Sonntag, 19. Februar 2017

Eric Gales - Middle Of The Road


Interpret : Eric Gales
Album : Middle Of The Road
Spielzeit : 49:42 Min.
Veröffentlichung : 24.2.2017
Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group
Homepage : www.ericgalesband.com

Wertung : 7 von 10 

Trackliste:
  1. Good Time
  2. Change In Me (The Rebirth)
  3. Carry Yourself
  4. Boogie Man (feat. Gary Clark Jr.)
  5. Been So Long
  6. Help Yourself (feat. Kristone “Kingfish” Ingram)
  7. I've Been Deceived
  8. Repetition (feat. Eugene Gales)
  9. Help Me Let Go
  10. I Don't Know
  11. Swamp

Wie viele hörenswerte Gitarristen wir hier schon für uns entdeckt und Euch nahegelegt haben...ich weiß es nicht. Die Gitarre ist immerhin DAS Instrument, bei dem unser aller Herz ganz besonders aufgeht. Und jetzt kommt auch noch jemand daher, der nicht nur eine besonders innige Beziehung zu seinem Instrument pflegt, sondern auch noch, wie sein großes Vorbild Jimi Hendrix, eine "left handed & upside down Guitar" spielt. Sprich, Eric Gales spielt eine Linkshändergitarre (als Rechtshänder) und zieht die Saiten von oben nach unten auf. Ganz nebenbei schüttelt er sich Licks, Riffs und Fingerverrenkungen jeglicher Art so selbstverständlich aus dem Ärmel als würde unsereins sich ein Marmeladenbrot schmieren... 

Beweise ? Bitte sehr...

Der Mann hat neben aller Gitarrenkunst aber auch eine reichlich bewegte Vergangenheit in seiner Vita stehen. Nebst Knastaufenthalt wegen Drogen- und Waffendelikten ist er seit einiger Zeit frei von Rauschmitteln und widmet sich nun wieder intensiv seiner Musik. Gales Kindheit ist geprägt durch ein religiöses und musikalisches Elternhaus. Seine älteren Brüder hörten Musik von Albert King, Blues Cheer bis King's X und lehrten ihn das Gitarrenspiel auf erwähnter Gitarre für Linkshänder. Dabei blieb es und so darf der Mann aus Memphis, Tennessee durchaus als Unikat bezeichnet werden.

Sein inzwischen elftes Album steht für die Kehrtwende im Leben des 43-Jährigen:
Um sich wirklich frei zu fühlen, muss man leider erst einige Dinge selbst durchmachen. Und ich fühle ich mich so frei wie nie zuvor in meinem Leben, mehr noch wie als Kind. Du musst Dir erst selbst helfen können, bevor Du anderen helfen kannst.“
Der Titeltrack Middle Of The Road zieht sich wie ein roter Faden durch sein neues Werk. „Es handelt davon, völlig zentriert und mit sich selbst im Reinen zu sein. Wenn Du Dich auf der falschen Seite der Straße oder auf dem Seitenstreifen befindest, fühlst Du Dich nicht gut. Auch nicht, wenn Du auf dem Mittelstreifen herumeierst. Die beste Position auf Deiner Reise ist die absolute Mitte.“, so Gales

Songtitel wie Change In Me (The Rebirth), Help Yourself oder I've Been Deceived sprechen eine deutliche Sprache, musikalisch setzt Eric Gales diese um, wie ein Gitarrist seiner Güte das in aller Regel tut; er dominiert mit seinem Instrument, vernebelt seine Songs aber glücklicherweise keineswegs damit. So bleibt immer wieder Zeit für seine musikalische Vergangenheit, Repetition zum Beispiel wäre mühelos als Sign "☮" the Times (Prince) durchgegangen, das funkige I Don't Know darf als Remiszenz an Doug Pinnick (King's X) gelten, mit dem zusammen er unter dem Projektnamen Pinnick-Gales-Pridgen zwei Alben einspielte. 


Gitarre und Bass spielte Eric übrigens selbst ein, ansonsten ließ er sich von Aaron Haggerty (Schlagzeug), Dylan Wiggins (B3 Orgel), LaDonna Gales (Backgroundgesang) und Maxwell “Wizard” Drummey (Melotron) unterstützen. Middle Of The Road wurde zusammen mit Produzent Fabrizio Grossi in mehreren Studios, darunter das Room A Studio und Fab’s Lab, beide in North-Hollywood, das Cuz Studio and Sound in Cleveland sowie das Cotton Row Studio in Memphis aufgenommen.

Mein Highlight der Platte, nicht nur wegen des Reggae-Ohrwurmcharakters, sondern hauptsächlich wegen der inhaltlichen Rückblende auf seine Vergangenheit mit all seinen Verfehlungen und Tiefschlägen, ist das entspannte Been So Long
„Ursprünglich lautete der Titel ‚It’s Been Too Long‘ – es hat zu lange gedauert, bis ich mir selbst eine Chance gab um wieder aufzublühen. Ich startete meine Karriere 1991, doch erst jetzt habe ich wieder einen freien Kopf für mich und meine Musik. Ich durchlebte einige harte Zeiten und verleugnete mich selbst. Das werde ich nie wieder tun, diesen Teil habe ich hinter mir gelassen. Als ich Lauryn Hill den Rhythmus zu ‚Been So Long‘ schickte, sagte sie sofort ‚Das ist heiß!‘ Ich beschrieb ihr, wie ich mir den Song ungefähr vorstellte: dass es lange her gewesen sei, dass ich in meinem Leben eine richtige Chance bekommen hätte. Durch ihre Mithilfe wurde der Song zu etwas ganz Besonderem. Sie ist eine großartige Künstlerin und es war eine wundervolle Zusammenarbeit.“

Das treibende, etwas monotone Instrumental Swamp beendet die Platte, mit der Eric Gales, dem ich auf diesem Wege alle Kraft der Welt wünsche, seinen Weg raus aus der Drogensucht und Kriminalität verarbeitet. Man kann ihm und allen Menschen in ähnlichen Situationen nur die Daumen drücken, stark zu bleiben und nicht rückfällig zu werden. 

Schwer genug wird es vermutlich werden.

Bernd Fischer

Axxis - Retrolution

Band: Axxis
Album: Retrolution
Spielzeit: 44:52 min.
Plattenfirma: Phonotraxx
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.axxis.de

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
01. Burn! Burn! Burn!
02. All my friends are liars
03. Dream Chaser
04. Burn down your house
05. Rock the night
06. The world is mine
07. Do it better
08. Queen of the wind
09. Seven Devils
10. This is my day
11. Somebody died at the party
12. Heavy Metal Brother
13. Welcome to my nightmare

Nachdem AXXIS Sänger Bernhard Weiss erst vor einigen Wochen mit dem Kulturpreis seiner Heimatstadt Lünen ausgezeichnet wurde und damit endlich wieder ein Künstler aus dem Rock-/Metal-Bereich die Anerkennung erhält, die er längst verdient hat, gibt es nun auch neues Material seiner Band AXXIS. Zusammen mit seinem eingespielten Team aus Harry Oellers, Rob Schomaker, Dirk Brand und Stefan Weber liefern die Melodic Metaller mit "Retrolution" genau das ab, was der geneigte Fan erwartet. Nämlich "Retro"-80er Jahre Mucke in das neue Jahrtausend evoluiert. Naja das Wortspiel aus "Retro-" und "Evolution" hätte ich jetzt sicher besser ausflösen können, mir fehlt aktuell aber die Kreativität. Diese findet sich aber zur Genüge auf dem Album. 


Während beim Opener "Burn! Burn! Burn!" nicht nur der klassische Hardrock regiert, sondern ein klares Blues-Gerüst darunter gelegt wurde, überrascht mich "All My Friends Are Liars" mit fast schon Angus Young-artigem Gitarrenspiel und einem fröhlichen Refrain, der schon beim ersten Hördurchgang zum Mitsingen animiert. Und was wichtig ist, auch nach 20maligem Hören, reißt der Song noch immer mit. Wie überhaupt die positive Grundstimmung des kompletten Albums keinen kalt lassen dürfte. Mich jedenfalls nicht. Und das ist genau das, was gute Musik ausmacht - sie berührt emotional. "Dream Chaser" benötigt ein paar Durchgänge mehr, ist etwas sleaziger gehalten und ein wenig zuckersüß hinsichtlich der Melodien. Doch der nun folgende Spannungsaufbau der Halbballade "Burn Down Your House" macht vieles wieder wett. Absolut genial, wenn mir persönlich auch die Keyboards dabei etwas zuviel sind. "Rock The Night" ist klassischer AXXIS-Stuff und dürfte live für viel Stimmung sorgen. 

Doch was dann kommt, ist einfach überragend. Denn das famose "The World Is Mine" mit leichten Western-Blues-Anleihen, der stampfende Bluesrock-Song "Do It Better" mit einem genialen Refrain und die gefühlvolle Ballade "Queen Of The Wind" sind allesamt einfach großartig. "Seven Devils" ist anschließend klassisch und gut, ehe mit "This Is My Day" wieder ein Volltreffer folgt. Ich habe "This Is My Day" einfach mal den "Tschakka-Song" getauft. Denn egal mit welcher Stimmung du früh auch aus dem Bett kriechst und vielleicht ein mulmiges Gefühl über den kommenden Tag in der Bauchgegend hast - (es steht ein Gespräch mit deinem Chef an) - Lautstärke weit noch oben drehen und dich kann nichts mehr aufhalten. 

Danke AXXIS für diesen Kracher. Und danke für 13 starke Songs, fast 30 Jahre Live-Aktivitäten, unzähligen Hits und einem 14. Album namens "Retrolution", das sich wirklich gewaschen hat. Wird für mich mal wieder Zeit die Jungs auch live wieder zu Genießen, wär nicht das erste Mal :-) "Retrolution" zählt für mich zu den Highlights in diesem Jahr und reiht sich in der AXXIS-Discographie zu Klassikern wie "Kingdom Of The Night" oder "Eyes Of Darkness" ein.

Markus

Sonntag, 12. Februar 2017

Virgin Steele - Visions Of Eden (Re-Release)


Band : Virgin Steele
Album : Visions Of Eden
Spielzeit : CD1 79:37 Min. - CD2 79:30 Min.
Veröffentlichung : 17.02.2017
Plattenfirma : SPV / Steamhammer 
Homepage : www.virgin-steele.com

Wertung : 5 von 10
Trackliste :


  1. Immortal I Stand ( The Birth Of Adam)
  2. Adorned With The Rising Cobra 
  3. The Ineffable Name
  4. Black Light On Black
  5. Bonedust
  6. Angel Of Death
  7. God Above God
  8. The Hidden God
  9. Childslayer
  10. When Dusk Fell
  11. Visions Of Eden

Über Sinn oder Unsinn, ältere Alben zu überarbeiten (Remastern/Remixen), lässt sich ja trefflich streiten. Bei vergriffenen Raritäten macht das Sinn...schlecht gemixte oder muffig klingende Alben zum Besseren aufzupeppen, ist ebenfalls eine gute Idee. Steven Wilson macht das ja im Prog-Sektor derzeit exzellent vor. Aber was soll ich davon halten, wenn eine Platte bereits elf Jahre nach der Erstveröffentlichung an der Reihe ist ? 

Virgin Steele-Mastermind David DeFeis legt seine Werke ja seit Jahren in chronologischer Reihenfolge neu auf und spendiert ihnen oftmals eine feudale Anzahl von Bonustracks, Remixes usw.. Wir berichteten vor gut einem Jahr noch über den gelungenen House Of Atreus Re-Release und rechneten aufgrund der noch "taufrischen" Folgealben eher mit einer längeren Pause in dieser Angelegenheit. Aber Mr.DeFeis zieht das offensichtlich durch und präsentiert dieser Tage den Nachfolger Visions Of Eden. Da wir neugierig sind, ließen wir das Teil natürlich kommen...

Irgendwann in der Zeit nach dem erfolgreichen House-Projekt müssen Herrn DeFeis wohl ein wenig die Ideen ausgegangen sein. Mit Hymns To Victory und The Book Of Burning erschienen 2001 und 2002 zwei Compilations, auf denen neue Versionen älterer Songs und Klassiker präsentiert wurden. Mir gefiel das damals ganz gut, aber der aufmerksame Hörer bemerkte schon einen ersten Wandel. Die Zweitverwertung des prächtigen VS-Backkataloges ersetzte zunehmend den kreativen Prozess, zudem erwuchs in David DeFeis offensichtlich der Glaube, dass er als alleiniger Produzent seiner Werke am besten geeignet wäre und die Verwendung von Drum-Computern, Schwurbelbässen und Yogurette-Gitarren ein Segen für die Musikwelt sei.

Leider begann mit Visions Of Eden (das erstaunlich gute Kompositionen enthält), der leise Abstieg der ehemaligen Powermetal-Institution Virgin Steele. Fake-Drums hin-oder her, wenn man das schon macht, warum dann nicht vernünftig ? Wer mag sich ernsthaft ein Geräusch anhören, welches zwar irgendwie an eine Bass-Drum erinnert, in Wirklichkeit aber nahezu zehn Minuten lang wie ein Duracell-Männchen auf Speed im immergleichen, monotonen Beat dahinrattert ? Wer möchte sich fast achtzig Minuten lang krampfhaft konzentrieren um die seltenen Momente, in denen die Gitarre von Josh Block zu hören ist, nicht zu verpassen ? Einen Bassisten gibt es laut Booklet erst gar nicht, auf diesen Knopf hat David DeFeis wohl auch persönlich gedrückt, wobei, irgendwie ist das dann auch schon wieder egal. Dafür sprechflüstert der einstige Sangesgott jetzt größtenteils, statt zu powern. 

Gelegentliche Momente hat Visions Of Eden letztlich doch, wie erwähnt tummeln sich wundervoll komponierte Songs auf der Platte, zudem verarbeitet DeFeis auch diesmal wieder ein Thema (Adam&Eva, Apfel, Rippe und so weiter), mit dem man sich stundenlang befassen kann, was die Sache für mich als alter VS-Fan umso schwerer macht. 

Bonedust zum Beispiel. Ein (hurra, eine GITARRE!!!), hartes Rotz-Riff, ein künstliches aber doch irgendwie an ein echtes Schlagzeug erinnerndes Stakkato-artiges Etwas, Tempowechsel, Breaks und ein knorkes Gitarrensolo im Mittelteil. Der Song bleibt auf jeden Fall hängen und macht Hoffnung auf mehr, denn Songs schreiben kann der klassisch ausgebildete Sohn einer Musikerfamilie wie kaum ein anderer. Angel Of Death treibt einem fast die Tränen der Rührung in die Augen, DeFeis singt nahezu solo, begleitet sich mit seinem Keyboard selber. Der Haken an der Sache ist aber; er schlachtet die meisten Nummern bis zum Erbrechen aus. Irgendwie ist man stets froh, wenn Feierabend ist.

Ein paar Tage, bevor ich die aktuelle Version im Briefkasten hatte, habe ich mir Visions Of Eden noch ein paar mal angehört, nur um frische Eindrücke zu bekommen. Umso größer das Erstaunen als die aktuelle Version lief und sich außer einem größeren "Dynamikumfang" (so nenne ich das Anheben von Lautstärke jetzt einfach mal ), nicht allzu viel getan hat. Insgesamt klingt der Remix schon knackiger, keine Frage. So lassen sich plötzlich Crash-Becken orten (die übrigens jetzt rechts liegen und nicht mehr irgendwo im linken Kanal) und alles wirkt insgesamt griffiger. Da ich aber angesichts der schlechten Urfassung insgeheim mit mehr gerechnet habe, bin ich schon ziemlich enttäuscht, denn letztlich dreht man jetzt den Lautstärkeregler nur ein wenig runter, weil die CD sonst zu laut klingt. Ich bin aber kein Tontechniker und kann nur meine subjektiven Eindrücke schildern. 


Zur Veranschaulichung habe ich einmal die ursprüngliche Version (oben) von Bonedust mit Audacity sichtbar gemacht und dann die von CD1 der vorliegenden Neuauflage darunter gelegt. Um es kurz zu machen...über eine Neuanschaffung werden VS-Fans natürlich nicht nachdenken, alle anderen müssen sich die Frage stellen, ob man die Knete nicht auch anderweitig investieren könnte.  

Im Booklet findet sich leider kein Wort zum Grund der Aktion, kein Hinweis auf Fehler, die 2006 gemacht wurden, die jetzt wie und weshalb verbessert wurden. Nichts dergleichen.

Für mich ist dieser Re-Release somit eher eine Enttäuschung. Ich gebe 6 Punkte für die Platte selber und ziehe einen wieder ab für die Überflüssigkeit der Aktion.


Bernd Fischer

Mittwoch, 1. Februar 2017

Thunder - Rip It Up

Band: Thunder
Album: Rip It Up
Spielzeit: 51:13 min.
Plattenfirma: earMusic
Veröffentlichung: 10.02.2017
Homepage: www.thunderonline.com


WERTUNG: 7 von 10


Tracklist:
1. No One Gets Out Alive
2. Rip It Up
3. She Likes The Cocaine
4. Right From The Start
5. Shakedown
6. Heartbreak Hurricane
7. In Another Life
8. The Chosen One
9. The Enemy Inside
10. Tumbling Down
11. There's Always A Loser

Ziemlich genau vor 2 Jahren hat mich das "Quasi-"Comeback der Briten THUNDER fast vom Hocker gerissen und ich konnte fette 9 Punkte für das wundervolle "Wonder Days" zücken. Hier die Rezension dazu. Auch heute, etwa 720 Tage später, lege ich die Scheibe noch sehr gerne in den Player und höre mir starke Hardrock-Songs wie den Titeltrack oder das geniale "Resurrection Day" immer wieder an. Um so mehr freute es mich, dass wir Fans diesmal nicht geschlagene 6 Jahre auf neuen Stoff warten musste. Ehrlich gesagt, befürchte ich fast, mit viel zu hohen Erwartungen an "Rip It Up" heran gegangen zu sein. 


Denn auch nach mehr als zwei Dutzend intensiven Hördurchläufen reisst mich "Rip It Up" nicht so mit, wie zuvor Album Nummer 10. Elf Stücke sind auf dem elften Album und natürlich haben THUNDER es nicht verlernt, blues-getränkten Hardrock einzuspielen. Mir fehlen jedoch diesmal die wirklichen Höhepunkte und einige der Songs klingen schon verdammt ähnlich. 

Und dabei beginnt auch "Rip It Up" wirklich nicht schlecht. Schon das erste Riff bei "No One Gets Out Alive" ist irre eingängig und eine richtig geile Melodie ist auch vorhanden. Doch der entscheidende Funke springt nicht sofort über. Dafür zündet anschließend der Titeltrack, trotz einer doch stark einfach gehaltenen Strophe, mit einem geilen Refrain und THUNDER liefern einen Mid-Tempo-Stampfer, der sich gewaschen hat. Sänger Danny Bowes klingt natürlich nicht mehr nach dem Jungspund von 1989/90, weiss seine Stimme aber perfekt dosiert einzusetzen. Davon lebt z.B. auch "She Likes The Cocaine", welches mir zusätzlich mit einem geilen Rock N Roll Touch und hämmernden Tastenanschlägen gefällt. Mit "Right From The Start" beginnt dann aber mein Lächeln einzufrieren. Die Ballade ist mir ehrlich viel zu eintönig geraten und THUNDER schaffen es nicht, mich in irgendeiner Weise emotional zu berühren. Läuft einfach vorbei. Gleiches gilt für das folgende "Shakedown", das zwar entfernt an eine Mischung aus ACDC und CHRIS REA erinnert (fragt mich bitte nicht nach dem Warum, das sind die einzigen beiden Assoziationen, die ich persönlich vor mir habe).  

Natürlich haben THUNDER nach 30 Jahren im Geschäft (mit zwei Auflösungs-Pausen) Ihr Geschäft nicht verlernt, doch ich werde das Gefühl nicht los, dass die Ideen diesmal nicht so flossen und der Kreativität Grenzen gesetzt wurden. Besonders "Tumbling Down" wiederholt sich im Grunde ständig selbst, und das mitten im Song. Was bleibt sind insgesamt 3-4 gute bis starke Songs und leider sonst viel Mittelmaß. Wie gesagt war meine Erwartungshaltung vielleicht zu hoch, aber ich kann diesmal guten Gewissens für ein Album knapp über Durchschnitt wirklich nur 7 Punkte geben. Verdammt schade. Denn mit einem zweiten "Wonder Days" hätten die Briten bewiesen, dass nicht nur Whisky mit der Zeit immer besser wird. 

Markus


 

Mittwoch, 25. Januar 2017

Gotthard - Silver






Band: Gotthard
Album: Silver
Spielzeit: 56:12 min.
Plattenfirma: G. Records
Veröffentlichung: 13.01.2017
Homepage: gotthard.com





Wertung:  7 von 10

Tracklist:

01. Silver River 
02. Electrified 
03. Stay With Me 
04. Beautiful 
05. Everything Inside
06. Reason for This 
07. Not fooling Anyone
08. Miss Me
09. Tequila Symphony No.5 
10. Why 
11. Only Love is Real 
12. My oh My 
13. Blame on Me 
14. Walk On (Bonus Track) 
15. Customized Lovin (Bonus Track)  




 
Gotthard haben mittlerweile auch schon stolze 25 Jahre auf ihrem Buckel, die geprägt waren von vielen Höhen und einigen Tiefen, vor allem natürlich dem tragischen Tod von Ausnahme-Fronter Steve Lee in 2010.
Nic Maeder war nicht zu beneiden als er dessen Erbe anzutreten hatte aber nach mittlerweile 3 Scheiben kann man ihm durchaus konstatieren, dass er seine Sache mehr als respektabel macht.
War die erste Scheibe mit ihm noch etwas unausgegoren und sehr rauh, war "Bang!" aus dem Jahr 2013 eine erhebliche Steigerung. Um es vorwegzunehmen: "Silver" schafft es nicht ganz, das hohe Niveau des Vorgängers zu halten. 

Woran liegt es? Zum einen fehlt diesmal ein Übersong ala "Remember It's Me". Andererseits gibt es auch keinen glatten Ausfall zu beklagen. Mein Hauptkritikpunkt ist jedoch, dass für meinen Geschmack definitiv zu viele ruhige Songs im Gepäck sind , die zwar allesamt nicht schlecht sind aber irgendwie den" Flow" eines hochkaratigen Albums stört. Manchmal denkt man sich nur noch "nicht schon wieder eine Ballade". 

Sind die ersten beiden Tracks noch flotte old-school Gotthard-Rocker wird mit der ersten Single "Stay with Me" ein Ganz zurück geschaltet. "Beautiful" ist AOR in Reinkultur und ein guter Ohrwurm aber eben auch eher was für die Kuschelrockfreunde. Nach dem flotten Aufbäumen mit "Everything Inside" ist dann erstmal Schluss mit Rockig:  "Reason for This" sowie "Not Fooling Everyone" sind klassiche Gotthard Balladen. "Miss Me" hat einen etwas bluesigeren Touch  ist aber auch sehr zurückgefahren. Das sind einfach zu viele langsame Stücke hintereinander. Wie gesagt allesamt von sehr hoher Qualität aber man hat manchmal das Gefühl man hat einen Gotthard-Balladensampler und nicht die neue Scheibe vor sich.

Endlich wird es mit "Tequila Symphony No. 5" wieder flotter, zudem auch noch experimenteller, da bei dem Song Beethoven zitiert wird und ein Orchester zum Einsatz kommt, welches hervorragend mit den harten Gitarren harmoniert. Mit der beste Song auf "SIlver".

Dem folgt aber gleich der schwächste auf dem Fuss: "Why" schaltet wieder zwei Gänge herunter und hier ist der Refrain mit dem langgezogenen "Whyyyyyy" manchmal etwas arg nervig - sorry Jungs......
Das folgende "Only Love is Real" ist - wie könnte es auch anders sein - wieder eine Ballade. Auch hier kommt wieder ein Orchester zum Einsatz, aber die mittlerweile fünfte Ballade ist einfach des Guten zuviel. Da fehlt in der Mitte eindeutig (mindestens) ein flotter Rocker, der dem Album wieder mehr Leben einhaucht.

Das versuchen die abschließenden "My Oh My" und vor allem das schnelle "Blame On Me" ohne jedoch das Ruder nochmal ganz herumreißssn zu können. Die Bonustracks "Walk On" (schöner bluesiger Rocker) und das eher nichtssagende "Customized Lovin'" bringen die Scheibe auch nicht mehr vollends auf die Gewinnerspur. Ein wenig Enttäuschung schleicht sich da schon etwas ein. Ich habe weissgott nichts gegen gute Balladen (und die sind hier wirklich durch die Bank hochklassig) aber zuviele auf einmal sind einfach too much. Ich weiss nicht, wer Gotthard da beraten hat, aber etwas ernüchternd ist die Songauswahl dann schon.

Nichtsdestotrotz ein gutes Album, insbesondere toll produziert von Meister Bauernfeind, der ja sonst mehr für seine Metalproduktionen bekannt ist. Umso verwunderlicher ist, dass "Silver" so extrem ruhig ausgefallen ist. Bleibt zu hoffen, dass die Truppe zumindest live wieder rockt was das Zeug hält. Pretty Maids im Vorprogramm dürften Ansporn genug dafür sein.


Martin



Samstag, 21. Januar 2017

Interview Amaral (english)



Shortly after reviewing the new AMARAL Longplayer "Nocturnal" we got the chance to ask the duo consisting of Eva Amaral (vocals) and Juan Aguirre (guitars) some questions. And so we did, because I was really fond of the band and very impressed by the sound and the songwriting of the whole album.


Rockingboy: Thank you very much for the opportunity to ask you some questions. I was really impressed by your latest album "Nocturnal", which was my first "contact" with Amaral. You are really successful in Spain (#3 Charts), but common unknown here in Germany. Do you think that it is more difficult for spanish spoken music to have success in other countries? Or did you ever think of writing songs with english lyrics?


Eva and Juan: We feel that Germany is pretty open minded when it comes to listening music in a different language. In our first gigs there, we found ourselves playing in front of a audience getting the energy and the sound of the band, passing above the words.
We don´t refuse adapting some songs to the english. It could be a exciting challenge. The main thing doing that it should be preserve the whole meaning of the lyrics, the whole Amaral spirit and philosophy.



Rockingboy: Because I don't speak spanish at all, can you tell me about the intention behind the lyrics of the whole album "Nocturnal"? Is there a concept behind or does every song stand for its own?



Eva & Juan: We couldn´t speak about a closed concept in the album but we could say it's all about connection between people in our cities when the daylight is falling and the night comes. It's a time when people connects with more intensity. In our country there are many people living by night. Maybe more than in the north of Europe.


Rockingboy: Can you tell us something about the beginning of Amaral back in 1998? How did you met each other? And when did you decide to make music together? 


Eva & Juan: We were teenagers, playing badly, learning so fast and getting big doses of fun every time we played. It wasn't a real decisión. It was more like getting an unknown way. Our philosophy about expression, preserving and transmiting energy was born in those days. It came before the sound.






Rockingboy: Obvious there will be more than one highlight in your long career till now.  Can you tell me some of them?


Eva & Juan: We began in the underground scene of Zaragoza, our hometown. With the third album our lives changed completely because the band grew incredibly. In spite of that we kept our ideas about what Amaral is and we fought hard for keeping safe and sound our identity. Success is great but if you keep your rules.
One of the highlights of Amaral was the first time we played in Berlin, Hamburg or Amsterdam. We love to play and record music but we love to travel all around the world too.


Rockingboy: You made a second album with acoustic versions of the songs as a special bonus for the worldwide release. Who had this idea? 

Eva & Juan: We made the second album revisiting 'Nocturnal' like a bonus as you say. It was born trying little arrangements in our studio or in the soundchecks during the Nocturnal Tour. The process for getting the songs nude provide us lots of fun.

Rockingboy: You are now starting a small tour through Europe (UK, The Netherlands, Germany). What can the fans there expect? Any special show or pure fascinating music?


Eva & Juan: We will be doing our best every night, trying to do the best possible show and make everyone enjoy ourselves as much as possible

This should be reason enough to make a stop at the shows and is the end of our short interview. Here are the live dates for you:

05.02.2017 - London, UK - Shepherd's Bush Empire
06.02.2017 - Bristol, UK - Thekla
07.02.2017 - Nottingham, UK - Rescue Rooms
12.02.2017 - Berlin, Germany - Lido
13.02.2017 - Amsterdam, Netherlands - Melkweg
14.02.2017 - Freiburg, Germany - Jazzhaus
15.02.2017 - Cologne, Germany - MTC


And here are the latest AMARAL musicvideos:


Interview Amaral


Kurze Zeit nachdem wir das neue AMARAL Album „Nocturnal“ rezensiert haben, bekam ich die Chance das Duo bestehend aus Eva Amaral (Gesang) und Juan Aguirre (Gitarre) mit einigen Fragen zu löchern. Diese habe ich natürlich genutzt, da ich von der Band, vom Sound und dem Songwriting schlichtweg begeistert bin.

Rockingboy: Erstmal vielen herzlichen Dank für die Möglichkeit euch ein paar Fragen zu stellen. Ich bin von eurem neuesten Album „Nocturnal“ wirklich beeindruckt. Obwohl Ihr in Spanien damit sogar auf Platz 3 der Charts gelandet seid, habe ich vorher noch nicht von euch gehört und wage zu behaupten, dass ihr in Deutschland noch nicht ganz so bekannt seid. Könnte das daran liegen, dass es spanischsprachige Musik in anderen Ländern schwerer hat sich durchzusetzen? Und habt Ihr im Zuge dessen mal darüber nachgedacht, englischsprachige Songs zu schreiben? 
 
Eva und Juan: Wir haben das Gefühl, dass Deutschland sehr offen dafür ist, Musik auch in anderen Sprachen zu genießen. Bei unseren ersten Gigs dort spielten wir vor einem Publikum, welches die Energie und unseren Sound spürte, ohne die Worte verstehen zu müssen. Wir möchten aber nicht vollständig ausschließen, dass wir einige unserer Songs ins Englische adaptieren werden. Das könnte eine spannende Herausforderung werden. Die Hauptsache dabei ist aber, dass die wörtliche Bedeutung der Texte, der komplette AMARAL Spirit und die Philosophie dahinter erhalten bleiben.

Rockingboy: Da ich leider keinerlei Spanisch spreche, könnt Ihr mir ein wenig über die Intention hinter den Lyrics des vollständigen Albums „Nocturnal“ erzählen? Steckt ein Konzept dahinter oder steht jeder einzelne Song für sich selbst?

Eva & Juan: Es gibt kein geschlossenes Konzept in dem Album, aber es geht immer über die zwischenmenschlichen Verbindungen in unseren Städten, in genau dem Moment wenn das Tageslicht schwindet und die Nacht zum Vorschein kommt. Das ist eine Zeit, in der Menschen vieles um einiges intensiver fühlen.In unserem Land gibt es viele Menschen, deren Leben sich hauptsächlich in der Nacht abspielt. Vielleicht sogar mehr als im Norden Europas.



Rockingboy: Könnt Ihr mir auch ein wenig über die Anfänge der Band 1998 erzählen? Wie habt Ihr euch kennen gelernt? Und wann habt Ihr beschlossen zusammen Musik zu machen?

Eva & Juan: Wir waren Teenager, spielten anfangs richtig schlecht, lernten aber schnell und hatten jedes Mal noch mehr Spaß wenn wir spielten. Es war im Grunde keine bewusste Entscheidung. Es war mehr wie einen unbekannten Pfad einzuschlagen. Unsere eigentliche Philosophie dahinter, nämlich Energie auszudrücken, zu erhalten und zu transportieren wurde damals geboren. Erst danach kam der Sound.

Rockingboy: Sicherlich gibt es mehr als ein Highlight in Eurer langen Karriere bis heute. Könnt Ihr uns ein paar davon mitteilen?

Eva & Juan: Wir starteten ursprünglich in der Untergrund Szene von Saragossa, unserer Heimatstadt. Mit dem großen Erfolg unseres dritten Album („Estrella De Mar“ 2002, Anm.) wurde unser Leben komplett umgekrempelt und unser Bekanntheitsgrad wuchs unglaublich. Im Zuge dessen versuchten wir die Idee, die hinter AMARAL steckt zu bewahren und dafür mussten wir sehr hart kämpfen. Auch um unsere Identität und unseren Sound. Erfolg ist großartig aber nur, wenn du weiterhin deinen eigenen Regeln folgst. Einige der Höhepunkte von AMARAL war sicherlich als wir zum ersten Mal in Berlin, Hamburg oder Amsterdam aufgetreten sind. Wir lieben es unsere Musik zu spielen und im Studio aufzunehmen, aber wir lieben es ebenfalls um die ganze Welt zu reisen.


Rockingboy: Ihr habt als speziellen Bonus für die weltweite Veröffentlichung von „Nocturnal“ eine zweite CD mit akustischen Versionen der Songs dazu gepackt. Wer kam auf diese Idee?

Eva & Juan: Wie du bereits sagst, machten wir das zweite Album als Bonus. Die Idee wurde geboren, als wir kleine Arrangements im Studio ausprobierten bzw. während der Soundchecks im Zuge der „Nocturnal“ Tour. Der Prozess, die Songs auf das Wesentliche zu reduzieren und damit „nackt“ einzuspielen, hat uns wirklich viel Spaß gemacht.

Rockingboy: Ihr startet jetzt im Februar eine kleine Europatour (Großbritannien, Holland, Deutschland). Was können die Fans dort erwarten?

Eva & Juan: Wir werden jeden Abend unser Bestes geben und versuchen die bestmögliche Show abzuliefern, damit wirklich jeder unsere Musik so gut wie irgend möglich genießen kann.

Na, wenn das nicht Grund genug ist, auf einem der Konzerte von AMARAL vorbei zu sehen. Wir danken für die Aufmerksamkeit und bieten euch hier noch die Livedaten sowie die beiden neuesten Musikvideos:



05.02.2017 - London, UK - Shepherd's Bush Empire
06.02.2017 - Bristol, UK - Thekla
07.02.2017 - Nottingham, UK - Rescue Rooms
12.02.2017 - Berlin, Deutschland - Lido
13.02.2017 - Amsterdam, Holland - Melkweg
14.02.2017 - Freiburg, Deutschland - Jazzhaus
15.02.2017 - Köln, Deutschland - MTC