhin habe ich mir auch die anderen Scheiben der Süddeutschen geholt, musste aber gestehen, dass mir der damals neue Sänger Nuno De Barros Fernandes besser gefiel als dessen Vorgänger Tobias Althammer bzw. Stefan Zoerner. Komischerweise habe ich 2012 die Veröffentlichung von "This Harmonic Consonance" etwas verschlafen, daher freue ich mich aktuell umso mehr auf "The Code Inherited". 


Und das Warten hat sich gelohnt. Denn im direkten Vergleich haben LANFEAR kompositorisch noch eine Schippe drauf gelegt. Klar benötigt auch "The Code Inherited" mehrere Durchläufe, um so richtig zu zünden, doch die progressiven Elemente lassen das Album mit jedem Durchlauf wachsen. Beginnen wir mit dem sehr melodischen "The Delusionist", welches nach einem keyboardlastigen Kurzintermezzo mit richtig fett Power aus den Boxen brettert. Besonders gelungen ist der Wechsel von Bridge zu Refrain. Das folgende "The Opaque Hourglass" ist der bisher reifste Song von LANFEAR und spielt nicht nur die nationale Konkurrenz problemlos an die Wand. Auch international müssen sich LANFEAR nicht mehr vor Größen wie FATES WARNING verstecken. Ja, LANFEAR sind endgültig in der Champions Liga angekommen. "Evidence Based Ignorance" kann das Niveau leider nicht ganz so hoch halten, dennoch dürften es 2016 viele Bands schwer haben diese Mixtur ähnlich stark hin zu bekommen. "The Code Inherited" ist mit über 10 Minuten Spielzeit das längste Stück in der Bandgeschichte, weist aber in meinen Ohren doch kürzere schwächere Momente aus. "Self-Assembled" bietet anschließend glücklicherweise wieder gewohnt starke Kost und überzeugt mit unvergesslichen Melodien sowie einer hammermäßigen Instrumentalleistung.  "Remain Undone" zählt für mich ebenfalls zu den Highlights des Albums, wogegen das abschließende fröhliche "Summer of 89" mit seinem reinen Melodic Metal, fast schon Hard Rock Touch etwas aus der Reihe fällt und stilistisch nicht wirklich zum Rest des Albums passt. 

Und doch ist "The Code Inherited" ein verdammt gutes Album geworden und wenn LANFEAR nicht endlich zumindest der nationale Durchbruch gelingt, dann läuft etwas gewaltig schief in Good Old Germany.

Markus


 

Samstag, 11. Juni 2016

Motörhead - Clean Your Clock (CD & DVD)

Band: Motörhead
Album: Clean Your Clock
Spielzeit: ca. 68min (CD)
Plattenfirma: UDR/Warner

Veröffentlichung: 10.06.2016
Homepage: www.imotorhead.com




Wertung: Historisches Dokument wenn auch traurig


Tracklist:

01. Bomber
02. Stay Clean
03. Metropolis
04. When The Sky Comes Looking For You
05. Over The Top

06. Guitar Solo 
07. The Chase Is Better Than The Catch
08. Lost Woman Blues

09. Rock It
10. Orgasmatron

11. Doctor Rock
12. Just ‘Cos You Got The Power
13. No Class 

14. Ace Of Spades
15. Whorehouse Blues

16. Overkill


Lemmy ist tot-lang lebe Lemmy. Und schon geht das Resteverwerten an könnte man mit spitzer Zunge behaupten. Das Jahr 2016 (Lemmy war ja leider schon 2015 dran) zeigt deutlich, dass auch die Legenden nicht unsterblich sind, denn die prominenten Todesfälle im Musikbereich sind heuer schon sehr heftig.
Ob es nun unbedingt angezeigt ist, eines der letzten Motörheadkonzerte aufgenommen 5 Wochen vor seinem Tod in Bild und Ton zu veröffentlichen soll nun nicht von mir moralisch bewertet werden. Fakt ist dass Lemmy todkrank gezeichnet sein Dng durchzieht und sicher nicht mehr die Energie an den Tag legt, wie zu seinen fitteren Zeiten. Aber auch das war klar. Ebenso wie die Tatsache dass man die alten Gassenhauer zu hören bekommt wegen denen jeder zu einem Motörheadkonzert pilgert.
Angereichert mit einigen Stücken des letzten Studioalbums bekommt der Fan ein kurzweiliges Livedokument vorgesetzt, dass sicherlich seine Daseinsberechtigung hat. Geplant war es ja noch zu Lebzeiten. Und sowohl Bild (der DVD) als auch Sound sind über alle Zweifel erhaben, und das obwohl das Konzert im soundmäßig eher berüchtigten Zenith in München mitgeschnitten wurde, wo schlechter, blecherner Sound aufgrund des Zuschnitts der Fabrikhalle regelmäßig an der Tagesordnung ist.
Zu den Songs muss man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Ein Klassiker reiht sich an den nächsten und auch ein paar spärliche neuere Songs werden eingestreut.

Lemmy war 5 Wochen nach diesen Konzert tot und zwangsläufig ist es ihm natürlich anzuhören dass er nicht mehr auf der Höhe ist und sich mehr oder minder durch die Show gequält hat. Er wollte ja einmal auf der Bühne sterben, weil das sein ein und Alles war und er bis zum Schluss Spass dran hatte auch wenn es ihm gesundheitlich hundeelend ging. Ich kann es mir bis heute nicht vorstellen, dass die Ärzte erst so spät feststellten, dass er total verkrebst war. 

Das Bilddokument auf DVD ist natürlich noch eine Spur schockierender. Da sieht man einen todkranken Mann auf der Bühne, der sich kaum bewegt aber immer noch versucht , so gut es geht, den zahlreichen Fans das zu geben wonach sie verlangen, nämlich eine Motörheadshow voll auf die Zwölf. Wer da aber nicht sieht, wie es um ihn stand, der ist blind oder will es nicht wahrhaben. Ob man das nun in epischer Breite vermakrten muss (mit dem üblichen Nuclear Blast Overkill mit Boxsets, coloured  Vinyl etc.) sei einmal dahingestellt. Manche würden Motörhead und Lemmy sicherlich lieber so in Erinnerung behalten zu Zeiten, als Lemmy noch fit war. So hab ich bei dem Ganzen doch etwas zwiespältige Gefühle. Auf der einen Seite ist es sicherlich ein bewegendes Abschiedsdokument, andererseits schon fast voyeuristisch, das mitanzusehen, so gut die Musik ist und die Band sich auch müht
Den Kauf muss jeder mit sich ausmachen. Es bleibt eine gute Motörhead-Show - mit einer Träne im Knopfloch und einem Kloß im Hals bei manchen Songs/Bildeinstellungen muss man als Hörer/Seher aber dennoch rechnen.

RIP Lemmy

Martin