Dienstag, 15. August 2017

Walter Trout - We're All In This Together


Interpret : Walter Trout
Album : We're All In This Together
Spielzeit : 69:38 Minuten
Veröffentlichung : 01.09.2017
Plattenfirma : Provogue Records / Mascot
Homepage : www.waltertrout.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste :

  1. Gonna Hurt Like Hell (feat. Kenny Wayne Sheperd)
  2. Ain't Goin' Back (feat. Sonny Landreth)
  3. The Other Side Of The Pillow (feat. Charlie Musselwhite)
  4. She Listens To The Blackbird Sing (feat. Mike Zito)
  5. Mr.Davis (feat. Robben Ford)
  6. The Sky Is Crying (feat. Warren Haynes)
  7. Somebody Goin' Down (feat. Eric Gales)
  8. She Steals My Heart Away (feat. Edgar Winter)
  9. Crash And Burn (feat. Joe Louis Walker)
  10. Too Much To Carry (feat. John Nemeth)
  11. Do You Still See Me At All (feat. Jon Trout)
  12. Got Nothin' Left (feat. Randy Bachman)
  13. Blues For Jimmy T. (feat. John Mayall)
  14. We're All In This Together (feat. Joe Bonamassa)

Im Laufe eines Musikhörer-Lebens beschleicht einen ja schon mal das Gefühl, einen Tonträger erworben zu haben, der trotz hysterischer Vorab-Lobhudelei letztlich völlig uninspiriert und ausschließlich an Montagen aufgenommen wurde. Andersrum gibt es glücklicherweise Musiker, bei denen man so etwas niemals befürchten würde, nämlich den Fan zu bescheißen, niemals. Diese bleiben selbst auf ihren miesesten Platten authentisch und auf ewig unsere erklärten Sympathieträger. So wie Rory Gallagher, dem hätte ich niemals zugetraut dass seine Lippen eine Lüge formulieren könnten, über seinen Alkoholkonsum vielleicht, aber sonst....nie im Leben. Aber wer kennt die Leute schon wirklich ?

Walter Trout gehört für mich auch eher zu letztgenannter Gruppe. Der arme Kerl hat ja für seine Sünden der Vergangenheit wahrlich gebüßt...und muss vor seiner Lebertransplantation durch sämtlich Folterkeller der Hölle gegangen sein. Nach der Genesung haute er mit Battle Scars dann auch noch so ein grundehrliches und dankbares Album raus. Therapie beendet, schwere Prüfung bestanden, ewiger Respekt Alter...

Die aktuelle Platte We're All In This Together wird vielleicht von diesem Glanze profitieren, wer weiß das schon. Jedenfalls wollte der Gute nun mal wieder eine gitarrenlastigere Richtung einschlagen, lud diverse Freunde ein, um mit ihnen ein "Freudenfest zu feiern". Vorausgesetzt, man mag die Musik von Walter Trout, diesen immer leicht nervös wirkenden Bluesrock, mal emotional, mal fetzig, löst der inzwischen 66-jährige Gitarrist und Sänger sein Versprechen zu 100% ein. 

Kenny Wayne Sheperd, Sonny Landreth, Charlie Musselwhite, Mike Zito, Robben Ford, Warren Haynes, Eric Gales, Edgar Winter, Joe Louis Walker, John Nemeth, Sohn Jon, Randy Bachman, John Mayall und Joe Bonamassa heissen die illustren Gäste, die Trouts Ruf gefolgt sind. Dass diese den Songs auf We're All In This Together eine spezielle Note verleihen würden, hätte man sich grad noch denken können, immerhin hat dies im Jahre 2006 auf dem Album Full Circle und ähnlich illustrer Besetzung, schon sehr gut funktioniert. 

Im Gegensatz zu diesem "ersten Teil" von vor 11 Jahren haben Walter Trout und Produzent Eric Corne ein 14-Song starkes Album geschmiedet, welches zwar mehrere Durchläufe benötigt, dann aber Song für Song erkennen lässt, mit wem da grad musiziert wird. Mit She Listens To The Blackbird Sing enthält die Scheibe eine lupenreine und extrem geile Southern Rock Hymne, der Mike Zito (Royal Southern Brotherhood) seinen charakteristischen Stempel aufdrückt. Sämtlichen Allman Brothers und Lynyrd Skynyrd Fans dürfte an dieser Stelle das Herz aufgehen. Nicht jeder Song ist ein Highlight, doch allein die Anwesenheit der vielen Gäste macht Spaß. Wer spielt welches Instrument, wer singt da grad und wer hat noch gleich in welcher Band gespielt...das macht Laune und beschäftigt einen ein Weilchen. 

Wenn dann noch, wie im Fall von We're All In This Together ein paar Knaller herausspringen, bitte, was will man mehr ? Allein der Titelsong ganz am Ende des Albums, eine fast achtminütige Jamsession mit Joe Bonamassa, entlohnt für's konzentrierte Zuhören auf's allerfeinste. Ein wahres Gitarrenbattle zwischen Walter und Joe, begleitet vom monoton pumpenden Bass...grandios !

Ich möchte nochmals betonen, dass die Platte etwas Zeit braucht aber dann grandios wächst. Walters Sohn Jon Trout spielt in Do You Still See Me At All eine ebenso feine Saite und singt unverkennbar wie sein Daddy, nur etwas heller. Ein weiteres Highlight ist der Beitrag von Warren Haynes, der dem langsamen Blues The Sky Is Crying Stimme und Gitarre verleiht und sich im weiteren Verlauf ebenfalls grandios mit Walter Trout in die Vollen legt. Alles überragend jedoch ist das melancholische und sehr gefühlvolle, hauchzart angejazzte und durch Edgar Winters Gesang, vor allem aber dessen Saxophonkunst angereicherte She Steals My Heart Away. Solchen Tiefgang hätte ich nach Battle Scars gar nicht mehr erwartet, umso besser, die Nummer haut mich weg.   

Also Leute, ran an den musikalischen Speck, probiert es doch mal wieder mit einer Bluesplatte ! Selbst wenn Ihr das Teil nach dem ersten Hördurchgang erstmal zur Seite legt, irgendwann kramt Ihr die Scheibe wieder hervor und spätestens dann lohnt sich die Anschaffung !


Bernd Fischer

Donnerstag, 20. Juli 2017

Haudegen - Blut, Schweiß und Tränen


Band : Haudegen
Album : Blut, Schweiß und Tränen (3CD)
Spielzeit : 105:55 Min.
Veröffentlichung : 21.07.2017
Plattenfirma : Tonpool & Zebralution
Homepage : www.haudegen-info.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :

BLUT 
  1. Blut, Schweiß & Tränen
  2. Die Stimme der Gosse
  3. Echt zu sein, heißt Feinde haben
  4. Patriot
  5. Stoff aus dem die Träume sind
  6. Halb so Frei. Halb so Wild feat. Manuellsen
  7. Ich Treff Dich da wo es noch weh tut
  8. Eure Arroganz
  9. Einigkeit, Recht & Freiheit
  10. Nur damit Du an mich denkst
SCHWEISS
  1. Heute für Immer
  2. Atlantis in den Wolken
  3. Das vergesse ich Dir nie
  4. Wilde Orchideen
  5. Happy End
  6. Mit Gefühl
  7. Du hast einen Freund in mir
  8. Das Gefällt mir
  9. Dein Augenblick
  10. Himmel im Herz
TRÄNEN
  1. Auch wenn alle so tun
  2. Lass mich traurig sein
  3. Nach mir Deine Träume
  4. Ohne Worte
  5. Mein Vater und Ich
  6. Lachen verlernt
  7. Goldene Tränen
  8. Ein Geschenk
  9. Einmal für mich
  10. Zerbrochene Rosen

Wenn Sven und Hagen, also Haudegen aus Berlin, irgendwann einmal ihr Leben Revue passieren lassen, könnte das ein wenig länger dauern als üblich. Die beiden ziehen derzeit durch die Lande um ihren aktuellen Dreierpack Blut, Schweiß und Tränen zu promoten und stehen dabei in vorbildlichem Vollkontakt zu ihren engsten Fans, den "Unterstützern". Dabei wird sicherlich manche Geschichte und Schote erzählt, geschmunzelt, gelacht und vielleicht auch manchmal gemeinsam getrauert. Genau das also, was auf Blut, Schweiß und Tränen verarbeitet wird. Wobei der knallharte Sound zu Beginn der Trilogie nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass die Härten des Lebens auch auf den anderen beiden CDs zu finden sind. Blut, Schweiß und Tränen ist randvoll mit Gefühlen, es ist vor allem die musikalische Umsetzung, welche die drei CDs voneinander unterscheidet. 

Haudegen haben noch vor einem Jahr einen ganz anderen Weg beschritten und ihrer Heimat Berlin gehuldigt, indem sie die alten Lieder aus den Hinterhöfen und Kneipen auf wundervolle Weise und sehr stilvoll interpretierten. 2017 gehen die beiden einen Schritt zurück und erinnern sich an die Anfangstage ihrer Band. Dabei greifen sie auf einen erstaunlichen Fundus emotionaler Themen, die das menschliche Gemüts- und Zusammenleben parat hält, zurück. Feind- und Freundschaften, Sehnsüchte, Träume, Trauer, Beziehungen und vor allem Herzschmerz, werden verarbeitet und ich frage mich relativ schnell, woran mich das alles nur erinnert. Ist es nicht die deutsche Schlagermusik, die sich dieser Themen dermaßen inflationär bemächtigt ? Wobei ich hier keine Debatte über das Pro und Contra der Schlagermusik eröffnen möchte, immerhin wird diese Musikrichtung (warum auch nicht) von vielen Hörern geliebt. Außerdem verpassen Haudegen dem Ganzen abseits jeglicher Discofox-Verbrechen glücklicherweise einen extrem rauen bis liebenswürdig-zarten Hardrock-Anstrich, das sollte unbedingt erwähnt werden.

Ob das Ganze dermaßen opulent hätte ausfallen müssen, darf und soll zum Glück jeder für sich bewerten. Mir persönlich wäre eine CD genug gewesen. Immerhin werden sämtliche Pfade mehrfach beschritten und da sich das alles also irgendwie wiederholt, hätte es mir gereicht, aus 30 Songs 15 zu machen, es wäre für mich spannender geworden. So aber kommt schon nach dem zweiten Durchlauf die Vermutung auf, dass hier der Titel "Blut, Schweiß und Tränen" auf Teufel komm raus in ein 3er-Korsett gepresst werden musste, weil es sich so anbot. Was der beinharte Haudegen-Fan sicherlich komplett anders sieht...
Und ja, Blut, Schweiß und Tränen ist aus dieser Sichtweise ein fantastisches Album geworden. Was will der geneigte Hörer mehr, als eine volle Dröhnung Rauhbeinromantik voller Emotionen und Beziehungskisten ? Da wird es die Fans vielleicht gar stören, dass trotz Dreierpacks "nur" eine Gesamtlaufzeit von anderthalb Stunden dabei herausgekommen ist.

Angesichts solcher Kracher wie dem Opener und Titelsong mehr als verständlich, die Nummer heizt mit fetten, tiefergelegten Gitarren und knackigen Riffs gleich ordentlich ein und wenn Haudegen eins können, dann auf die Fresse...Tief im NY-Hardcore mit ordentlicher Prise Pantera-Doom geht es weiter, aber irgendwie will es nur kurz richtig zünden. Das System ist scheiße, man hat Feinde, ist Patriot und so weiter. Diese Thematik nervte mich schon vor Jahren, nur da hieß die Band Böhse Onkelz, deren meterdicker Haufen Selbstmitleid und nicht enden wollende Schicksalsschläge jeglicher Art zum Schluss nur noch langweilten. 

Trotz meiner Kritik bin ich mir sicher dass die Platte ein voller Erfolg wird und den wünsche ich Sven und Hagen auch von ganzem Herzen, denn die beiden sind authentisch und das ist es, worauf es ankommt.

Erwähnte 1CD-Zusammenstellung, also meine Anspieltipps, sähe ungefähr so aus, allesamt bärenstarke Nummern, die es unbedingt wert sind, gehört zu werden. 


  1. Heute für Immer (Schweiß)
  2. Blut, Schweiß und Tränen (Blut)
  3. Die Stimme der Gosse (Blut)
  4. Auch wenn alle so tun (Tränen)
  5. Nach mir Deine Träume (Tränen)
  6. Happy End (Schweiß)
  7. Wilde Orchideen (Schweiß)
  8. Stoff aus dem die Träume sind (Blut)
  9. Halb so frei. Halb so wild (Blut)
  10. Du hast einen Freund in mir (Schweiß)
  11. Nur, damit Du an mich denkst (Blut)
  12. Mein Vater und ich (Tränen)
  13. Himmel im Herz (Schweiß)
  14. Ein Geschenk (Tränen) 

Bernd Fischer

Dienstag, 18. Juli 2017

Europe - The Final Countdown 30th Anniversary Show Live At The Roundhouse (2CD/DVD)

Band: Europe
Album: The Final Countdown 30th Anniversary Show Live At The Roundhouse
Spielzeit: 102:40 min.

Plattenfirma: Hell& Back Recordings
Veröffentlichung: 21.07.2017
Homepage: europetheband.com




Wertung: "The Final Countdown" 30Jahre später - 
er zündet noch immer!


Tracklist:

Disc 1


01. Hole in My Pocket

02. The Second Day

03. Praise You

04. Nothin to Ya

05. California 405

06. Angels (With Broken Hearts)

07. Days of Rock 'N' Roll

08. Children of the Mind

09. Rainbow Bridge

10. Vasastan

11. Light it Up

12. War of Kings


Disc 2


01. The Final Countdown

02. Rock the Night

03. Carrie

04. Danger on the Track

05. Ninja

06. Cherokee

07. Time Has Come

08. Heart of Stone

09. On the Loose

10. Love Chaser

11. The Final Countdown (Reprise) 

Kaum zu glauben, dass "The Final Countdown" bereits 30 Jahre auf dem Buckel hat. Man kann von dem Song halten was man will, aber es handelt sich hierbei um einen DER Gassenhauer der melodischen Rockmusik schlechthin und da gibt es definitiv nichts daran zu rütteln, auch wenn es mancher Spötter anders sehen mag.

Die Band auf diesen einen Song zu reduzieren wäre jedoch ein schwerer Fehler, und gerade Ihr seit Anfang der 2000er erfolgtes Comeback inklusive eines ziemlichen Stilwechsels ist nur mit Hochachtung zu begegnen.

Das vorliegende dicke Doppelpack der kurzen 30 Jahre-Anniversary-Shows zu The Final Countdown ist keine reine Nostalgie-Geschichte, sondern schlägt konsequent den Bogen zwischen "Europe alt und neu".  Letztlich bekommt der (Konzert-) Gast gleich zwei volle Alben präsentiert, und zwar das letzte Werk "War Of Kings" in loser Reihenfolge und dann natürlich wie angekündigt das 1986er Werk in originaler Sequenz.
Wer bei den wenigen exklusiven Shows der kurzen Anniversarytour dabei war wurde Zeuge, wie sich die Band in exzellenter Spielfreude präsentierte und sichtlich Spass daran hatte, den Fans die beiden Werke zu präsentieren. Die vorliegende Doppel CD mit DVD bietet das komplette Konzert im authenthischen Live-Sound. Nachbearbeitungen - wenn überhaupt - scheint es nur dezent gegeben zu haben. Joey Tempest, der kaum zu altern scheint - ist stimmlich noch immer auf der Höhe und das Gitarrenspiel von Meister Norum sorgt nach wie vor für offene Münder. Und auch der Rest der Band ist tight wie ein Neoprenanzug. 

Wie man es live von Europe kennt, werden die Songs live erheblich rauer gespielt als auf Konserve, was besonders beim Final Countdown-Part ins Gewicht fällt.
Auch wenn nicht jeder Song auf "War Of Kings" so richtig zündet befinden sich doch einige Evergreens auf dem Album, allen voran das famose "Days of Rock' N Roll, welches live besonders gut abgeht und das stimmungsmäßige Highlight im "War Of Kings"-Teil darstellt.

Der zweite Teil der Show steht dann natürlich komplett im Zeichen des finalen Countdowns und die Luzy geht dabei so richtig ab. Neben den altbekannten Hits wie dem Titelsong, "Rock The Night" oder dem Schmachtfetzen "Carrie" gibt es dann auch die "Deep Cuts" des ALbums, die schon ewig nicht mehr live performed wurden wie "On The Loose", "Heart Of Stone" oder "Love Chaser", welche man wohl nicht mehr so schnell zu Gehör bekommen wird.

Bei der DVD muss man ein paar Abstriche machen hinsichtlich der Bildqualität, die doch - ähnlich der "Start From The Dark"-DVD - sehr grobkörnig ist, was wohl dem wahrscheinlich nicht allzu hohem Budget geschuldet ist. Die BluRay hierzu liegt mir nicht vor, vielleicht ist dort ja das Bild doch etwas besser. Dass es nach "Live At Shepherd's Bush" erneut London ist, welches für eine Europe-Live-DVD herhalten muss, ist wohl Joey's Wahl-Wohnsitz in der brtischen Metropole geschuldet. Die grandiose Köln-Show hätte man auch auswählen können.
Die Konzertstimmung wird jedoch sehr gut einfangen. Der Bühnenaufbau ist schlicht und die beiden Videoleinwände zeigen etliche Bilder aus der Vergangenheit und auch einige eingesandte Fan-Fotos aus der glorreichen 80ern.

Das hochwertige Digi-Pack mit fettem Booklet und vielen schicken Fotos ist sehr schön gestaltet und es macht Spass, sich die Show komplett zu geben, gerade wenn man eines der Konzerte besuchen durfte wie ich in Köln.

Die neue Europe-Studio-CD ist bereits im Kasten und nächstes Jahr gibt es wieder eine Tour mit neuem Material. Bis dahin ist "The Final Countdown 30th Anniversary Show Live At The Roundhouse" mehr als nur eine gelungene Überbrückung bis dahin.


Martin






Sonntag, 28. Mai 2017

The Beatles - Sgt. Pepper's Lonely Heart's Club Band (Re-Issue 2 CD)





Band: The Beatles
Album: Sgt. Pepper's Lonely Heart's Club Band (Re-Issue - 2 CD)
Spielzeit:100:18

Plattenfirma: EMI/Parlophone
Veröffentlichung: 26.05.2017
Homepage: www.thebeatles.com



Wertung: Eine der genialsten Scheiben aller Zeiten in mehr als angemessener Jubiläumsausstattung! 


Tracklist

CD 1 / New Stereo Remix
1. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band
2. With A Little Help From My Friends
3. Lucy In The Sky With Diamonds
4. Getting Better
5. Fixing A Hole
6. She’s Leaving Home
7. Being For The Benefit Of Mr. Kite!
8. Within You Without You
9. When I’m Sixty-Four
10. Lovely Rita
11. Good Morning Good Morning
12. Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (Reprise)
13. A Day In The Life



CD 2 / Sgt. Pepper Sessions 
 1. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band [Take 9]
 2. With A Little Help From My Friends [Take 1 - False Start And Take 2 – Instrumental]
 3. Lucy In The Sky With Diamonds [Take 1]
 4. Getting Better [Take 1 - Instrumental And Speech At The End]
 5. Fixing A Hole [Speech And Take 3]
 6. She's Leaving Home [Take 1 – Instrumental]
 7. Being For The Benefit Of Mr. Kite! [Take 4]
 8. Within You Without You" [Take 1 - Indian Instruments]
 9. When I'm Sixty-Four [Take 2]
10. Lovely Rita [Speech And Take 9]
11. Good Morning Good Morning [Take 8]
12. Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (Reprise) [Take 8]
13. A Day In The Life [Take 1 With Hummed Last Chord]
14. Strawberry Fields Forever [Take 7]
15. Strawberry Fields Forever [Take 26]
16. Strawberry Fields Forever [Stereo Mix - 2015]
17. Penny Lane [Take 6 - Instrumental]
18. Penny Lane [Stereo Mix - 2017]



Unglaublich aber wahr- ein halbes Jahrhundert hat die "Sgt. Pepper's" bereits auf dem Buckel. Natürlich wird das mit einem ausführlichen Re-Issue in verschiedenen Versionen gefeiert. 
Mir liegt die 2-CD-Reissue-Ausgabe vor. Diese ist luxuriös aufgemacht, hat ein fantastisches Booklet mit über 50 Seiten, in welchem man einiges über die Entstehung der Scheibe und auch des legendären Covers erfährt.
Zur Hauptscheibe braucht man nicht viele Worte zu verlieren: Das Album ist auch noch im Jahr 2017 über alle Zweifel erhaben und stellt für mich den Höhepunkt der Fab-Four-Diskographie dar. Irgendwie erkennt man bei jedem neuen Hören immer neue Details und der nagelneue 2017er Stereo-Mix trägt dazu auch bei. Glasklar kommen die Songs aus den Boxen, man hat ganze Arbeit geleistet ohne jedoch das Original in irgendeiner Weise zu verändern. Das abwechslungsreiche Album steht nicht zu Unrecht meist ganz oben an der Spitze, wenn es um die besten Alben der Rock und Pop-Geschichte geht. Die Hunderte von Stunden, die an dem Album gearbeitet wurden sind an jeder Stelle zu hören. Sensationell wenn man bedenkt, dass damals mit 4 Spur-Aufnahmen gearbeitet wurde, die in Handarbeit zusammengeflickt wurden. Keinesfalls klingt das Ganze überproduziert-im Gegenteil. 

Von besonderem Interesse sind natürlich die auf der zweiten CD enthaltenen Outtakes. Neben dem brandneuen 2017er Stereomix von "Penny Lane" ist auch der 2015er Stereo-Mix von "Strawberry Fields forever" enthalten. Unglaublich, dass zwei Songs dieses Kalibers nicht auf einem Album gelandet sind. Aber die Veröffentlichungspolitik war damals so, dass es Vorabsingles nie aufs Album schaffen. Die übrigen Bonusstücke sind ein Fest für den Beatles-Die-Hard-Fan. Neben instrumentalen (Roh-)Versionen sind auch einzelne Arbeitsschritte etlicher Songs enthalten, die sich von der endgültigen Version erheblich unterscheiden. Im Booklet werden die einzlen Outtakes zudem genauestens beschrieben. Grandios, was Produzent George Martin da geleistet hat. Nicht zu Unrecht hat er ja fast den Standard eines Bandmitglieds.

Ist die uns freundlicherweise überlassene 2CD Version schon "Deluxe" (und trägt diesen Namen auch zu Recht) so gibt es für den harten Sammler noch ein Boxset mit noch vielen weiteren Bonustracks sowie einem High-Resolution-Mix auf Bluray und einem Dokumentarfilm sowie ein LP-Boxset. So ist für jeden Geldbeutel das Richtige dabei.

Die 2CD-Version macht aber auch schon gehörig Spass und zeigt einmal mehr, dass es - Vorliebe hin oder her - unserer populäre Musik, wie wir sie heute kennen, ohne die Beatles niemals gegeben hätte.

Martin




  

Siena Root - A Dream Of Lasting Peace


Band : Siena Root
Album : A Dream Of Lasting Peace
Spielzeit : 44:00 Min.
Veröffentlichung : 26.05.2017
Plattenfirma : Hänsel & Gretel / MiG
Homepage : www.sienaroot.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste : 

  1. Secrets 
  2. Tales Of Independence
  3. Sundown
  4. The Piper Won't Let You Stay
  5. Outlander
  6. Growing Underground
  7. Empty Streets 
  8. No Filters
  9. Imaginarium
  10. The Echoes Unfold 

Als im Sommer 2004 die erste LP der Stockholmer Band Siena Root erschien, schien es einen Moment lang so, als hätte die gierige Musikszene auf ihrer ewigen Suche nach dem heiligen Gral einen sensationellen Fund gemacht. Mit A New Day Dawning war endlich mal wieder eine Platte erschienen, der man die Freude ihrer Erschaffer an langgezogenen Jams, jazzigen Improvisationen und schweren, harten Bluesrock-Riffs förmlich anhörte und die das vor allem auch im Studio auf Albumformat übertragen konnten. Die Hinzunahme tonnenschwerer Hammond-Orgelklänge auf der einen und indischen Instrumenten (die auf dem Nachfolgealbum Kaleidoscope noch mehr Beachtung fanden) auf der anderen Seite war zwar nicht revolutionär, half aber, den heute viel beschworenen Retro-Rock-Boom auszulösen. Und das von einer Band aus dem Mutterland der blonden Haare und braunen Elche: Schweden ! Erwähntes Album ist heute übrigens in der Erstauflage vergriffen und nur noch ab 50,-€ aufwärts zu bekommen. 

Vor ein paar Tagen erschien das inzwischen sechste Siena Root Studioalbum. Die aktuelle Besetzung der Band sieht inzwischen etwas anders aus und besteht aus den beiden Gründungsmitgliedern Sam Riffer (Bass) und Love "Billy" Forsberg (Schlagzeug und Percussion) plus Samuel Björö (Gesang), Erik "Errka" Petersson (Orgel) und Matte Gustavsson (Gitarre). A Dream Of Lasting Peace wurde innerhalb einer Woche in den Silence-Studios "einem legendären Ort mitten im Nichts", aufgenommen und lässt erahnen, daß in der Zwischenzeit ein Menge passiert ist. Diverse Besetzungswechsel und unzählige Gastmusiker haben nicht nur das Gesicht der Band, sondern auch den Sound verändert. 
Siena Root präsentieren sich wesentlich kompakter und abgeklärter als früher, keine Spur mehr vom Raga-Sound vergangener Tage (Gitarrist und Sitarist K.G.West verließ die Band ja 2013, um sich intensiver der indischen Sitar widmen zu können). Geblieben sind das Talent, packende Songs zu schreiben und diese in ein schweres, von Orgelteppichen und Gitarrenriffs dominiertes Gewand zu kleiden. 

Das Appetizer-Video No Filter gibt einen guten Einblick in die Platte, der Song steht stellvertretend für einige andere Momente auf A Dream Of Lasting Peace und könnte auch auf einem Deep Purple Album stattgefunden haben. Nach änlichem Muster ist Growing Underground gestrickt, nur deutlich schneller...sämtliche Purple/Whitesnake Fans dürften daran ihre helle Freude finden. Überhaupt ist die neue Platte viel mehr Hardrock als alles andere, trotz funkiger (Tales Of Independence) und jazziger (Imaginarium) Elemente sind es vor allem Songs wie das mächtig groovende, von Hammondorgel und Gitarrenriffs dominierte Outlander, die hängen bleiben. 

A Dream Of Lasting Peace hat ganz starke Momente, Abwechslung und mit Empty Streets eine astreine, melancholische Ballade nach der Rezeptur eines Warren Haynes (Gov't Mule) im Gepäck. Höhepunkte gibt es also genug auf der Platte und trotzdem brauche ich wohl noch einige Zeit, bis diese bei mir zündet. Ich gebe gerne zu daß ich mich in das erste Album verliebt habe und dagegen verliert A Dream Of Lasting Peace leider. Selbstredend handelt es sich um einen unfairen Vergleich denn es handelt sich nicht mehr um die gleiche Band. Trotzdem, mir fehlen vor allem die emotionale Tiefe und die psychedelischen Momente der Frühwerke. 

Wie gesagt, das Album hat viel Potential und wird sicher noch wachsen, ich bin hingegen ein wenig spät dran und gebe erstmal sieben wohlverdiente Punkte, mit der Option um spätere Korrektur.


Bernd Fischer 

Donnerstag, 18. Mai 2017

Face Down Hero - False Evidence Appearing Real

Band: Face Down Hero
Album: False Evidence Appearing Real
Spielzeit: 44:28 min.
Plattenfirma: Yonah Records
Veröffentlichung: 21.04.2017
Homepage: www.facedownhero.de

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
01. Nation Fractured
02. Last Exit Call
03. The Newborn Me
04. Goodbye To All Heroes
05. Peddlars Of Fear
06. Legion
07. Wolfchild
08. Echoes Of The Sun
09. When A Promise Becomes A Lie

Wenn ich hier bei uns im Archiv stöbere, fällt mir auf, dass die hessischen Thrasher von FACE DOWN HERO eigentlich Stammgast auf unserer alten Seite waren (Rezis + Interview) und ich über die Jahre min. 3 Alben der Band besprochen habe (vom Debüt "Opinion Converter" bis hin zu "Of Storytellers And Gunfellas). Bei Gelegenheit kann ich die Rezis sicher mal raussuchen und vielleicht hier in ein Archiv stellen. Was soll diese komische Einleitung, mögt ihr vielleicht denken? Ganz einfach - eine große Entschuldigung an FACE DOWN HERO, dass ich euch aus den Augen verloren habe und wir die beiden nachfolgenden Alben nicht besprochen haben. Doch jetzt 2017 machen wir das mit einer abermals verspäteten Rezension wieder gut. Denn "F.E.A.R." ist bereits am 21.04.2017 erschienen und wir schreiben nun halt schon Mitte Mai. 


Was hat sich am Sound der Hessen denn mittlerweile geändert? Zum Glück nicht viel. Noch immer dominiert wunderbarer von der Bay Area beeinflusster Thrash Metal, dazu kommt der ein oder andere Schlenker zu deutschen Ikonen wie KREATOR oder PARADOX und viel eigene Identität und schon haben wir einen Anwärter auf die Thrash Metal Platte des Jahres 2017.  Bereits der Opener "Nation Fractured" vereint alle Trademarks der Band. Die geile Gitarrenarbeit von Frontmann Kali Naumann, der fett wummernde Bass Sebastian Rinks und die donnernden Drums von Carsten Kachelmus lassen sofort die Nackenmuskeln kreisförmige Kopfbewegungen ausführen, umgangssprachlich Headbangen genannt. Dazu kommen abermals echt geile Melodien, denn FDH können nicht nur mitten in die Fresse rein, sondern haben mit Kali tatsächlich einen Shouter, der auch verdammt gut clean singen kann. 

Das folgende "Last Exit Call" erinnert mich an selige TESTAMENT Zeiten mit Alben wie "The Ritual" und auch frühe METALLICA schimmern durch. Und doch sind FACE DOWN HERO nicht in der Vergangenheit stehen geblieben, ihre Wurzeln sind zwar deutlich zu hören, doch auch moderne Einflüsse, die gut und gerne von NEVERMORE hätten stammen können, finden sich auf "F.E.A.R.", wie bei "The Newborn Me". Für mich der Höhepunkt des Albums ist jedoch "Goodbye To All Heroes" geworden mit Gastsängerin Stefania Salladini (ANTAGONISM, wenn ich nicht irre). Der Spagat zwischen ruhigen Parts, heftigen Attacken und einem geilen Mitsingteil ist einfach nur genial geworden. Der folgende klassischen Nackenbrecher "Peddlars Of Fear" hat es da erwartungsgemäß schwer, noch dazu erinnert er mich stark an METALLICAS "Fight Fire With Fire", aber egal. 

Wer es sich leisten kann, einen solchen Knaller wie "When A Promise Becomes A Lie" an das Ende eines Albums zu setzen, weiß um die hohe Qualität seiner Stücke. Dazu kommen die gewohnt sozial- bzw. gesellschaftskritischen Texte der Band, die weit über das Genreübliche hinausgehen, und ich bin auch anno 2017 hellauf begeistert. Jetzt fehlt nur noch der endgültige Durchbruch der Band, den die Jungs im Grunde schon seit Jahren verdient haben.

Markus 


 

Samstag, 13. Mai 2017

Frijid Pink - Earth Omen


Band : Frijid Pink
Album : Earth Omen
Spielzeit : 39:11 Minuten
Veröffentlichung : März 2017
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.frijidpink.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :

  1. Miss Evil 
  2. Sailor
  3. Earth Omen 
  4. Lazy Day
  1. Train Woman
  2. Eternal Dream
  3. New Horizon
  4. Rainbow Rider
  5. Mr.Blood
Nachdem die Verkaufszahlen von Defrosted, dem Nachfolger des erfolgreichen Debutalbums, zu wünschen übrig ließen, wurde eilig das Elvis-Cover Heartbreak Hotel als Single hinterhergeschickt. Immerhin hatte das beim ersten Album mit House Of The Rising Sun super funktioniert. Es blieb allerdings beim Versuch, denn im Gegensatz zu Europa floppte das Teil in den Staaten...Platz 72 ist nicht wirklich als üppiger Erfolg zu werten. 

Frijid Pink haben Fehler gemacht. Zum Beispiel hatten sie es verpasst, sich die Gunst der Fans in ihrer Detroiter Heimat zu sichern. Andere Bands wie SRC, die Amboy Dukes, FrostThe Bob Seger System, MC5 und die Stooges verschafften sich durch harte Arbeit an der Basis und mit gegenseitiger Unterstützung Respekt unter den Leuten. Frijid Pink hingegen präsentierten sich zwar international, ignorierten aber die lokalen Festivals. Das führte im Moment der ausbleibenden Erfolge zu nervösen Fehlentscheidungen, die darin gipfelten mit Music For The People eine halbgare Gospel-Soul-Single zu veröffentlichen. Gary Ray Thompson und Kelly Green waren strikt dagegen, wurden aber überstimmt und dermaßen aufgebracht, daß sie kurzerhand beim Parrot-Labelboss Walt McGuire einen neuen Schlagzeuger und Bassisten einforderten. Dieser ließ die beiden aber wegen Vertragsbruchs auflaufen, immerhin hatten sie für ihr Anliegen die laufende Tour unterbrochen und so trennten sich die Wege von Frijid Pink. Thompson und Green formten später eine neue Band namens Bullfrog

Doch auch der Rest der Band stand dumm da, denn McGuire entließ auch sie aus dem laufenden Vertrag. Bassist Tom Harris und Drummer Rich Stevers beschlossen jedoch, als Frjid Pink weiter zu machen, neue Leute zu suchen und wurden fündig. Sänger Jon Wearing stieß zur Band und wurde durch den Keyboarder Larry Zelenka und Gitarrist Craig Webb ergänzt. Die runderneuerten Frijid Pink setzten sich zusammen, um im California-Studio der Osmond-Brothers das dritte Album, Earth Omen, aufzunehmen.

Ergebnis ist eine sehr interessante Platte, welche allen Fans, die auch mal in der Historie unserer Musik wühlen möchten, gefallen dürfte. Die im Vergleich zu seinem Vorgänger cleanere Gesangsstimme von Jon Wearing erzeugt eine ganz neue Atmosphäre im Frijid-Sound. Miss Evil startet mit einem tollen Orgel-Intro von Larry Zelenka und schnell wird klar dass vom fräsenden Fuzzrock abgelassen und etwas mehr Melodie aufgenommen wurde. Gitarrist Craig Webb zeigt ebenfalls gleich, was er kann, seine Spielweise ist unspektakulär aber sehr effektiv. Die Band groovt phasenweise sehr geil, Orgel, Gitarre und Schlagzeug jammen gegen Ende der ersten Nummer regelrecht nebeneinander her und ziehen das Tempo nach Belieben hoch und runter. Leider können Frijid Pink dieses Niveau nicht immer halten und werfen mit Sailor eine reichlich schläfrige Nummer in den Ring. Das tolle Solo von Craig Webb rettet da dann irgendwie auch nix mehr. Gesellschaftskritisch gibt sich die Band mit dem Titelsong, "Oh Lord what have we done, first we killed the sea and now we kill the sun..." das ist Hardrock der frühen 70er, mehrstimmige Refrains, Tempiwechsel, Orgel, Gitarre und catchy Melodien. Uriah Heep lassen grüßen. 
Überhaupt Craig Webb, der Mann hat es heftig drauf und untermalt das ansonsten durchschnittliche Lazy Day mit seinem an eine Dulcimer (Hackbrett) erinnerndes Spiel...ich bin ja selber kein Gitarrist aber hier passt allein deswegen der Arsch auf den Eimer.




Seite zwei, Train Woman besticht durch einen abgrundtiefen Basslauf, ein cooles Gitarrenriff und die megafette Orgel von Mr.Zelenka. Himmel, wie geil sich das anhört, wenn der Mann in die Tasten haut...warum hat man den Namen eigentlich nie wahrgenommen ??? Und wie auf Bestellung folgt mit Eternal Dream wieder eine gähnend langweilige Nummer, die wohl irgendwie psychedelisch wirken soll, aber bestenfalls ein mitleidiges Grinsen erzeugt. Auch New Horizon fällt ab, die Les Humphries Singers haben sich von dem Gospel-Soul vielleicht inspirieren lassen (oder umgekehrt?), ich würde im Falle einer CD eher weiterskippen. Die Verarbeitung der LP und des Covers lässt übrigens keine Wünsche offen, auch in diesem Fall gibt es weder einen Downloadcode noch Bonustracks, ist halt so. 

Die vorletzte Nummer, Rainbow Rider zieht tempomäßig nochmal etwas an und gitarrentechnisch wird es deutlich verzerrter, allerdings fehlt mir hier die klare Linie. Der Song bleibt nicht wirklich hängen, ganz im Gegensatz zur Schlussnummer Mr.Blood. Da ist sie wieder, meine geliebte Orgel, nicht ganz so dick wie neulich aber sehr präsent in der Deep Purple mäßigen Uptemponummer und mit feinem Solo im Mittelteil...hach wie schön.

Warum auch immer und aus meiner Sicht völlig unverständlich, war Earth Omen ein kapitaler Flop. Der MGM-Ableger Lion Records hatte Frijid Pink gesignt, bei der Promotion der Platte aber total versagt. "Lion dropped the Ball, didn't push it, didn't give it to the Reps to push in the Music Stores. The didn't do anything. It was just left to lie and rot..." so der frustrierte Kommentar von Rich Stevers. Dabei hatte die Platte vieles von dem, was sich die Fans wünschten...eine saubere und tighte Produktion, harte Rockmusik und ein paar tolle Songs. 

So ungerecht ist das Musik-Business.


Bernd Fischer

Sonntag, 30. April 2017

Frijid Pink - Defrosted


Band : Frijid Pink
Album : Defrosted
Spielzeit : 40:17 Minuten
Veröffentlichung : März 2017
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.frijidpink.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste: 
  1. Black Lace
  2. Sing A Song For Freedom
  3. I'll Never Be Lonely
  4. Bye Bye Blues
  1. Pain In My Heart
  2. Sloony
  3. I'm Movin'
  4. I Haven't Got The Time

Anfang der 70er. Überall und ständig entstehen neue Bands und freche Musikstile. Die Jugend revoltiert schon länger gegen konservative Eltern, lange Haare werden noch länger und jeder hofft dass die Volksmusik endlich ausstirbt. Die wahre Revolution findet allerdings meist in den Köpfen statt, alternativ auf der Stereoanlage, sofern man eine hat. Black Sabbath, Led Zeppelin und Pink Floyd stellen die Musikwelt auf den Kopf, prägen diese für alle Zeiten und belegen auf der Beliebtheitsskala zurecht die ersten Plätze. 

Rückblickend kann man sagen, Frijid Pink hatten es schwer. Die Jungs aus der Motor-City Detroit waren geprägt vom harten Garagenrock der Stooges und MC5, aber nicht konsequent genug, dies zu 100% durchzuziehen. Dafür hatten sie die lukrative Idee, einen uralten Folk-Song, der 1964 durch die Animals weltberühmt wurde, zu covern und auf ihr erstes Album zu packen. The House Of The Rising Sun brachte Frijid Pink Millionen (der Bandname ist übrigens eine Kombination aus im Haar klebender Wandfarbe fürs Badezimmer und einer Kühlschrankmarke namens Frigid, dessen "g" man gegen ein "j" tauschte, weil sich das "more German" anhörte) und wurde Fluch und Segen zugleich. Wie so oft, wurde die Band fortan auf diese eine Single, die das erste Album tierisch anschob, reduziert. Der knarzige, gitarrenlastige Acid-Bluesrock-Mix der restlichen Nummern interessierte die Massen nicht sonderlich und so hielt der Erfolg nicht lange.

Defrosted, die zweite LP der Band, schaffte es nur noch bis auf Platz 149 der Billbord-Charts, es fehlte einfach dieser Überhit. Dennoch wird die Platte bis heute von Anhängern dieser Musikrichtung regelrecht abgefeiert und das hat gute Gründe. Black Lace eröffnet das Album schleppend aber sehr hart, die Gitarrenriffs von Gary Thompson und Kelly Greens Gesang fräsen sich sofort ins Ohr. Die Singleauskopplung Sing A Song For Freedom schafft es bis auf Platz 55 der Charts, doch es sind Songs wie der Procol Harum-Gedächtnissong I'll Never Be Lonely, die mich begeistern. Wer hier nicht an A Whiter Shade Of Pale denkt, hat es an den Ohren, aber die Gesangsleistung von Kelly Green ist sensationell, das Ding hat eine wahnsinnige Atmosphäre und erzeugt Gänsehaut bei mir. Wer sich fragt, woher deutsche Gruppen wie Jane zwei Jahre später ihren Sound hatten, höre dringend mal rein.



Der Bye Bye Blues bekleidete später die B-Seite der Heartbreak Hotel (Presley) Single, die 1972 erschien und beendet die erste Seite recht trocken. Änlich wie Black Lace eröffnet Pain In My Heart die zweite Seite mit einem für damalige Verhältnisse knüppelharten Soundgewitter. Wer auf die Gitarrentechnik eines Alvin Lee (Ten Years After) schwört, sollte sich das Instrumental Sloony schleunigst reinziehen, was Gary Ray Thompson hier abzieht, ist der helle Wahnsinn. Im gleichen atemberaubenden Tempo wird er begleitet von Tom Harris am Bass und Rich Stevers am Schlagzeug. Die zappelige Speed-Boogie-Nummer fliegt in einem Affenzahn am Hörer vorbei und macht Laune auf mehr. Die befriedigt I'm Movin voll und ganz, hier wird kraftstrotzender Proto-Metal gespielt. Das Ding groovt wie Sau und sollte meiner Meinung nach im gleichen Atemzug wie andere Nummern erwähnt werden, wenn es um die Gründertage dieser Musikrichtung geht. Ein bisschen weniger auf den Punkt aber immer noch mit erhöhtem Härtegrad beschliesst I Haven't Got The Time ein ganz feines Album aus den Anfangstagen unserer heißgeliebten Musik. Die Rythmusgitarre erinnert hierbei ein wenig John Lee Hooker's Boogie Chillen-Riff. 

Fans der Band und solche, die es werden wollen, dürfen sich nun auf die Neuauflage des zweiten Albums Defrosted und dessen Nachfolger Earth Omen freuen. Auf 180 Gramm Vinyl, sehr sauber verarbeitet und klanglich top remastert, präsentiert Repertoire Records die beiden hörenswerten Platten seit März. Auf Downloadcodes oder Textbeilagen verzichtet man ebenso wie auf gefütterte Innenschutzhüllen, nicht lebenswichtig aber die Wertigkeit der Platten hätte das angehoben. Bonustracks fehlen ebenso, was ich persönlich nicht so schade finde, so erhält man sich den ursprünglichen Charakter der Platte.

Bernd Fischer

Sonntag, 23. April 2017

Astral Doors - Black Eyed Children

Band: Astral Doors
Album: Black Eyed Children
Spielzeit: 50:55 min.
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 28.04.2017
Homepage: www.astraldoors.com

Wertung: 8 von 10



Tracklist:

1. We Cry Out
2. Walls
3. God Is The Devil
4. Die On Stage
5. Tomorrow's Dead
6. Good Vs. Bad
7. Suburban Song
8. Lost Boy
9. Slaves To Ourselves
10. Black Eyed Children

Gott, wie die Zeit vergeht. Klar, ich bin nicht mehr der Jüngste und viele Bands haben schon ein (oder mehrere) Abschiedstouren hinter sich, aber selbst eigentlich "neue" Bands wie ASTRAL DOORS begleiten mich nun bereits seit geschlagenen 11 Jahren. So lange ist es her, dass ich 2006 die Promo des Albums "Astralism" damals über Locomotive Records erhalten hatte und von dem DIO meets RAINBOW Sound der Band ordentlich beeindruckt war. Auch live waren ASTRAL DOORS immer eine Wucht, zuletzt im Februar 2012 in Ingolstadt zusammen mit RIOTGOD erlebt und einen verdammt geilen Konzertabend gehabt. Während ich das zuletzt erschienene Album "Notes From The Shadows" samt dazu gehörigem Interview (siehe hier) 2014 unserem Bernd überlassen habe, habe ich mir nun das neue Werk der Schweden unter die Nägel gerissen. 


"Black Eyed Children" wartet schon mal mit einem sehr düsteren aber stimmungsvollen Cover auf und laut Plattenfirma soll es das düsterste Album der Jungs um Frontmann Patrik Johansson darstellen. Naja, nachdem ich mir das Album nun sehr oft zu Gemüte geführt habe, kann ich das nicht unterstreichen. Gerade der Vorgänger ist doch manches Mal einen Tacken härter und mehr in Richtung Metal ausgefallen, während "Black Eyed Children" noch mehr Hardrock und den DIO/RAINBOW Spirit atmet und damit stärker dem ursprünglichen Sound der Band zugetan ist. Ja, jeder der Songs hätte auch gut auf "Astralism" oder "Requiem Of Time" gepasst. 

Doch fangen wir endlich mit "We Cry Out", dem Opener, dessen Video wir euch unten angefügt haben, an. Klassischer ASTRAL DOORS Stoff, der live zu einem absoluten Kracher werden wird und auch auf der stark produzierten Konserve zu einem Highlight in der Bandgeschichte gehört. Pommesgabel hoch und headbangen ist angesagt. Das nun folgende "Walls" beginnt mit ruhigen an GRAVE DIGGER Intros erinnernden Tönen, ehe ASTRAL DOORS abermals Gas geben, allerdings habe ich bei diesem Song immer das Gefühl der angezogenen Handbremse. Was dazu führt, dass auch nach mehreren Dutzend Durchläufen wenig hängen bleibt. Ganz anders ist "God Is The Devil", das von den Arrangements fast schon an 80er Hardrock im Stil von MILLION oder EUROPE erinnert und bei mir für Verzückung sorgt. In die gleiche Kerbe haut auch "Die On Stage" rein und dürfte ähnlich dem Opener live zu einer Granate mutieren. Daumen wieder weit nach oben. 

Allerdings laufen die nächsten drei Songs danach irgendwie an mir vorbei. Alle drei sind zwar von guter Qualität, hat man von ASTRAL DOORS aber alles schon mal gehört - besonders "Good Vs. Bad" kommt mir sehr bekannt vor, mir fällt nur der Referenzsong nicht ums Verrecken ein. Da Sie aber abschließend mit dem über 8-minütigen Titelsong noch ein weiteres heißes Eisen im Feuer haben, kann ich guten Gewissens fette 8 Punkte zücken. Well done, Sweden. Auch wenn sich nicht wirklich viel verändert hat.

Markus


 

Freitag, 14. April 2017

Danny Bryant - BIG



Interpret : Danny Bryant
Album : BIG
Spielzeit : 105:13 Min.
Veröffentlichung : 21.04.2017
Plattenfirma : Jazzhaus Records / In-Akustik
Homepage : www.dannybryant.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste:
  1. Temperature Rising 
  2. Just Won't Burn 
  3. Prisoner Of The Blues 
  4. Holding All The Cards 
  5. Greenwood 31 
  6. Groaning The Blues 
  7. Blood Money 
  1. On The Rocks 
  2. As The Years Go Passing By 
  3. Take Me Higher 
  4. Unchained 
  5. Painkiller 
  6. Stop Breaking Down 

Die letzten Töne der letzten Zugabe verklingen, das Licht geht langsam an und die Zuschauer strömen Richtung Ausgang, sie verlassen die nach Bier und Schweiß riechende Halle und ziehen die kalte Abendluft in ihre Lungen. Glücklich, ein tolles Konzert erlebt zu haben, diskutiert man mit Freunden über die Show, geht hungrig zum nächstbesten Schnellrestaurant, trinkt ein letztes Bier und fährt nach Hause oder ins Hotel. So oder ähnlich geht es vielen von uns mehrmals im Jahr, mal mit euphorischen, mal mit gemischten, selten mit enttäuschten Gefühlen. 

Die Besucher der drei Shows in Bonn (Harmonie), Freiburg (Jazzhaus) und Den Bosch (Holland, W2 Poppodium) dürften hochzufrieden gewesen sein, geht es nach der vorliegenden Doppel-CD BIG von Danny Bryant. Die im Januar des noch jungen Jahres mitgeschnittenen Konzerte zeugen vom lang gehegten Wunsch des Briten, einmal mit einer auf BigBand-Niveau erweiterten Band die eigene Musik auf der Bühne präsentieren zu dürfen. Diesen Wunsch hat sich der britische Gitarrist und Sänger erfüllt, Danny Bryant hat sich ein Bläser-Quartett aus Saxophon, Tenor Saxophon, Trompete und Posaune zusammengestellt und sollte sich zu diesem Schritt unbedingt beglückwünschen. Ihm ist der Spagat gelungen, den rauen Charme eines Bluesrock-Konzertes zu konservieren und die Songs aus den letzten drei Studioplatten entscheidend zu veredeln. Und als ob der gute Danny meine Bitte klick gelesen hätte, passt es plötzlich wunderbar zusammen wenn Gitarre, Schlagzeug und Bläser sich einander ergänzen. Songs, die mir noch vor einem Jahr zu glattgebügelt erschienen, strotzen plötzlich vor knisternder Energie. 



Zugegeben, bei einem Joe Bonamassa hört sich das alles ein wenig perfekter an, da sitzt jeder Ton und jeder Takt eben immer zu 100% dort, wo er hingehört. Aber genau DAS ist es, was ich Live hören möchte, entweder im Konzert oder wenn ich eine Live-Platte auflege: Bryant zelebriert Musik, die sich nach Handarbeit anhört und nicht nach einem Drehbuch in Szene gesetzt. Deshalb schätze ich es sehr dass Produzent Richard Hammerton die Finger weitestgehend von Overdubs und sonstigen Studio-Tricksereien ließ. Es macht Laune, die Songs der letzten drei Alben Hurricane, Temperature Rising und Blood Money auf diese Weise neu zu entdecken. Die geänderten Arrangements haben Songs wie dem ohnehin schon kraftvollen Prisoner Of The Blues gut getan. Und es sind nicht nur die Bläser, die ihren Anteil daran haben, Bryant spielt eine im Gegensatz zu früher nicht mehr über alles dominierende Gitarre. Das hat er nicht mehr nötig und geht heute mit der gesamten Band konform. Die homogene Mischung zieht sich wie ein roter Faden durch BIG. Danny Bryant ist nicht der Star, der Star ist die Band...er überlasst seinen Musikern Luft und Zeit, sich zu präsentieren. 



Die Sache mit der Zeit mag ein kleines Manko darstellen, gelegentlich bläst Bryant die Songs ein wenig zu sehr auf, bzw. hätte das Tempo etwas mehr anziehen dürfen. Holding All The Cards wirkt mit mehr als 7 Minuten phasenweise ein wenig schläfrig, da hätten es auch fünf Minuten getan. Auf der anderen Seite kann das fast zwölf minütige Just Won't Burn gar nicht lang genug sein, trotz gemäßigtem Tempo baut die Nummer auf ein sehr schönes Gitarrensolo mit nahezu epischem Ausmaß auf, phasenweise nur vom Schlagzeug und Steve Watts am Keyboard begleitet. Das von einem coolen Basslauf geprägte Unchained stellt gemeinsam mit dem sehr emotionalen Otis Rush-Cover As The Years Go Passing By den Höhepunkt der zweiten CD dar. Auch hier brilliert Danny Bryant an seinem Instrument und zaubert seinen Fans damit ein fettes Grinsen ins Gesicht. Was wäre ein Blues-Konzert heute ohne elektrische Gitarren ?

Schlussendlich werden die Reaktionen auf BIG wohl unterschiedlich ausfallen, der eine mag es halt so und der andere so. Mein Fazit fällt absolut positiv aus. Die Platte des Jahres ist BIG vielleicht nicht aber sicher ganz weit oben. 

Thumbs up Mr.Bryant, well done !!!!


Bernd Fischer