Samstag, 21. Oktober 2017

Europe - Walk The Earth

Band: Europe
Album: Walk The Earth
Spielzeit: 41:01 min.
Plattenfirma: Hell and Back Recordings

Veröffentlichung: 20.10.2017
Homepage: www.europetheband.com



WERTUNG: 8,5 von 10


Tracklist:


 1. Walk The Earth 
 2. The Siege 
 3. Kingdom United 
 4. Pictures 
 5. Election Day 
 6. Wolves 
 7. GTO 
 8. Haze 
 9. Whenever You’re Ready 
10. Turn To Dust 


Europe können einem leid tun. Die einen (vornehmlich die böse dreinguggende Metalfraktion) schieben sie ins käsige One-Hit-Wonder-Regal und hassen sie für den "Final Countdown" (und tanzen dann Silvester freudselig dazu ins neue Jahr).
Die andere trauern gerade diesen seligen 80er Zeiten hinterher und wünschen sich Songs a'la "Carrie" und "Rock The Night" Version 2.017.

Europe ist dies alles egal und das ist gut so. Wie sämtliche Vorgängerwerke seit ihrem Comeback in 2003 scheren sich die Jungs um Joey Tempest einen feuchten Dreck darum, was angesagt oder gewünscht wird sondern ziehen ihr Ding durch. Und das heisst auf "Walk The Earth" klassischer Hardrock mit vielen Einflüssen von Deep Purple.

Der vorab bereitgestellte Titelsong gibt die Marschrichtung für die nächsten gut 40 Minuten vor. Classic Rock wie er im Buche steht, die Schweineorgel dröhnt wie in den 70ern und Joey Tempest ist wie immer gesanglich eine Bank. Lediglich bei John Norum hat man manchmal das Gefühl er zieht sich etwas zurück aber dennoch brilliert er mit seinen Soli, die zwar nicht spektakulär aber effektiv sind. Und seinen eigenen spezifischen Sound hat er sowieso.
Für diejenigen, denen "War Of Kings" etwas zu langsam vom Tempo war (zu denen zähle ich mich auch), werden auf der neuen Scheibe gut bedient, denn es sind einige schnelle Rocker am Start. Dazu zählt u.a. "The Siege" und der härteste Song der Scheibe "GTO", der auch teilweise an Thin Lizzy zu "Thunder And Lightning"-Zeiten erinnert. Beides sehr geile Nummern.

Über mangelnde Abwechslung kann man sich weissgott nicht beschweren. "Pictures" ist die einzige Ballade der Scheibe, jedoch nicht im Stil von "Carrie" & Co. sondern der Geist von David Bowie's "Space Oddity"  ist nicht zu übersehen bzw. hören (fast schon etwas zu prominent).  "Wolves" verlangt dann schon etwas Offenheit des Hörers, denn der Song ist so ziemlich der Düsterste in der gesamten Europe-Discographie. Psychedelisch angehaucht mit einem monotonen Vers, der sich aber zumindest im Chorus zu einer kleinen Hymne steigert. Gewöhnungsbedürftig aber mutig.

Meine Lieblingsnummer ist derzeit "Election Day", eine Nummer, welche noch am ehesten an vergangene 80er Zeiten erinnert und eine majestätische Hymne vor dem Herrn darstellt.

Diejenigen, die ständig behaupten, dass Europe zu stark von ihrem Signiture-Sound abweichen, sollten sich die Mühe machen und "Kingdom United" einmal mit Stücken der allerersten Europe-Scheiben  vergleichen. Sie werden dann feststellen, dass die Unterschiede dann doch nicht so groß wie befürchtet sind, starteten die Schweden einst ebenfalls mit klassischem Hardrock durch, ehe die melodisch-süßliche Note mehr betont wurde. 

Mit "Haze" hat sich "War Of Kings Part 2" eingeschlichen, dass Riff ähnelt dem des Titelsongs doch frappierend wie auch der gesamte Songaufbau.

Alles in allem ist "Walk The Earth" erneut eine runde Sache und dürfte jeden neuzeitlichen Europe-Anhänger mehr als zufrieden stellen. Richtige Ausfälle kann ich nicht ausmachen und man darf gespannt sein wie die neuen Songs live klingen.

Auf der kommenden Tour im November/Dezember sollte man sich davon sein eigenes Bild machen. Ich freue mich jedenfalls darauf.


Martin




 



Montag, 16. Oktober 2017

10 Years - (how to live) As Ghosts


Band : 10 Years
Album : (how to live) As Ghosts
Spielzeit : 40:29 Minuten
Veröffentlichung : 27.10.2017
Plattenfirma : Mascot Records
Homepage : www.10yearsmusic.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :

  1. The Messenger
  2. Novacaine
  3. Burnout
  4. Catacombs
  5. Ghosts
  6. Blood Red Sky
  7. Phantoms
  8. Vampires
  9. Halos
  10. Lucky You
  11. Insomnia

Zugegeben, wenn Jesse Hasek über seine Schlaflosigkeit, sorry -Insomnia- singt, hat das schon einen ganz besonderen Charme. Fast hätten 10 Years aus Knoxville, Tennessee meine Aufmerksamkeit gar nicht bekommen, doch ein hartnäckiger Promoter sah das nicht ein. Und da die CD jetzt schon mal in meiner Anlage liegt und sich in mein Gehör rotiert, will ich auch mal nicht so sein. Immerhin legen die Jungs mit (how to live) As Ghosts ihr inzwischen achtes Album vor - da muss ja irgendwas dahinter stecken. Dabei haben sich 10 Years der Sorte Metal verschrieben, die mir ehrlich gesagt schon immer irgendwie abging. Ich assoziiere, vermutlich altersbedingt, mit all diesen Nu-, Emo- und was-auch-immer Metal-Bands, bunte Tagebücher, deren Inhalte in Songs verarbeitet werden und deren Besitzer sich selbst mit Ü30 noch immer nicht von ihren bösen und ungerechten Eltern abgenabelt haben. Dabei gibt es ja durchaus die Befürchtung zu vermuten, daß ich von Alledem, also von den Problemchen der heutigen Jugend, überhaupt keinen Plan mehr habe. Wer weiß das schon...
Jedenfalls haben Drummer Brian Vodinh und Gitarrist Matt Wantland nach einer selbstauferlegten Pause zur Band zurückgefunden und beschlossen, gemeinsam mit den alten Freunden einen echten Hammer rauszuhausen. "In the past, I've written a lot of songs that were pretty ambiguous. But on this record, I'm more comfortable being direct and talking about things that are important to me. I'm older and find myself reflecting on the world more especially after having traveled the world and talk to people and really see what's going on" so HasekZur Seite stand ihnen dabei Produzent Nick Raskulincz (Alice In Chains, Ghost, Deftones, Mastodon) und was soll ich sagen, es hat sich durchaus gelohnt. Selbst wenn mir XXXXL-Harmonien und die maximale Anhäufung von Hooklines ein wenig den Zahn ziehen, so richtig kitschig oder gar peinlich wird das nie. Und ja, auch als Metal-Album geht (how to live) As Ghosts durch, zwar in seiner poppigsten Form, aber 10 Years verlieren sich nicht komplett in ihrer Wohlfühlzone, sondern lassen es auch mal krachen. Der Mix aus poppigem Djent und Prog-Metal der Marke Tool meets Steven Wilson wird seine Hörer finden, da bin ich mir sicher. Dafür sind Songs wie Ghosts zu stark, die Nummer spiegelt mit ihrem melodiös-harten Drive und dem hellen aber kraftvollen Gesang von Jesse Hasek, der ein wenig an Brian Molko (Placebo) erinnert, im Grunde das Album wieder. Ein weiterer starker Songs, Burnout, packt noch eine Schaufel Energie drauf und hat meinen Segen als Album-Highlight, gemeinsam mit der Schlussnummer Insomnia, die ich bereits erwähnte. 

Ob mir das persönlich aber ausreicht, ob ich (how to live) As Ghosts zukünftig auflegen werde, bleibt abzuwarten denn irgendwie ist das Konzept von 10 Years, diese Musikrichtung, nach wie vor nicht meins. Die Generation 30 Seconds To Mars wird das sicher ganz anders sehen...darf sie auch und meinen Segen hat sie. Es gibt sieben Punkte für eine sehr geile Produktion, eingängige Songs, solides Handwerk. Ein bißchen mehr Bratz und Rotz und ich hätte dem Ganzen die Absolution erteilt...


Bernd Fischer

Sonntag, 8. Oktober 2017

Supersonic Blues Machine - Californisoul


Band : Supersonic Blues Machine
Album : Californisoul
Spielzeit : 63:13 Min.
Veröffentlichung : 20.10.2017
Homepage : www.supersonicblues.com

Wertung : 9 von 10 

Trackliste :

  1. I Am Done Missing You  
  2. Somebody's Fool (feat. Robben Ford)
  3. L.O.V.E.
  4. Broken Heart (feat. Billy F.Gibbons)
  5. Bad Boys
  6. Elevate (feat. Eric Gales)
  7. The One
  8. Hard Times (feat. Steve Lukather)
  9. Cry
  10. The Stranger
  11. What's Wrong (feat. Walter Trout)
  12. Thank You
  13. This Is Love

Auch die zweite Veröffentlichung der Supersonic Blues Machine ist eine rundum schmissige Angelegenheit geworden. Selbst wenn die Scheibe nahtlos am Vorgänger West Of Flushing, South Of Frisco anknüpft und in Robben Ford, Billy Gibbons, Eric Gales und Walter Trout gar die fast identische Riege Gastmusiker hinzugezogen wurde (lediglich Warren Haynes wurde durch Steve Lukather ersetzt), ist die Musik auf Californisoul alles andere als langweilig geraten. Im Gegenteil, die Fans von Fabrizio Grossi (Bass), Lance Lopez (Gitarre, Gesang) und Kenny Aronoff (Schlagzeug) dürfen sich auf ein weiteres Album voller Bluesrock-getränkter Songs mit viel Seele unter der harten Schale freuen.

Ein lässiger Reggae-Rocker mit Tiefgang eröffnet Californisoul. "Der Song richtet sich sowohl an verschmähte Liebhaber, als auch diejenigen, die ihre schlechten Angewohnheiten hinter sich gelassen haben. Das Album studiert und feiert die Menschlichkeit" so Lance Lopes über I Am Done Missing You. Charakteristisch, und das zieht sich wie ein roter Faden durch die beiden Platten, ist das schwitzig-bluesige Grundgefühl und der mehrstimmige, irgendwie nölig wirkende Backgroundgesang von Anita und Francis Benitez Grossi. Dazu Handclaps. Immer wieder und in fast jedem Song krabbeln Handclaps hinterm Gebüsch hervor. Ich find's OK, hört sich cool an und prägt den SBM-Sound, also was soll's. Die Frage nach den Gästen beantwortet Fabrizio Grossi: "Viele Leute fragen mich, warum bei Supersonic Blues Machine immer Gastmusiker mit von der Partie seien, obwohl wir doch selbst genug auf dem Kasten hätten. Es gibt drei Antworten darauf. 1.: Wir sind alle eng befreundet und hatten einen Mordsspaß. 2.: Viele von Ihnen geben keinen Unterricht. Das ist unsere einzige Chance, hinter ihre Geheimnisse zu kommen. Und 3.: Sie inspirieren und fordern uns gleichzeitig heraus." Aha.

Die illustre Gästeschar setzt allerdings unterschiedliche Akzente: Robben Ford steuert ein unauffällig feines Gitarrensolo hinzu und veredelt das ohnehin sehr galant dahingleitende Somebody's Fool, während Billy Gibbons dem "Soundtrack eines imaginären Roadtrips von Los Angeles nach San Francisco im Jahr 1971" mit Broken Heart seinen unverkennbaren Desert-Blues-Boogie einhaucht. Man muss das auch gar nicht kommentieren, Gibbons' Licks sind dermaßen prägnant daß sogar mein Wellensittich den inzwischen 67-jährigen heraushören würde. Der schönsten Nummer darf aber Steve Lukather beiwohnen. Hard Times gleitet schläfrig wie ein warmer Sonntagmorgen dahin und wächst an zu einem furiosen Zusammenspiel sämtlicher Ingredienzen die die Supersonic Blues Machine anbietet. In der Besucherritze zwischen Lukathers Saiteneinlagen schnurrt ein zurückhaltendes Keyboard, allerfeinst von Alessandro Alessandroni jr. intoniert. Auch hier sind es die Feinheiten im Hintergrund, wie die sanft angeschlagenen Chimes und Bongos, die Atmosphäre erzeugen. Letzten Endes ist es aber Lance Lopes, dessen kratziges Organ und Gitarrenspiel das Ding, natürlich auf dem Fundament seiner versierten Mitstreiter, prägen. Hard Times ist einer der stärksten Songs auf einer durchgehend gelungenen Platte. 



Das Gros der Lyrics steuerte übrigens Fabrizio Grossi bei, aufgenommen wurde Californisoul in Kalifornien und zwar im Fab’s Lab im Norden Hollywoods. Die Scheibe kommt übrigens auch ohne fremde Hilfe aus. Unter anderem lohnt sich das eingängige L.O.V.E., welches mit einem wunderbaren Chorus glänzt und ansonsten höchst lässig mit schöner Bluesharp überzeugt. Funkig wird es mit The Stranger und gefühlvoll mit Cry, einer trotz aller Emotionalität kraftvollen Ballade. Mein persönliches Highlight ist eher untypisch für Californisoul, fügt sich am Ende der tollen Scheibe aber ganz wunderbar ein. What's Wrong, ein klassischer Blues, steigert sich und gipfelt im Duell zwischen Lance Lopez und Walter Trout, die vom Gitarren- ins Gesangsduell wechseln und sich immer verzweifelter die Frage stellen, was in "ihrem" Blues grad falsch läuft.

The Answer is, there's nothing wrong with your Blues, Sirs.

This Is Love, ein cooler Reggae, darf Californisoul genauso beenden, wie er es eröffnet hat. Alles in allem ist Californisoul ein Paradebeispiel für modernen Bluesrock, der in sämtlichen Genres wühlen darf und Freiheit und Wandel atmet. Ganz wie damals auf dem Roadtrip im Jahr 1971. 


Bernd Fischer

Dienstag, 26. September 2017

Chris Rea - Road Songs For Lovers

Band: Chris Rea
Album: Roadsongs For Lovers
Spielzeit: 58:27 min.
Plattenfirma: BMG
Veröffentlichung: 29.09.2017
Homepage: www.chrisrea.com


WERTUNG: 7,5 von 10


Tracklist:

1. Happy On The Road
2. Nothing Left Behind
3. Road Songs For Lovers
4. Money
5. Two Lost Souls
6. Rock My Soul
7. Moving On
8. The Road Ahead
9. Last Train
10. Angel Of Love
11. Breaking Point
12. Beautiful

Schon seit vielen Jahren bin ich bekennender Fan von CHRIS REA und seiner Musik, gerade an lauen Sommernächten gibt es kaum etwas schöneres als den soften Kompositionen des 1951 geborenen Briten zu lauschen, die trotz aller Eingänglichkeit immer etwas abseits des absoluten Mainstreams liefen. Vielleicht lag es einfach daran, dass immer eine melancholisch-sehnsüchtige Atmosphäre seine Songs ausmachte. Nach der Überwindung seiner schweren Krebs-Erkrankung um die Jahrtausendwende und einer absolut großartigen Abschiedstournee, bei der ich so manche Träne heimlich verdrückt habe, bin ich nun umso froher, dass es längst nicht still um den erstaunlichen Musiker geworden ist.


"Road Songs For Lovers" ist sein erstes "normales" reguläres Album seit dem 2004er Output "The Blue Jukebox", welches auch auf Grund meiner Sentimentalität für mich einen besonderen Platz unter den vielen Studioalben CHRIS REAs innehat. Auf den sonstigen letzten Veröffentlichungen verfolgte CHRIS REA seine Leidenschaften und brachte 2005 eine großartige Box namens "The Blue Guitar" heraus, auf denen er auf 11 CDs inkl. tollem Buch dem Blues ein Denkmal setzte. Und für mich persönlich sein brillantestes Gesamtkunstwerk darstellt. Auch von "Santo Spirito Blues" und den Regiearbeiten des Briten bin ich immer noch beeindruckt. Das 2016er Remake von "La Passione" lief dann aber etwas an mir vorbei. 

Doch genug der vielen Vorrede, eigentlich muss man CHRIS REA ja auch nach über 30 Millionen verkauften Alben nicht mehr groß vorstellen. Kommen wir daher nun zu "Road Songs For Lovers" und dem Opener "Happy On The Road", der sich wieder stark an den Erfolgsalben der 90er Jahre orientiert und auch gut auf "Auberge" oder "Espresso Logic" gepasst hätte. Neben einem lässigen Groove gefällt mir wieder das prägnante Gitarrenspiel sowie der gute Einsatz von Akkordeon bzw. Bläsern. Im Grunde schon ein richtiger Singlehit. Doch CHRIS REA verschleppt daraufhin sofort das Tempo und lässt mit "Nothing Left Behind" eine sehr melancholische Ballade folgen, die eher auf "Stony Road" gepasst hätte. 

Im Grunde müsste man sagen, dass "Roadsongs For Lovers" bereits jetzt die Essenz aus allen Alben des Briten enthält. Leider berührt mich der Track nicht so stark wie erwartet und wächst auch nicht beim zwölften Hördurchlauf. Der Titeltrack erinnert mich dann wieder an die "Shamrock Diaries" und lässt mich in seligen Erinnerungen schwelgen - genau mit solchen Songs schaffte er den Durchbruch. Das nun folgende "Money" soll wohl wieder etwas künstlerisch wertvoller sein, mich persönlich nervt das monotone Stück aber ziemlich - ein müder Track, bei dem ich mittlerweile durchgehend die Skip Taste drücke. Zum Glück sind die restlichen Stücke wieder auf einem viel höheren Niveau, aber leider nicht mehr ganz so stark wie "Happy On The Road" oder der Titeltrack. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Album ein kleines Stück auf Sicherheit getrimmt wurde und so manches Akkordeon schon so ähnlich auf den Vorgängern zu hören war. 

Denn auch wenn das Album von der Sehnsucht nach dem Reisen handelt und man es wirklich entspannt beim Autofahren hören kann, so laufen mir doch einige Stücke ("Two Lost Souls" oder "Angel Of Love") zu glatt an mir vorbei. Was ich sehr schade finde. Insgesamt gesehen haben wir trotzdem ein hochwertiges Album eines absoluten Ausnahmekünstlers vorliegen, das sich aber mit den Highlights in der Diskographie meiner Meinung nach nicht ganz messen kann. Auch wenn mit "Last Train" und "Beautiful" noch zwei weitere Highlights auszumachen sind. Und so lege ich halt doch wieder die "Shamrock Diaries" auf, weine mit "On The Beach" dem verblassenden Sommer 2017 nach und lasse den Blues mit den "Blue Guitars" von neuem aufleben. Trotzdem schön, dass es ihn mit diesem Album im Oktober und November live in Deutschland zu sehen gibt.    

Markus



Sonntag, 24. September 2017

Ronnie Montrose featuring Ricky Phillips and Eric Singer - 10x10


Band : Ronnie Montrose featuring Ricky Phillips and Eric Singer
Album : 10x10
Spielzeit : 46:02 Minuten
Veröffentlichung : 29.09.2017
Plattenfirma : Rhino
Homepage : www.ronniemontrose.com

Wertung : 9 von 10

Trackliste :
  1. Heavy Traffic feat. Eric Martin & Dave Meniketti 
  2. Love Is An Art feat. Edgar Winter & Rick Derringer 
  3. Color Blind feat. Sammy Hagar & Steve Lukather
  4. Still Singin' With The Band feat. Glenn Hughes, Phil Collen & Jimmy "Z" Zavala
  5. Strong Enough feat. Tommy Shaw 
  6. Any Minute feat. Mark Farner & Ricky Phillips
  7. The Kingdom's Come Undone feat. Ricky Phillips & Joe Bonamassa
  8. One Good Reason feat. Bruce Turgon & Brad Whitford
  9. Head On Straight feat. Davey Pattison & Mark Bonilla
  10.  I'm Not Lying feat. Gregg Rolie, Tom Gimbel & Lawrence Gowan

Ronnie Montrose ist für die meisten von Euch hoffentlich kein unbeschriebenes Blatt, denn um dessen ellenlange Vita aufzuarbeiten, bedürfte es locker eines Sonderartikels. Deshalb sei an dieser Stelle lediglich an sein wohl wichtigstes Werk, das Debutalbum Montrose (1973) und die Tatsache daß er damit den "Red Rocker" Sammy Hagar auf die große Bühne hob, erinnert. "Ronnie Montrose gave me my first break as a songwriter, as a front man, as a recording artist and as a touring artist, and for that I will always be grateful", so Hagar im Rolling Stone Magazin. Ganz nebenbei machte er so den US-Hardrock salonfähig und inspirierte unzählige Bands.



Kurz nachdem der begnadete Gitarrist gemeinsam mit Bassist Ricky Philips (StyxBad English) und Drummer Eric Singer (KissAlice Cooperanfing, 10x10 aufzunehmen, fügte er sich Anfang 2012 selbst eine Schussverletzung zu, an der er schließlich verstarb. Vermutet wird Selbstmord, da Montrose an Depressionen und Prostatakrebs litt, ein Abschiedsbrief wurde allerdings nie gefunden. Phillips und Singer hielten das hinterlassene Songmaterial für hochwertig genug, um das Album posthum fertigzustellen. Ronnie's Konzept zu 10x10 war, zehn Songs mit zehn verschiedenen Sängern einzuspielen. Phillips und Singer luden zunächst Sammy Hagar, der prompt seine Zusage gab, und weitere Musiker aus Ronnie's großem Freundeskreis ein, benutzten die fertigen Gitarrenspuren und Songideen und brachten das letzte Vermächtnis von Ronnie Montrose zu einem mehr als würdigen Ende. 

10x10 ist ein unerwartet solides und kraftvolles Hardrockalbum geworden, dessen Hintergrund und Entstehung für sich allein schon interessant genug wäre, immerhin hat eine Vielzahl von Musikern ihre Visitenkarte hinterlassen (wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es 26 geworden). Fast genauso groß ist aber auch die Riege der Tontechniker und Produzenten, die mit der Entstehung zu tun hatten. Erstaunlich, wie wenig man das der Platte anhört, wie homogen und tight der Mix geworden ist. Hut ab ! 

Eric Martin eröffnet die Platte mit einem lauten "RONNIE !", als wolle er sagen "was hast Du da nur gemacht, Du Hornochse" und legt nach, indem er nach den merkwürdigen Medikamenten, die Montrose wohl zum Zeitpunkt seines Todes den Kopf vernebelten, fragt. Das schlichte Montrose-Riff  schiebt Heavy Traffic ein paar Sekunden lang in Richtung AC/DC, doch Tambourine, Backsgroundgesang von J'nae Fincannon und Debby Holiday und ein Piano hieven den Song eher auf die 70er Classic-Rock-Ebene. Spätestens Dave Meniketti stellt im Mittelteil mit seinem Solo klar, was da noch zu erwarten ist. Andere Baustelle; Blues. Lemmy konnte es nicht, Dylan kann es immer noch nicht und Edgar Winter röhrt wie ein brünftiger Hirsch. Aber interessiert das jemanden ? Nein, denn Love Is An Art muss so und nicht anders. Als Winter seine Abhandlung zum Thema Liebeskünste mit "So far, so bad.." startet und das Saxophon völlig relaxt mit Rick Derringer flirtet ist ohnehin alles gut.


Color Blind steht als Statement gegen Rassenhass. Sammy Hagar legte die Worte über Ronnie's Songidee, im Gegensatz zur üblichen Vorgehensweise der beiden, die genau umgekehrt lief. Die anfangs bedächtig-schleppende Nummer wäre denn auch mein erstes Highlight. Sammy Hagar singt von Sekunde zu Sekunde kraftvoller und man nimmt ihm seine Empörung wirklich ab. Der Shuffle wird vom atmosphärischen Wechselspiel zwischen Gitarre und Hi-Hat geprägt, unterbrochen vom gefühlvollen Solo eines Steve Lukather. Da darf man mal reinhören. Heftiger und vor allem schneller wird es mit Still Singin' With The Band, Glenn Hughes darf hier zeigen daß er noch immer zu den Top-Leuten gehört, wenn es um kraftvollen Gesang in verschiedenen Tonlagen geht. Die harte Rocknummer profitiert in erster Linie von den Gitarren und dem Bass-Schlagzeug-Fundament, doch die feinen Akzente setzen andere. Ricky Phillips, der hier die Tasteninstrumente bedient, legt seine Hammond voll mit rein und Jimmy "Z" Zavala holt für einen Moment, aber wirkungsvoll, seine Mundharmonika heraus.

Das schwül-schwitzige Strong Enough ist mein zweites Highlight, woran vor allem Tommy Shaw und der Backgroundgesang ihren Anteil haben. Beides harmoniert hervorragend mit der geheimnisvollen Stimmung dieser Nummer, die wiederum durch die Gitarrenarbeit von Montrose geprägt ist. Dem Meister wird mit diesem herausragenden Song posthum ein mehr als würdiges Denkmal gesetzt. Auch im weiteren Verlauf der Platte finden sich kaum Schwachpunkte, das funkige Any Minute besticht durch einen ausgesprochenen Groove, der im treibenden The Kingdom's Come Undone seine Fortsetzung findet. Die schöne Hookline ist gelungen und bleibt im Ohr hängen. Das obligatorische Gitarrensolo stammt diesmal von Joe Bonamassa. An Foreigner erinnert One Good Reason, was nicht verwundert, denn Sänger Bruce Turgon bediente von 1992 bis 2003 dort den Bass und sang im Hintergrund. Der treibende Song geht direkt ins Blut und ist mein nächstes Album-Highlight. Was für eine schöne Nummer...

Zum Schluss wird es nochmal richtig rauh. Die Hardrocknummer Head On Straight erinnert mich ein wenig an Whitesnake. Wobei Sänger Davey Pattison's helles Organ nicht unbedingt an David Coverdale erinnert, der hatte dafür mit Robin Trower zu tun und schon sind wir bei der letzten Nummer das Albums, die ein wenig an Trower erinnert. I'm Not Lying beschließt 10x10 auf sehr entspannte und ruhige Weise. Sänger Gregg Rolie und ein relaxtes Saxophon von Tom Gimbel runden sieben Minuten lang eine Platte ab, die überraschend kompakt und durchgängig hochwertig daherkommt. 

Ronnie Montrose hätte ganz sicher seine Freude daran gehabt. Ich habe sie und empfehle 10x10, es lohnt sich !


Bernd Fischer

Dienstag, 19. September 2017

Black Country Communion - BCCIV



Band : Black Country Communion
Album : BCCIV
Spielzeit : 60:34 Min.
Veröffentlichung : 22.09.2017
Plattenfirma : Mascot Records
Homepage : www.bccommunion.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste :
  1. Collide
  2. Over My Head
  3. The Last Song For My Resting Place
  4. Sway
  5. The Cove
  6. The Crow
  7. Wanderlust
  8. Love Remains
  9. Awake
  10. When The Morning Comes

Schiere Wiedersehensfreude ereilt mich grad in Form der neuen Black Country Communion, schlicht BCCIV benannt. Die Platte erscheint in den nächsten Tagen und dürfte das eine oder andere Freudentänzchen verursachen. Mann, was habe ich mich vor fünf Jahren über Afterglow gefreut und irgendwie auch geärgert. Einerseits ein sehr starkes Album, gleichfalls aber auch Schwanengesang. Die Auflösung der Band wurde verkündet und die gewaschene Wäsche war auch nicht die sauberste. So zürnte Sänger Glenn Hughes, nachdem Joe Bonamassa sich offiziell verabschiedet hatte: Joe ist ausgestiegen und erlaubt uns nicht, den Bandnamen weiterzuführen. Nett, oder? Jason, Derek und ich werden unter neuem Namen weitermachen, sobald die Zeit dafür reif ist.“ Im Frühjahr 2016 dann die ersten Gerüchte über eine Reunion. "Wir bereiten uns auf den Neustart der BCC-Rakete 2017 vor, alle Systeme laufen." hieß es seitens der Band. 

Nun liegt BCCIV in meinem Player und rotiert fleissig vor sich hin. Eine Rückkehr wie Phönix aus der Asche möchte man angesichts des feurigen Coverartwork meinen, doch man glaubt ja in der heutigen Zeit irgendwie nicht mehr an Zufälle. Ob und wie man das Theater um die Auflösung wertet, muss natürlich jeder für sich entscheiden, ich persönlich freue mich sehr über die neue Scheibe. 

Schlagzeuger Jason Bonham zählt die Band standesgemäß ein und eröffnet Collide auf seiner DW-Snare. Was folgt, ist ein fettes Bonamassa-Riff, welches Glenn Hughes gleich am ersten Tag der Arbeiten zu BCCIV einfiel. Die gewaltige Nummer stampft knallhart vorneweg, als wäre die BCC nie weg gewesen. Glenn Hughes ist immer noch gut bei Stimme und erinnert mich phasenweise an Chris Cornell (R.I.P.), was will man mehr ? Stammproduzent Kevin Shirley hat in den East West Studios zu Los Angeles übrigens eine blitzsaubere Arbeit geleistet, die druckvolle Produktion hat mächtig Wumms, so darf ein Rockalbum klingen. 
Nicht weniger kraftvoll, dafür deutlich harmonischer tönt Over My Head aus den Boxen und Glenn Hughes hört die Nummer wegen ihres Ohrwurm-Refrains schon im Radio-Airplay, naja daran habe ich eher meine Zweifel. Dort müsste für meinen Geschmack eher The Last Song For My Resting Place landen, doch unsere Radiolandschaft lässt sowas ja nicht zu. Schade, denn der fast acht Minute lange Song hat es wirklich in sich. Der Gesang von Joe Bonamassa ist ein Genuss, das Wechselspiel zwischen melancholischer Mandoline und feiner Fidel birgt eine gewisse Dramatik. Im Mittelteil der nahezu andächtigen Songstruktur lässt die BCC dann die Muskeln spielen und Bonamassa beschenkt sich mit einem seiner vielen kraftvoll-feinen Soli...ich bin reichlich begeistert.

Wem beim Hören des Songs eine bestimmte Film-Theatralik in den Kopf schießt, darf sich bestätigt fühlen; die Idee hatte Joe Bonamassa, angeregt durch den Kapellmeister der Titanic, Wallace Henry Hartley. Der (und wer erinnert sich nicht daran) verzichtete auf seinen Platz im Rettungsboot und spielte sein Instrument bis zum Tode um die Panik an Deck in Grenzen zu halten. Als er 10 Tage später leblos treibend im Wasser gefunden wurde, klammerte er sich noch immer an einen Lederkoffer, dessen Riemen er sich um den Körper gebunden hatte, kurz bevor das Schiff sank. In diesen Koffer, der ihn vermutlich an der Oberfläche hielt, hatte er ein Geschenk seiner Verlobten Maria Robinson, die Violine, gesteckt. Diese verschwand und geriet in Vergessenheit, bis ein Musiker sie 2006 auf einem Dachboden fand. Die Violine wurde für echt befunden und 2013 für 1,7 Mio.$ verkauft. 

Kitschig oder nicht, angesichts dieser Story, mit der einem Helden und seiner Tat ein würdiges Denkmal gesetzt wird, ist es absolut lohnenswert, sich sowohl den Song als auch dessen Text in Ruhe zu Gemüte zu führen. Joe Bonamassa beansprucht hier den alleinigen Anteil der Lyrics, die ansonsten ausnahmslos von Glenn Hughes stammen. Ich liebe diese vertonten Geschichten und wenn diese denn auch noch derart umgesetzt werden...umso besser.



Nach derartiger Dramatik kehrt die Black Country Communion zurück zur Hausmannskost in Form des Led Zeppelin Gedenksongs Sway, der wahrscheinlich beim Frühstück zwischen Kashmir und Kaffee entstand. Jason Bonham poltert sich mit tonnenschweren Beats in den Vordergrund und klingt irgendwie immer noch wie sein Vater während Derek Sherinian sich vermutlich über einen Mellotron-Sound freut, der einst Physical Graffiti so prägte. Das folgende The Cove schleppt sich anfangs doomig zäh daher und hätte gut auf Ronnie James Dio's Abschiedvorstellung The Devil You Know (Heaven & Hell) gepasst. Glenn Hughes spielt einen satten Basslauf und präsentiert sich gesanglich auf höchstem Niveau. 

Auf Überraschungen wartet man auf BCCIV indes vergeblich, die Frage lautet, wer will die überhaupt ? The Crow knallt in grobschlächtiger Audioslave-Manier vor den Latz und wieder habe ich Chris Cornell vor Augen. Es bleiben meinerseits allerdings eher die getragenen Momente hängen, wie das von Derek Sherinian's prägnanten Keyboardspiel getragene Wanderlust. Wer übrigens mal in der Vergangenheit von Glenn Hughes gestöbert hat und seine Gesangsbeiträge auf dem wunderbaren Phenomena-Album kennt, wird sich bei Wanderlust vielleicht ein wenig daran erinnert fühlen. 

Wieder Led Zeppelin, gleiches Album aber jetzt ist es das Gitarrenriff des Wanton Song. Kann man machen, muss man aber nicht. Jedenfalls haut auch Love Remains ordentlich rein. Glenn Hughes schrieb den Song für seinen verstorbenen Dad, als während der Aufnahmen auch noch seine Mutter verstarb. Schicksal. Ach ja, die Flying Colors lassen ebenfalls grüßen, der Refrain...ach was, ist egal. Eine tolle Nummer ist es allemal und mir ist es egal wer von wem klaut. Awake gestaltet sich als hypernervöse Gitarre-Bass-Drum Frickelei, in der Glenn Hughes den ruhigen Gegenpart innehat. Die vorletzte Nummer hat Charme, zumal Mr.Sherinian sich allerfeinst mit Herrn Bonamassa duelliert. Unbedingt reinhören, bitte ! 

Das Ende eines abendfüllenden Albums ist erreicht und wir finden uns zur Schlußszene in der Loge der Abendvorstellung ein. Tüte Chips in der Hand und ein Bier zwischen den Knien. When The Morning Comes heißt der letzte Akt und Glenn Hughes sieht Parallelen zur letzten Schlußblende des Wizard Of Oz, erwacht gedanklich aus einem Traum und findet sich in seinem trauten Heim wieder, ganz wie einst klein-Dorothy. Ob er dabei die Hacken dreimal zusammenschlägt weiß ich nicht, aber David Sherinian, Jason Bonham, Joe Bonamassa und Glenn Hughes zeigen sich in der bedächtigen Nummer sehr homogen und finden ein würdiges Ende eines an Überraschungen armen, dafür aber mit Momenten gespickten Albums. 


Bernd Fischer

Mittwoch, 13. September 2017

Elles Bailey - Wildfire

Band: Elles Bailey
Album: Wildfire
Spielzeit: 48:26 min.
Plattenfirma: Outlaw Music
Veröffentlichung: 01.09.2017
Homepage: www.ellesbailey.com


WERTUNG: 8,5 von 10

Tracklist:
01. Wildfire
02. Same Flame
03. What If I
04. Barrel Of Your Gun
05. Perfect Storm
06. Let Me Hear You Scream
07. Shake It Off
08. Shakles Of Love
09. Believed In You
10. Howlin' Wolf
11. Girl Who Owned The Blues
12. Time's A Healer (Bonus Track)

Es wird mal wieder Zeit für ein Debüt, dachte ich mir und da kreuzte wahrscheinlich nicht zufällig die Britin ELLES BAILEY meinen Weg. Deren Debüt "Wildfire" ist bereits seit dem ersten diesen Monats auf dem Markt und wird mit Lob nur so überschwemmt. Daher wollte ich wissen, was an dem Blues/Rock/Country Cocktail wirklich dran ist. Unterstützt von vielen namhaften Musikern aus Nashville bzw. Großbritannien (z.B. Gitarrist Chris Leuzinger, der bei ansonsten bei GARTH BROOKS tätig ist und Bassist Mike Brignardello, der seine Saiten bei LYNYRD SKYNYRD zupft) kann ELLES BAILEY auch mich mit Ihrer rauchigen Stimme bezaubern. Glücklicherweise hatte ELLES kein Leben als Kettenraucherin nötig, um diese Stimme zu bekommen, nein eine Lungenentzündung im Alter von drei Jahren ist der wahre Grund dafür. Dazu kommt, dass sich auf "Wildfire" einige richtig gute Nummern verstecken und man nach Ausfällen vergeblich sucht.


Allein der geniale Groove bei "What If I" lässt an endlose Highways, einen Pick-Up Truck und harte Jungs mit Cowboyhut denken. Denn auch wenn vieles irgendwie bekannt vor kommt, hier ist nichts so glatt gebügelt, wie bei manchen Country Veröffentlichungen, bei "Wildfire" ist das komplette Niveau verdammt hoch. Zu meinen Favoriten zählt das an eine Mischung aus TITO & TARANTULA und ELEMENTS OF CRIME erinnernde "Barrel Of Your Gun", welches mich von der ersten Minute an fesselt. Sei es das nun folgende soulige "Perfect Storm" oder der an JOE BONAMASSA entfernt erinnernde Bluesrock wie bei "Let Me Hear You Scream", jeder Song hier hat Klasse. 

Dazu kommt eine völlig lässige Cover-Version von "Shake It Off", welche im Original von Pop Sternchen TAYLOR SWIFT geträllert wird und nun endlich mit so viel Seele intoniert wird, dass es nicht nur mich völlig mitreisst. Nein, jeder, den ich den Song vorgespielt habe, war begeistert. Daher habe ich euch auch das Video dazu unten angehängt. Als dann gegen Ende des Albums noch weitere Perlen wie "Girl Who Owned The Blues" und der balladeske Bonustrack "Time's A Healer" aus dem wilden Feuer auftauchen, ist mein Fazit klar: Mit ELLES BAILEY haben wir eine äußerst ernst zu nehmende neue Stimme im Blues/Rock/Soul/Country Bereich, die hoffentlich noch ganz viele so großartige Alben veröffentlichen wird. Jetzt fehlt zum Glück nur noch eine kleine Clubtour durch deutsche Landen, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
 
Markus



 

Donnerstag, 7. September 2017

Interview with Janet Gardner (Vixen) - english version




We had the chance to interview Janet Gardner for our blog-magazine. Janet talks about her solo-album and her upcoming solo-tour and plans with Vixen. 

 

Q: Are the songs on your first solo album all brand new or are there some songs  left from the Vixen days or were specifically written for a new potential Vixen album?

 

A: Justin and I wrote all of the songs specifically for our project together. There were a few ideas I'd had in my head for the last few years that I wasn't sure whether they would end up being used for Vixen or my solo album. Some of them and ended up on this album and some did not.

Q: How long did it take you to record the album ? Do you have a home studio ?

 

A: This all happened very quickly. We really didn't have any plans. Justin was messing around in the studio and I heard a couple of things that really inspired me. So we just sat down and started exchanging ideas. Within about three months… We had a full albums worth of material written and recorded. We can recorded the whole album in our home studio.
 

Q: Were the songs recorded in the old fashioned way with a band or were files sent/traded over the internet ?

 

A: Justin and I did everything ourselves. We thought of having a few people come in and play a few songs but once we got rolling, we just wanted to keep the momentum going so we kept just doing it all ourselves. As we live together, it was easy for us to just walk downstairs and throw down a few parts here and there.


Q: The album is very diverse – there are some songs that remind me of your past work and some pretty heavy stuff with industrial/Nu Metal influences as well. 
What does Janet Gardner listen to at home?

A: I listen to a little bit of everything depending on my mood. I really like Shinedown, Slipknot, Sixx am, and Halestorm. I also really like some of the European bands that nobody really knows about here in America like Reckless Love, Gotthard, and Hardcore Superstar. I also really like Pink, Life House, and the Pretty Reckless.


Q:  Is there a tour planned to promote the album ?

 

A: Yes! The tour is underway! We just played two shows in Michigan and we start our East Coast run this week. We're also going to do a few shows in Texas and on the west coast of the United States. Hopefully, after that will head across the pond and play a few shows in Europe and the UK.


Q: Your voice is still very strong  and totally  recognizable– how do you train you voice to keep it in shape?

 

A: Thank you! There are a few warm-ups that I do and a few vocal exercises but really not too much. Singing is such a physical thing and it requires full body cooperation… LOL! So I try to keep myself in decent physical shape. The greatest thing ever invented is the in-ear monitor system. That is such an incredible voice saver. When you can hear yourself, it really helps to not blow your voice out. I wish I would've had that back when we were doing 200 dates a year!

Q: The unavoidable question regarding Vixen: The only time I saw you was at Super Rock Festival in 1990 in Mannheim/Germany together with Poison/Aerosmith and Whitesnake among others. I thought you were top notch back then! You did not tour very often in Germany sadly. Do you have memories from this show (good or bad)? 

 

A: Thank you so much! I do remember that show and it was incredible! What a great crowd and an amazing response. We did play quite a few shows in Germany with the Scorpions and Deep Purple. They were all very memorable. German rock fans are the best. They really seem to stick by bands that they like. Here in America, it's sort of "flavor of the month."

Q: Any chances to see you solo or with Vixen in Germany anytime soon ?

 

A: I'm really hoping for both actually… We are currently in talks with our agent to get us over to Europe for my solo project. Vixen has been talking about it forever!..... hopefully they will both happen soon!

Q: Some people feel kinda ashamed when it comes to be reminded of their 80’s days (like Jon Bon Jovi for instance who seems to deny that he was the "King of the Hairbands“ back in those days) . I still love that era to this day. What are your thoughts about the 80’s period? And do you think the Grunge wave was inevitable? 

 

A:  I'm proud to be a part of that time period. There were so many great musicians and great singers that are still around today and I think that that's proof right there that it was a very positive time. Yes I do think that the grunge wave was inevitable. Everything became so oversaturated that people are really ready for something new and different. 
 

 Q: Is it still tough being a woman in the music business (if there is such a business anymore these days) and what are the most significant changes compared to 25 years ago?

 

A: Yes I do think it's still tough. But I do think it's gotten better… Male fans in particular do seem to be a little more open to women invading their boys club! LOL! There is still more pressure for women to have to look good and present a certain image whereas it seems to be much less important for male bands.

Thank you for the Interview Janet !

 

Thank you Martin! I hope to see you in Germany soon!



Martin



Interview mit Janet Gardner (Vixen) - dt.

Exklusives Interview mit Janet Gardner (Vixen)





Exklusiv für unser kleines aber feines Blog-Magazin stand uns Janet Gardner für ein EMail-Interview Rede und Antwort zu Ihrem selbstbetiteltem Solo-Album sowie zu kommenden Aktivitäten von Vixen. Here we go...


Deutsche Version:


F: Hi Janet - sind die Songs auf Deinem ersten Solo-Album alles brandneue Tracks oder sind dabei auch ein paar Überbleibsel von vergangenen Vixen-Tagen oder speziell für ein eventuelles neues Vixen-Album geschriebene Songs?

 

A: Justin (Ihr Mann - Anm. des Verfassers) und ich haben alle Songs speziell für dieses Projekt geschrieben. Ich hatte ein paar Ideen in meinem Kopf über die letzten paar Jahre, bei denen ich mir nicht sicher war ob sie letztlich für Vixen oder mein Solo-Album verwendet werden. Einige der Ideen landeten auf dem neuen Album und manche nicht.

 

 

F: Wie lang hat es gedauert, das Album aufzunehmen. Hast Du ein eigenes Home-Studio?

 

A: Das Ganze geschah recht schnell. Wir hatten keine speziellen Pläne. Justin hat einfach im Studio einiges herumprobiert und ich hörte etliche Sachen, die mich inspirierten. Also haben wir uns einfach hingesetzt und begannen, Ideen auszutauschen. Innerhalb von drei Monaten hatten wir Material für ein komplettes Album geschrieben und aufgenommen. Die Aufnahmen fanden in unserem Home-Studio statt. 


 

F: Wurden die Songs im "altmodischen" Stil mit einer Band aufgenommen oder wurden Dateien im Internet ausgetauscht und verschickt? 

 

 A: Justin und ich haben alles selber gemacht, Wir dachten zuerst daran, ein paar Leute kommen zu lassen und zusammen ein paar Songs zu spielen. Aber als wir dann mal richtig loslegten, wollten wir nur den Moment festhalten und weitermachen also haben wir dann alles selber gemacht. Nachdem wir zusammenleben, war es ein Leichtes für uns, einfach in den Keller ins Studio zu gehen und hier und da ein paar Teile einzuspielen.


F: Dein Album ist ziemlich vielseitig. Einige Songs erinnern mich an Deine vergangenen Scheiben der 80er, andere Sachen sind wiederum recht heavy ausgefallen mit teilweise Industrial/NuMetal - Einflüssen. Was hört Janet Gardner privat zu Hause? 


Ich höre von Allem etwas je nach Laune. Sehr gut gefallen mir z.B.  Shinedown, Slipknot, Sixx A.M. und Halestorm. Ich mag auch etliche europäische Band, die hier in Amerika kaum jemand kennt, wie z.B. Reckless Love, Gotthard und Hardcore Superstar. Mir gefallen auch Pink, Life House und Pretty Reckless.





F:  Ist eine Tour in Planung, um das Album zu promoten?

 

 

Ja - die Tour läuft sogar schon. Wir haben diese Woche gerade erst zwei Shows in Michigan gespielt und starten unsere Konzertserie an der Ostküste. Wir werden auch ein paar Shows in Texas und an der Westküste der USA spielen. Ich hoffe, wir werden dann über den großen Teich jetten und ein paar Konzerte in Europa und UK spielen.

 

F: Deine Stimme ist immer noch sehr kraftvoll mit sehr hohem Wiedererkennungswert. Wie hältst Du Deine Stimme derart in Form ? 

 

A: Danke sehr! Ich mache üblicherweise ein paar Übungen zum Aufwärmen aber nicht allzuviel davon. Singen ist eine wirkliche körperliche Herausforderung und bedeutet vollen Körpereinsatz :) Ich versuche in guter körperlicher Verfassung zu bleiben. Die beste Erfindung ist das "In Ear"-Monitor-System. Das rettet einem wirklich unglaublich die Stimme! Wenn man sich selber hören kann hilft das sehr, sich nicht die Stimmbänder auszupusten. Ich hätte mir gewünscht, das gehabt zu haben, als ich noch 200 Shows pro Jahr gespielt habe!

 

F: Die unvermeidliche Vixen-Frage: Das einzige Mal, dass ich Dich mit der Band sehen konnte, war 1990 beim "Super-Rock" - Festival in Mannheim zusammen mit u. a. Aerosmith, Poison, Whitesnake. Ich fand Euch damals wirklich klasse! Ihr habt nicht allzuoft in Deutschland getourt. Hast Du spezielle Erinnerungen an diese eine Show (gute wie schlechte)?

 

A: Herzlichen Dank! Ich erinnere mich wirklich an diese Show und sie war unglaublich. Was für ein geiles Publikum und tolle Reaktionen! Wir haben mit Deep Purple und den Scorpions einige Shows in Deutschland gespielt. Sie waren alle ziemlich unvergesslich. Deutsche Rockfans sind mit die Besten. Mir scheint es so, als ob sie treu zu ihren Bands stehen, während es in Amerika eher so ist, dass nur immer der letzte Schrei angesagt ist.



F: Wie stehen die Chancen, Dich solo oder mit Vixen auf deutschen Bühnen zu sehen?

 

A: Ich hoffe auf beides! Wir sind gerade in Gesprächen mit unserem Agenten, der uns nach Europa bringen will für mein Solo-Projekt. Was Vixen angeht so reden wir da schon seit Ewigkeiten darüber. Hoffentlich wird beides bald passieren!

F: Mir kommt es so vor, dass es einigen der "80er Stars" manchmal etwas peinlich ist, wenn sie an Ihre Vergangenheit erinnert werden (wie z.B. Jon Bon Jovi, der partout nicht mehr wahrhaben will, dass er der "König der Hairbands" gewesen ist.).Ich mag die 80er Jahre bis heute sehr. Wie denkst Du darüber ? War die Grunge-Welle unvermeidlich?

 

A: Ich bin sehr stolz darauf, eine Teil dieser Bewegung gewesen zu sein. Es gab damals jede Menge toller Musiker und Sänger, die auch heute noch dabei sind und das alleine ist der Beweis dafür, dass dies eine sehr positive Zeit war. Ja, ich glaube, Grunge war unvermeidlich, da der Markt übersättigt war und die Leute einfach bereit für etwas Neues bzw. Anderes waren.

F: Ist es heutzutage immer noch hart, als Frau Teil des Musikgeschäfts zu sein (sofern ein "Musikgeschäft" überhaupt noch existiert)?Was sind die größten Unterscheide im Vergleich zu vor 25 Jahren?

 

A: Ja ich denke schon, dass es immer noch recht hart ist. Aber es ist durchaus besser geworden. Die männlichen Fans insbesondere sind offener geworden was Frauen angeht, die in ihren "Männerclub" einfallen (LOL). Aber für Frauen besteht immer noch ein immenser Druck, einfach gut aussehen zu müssen und ein bestimmtes Image zu repräsentieren während das bei männlichen Bands eine weitaus geringere Rolle spielt.


Vielen Dank für das nette Interview Janet!

 

Danke Martin! Ich hoffe wir sehen uns bald in Deutschland!