Sonntag, 28. Mai 2017

The Beatles - Sgt. Pepper's Lonely Heart's Club Band (Re-Issue 2 CD)





Band: The Beatles
Album: Sgt. Pepper's Lonely Heart's Club Band (Re-Issue - 2 CD)
Spielzeit:100:18

Plattenfirma: EMI/Parlophone
Veröffentlichung: 26.05.2017
Homepage: www.thebeatles.com



Wertung: Eine der genialsten Scheiben aller Zeiten in mehr als angemessener Jubiläumsausstattung! 


Tracklist

CD 1 / New Stereo Remix
1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
2. With A Little Help From My Friends
3. Lucy In The Sky With Diamonds
4. Getting Better
5. Fixing A Hole
6. She’s Leaving Home
7. Being For The Benefit Of Mr. Kite!
8. Within You Without You
9. When I’m Sixty-Four
10. Lovely Rita
11. Good Morning Good Morning
12. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Reprise)
13. A Day In The Life



CD 2 / Sgt. Pepper Sessions 
 1. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band [Take 9]
 2. With A Little Help From My Friends [Take 1 - False Start And Take 2 – Instrumental]
 3. Lucy In The Sky With Diamonds [Take 1]
 4. Getting Better [Take 1 - Instrumental And Speech At The End]
 5. Fixing A Hole [Speech And Take 3]
 6. She's Leaving Home [Take 1 – Instrumental]
 7. Being For The Benefit Of Mr. Kite! [Take 4]
 8. Within You Without You" [Take 1 - Indian Instruments]
 9. When I'm Sixty-Four [Take 2]
10. Lovely Rita [Speech And Take 9]
11. Good Morning Good Morning [Take 8]
12. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise) [Take 8]
13. A Day In The Life [Take 1 With Hummed Last Chord]
14. Strawberry Fields Forever [Take 7]
15. Strawberry Fields Forever [Take 26]
16. Strawberry Fields Forever [Stereo Mix - 2015]
17. Penny Lane [Take 6 - Instrumental]
18. Penny Lane [Stereo Mix - 2017]



Unglaublich aber wahr- ein halbes Jahrhundert hat die "Sgt. Pepper's" bereits auf dem Buckel. Natürlich wird das mit einem ausführlichen Re-Issue in verschiedenen Versionen gefeiert. 
Mir liegt die 2-CD-Reissue-Ausgabe vor. Diese ist luxuriös aufgemacht, hat ein fantastisches Booklet mit über 50 Seiten, in welchem man einiges über die Entstehung der Scheibe und auch des legendären Covers erfährt.
Zur Hauptscheibe braucht man nicht viele Worte zu verlieren: Das Album ist auch noch im Jahr 2017 über alle Zweifel erhaben und stellt für mich den Höhepunkt der Fab-Four-Diskographie dar. Irgendwie erkennt man bei jedem neuen Hören immer neue Details und der nagelneue 2017er Stereo-Mix trägt dazu auch bei. Glasklar kommen die Songs aus den Boxen, man hat ganze Arbeit geleistet ohne jedoch das Original in irgendeiner Weise zu verändern. Das abwechslungsreiche Album steht nicht zu Unrecht meist ganz oben an der Spitze, wenn es um die besten Alben der Rock und Pop-Geschichte geht. Die Hunderte von Stunden, die an dem Album gearbeitet wurden sind an jeder Stelle zu hören. Sensationell wenn man bedenkt, dass damals mit 4 Spur-Aufnahmen gearbeitet wurde, die in Handarbeit zusammengeflickt wurden. Keinesfalls klingt das Ganze überproduziert-im Gegenteil. 

Von besonderem Interesse sind natürlich die auf der zweiten CD enthaltenen Outtakes. Neben dem brandneuen 2017er Stereomix von "Penny Lane" ist auch der 2015er Stereo-Mix von "Strawberry Fields forever" enthalten. Unglaublich, dass zwei Songs dieses Kalibers nicht auf einem Album gelandet sind. Aber die Veröffentlichungspolitik war damals so, dass es Vorabsingles nie aufs Album schaffen. Die übrigen Bonusstücke sind ein Fest für den Beatles-Die-Hard-Fan. Neben instrumentalen (Roh-)Versionen sind auch einzelne Arbeitsschritte etlicher Songs enthalten, die sich von der endgültigen Version erheblich unterscheiden. Im Booklet werden die einzlen Outtakes zudem genauestens beschrieben. Grandios, was Produzent George Martin da geleistet hat. Nicht zu Unrecht hat er ja fast den Standard eines Bandmitglieds.

Ist die uns freundlicherweise überlassene 2CD Version schon "Deluxe" (und trägt diesen Namen auch zu Recht) so gibt es für den harten Sammler noch ein Boxset mit noch vielen weiteren Bonustracks sowie einem High-Resolution-Mix auf Bluray und einem Dokumentarfilm sowie ein LP-Boxset. So ist für jeden Geldbeutel das Richtige dabei.

Die 2CD-Version macht aber auch schon gehörig Spass und zeigt einmal mehr, dass es - Vorliebe hin oder her - unserer populäre Musik, wie wir sie heute kennen, ohne die Beatles niemals gegeben hätte.

Martin




  

Siena Root - A Dream Of Lasting Peace


Band : Siena Root
Album : A Dream Of Lasting Peace
Spielzeit : 44:00 Min.
Veröffentlichung : 26.05.2017
Plattenfirma : Hänsel & Gretel / MiG
Homepage : www.sienaroot.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste : 

  1. Secrets 
  2. Tales Of Independence
  3. Sundown
  4. The Piper Won't Let You Stay
  5. Outlander
  6. Growing Underground
  7. Empty Streets 
  8. No Filters
  9. Imaginarium
  10. The Echoes Unfold 

Als im Sommer 2004 die erste LP der Stockholmer Band Siena Root erschien, schien es einen Moment lang so, als hätte die gierige Musikszene auf ihrer ewigen Suche nach dem heiligen Gral einen sensationellen Fund gemacht. Mit A New Day Dawning war endlich mal wieder eine Platte erschienen, der man die Freude ihrer Erschaffer an langgezogenen Jams, jazzigen Improvisationen und schweren, harten Bluesrock-Riffs förmlich anhörte und die das vor allem auch im Studio auf Albumformat übertragen konnten. Die Hinzunahme tonnenschwerer Hammond-Orgelklänge auf der einen und indischen Instrumenten (die auf dem Nachfolgealbum Kaleidoscope noch mehr Beachtung fanden) auf der anderen Seite war zwar nicht revolutionär, half aber, den heute viel beschworenen Retro-Rock-Boom auszulösen. Und das von einer Band aus dem Mutterland der blonden Haare und braunen Elche: Schweden ! Erwähntes Album ist heute übrigens in der Erstauflage vergriffen und nur noch ab 50,-€ aufwärts zu bekommen. 

Vor ein paar Tagen erschien das inzwischen sechste Siena Root Studioalbum. Die aktuelle Besetzung der Band sieht inzwischen etwas anders aus und besteht aus den beiden Gründungsmitgliedern Sam Riffer (Bass) und Love "Billy" Forsberg (Schlagzeug und Percussion) plus Samuel Björö (Gesang), Erik "Errka" Petersson (Orgel) und Matte Gustavsson (Gitarre). A Dream Of Lasting Peace wurde innerhalb einer Woche in den Silence-Studios "einem legendären Ort mitten im Nichts", aufgenommen und lässt erahnen, daß in der Zwischenzeit ein Menge passiert ist. Diverse Besetzungswechsel und unzählige Gastmusiker haben nicht nur das Gesicht der Band, sondern auch den Sound verändert. 
Siena Root präsentieren sich wesentlich kompakter und abgeklärter als früher, keine Spur mehr vom Raga-Sound vergangener Tage (Gitarrist und Sitarist K.G.West verließ die Band ja 2013, um sich intensiver der indischen Sitar widmen zu können). Geblieben sind das Talent, packende Songs zu schreiben und diese in ein schweres, von Orgelteppichen und Gitarrenriffs dominiertes Gewand zu kleiden. 

Das Appetizer-Video No Filter gibt einen guten Einblick in die Platte, der Song steht stellvertretend für einige andere Momente auf A Dream Of Lasting Peace und könnte auch auf einem Deep Purple Album stattgefunden haben. Nach änlichem Muster ist Growing Underground gestrickt, nur deutlich schneller...sämtliche Purple/Whitesnake Fans dürften daran ihre helle Freude finden. Überhaupt ist die neue Platte viel mehr Hardrock als alles andere, trotz funkiger (Tales Of Independence) und jazziger (Imaginarium) Elemente sind es vor allem Songs wie das mächtig groovende, von Hammondorgel und Gitarrenriffs dominierte Outlander, die hängen bleiben. 

A Dream Of Lasting Peace hat ganz starke Momente, Abwechslung und mit Empty Streets eine astreine, melancholische Ballade nach der Rezeptur eines Warren Haynes (Gov't Mule) im Gepäck. Höhepunkte gibt es also genug auf der Platte und trotzdem brauche ich wohl noch einige Zeit, bis diese bei mir zündet. Ich gebe gerne zu daß ich mich in das erste Album verliebt habe und dagegen verliert A Dream Of Lasting Peace leider. Selbstredend handelt es sich um einen unfairen Vergleich denn es handelt sich nicht mehr um die gleiche Band. Trotzdem, mir fehlen vor allem die emotionale Tiefe und die psychedelischen Momente der Frühwerke. 

Wie gesagt, das Album hat viel Potential und wird sicher noch wachsen, ich bin hingegen ein wenig spät dran und gebe erstmal sieben wohlverdiente Punkte, mit der Option um spätere Korrektur.


Bernd Fischer 

Donnerstag, 18. Mai 2017

Face Down Hero - False Evidence Appearing Real

Band: Face Down Hero
Album: False Evidence Appearing Real
Spielzeit: 44:28 min.
Plattenfirma: Yonah Records
Veröffentlichung: 21.04.2017
Homepage: www.facedownhero.de

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
01. Nation Fractured
02. Last Exit Call
03. The Newborn Me
04. Goodbye To All Heroes
05. Peddlars Of Fear
06. Legion
07. Wolfchild
08. Echoes Of The Sun
09. When A Promise Becomes A Lie

Wenn ich hier bei uns im Archiv stöbere, fällt mir auf, dass die hessischen Thrasher von FACE DOWN HERO eigentlich Stammgast auf unserer alten Seite waren (Rezis + Interview) und ich über die Jahre min. 3 Alben der Band besprochen habe (vom Debüt "Opinion Converter" bis hin zu "Of Storytellers And Gunfellas). Bei Gelegenheit kann ich die Rezis sicher mal raussuchen und vielleicht hier in ein Archiv stellen. Was soll diese komische Einleitung, mögt ihr vielleicht denken? Ganz einfach - eine große Entschuldigung an FACE DOWN HERO, dass ich euch aus den Augen verloren habe und wir die beiden nachfolgenden Alben nicht besprochen haben. Doch jetzt 2017 machen wir das mit einer abermals verspäteten Rezension wieder gut. Denn "F.E.A.R." ist bereits am 21.04.2017 erschienen und wir schreiben nun halt schon Mitte Mai. 


Was hat sich am Sound der Hessen denn mittlerweile geändert? Zum Glück nicht viel. Noch immer dominiert wunderbarer von der Bay Area beeinflusster Thrash Metal, dazu kommt der ein oder andere Schlenker zu deutschen Ikonen wie KREATOR oder PARADOX und viel eigene Identität und schon haben wir einen Anwärter auf die Thrash Metal Platte des Jahres 2017.  Bereits der Opener "Nation Fractured" vereint alle Trademarks der Band. Die geile Gitarrenarbeit von Frontmann Kali Naumann, der fett wummernde Bass Sebastian Rinks und die donnernden Drums von Carsten Kachelmus lassen sofort die Nackenmuskeln kreisförmige Kopfbewegungen ausführen, umgangssprachlich Headbangen genannt. Dazu kommen abermals echt geile Melodien, denn FDH können nicht nur mitten in die Fresse rein, sondern haben mit Kali tatsächlich einen Shouter, der auch verdammt gut clean singen kann. 

Das folgende "Last Exit Call" erinnert mich an selige TESTAMENT Zeiten mit Alben wie "The Ritual" und auch frühe METALLICA schimmern durch. Und doch sind FACE DOWN HERO nicht in der Vergangenheit stehen geblieben, ihre Wurzeln sind zwar deutlich zu hören, doch auch moderne Einflüsse, die gut und gerne von NEVERMORE hätten stammen können, finden sich auf "F.E.A.R.", wie bei "The Newborn Me". Für mich der Höhepunkt des Albums ist jedoch "Goodbye To All Heroes" geworden mit Gastsängerin Stefania Salladini (ANTAGONISM, wenn ich nicht irre). Der Spagat zwischen ruhigen Parts, heftigen Attacken und einem geilen Mitsingteil ist einfach nur genial geworden. Der folgende klassischen Nackenbrecher "Peddlars Of Fear" hat es da erwartungsgemäß schwer, noch dazu erinnert er mich stark an METALLICAS "Fight Fire With Fire", aber egal. 

Wer es sich leisten kann, einen solchen Knaller wie "When A Promise Becomes A Lie" an das Ende eines Albums zu setzen, weiß um die hohe Qualität seiner Stücke. Dazu kommen die gewohnt sozial- bzw. gesellschaftskritischen Texte der Band, die weit über das Genreübliche hinausgehen, und ich bin auch anno 2017 hellauf begeistert. Jetzt fehlt nur noch der endgültige Durchbruch der Band, den die Jungs im Grunde schon seit Jahren verdient haben.

Markus 


 

Samstag, 13. Mai 2017

Frijid Pink - Earth Omen


Band : Frijid Pink
Album : Earth Omen
Spielzeit : 39:11 Minuten
Veröffentlichung : März 2017
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.frijidpink.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :

  1. Miss Evil 
  2. Sailor
  3. Earth Omen 
  4. Lazy Day
  1. Train Woman
  2. Eternal Dream
  3. New Horizon
  4. Rainbow Rider
  5. Mr.Blood
Nachdem die Verkaufszahlen von Defrosted, dem Nachfolger des erfolgreichen Debutalbums, zu wünschen übrig ließen, wurde eilig das Elvis-Cover Heartbreak Hotel als Single hinterhergeschickt. Immerhin hatte das beim ersten Album mit House Of The Rising Sun super funktioniert. Es blieb allerdings beim Versuch, denn im Gegensatz zu Europa floppte das Teil in den Staaten...Platz 72 ist nicht wirklich als üppiger Erfolg zu werten. 

Frijid Pink haben Fehler gemacht. Zum Beispiel hatten sie es verpasst, sich die Gunst der Fans in ihrer Detroiter Heimat zu sichern. Andere Bands wie SRC, die Amboy Dukes, FrostThe Bob Seger System, MC5 und die Stooges verschafften sich durch harte Arbeit an der Basis und mit gegenseitiger Unterstützung Respekt unter den Leuten. Frijid Pink hingegen präsentierten sich zwar international, ignorierten aber die lokalen Festivals. Das führte im Moment der ausbleibenden Erfolge zu nervösen Fehlentscheidungen, die darin gipfelten mit Music For The People eine halbgare Gospel-Soul-Single zu veröffentlichen. Gary Ray Thompson und Kelly Green waren strikt dagegen, wurden aber überstimmt und dermaßen aufgebracht, daß sie kurzerhand beim Parrot-Labelboss Walt McGuire einen neuen Schlagzeuger und Bassisten einforderten. Dieser ließ die beiden aber wegen Vertragsbruchs auflaufen, immerhin hatten sie für ihr Anliegen die laufende Tour unterbrochen und so trennten sich die Wege von Frijid Pink. Thompson und Green formten später eine neue Band namens Bullfrog

Doch auch der Rest der Band stand dumm da, denn McGuire entließ auch sie aus dem laufenden Vertrag. Bassist Tom Harris und Drummer Rich Stevers beschlossen jedoch, als Frjid Pink weiter zu machen, neue Leute zu suchen und wurden fündig. Sänger Jon Wearing stieß zur Band und wurde durch den Keyboarder Larry Zelenka und Gitarrist Craig Webb ergänzt. Die runderneuerten Frijid Pink setzten sich zusammen, um im California-Studio der Osmond-Brothers das dritte Album, Earth Omen, aufzunehmen.

Ergebnis ist eine sehr interessante Platte, welche allen Fans, die auch mal in der Historie unserer Musik wühlen möchten, gefallen dürfte. Die im Vergleich zu seinem Vorgänger cleanere Gesangsstimme von Jon Wearing erzeugt eine ganz neue Atmosphäre im Frijid-Sound. Miss Evil startet mit einem tollen Orgel-Intro von Larry Zelenka und schnell wird klar dass vom fräsenden Fuzzrock abgelassen und etwas mehr Melodie aufgenommen wurde. Gitarrist Craig Webb zeigt ebenfalls gleich, was er kann, seine Spielweise ist unspektakulär aber sehr effektiv. Die Band groovt phasenweise sehr geil, Orgel, Gitarre und Schlagzeug jammen gegen Ende der ersten Nummer regelrecht nebeneinander her und ziehen das Tempo nach Belieben hoch und runter. Leider können Frijid Pink dieses Niveau nicht immer halten und werfen mit Sailor eine reichlich schläfrige Nummer in den Ring. Das tolle Solo von Craig Webb rettet da dann irgendwie auch nix mehr. Gesellschaftskritisch gibt sich die Band mit dem Titelsong, "Oh Lord what have we done, first we killed the sea and now we kill the sun..." das ist Hardrock der frühen 70er, mehrstimmige Refrains, Tempiwechsel, Orgel, Gitarre und catchy Melodien. Uriah Heep lassen grüßen. 
Überhaupt Craig Webb, der Mann hat es heftig drauf und untermalt das ansonsten durchschnittliche Lazy Day mit seinem an eine Dulcimer (Hackbrett) erinnerndes Spiel...ich bin ja selber kein Gitarrist aber hier passt allein deswegen der Arsch auf den Eimer.




Seite zwei, Train Woman besticht durch einen abgrundtiefen Basslauf, ein cooles Gitarrenriff und die megafette Orgel von Mr.Zelenka. Himmel, wie geil sich das anhört, wenn der Mann in die Tasten haut...warum hat man den Namen eigentlich nie wahrgenommen ??? Und wie auf Bestellung folgt mit Eternal Dream wieder eine gähnend langweilige Nummer, die wohl irgendwie psychedelisch wirken soll, aber bestenfalls ein mitleidiges Grinsen erzeugt. Auch New Horizon fällt ab, die Les Humphries Singers haben sich von dem Gospel-Soul vielleicht inspirieren lassen (oder umgekehrt?), ich würde im Falle einer CD eher weiterskippen. Die Verarbeitung der LP und des Covers lässt übrigens keine Wünsche offen, auch in diesem Fall gibt es weder einen Downloadcode noch Bonustracks, ist halt so. 

Die vorletzte Nummer, Rainbow Rider zieht tempomäßig nochmal etwas an und gitarrentechnisch wird es deutlich verzerrter, allerdings fehlt mir hier die klare Linie. Der Song bleibt nicht wirklich hängen, ganz im Gegensatz zur Schlussnummer Mr.Blood. Da ist sie wieder, meine geliebte Orgel, nicht ganz so dick wie neulich aber sehr präsent in der Deep Purple mäßigen Uptemponummer und mit feinem Solo im Mittelteil...hach wie schön.

Warum auch immer und aus meiner Sicht völlig unverständlich, war Earth Omen ein kapitaler Flop. Der MGM-Ableger Lion Records hatte Frijid Pink gesignt, bei der Promotion der Platte aber total versagt. "Lion dropped the Ball, didn't push it, didn't give it to the Reps to push in the Music Stores. The didn't do anything. It was just left to lie and rot..." so der frustrierte Kommentar von Rich Stevers. Dabei hatte die Platte vieles von dem, was sich die Fans wünschten...eine saubere und tighte Produktion, harte Rockmusik und ein paar tolle Songs. 

So ungerecht ist das Musik-Business.


Bernd Fischer

Sonntag, 30. April 2017

Frijid Pink - Defrosted


Band : Frijid Pink
Album : Defrosted
Spielzeit : 40:17 Minuten
Veröffentlichung : März 2017
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.frijidpink.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste: 
  1. Black Lace
  2. Sing A Song For Freedom
  3. I'll Never Be Lonely
  4. Bye Bye Blues
  1. Pain In My Heart
  2. Sloony
  3. I'm Movin'
  4. I Haven't Got The Time

Anfang der 70er. Überall und ständig entstehen neue Bands und freche Musikstile. Die Jugend revoltiert schon länger gegen konservative Eltern, lange Haare werden noch länger und jeder hofft dass die Volksmusik endlich ausstirbt. Die wahre Revolution findet allerdings meist in den Köpfen statt, alternativ auf der Stereoanlage, sofern man eine hat. Black Sabbath, Led Zeppelin und Pink Floyd stellen die Musikwelt auf den Kopf, prägen diese für alle Zeiten und belegen auf der Beliebtheitsskala zurecht die ersten Plätze. 

Rückblickend kann man sagen, Frijid Pink hatten es schwer. Die Jungs aus der Motor-City Detroit waren geprägt vom harten Garagenrock der Stooges und MC5, aber nicht konsequent genug, dies zu 100% durchzuziehen. Dafür hatten sie die lukrative Idee, einen uralten Folk-Song, der 1964 durch die Animals weltberühmt wurde, zu covern und auf ihr erstes Album zu packen. The House Of The Rising Sun brachte Frijid Pink Millionen (der Bandname ist übrigens eine Kombination aus im Haar klebender Wandfarbe fürs Badezimmer und einer Kühlschrankmarke namens Frigid, dessen "g" man gegen ein "j" tauschte, weil sich das "more German" anhörte) und wurde Fluch und Segen zugleich. Wie so oft, wurde die Band fortan auf diese eine Single, die das erste Album tierisch anschob, reduziert. Der knarzige, gitarrenlastige Acid-Bluesrock-Mix der restlichen Nummern interessierte die Massen nicht sonderlich und so hielt der Erfolg nicht lange.

Defrosted, die zweite LP der Band, schaffte es nur noch bis auf Platz 149 der Billbord-Charts, es fehlte einfach dieser Überhit. Dennoch wird die Platte bis heute von Anhängern dieser Musikrichtung regelrecht abgefeiert und das hat gute Gründe. Black Lace eröffnet das Album schleppend aber sehr hart, die Gitarrenriffs von Gary Thompson und Kelly Greens Gesang fräsen sich sofort ins Ohr. Die Singleauskopplung Sing A Song For Freedom schafft es bis auf Platz 55 der Charts, doch es sind Songs wie der Procol Harum-Gedächtnissong I'll Never Be Lonely, die mich begeistern. Wer hier nicht an A Whiter Shade Of Pale denkt, hat es an den Ohren, aber die Gesangsleistung von Kelly Green ist sensationell, das Ding hat eine wahnsinnige Atmosphäre und erzeugt Gänsehaut bei mir. Wer sich fragt, woher deutsche Gruppen wie Jane zwei Jahre später ihren Sound hatten, höre dringend mal rein.



Der Bye Bye Blues bekleidete später die B-Seite der Heartbreak Hotel (Presley) Single, die 1972 erschien und beendet die erste Seite recht trocken. Änlich wie Black Lace eröffnet Pain In My Heart die zweite Seite mit einem für damalige Verhältnisse knüppelharten Soundgewitter. Wer auf die Gitarrentechnik eines Alvin Lee (Ten Years After) schwört, sollte sich das Instrumental Sloony schleunigst reinziehen, was Gary Ray Thompson hier abzieht, ist der helle Wahnsinn. Im gleichen atemberaubenden Tempo wird er begleitet von Tom Harris am Bass und Rich Stevers am Schlagzeug. Die zappelige Speed-Boogie-Nummer fliegt in einem Affenzahn am Hörer vorbei und macht Laune auf mehr. Die befriedigt I'm Movin voll und ganz, hier wird kraftstrotzender Proto-Metal gespielt. Das Ding groovt wie Sau und sollte meiner Meinung nach im gleichen Atemzug wie andere Nummern erwähnt werden, wenn es um die Gründertage dieser Musikrichtung geht. Ein bisschen weniger auf den Punkt aber immer noch mit erhöhtem Härtegrad beschliesst I Haven't Got The Time ein ganz feines Album aus den Anfangstagen unserer heißgeliebten Musik. Die Rythmusgitarre erinnert hierbei ein wenig John Lee Hooker's Boogie Chillen-Riff. 

Fans der Band und solche, die es werden wollen, dürfen sich nun auf die Neuauflage des zweiten Albums Defrosted und dessen Nachfolger Earth Omen freuen. Auf 180 Gramm Vinyl, sehr sauber verarbeitet und klanglich top remastert, präsentiert Repertoire Records die beiden hörenswerten Platten seit März. Auf Downloadcodes oder Textbeilagen verzichtet man ebenso wie auf gefütterte Innenschutzhüllen, nicht lebenswichtig aber die Wertigkeit der Platten hätte das angehoben. Bonustracks fehlen ebenso, was ich persönlich nicht so schade finde, so erhält man sich den ursprünglichen Charakter der Platte.

Bernd Fischer

Sonntag, 23. April 2017

Astral Doors - Black Eyed Children

Band: Astral Doors
Album: Black Eyed Children
Spielzeit: 50:55 min.
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 28.04.2017
Homepage: www.astraldoors.com

Wertung: 8 von 10



Tracklist:

1. We Cry Out
2. Walls
3. God Is The Devil
4. Die On Stage
5. Tomorrow's Dead
6. Good Vs. Bad
7. Suburban Song
8. Lost Boy
9. Slaves To Ourselves
10. Black Eyed Children

Gott, wie die Zeit vergeht. Klar, ich bin nicht mehr der Jüngste und viele Bands haben schon ein (oder mehrere) Abschiedstouren hinter sich, aber selbst eigentlich "neue" Bands wie ASTRAL DOORS begleiten mich nun bereits seit geschlagenen 11 Jahren. So lange ist es her, dass ich 2006 die Promo des Albums "Astralism" damals über Locomotive Records erhalten hatte und von dem DIO meets RAINBOW Sound der Band ordentlich beeindruckt war. Auch live waren ASTRAL DOORS immer eine Wucht, zuletzt im Februar 2012 in Ingolstadt zusammen mit RIOTGOD erlebt und einen verdammt geilen Konzertabend gehabt. Während ich das zuletzt erschienene Album "Notes From The Shadows" samt dazu gehörigem Interview (siehe hier) 2014 unserem Bernd überlassen habe, habe ich mir nun das neue Werk der Schweden unter die Nägel gerissen. 


"Black Eyed Children" wartet schon mal mit einem sehr düsteren aber stimmungsvollen Cover auf und laut Plattenfirma soll es das düsterste Album der Jungs um Frontmann Patrik Johansson darstellen. Naja, nachdem ich mir das Album nun sehr oft zu Gemüte geführt habe, kann ich das nicht unterstreichen. Gerade der Vorgänger ist doch manches Mal einen Tacken härter und mehr in Richtung Metal ausgefallen, während "Black Eyed Children" noch mehr Hardrock und den DIO/RAINBOW Spirit atmet und damit stärker dem ursprünglichen Sound der Band zugetan ist. Ja, jeder der Songs hätte auch gut auf "Astralism" oder "Requiem Of Time" gepasst. 

Doch fangen wir endlich mit "We Cry Out", dem Opener, dessen Video wir euch unten angefügt haben, an. Klassischer ASTRAL DOORS Stoff, der live zu einem absoluten Kracher werden wird und auch auf der stark produzierten Konserve zu einem Highlight in der Bandgeschichte gehört. Pommesgabel hoch und headbangen ist angesagt. Das nun folgende "Walls" beginnt mit ruhigen an GRAVE DIGGER Intros erinnernden Tönen, ehe ASTRAL DOORS abermals Gas geben, allerdings habe ich bei diesem Song immer das Gefühl der angezogenen Handbremse. Was dazu führt, dass auch nach mehreren Dutzend Durchläufen wenig hängen bleibt. Ganz anders ist "God Is The Devil", das von den Arrangements fast schon an 80er Hardrock im Stil von MILLION oder EUROPE erinnert und bei mir für Verzückung sorgt. In die gleiche Kerbe haut auch "Die On Stage" rein und dürfte ähnlich dem Opener live zu einer Granate mutieren. Daumen wieder weit nach oben. 

Allerdings laufen die nächsten drei Songs danach irgendwie an mir vorbei. Alle drei sind zwar von guter Qualität, hat man von ASTRAL DOORS aber alles schon mal gehört - besonders "Good Vs. Bad" kommt mir sehr bekannt vor, mir fällt nur der Referenzsong nicht ums Verrecken ein. Da Sie aber abschließend mit dem über 8-minütigen Titelsong noch ein weiteres heißes Eisen im Feuer haben, kann ich guten Gewissens fette 8 Punkte zücken. Well done, Sweden. Auch wenn sich nicht wirklich viel verändert hat.

Markus


 

Freitag, 14. April 2017

Danny Bryant - BIG



Interpret : Danny Bryant
Album : BIG
Spielzeit : 105:13 Min.
Veröffentlichung : 21.04.2017
Plattenfirma : Jazzhaus Records / In-Akustik
Homepage : www.dannybryant.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste:
  1. Temperature Rising 
  2. Just Won't Burn 
  3. Prisoner Of The Blues 
  4. Holding All The Cards 
  5. Greenwood 31 
  6. Groaning The Blues 
  7. Blood Money 
  1. On The Rocks 
  2. As The Years Go Passing By 
  3. Take Me Higher 
  4. Unchained 
  5. Painkiller 
  6. Stop Breaking Down 

Die letzten Töne der letzten Zugabe verklingen, das Licht geht langsam an und die Zuschauer strömen Richtung Ausgang, sie verlassen die nach Bier und Schweiß riechende Halle und ziehen die kalte Abendluft in ihre Lungen. Glücklich, ein tolles Konzert erlebt zu haben, diskutiert man mit Freunden über die Show, geht hungrig zum nächstbesten Schnellrestaurant, trinkt ein letztes Bier und fährt nach Hause oder ins Hotel. So oder ähnlich geht es vielen von uns mehrmals im Jahr, mal mit euphorischen, mal mit gemischten, selten mit enttäuschten Gefühlen. 

Die Besucher der drei Shows in Bonn (Harmonie), Freiburg (Jazzhaus) und Den Bosch (Holland, W2 Poppodium) dürften hochzufrieden gewesen sein, geht es nach der vorliegenden Doppel-CD BIG von Danny Bryant. Die im Januar des noch jungen Jahres mitgeschnittenen Konzerte zeugen vom lang gehegten Wunsch des Briten, einmal mit einer auf BigBand-Niveau erweiterten Band die eigene Musik auf der Bühne präsentieren zu dürfen. Diesen Wunsch hat sich der britische Gitarrist und Sänger erfüllt, Danny Bryant hat sich ein Bläser-Quartett aus Saxophon, Tenor Saxophon, Trompete und Posaune zusammengestellt und sollte sich zu diesem Schritt unbedingt beglückwünschen. Ihm ist der Spagat gelungen, den rauen Charme eines Bluesrock-Konzertes zu konservieren und die Songs aus den letzten drei Studioplatten entscheidend zu veredeln. Und als ob der gute Danny meine Bitte klick gelesen hätte, passt es plötzlich wunderbar zusammen wenn Gitarre, Schlagzeug und Bläser sich einander ergänzen. Songs, die mir noch vor einem Jahr zu glattgebügelt erschienen, strotzen plötzlich vor knisternder Energie. 



Zugegeben, bei einem Joe Bonamassa hört sich das alles ein wenig perfekter an, da sitzt jeder Ton und jeder Takt eben immer zu 100% dort, wo er hingehört. Aber genau DAS ist es, was ich Live hören möchte, entweder im Konzert oder wenn ich eine Live-Platte auflege: Bryant zelebriert Musik, die sich nach Handarbeit anhört und nicht nach einem Drehbuch in Szene gesetzt. Deshalb schätze ich es sehr dass Produzent Richard Hammerton die Finger weitestgehend von Overdubs und sonstigen Studio-Tricksereien ließ. Es macht Laune, die Songs der letzten drei Alben Hurricane, Temperature Rising und Blood Money auf diese Weise neu zu entdecken. Die geänderten Arrangements haben Songs wie dem ohnehin schon kraftvollen Prisoner Of The Blues gut getan. Und es sind nicht nur die Bläser, die ihren Anteil daran haben, Bryant spielt eine im Gegensatz zu früher nicht mehr über alles dominierende Gitarre. Das hat er nicht mehr nötig und geht heute mit der gesamten Band konform. Die homogene Mischung zieht sich wie ein roter Faden durch BIG. Danny Bryant ist nicht der Star, der Star ist die Band...er überlasst seinen Musikern Luft und Zeit, sich zu präsentieren. 



Die Sache mit der Zeit mag ein kleines Manko darstellen, gelegentlich bläst Bryant die Songs ein wenig zu sehr auf, bzw. hätte das Tempo etwas mehr anziehen dürfen. Holding All The Cards wirkt mit mehr als 7 Minuten phasenweise ein wenig schläfrig, da hätten es auch fünf Minuten getan. Auf der anderen Seite kann das fast zwölf minütige Just Won't Burn gar nicht lang genug sein, trotz gemäßigtem Tempo baut die Nummer auf ein sehr schönes Gitarrensolo mit nahezu epischem Ausmaß auf, phasenweise nur vom Schlagzeug und Steve Watts am Keyboard begleitet. Das von einem coolen Basslauf geprägte Unchained stellt gemeinsam mit dem sehr emotionalen Otis Rush-Cover As The Years Go Passing By den Höhepunkt der zweiten CD dar. Auch hier brilliert Danny Bryant an seinem Instrument und zaubert seinen Fans damit ein fettes Grinsen ins Gesicht. Was wäre ein Blues-Konzert heute ohne elektrische Gitarren ?

Schlussendlich werden die Reaktionen auf BIG wohl unterschiedlich ausfallen, der eine mag es halt so und der andere so. Mein Fazit fällt absolut positiv aus. Die Platte des Jahres ist BIG vielleicht nicht aber sicher ganz weit oben. 

Thumbs up Mr.Bryant, well done !!!!


Bernd Fischer

Sonntag, 9. April 2017

Deep Purple - Infinite

Band: Deep Purple
Album: Infinite
Spielzeit: 45:45 min.
Plattenfirma: Edel
Veröffentlichung: 07.04.2017
Homepage: deeppurple.com


Wertung:     8  von 10 Punkten


Tracklist:

01. Time For Bedlam
02. Hip Boots
03. All I've Got Is You
04. One Night In Vegas
05. Get Me Outta Here
06. The Surprising
07. Johnny's Band
08. On Top Of The World
09. Birds Of Prey
10. Roadhouse Blues 



Deep Purple könnten es sich einfach machen. Mit ihren Evergreens aus fast 50 Jahren Bandgeschichte können sie aus dem Vollen schöpfen und müssten sich lange nichts mehr beweisen. Viele ihrer Weggenossen scheuen sich neue Platten zu veröffentlichen weil es sich finanziell nicht mehr wirklich lohnt und nur noch beim Touren Geld verdient wird. Aber beim Musikmachen geht es ja - hoffentlich - nicht nur ums Geldverdienen sondern wer ein echter Musiker ist, hat auch Spass daran, kreativ zu sein und neue Songs zu schreiben. Dazu gehören Deep Purple zum Glück, die trotz des hohen Alters Ihrer Mitglieder (Ian Gillan ist ja schon ziemlich in seinen 70ern) weiterhin neue Scheiben veröffentlichen und das auf weiterhin sehr hohem Niveau.
"Infinite" ist nach dem 2013er Werk "Now What?!" von 2013 ihre zweite Kooperation mit Produzentenlegende Bob Ezrin. Und erneut funktioniert diese Zusammenarbeit ziemlich tadellos. Soundtechnisch bewegt sich "Infinite" auf allerhöchstem Niveau und schreit geradezu danach, auf hochwertigem Equipment abgespielt zu werden.

"Time For Bedlam" ist alles andere als Rentnerrock, im Gegenteil: Einer ihrer besten Opener seit sehr langer Zeit und gleichzeitig das fetzigste Stück auf der CD. Gleich hier wird deutlich, dass das Zusammenspiel der Band tight hoch drei ist und vor allem Don Airey der heimliche Star der Platte ist, lässt er doch die berühmte Schweineorgel ausgiebig von der Leine. Das Zusammenspiel mit Steve Morse an der Klampfe ist mittlerweile wirklich einzigartig und ich bezweifle, dass das Meister Blackmore noch so hinbekäme.
Nicht jeder Song hält das hohe Niveau der Einstiegsnummer und so befinden sich auch ein paar eher durchschnittliche Stücke auf der CD: "Hip Boots" gehört da für mich dazu, ein Song der keine wirkliche Richtung hat und trotz der gelungenen Instrumentation irgendwie anfangs nicht wirklich zünden will, was sich aber einige Hördurchgänge später doch noch einigermaßen einrenkt.

 "All I've Got Is You" ist da dennoch wieder ein anderes Kaliber, der Aufbau zum (leider nur einmal vorgetragenen) Refrain ist ziemlich clever gemacht und auch Ian Gillan gibt sich keine Blöße. Klar, hohe Schreie ala "Child In Time" gibt es erwartungsgemäß nicht mehr, aber seine Leistung ist mehr als solide.

"One Night In Vegas" scheint autobiographisch zu sein und erzählt von Ian Gillans Treffen mit seiner Flamme (so kommt es zumindest rüber). Ein recht sperriger Song, der ebenfalls mit jeder Umdrehung sein weiteres Potential unter Beweis stellt. "Grower" befinden sich einige auf "Infinite".

"Get Me Out Of Here" ist ein sperriger, eher düsterer Stampfer von Song, der auch nicht direkt ins Ohr geht und eher zu den schwächeren Songs gehört.

"The Surprising" ist getreu dem Titel ein Stück, dass viel Abwechslung bietet, angefangen vom balladesken Einstieg bis hin zum orientalischen Einschlag, bei dem die Hammondorgel wieder mit ordentlich Wumms eingesetzt wird. 

Heimlicher "Hit" der Scheibe ist das eingängigste Stück namens "Johnny's Band", das den Aufstieg und Fall einer fiktiven Band nachzeichnet und mit seinem schmuck eingängigem Refrain durchaus Potential für Radioeinsätze im Classic-Rock-Format hat.

"On Top Of The World" wirkt wie eine Jamsession, bei der der Hörer live dabei ist. 
Seltsam an dem Stück ist der sehr langgezogene gesprochene Teil der Lyrics, die auf den ersten Blick dann doch ziemlich wirr sind und sich mir nicht ganz erschließen. Könnte aber auch an dem schrägen Humor der Briten liegen. Der Track endet danach ziemlich abrupt mit einem arg schnellen Fade-Out. Da scheinen wohl etwas die Ideen ausgegangen zu sein. Wirkt aber irgendwie unfertig. 
 
Das letzte neue Stück "Birds Of Prey" ist wieder von epischem Ausmaß. Gillan brilliert und gegen Ende gibt es ein traumhaftes, sich bis ins Unendliche steigernde Solo von Steve Morse. Der wohl beste Song der CD.
Ob es das abschließende Doors-Cover "Roadhouse Blues" gebraucht hätte lasse ich mal unbeantwortet. Mir kommt die Version eine Spur zu brav und ohne Zacken rüber. Hätte man sich lieber sparen können und stattdessen einen Bonustrack der "Time For Bedlam"-Auskopplung auf die CD packen sollen.
Insgesamt ist die Scheibe recht flott vorbei (letztlich nur 9 neue Songs) aber besser als langatmige 60plus-Minüter, die einen dann nicht wirklich auf die Langdistanz überzeugen.

Derzeit bin auf dem Stand, dass mir der Vorgänger etwas besser gefiel, aber ich habe das nicht ungute Gefühl, dass sich das mit weiterem Hören durchaus noch ändern könnte.
Schön auf jeden Fall, dass es die Truppe noch gibt.
Für das originelle Artwork gibt es noch einen halben Punkt extra dazu. Es erinnert mehr als einmal an "In Rock" (vor allem die in Eis geschlagenen Köpfe der Bandmitglieder).
Wer sich die Deluxe-Edition gegönnt hat, der bekommt noch eine 90minütige Dokumentation zur Entstehung von "Infinite" mit dazu. Value for Money auf jeden Fall.

Im Mai gehen Purple übrigens auf große Deutschlandtour. Ob diesmal wirklich zum letzten Mal sei dahingestellt.

Martin





 

Montag, 3. April 2017

Paul McCartney - Flowers In The Dirt - Reissue (Deluxe 2CD-Set)



Interpret: Paul McCartney
Album: Flowers In The Dirt
Spielzeit:  min.
Plattenfirma: Capitol Records
Veröffentlichung: 24.03.2017
Homepage: www.paulmccartney.com


 

WERTUNG: --- (Macca-Freunde schlagen eh blind zu!)


Tracklist:

DISC 1 (Remastered):
 1. My Brave Face

 2. Rough Ride
 3. You Want Her Too
 4. Distractions
 5. We Got Married
 6. Put It There
 7. Figure Of Eight
 8. This One
 9. Don’t Be Careless Love
10. That Day Is Done
11. How Many People
12. Motor Of Love
13. Où Est Le Soleil?

 
DISC 2 (Original Demos):
 1. The Lovers That Never Were
 2. Tommy’s Coming Home
 3. Twenty Fine Fingers
 4. So Like Candy
 5. You Want Her Too

 6. That Day Is Done
 7. Don’t Be Careless Love
 8. My Brave Face
 9. Playboy To A Man  


Die luxuriöse Aufarbeitung des McCartney'schen Soloschaffens geht auf hohem Niveau weiter mit der 1989er Scheibe "Flowers In The Dirt". Paule hat an dem Album fast ganze zwei Jahre geschraubt, war er nach dem doch etwas untergegangenen Vorgängerwerk "Press To Play"  etwas unter Zugzwang.
Das Album gilt als Rückkehr zu alter McCartney-Stärke und warf mit der Lead-Single "My Brave Face" sowie den Folgeauskopplungen "This One" und "Put It There" erfolgreiche Evergreens ab.
Doch auch die restlichen Album-Tracks wissen zu überzeugen, was nicht zuletzt auch an den hochkarätigen Gästen (u.a David Gilmour auf "We Got Married") und den verschiedenen Produzenten (z.B. Trevor Horn) liegt.
Zentraler Ausgangspunkt für die Scheibe waren umfangreiche Sessions von Paul mit Elvis Costello, von denen jedoch nicht alle  auch auf dem finalen Album landeten. Paul McCartney ging damals sogar so weit, dass er zum Besten gab, dass ihn Mr. Costello zuweilen auch an John Lennon erinnerte.
Einige der unveröffentlichten Songs der den eigentlichen Albumsessions vorausgehenden Aufnahmen sind auf der zweiten Disc der mir vorliegenden 2CD-Deluxe-Edition enthalten. Diese unterscheiden sich von dem Album hauptsächlich dadurch, dass sie sehr akustisch-basic gehalten sind, wohingegen dem offiziellen Album das Attribut "pompöse 80er Produktion" zuzuerkennen ist. Beides hat auf jeden Fall seinen Reiz, wenngleich auch "Flowers in the Dirt" ein paar recht seichte Füllsongs enthält.

Das Album wurde sowohl für einen Grammy als auch einen Brit Award nominiert und die nachfolgende Tour war bis dato die größte Solotour McCartneys und ein rauschender Erfolg.
Die Aufmachung der 2-CD-Deluxe-Edition ist wie immer sehr hochwertig in einem schicken Digi-Pack. Wer mehr Budget investieren kann gönnt sich entweder das Doppel-LP-Set oder gar die Deluxe-Box mit zusätzlichen Songs, einer DVD, einem Bildband sowie extra Downloadmaterial.

Die harten Macca-Fans werden da sicherlich zuschlagen. Wer sich langsam an das Solowerk von Paul herantasten will, ist mit den Re-Issues ebenfalls gut bedient. Der remaster-Sound ist ebenfalls vom Feinsten und wie immer wurde das ganze Projekt vom Meister selber begleitet.

Rundum eine gelungene Sache, die wie immer Spass macht zu hören.   

Martin